Commonsense schrieb:Er hat international tatsächlich ein weit besseres Standing als zu Hause. Das mag daran liegen, dass er etwas mehr nachdenken muss, wenn er seine Worte in Englisch wählt und deswegen seltener Unsinn raushaut, den er besser nicht gesagt hätte.
Zu Hause macht er keine gute Figur und das war absehbar
Es liegt nicht nur an dem Englisch, das er ganz gut spricht. Er hat außenpolitisch schon bei vielen Dingen, Ländern und Konflikten einen klaren Kompass, macht es insgesamt gut in einer Zeit des Umbruchs, was nicht wenig ist, auch wenn ich mir hie und da noch mehr strategische Weitsicht wünschte (bei OS hatte ich immer den Eindruck, er hat Angst, vor der Weltlage wie vor seiner eigenen Partei), aber ok und ja, seine Schwächen in Sachen Charisma und rhetorisches Mitnehmen wird er wohl nicht mehr kompensieren können und ja, auch, diese Schwächen waren bekannt.
Hm
Commonsense schrieb:Tja, nun will eine neue Regierung sich genau um die Dinge kümmern, die Jahrzehntelang liegen gelassen wurden und dafür werden sie erst richtig abgelehnt - finde den Fehler!
interessanterweise hattest Du das selbst schon so beantwortet.
Commonsense schrieb:Leider wird das nicht passieren, weil die unpopulären Maßnahmen, auch wenn sie hundertmal richtig sind, bei den Menschen zu Ablehnung führen, die nur von 12:00 bis zum Schlag denken
Da würde ich mitgehen. Ich würde es eher so ausdrücken, einerseits wollen die Leut, dass das Land wieder voran kommt, andererseits bekommt man den Eindruck auch, die Leut wollen mehrheitlich keine Reformen. Und nu ja, das ist dann ein Problem, für jede Regierung.
Klar, Schröder hatte Reformen seinerzeit gemacht, aber das war auch ne andere Zeit, da waren in der Oppo eine kleine Linke und Union/FDP, die jedenfalls bei den wirtschaftspolitischen Reformen nicht dagegen bremsten (das stürzte dann die SPD in eine Sinnkrise, aber das ist wieder ne andere Geschichte). Heute sind da im BT in der Opposition zwei scharf populistische Etatistenparteien (Wir wollen nicht weniger, schrie AfD Tillschneider beim LSA Wahlkampf in ein Mikro, sondern mehr und einen ganz anderen Staat, beim weiteren was ich da hörte, dachte ich, da ist nicht nur ein Dachschaden, da ist der ganze Dachstuhl abgebrannt) und als ernste Opposition Grüne, die freilich nicht so recht zu wissen scheinen, in welche Richtung sie wollen. Da ist dann auch Führung schwieriger als zu Zeiten eines Schröder.
Seis drum, dazu noch, also zum Thema
Fellatix schrieb:Auch europäisch schwer zu vergleichen (mit anderen Populistenparteien), mit Ausnahme vlt noch der FPÖ (die 2 tauschen sich ja auch aus).
Historiker Volker Weiß sprach dazu am Wochenende in der FR, sah das erst jetzt. Denke, das passt ganz gut.
Was macht die AfD in Sachsen-Anhalt so stark? Ist es auch ihre Rolle als vermeintliche Kümmererpartei?
In Sachsen-Anhalt greift etwas, worauf ich schon lange hinweise: Die AfD orientiert sich stark an der österreichischen FPÖ. Sie lässt sich von österreichischen Rechten beraten, und es gibt Personal, das dort politisch geschult wurde. Ulrich Siegmund hat für meine Begriffe sehr deutlich eine Provinzvariante von Jörg Haider gegeben: dieses Dauergrinsen, das demonstrative Ausstrahlen von Optimismus, das dann jederzeit in eine aggressive Performance und inhaltliche Radikalität umschlagen kann. Das ist eine Art Gute-Laune-Radikalismus, den schon Haider beherrschte.
Quelle:
https://www.msn.com/de-de/allgemein/allgemein/historiker-wei%C3%9F-afd-geh%C3%B6rt-zu-den-radikalsten-rechtsparteien-europas/ar-AA2c1JYpEin Teil von mir wünschte mir da fast, dass es der Siegmund in Sachsen-Anhalt macht, nicht nur um dann zu sehen, wie und wie oft er auf die Nase fällt, sondern auch für den Gegensatz zwischen Frau Apokalypse-Weigel und Herr Gute-Laune-Siegmund, wie das dann zusammengehen würde und ob überhaupt, also ob man den Gegensatz dann nicht auch zerschießen könnte bzw. ob der Gegensatz sich dann nicht selbst zerschießt.
Freilich auch, mein Eindruck bleibt so weit, er will es gar nicht machen, der Herr Siegmund. Da dreht er doch lieber weiter seine Videos, an der Polit-Tiktokisierung und am Hauptziel der Zerstörung der CDU.
Das fand ich da auch interessant, im Interview
Was meinen Sie mit einem „technischen Demokratieverständnis“?
Demokratie wird dann gewissermaßen als eine politische Betriebsform unter mehreren angesehen. Wenn der Motor stottert, probiert man eben eine andere aus. Ich persönlich verlängere diese Entwicklung historisch weiter zurück und glaube, dass dabei auch preußische Traditionen eine Rolle spielen. Man sollte deshalb auch fragen, welche Seiten der DDR heute positiv erinnert werden. Die AfD bespielt ganz gezielt nostalgische Momente – insbesondere die ordnungsstaatlichen Elemente. Und die DDR hatte durchaus preußische Seiten, auf die sie teilweise sogar stolz war. Mir ist deshalb die Erklärung zu einfach, alles nur auf die DDR zurückzuführen. Manche Traditionen reichen weiter zurück.
Und das
Björn Höcke spricht davon, im Osten lebten die „wahren Deutschen“, während die Westdeutschen gewissermaßen amerikanisiert seien. Hat dieses Bild politische Wirkung?
Das sind Klischees, die bewusst abgerufen werden. Problematisch wird es, wenn Menschen anfangen, sich mit ihnen zu identifizieren. Die AfD redet Ostdeutschen seit Langem ein, sie seien die „wahren Deutschen“ geblieben. Das gehört zu einer sehr obskuren Ostalgie. Die DDR wird dabei als migrationsfreier Raum dargestellt, was schon historisch falsch ist, und zugleich als Hort der letzten authentischen Deutschen. Das ist auch deshalb historisch amüsant, weil man noch unter Adenauer der Sowjetunion vorgeworfen hat, die Deutschen in der DDR gewissermaßen zu „Asiaten“ zu machen. Heute hat sich diese Erzählung komplett gedreht.
Quelle:
https://www.msn.com/de-de/allgemein/allgemein/historiker-wei%C3%9F-afd-geh%C3%B6rt-zu-den-radikalsten-rechtsparteien-europas/ar-AA2c1JYp