Optimist schrieb:Was tut das zur Sache
Ja, komisch, nicht?
Und? was erwartest Du, hängt an der Beantwortung ab für die Frage, obs mythisch ist? Bei der Turmbaugeschichte zum Bleistift, da wimmelts überhaupt nicht von Detailangaben, nich ansatzweise. Ein Turm, und geplant bis an den Himmel. Anders bei den Detailangaben, anders in Sachen mythisch vs. historisch??? Oder worauf willst Du hinaus mit der Details-Frage? Erklär doch mal.
Optimist schrieb:Wie ist es bei dem Heiligtum?
Wenn Du Dir in 2.Mose30-35 und 35-40 nur mal den Aufbau des Zeltheiligtums ansiehst (ok, ansehen würdest), würde Dir auffallen (wenn Du die Texe in 2.Könige dazu kenntest), daß das je nach Übersetzung Stiftshütte, Offenbarungszelt oder Zelt der Begegnung genannte Dingens den selben Aufbau, ja sogar die selben Maße hat wie der salomonische Tempel. Und den selben Aufbau mit Heiligtum und Allerheiligstem.
Ja gut, könnt man sagen, habense halt den späteren Tempel schon vorweggenommen, ist ja der selbe Gott. Dumm nur, daß Tempel im Alten Orient ziemlich unterschiedlich aussehen. Ägyptische Tempel, mesopotamische Tempel, deutlich anderer Aufbau, wiewohl es innerhalb der eigenen Kultur natürlich auch gleiche Aufbauten gab. Und der Salomonische Tempel? Der immerhin hat Parallelen im Land Kanaan. Und zwar mit phönizischen Tempelbauten in Form eines Langhauses (in südlichen Kanaan, also wo Israel sitzt, war der Breithaus-Tempel in). Ein phönizischer Tempelschnitt? Klar, Salomo hat ja auch extra phönizische Bauleute des Königs von Tyrus Hiram I. angeheuert. Klar entstand da ein Tempel nach phönizischem Schnittmuster.
Dann aber ist der phönizische Tempelschnitt ein zufälliges, geradezu anrüchiges Ergebnis aus Salomos Laune heraus. Wieso tauchen dann aber der selbe Tempelgrundriß, die selben Tempelmaße (OK, außer der Höhe), schon beim Zeltheiligtum auf?
Ganz einfach! Wer die Mitteilungen zu den kultischen Anordnungen und Ausführungen am Gottesberg unter Mose verfaßte, der kannte den Jerusalemer Tempel und nahm ihn in Gedanken als Vorlage, die Gschicht von Anordnung und Ausführung des Baus jenes mobilen Wüstenwanderheiligtums zu kreieren.
Deswegen dann auch der volle Ornat des Hohepriesters mit Ephod, Edelstein und Troddeln hie, da un' dort, ferner Schaubrottisch, Leuchter, Altar, Vorhof, Bundeslade, alles mit Details wie Maß, Material, Verzierung. Selbst die kanaanäischen Tempelcheruben werden schon gebastelt (in der Schulderung). Eben weil der Erzähler die so kennt. Und so wird auch die Holzlade nicht nur ausgemessen, sondern ordentlich mit Gold und Ornamenten verziert, und sie erhält einen massivgoldenen Deckel mit Cherubimfiguren oben auf. Dabei ist die Lade in 5.Mose10,1-5 einfach nur aus Holz, wahrscheinlich hat sie nicht mal einen Deckel. Wer in 2.Mose die üppige Verzierung beschreibt, der beschreibt ein späteres Ladeaussehen. Wohl das der Lade kurz vor ihrer Zerstörung beim Untergang Judas - wenn nicht gar nur einen überhöhten Wunschtraum der bereits zerstörten Lade, mit beschriebener Vergoldung und Verzierung, die ihr nach Meinung des Verfassers zwar zugestanden hätte, sie historisch aber gar nicht besessen hat.
Auf jeden Fall zeigen zahlreiche Details, daß bei der Wiedergabe der Wüstenzeit ne Menge Sachen erzählt werden, die erst sehr viel später Realität waren, die der Verfasser also aus seiner eigenen Zeit kannte (oder in seiner Zeit dachte / wünschte).
Übrigens, es sind ausgerechnet priesterliche Texte, die so mit Detailreichtum daherkommen. Denk auch nur mal an die Beschreibung des künftigen Tempels beim Jerusalemer Priester Hesekiel aus seiner Vision im Babylonischen Exil. Oder schau Dir die ausufernden kultischen Gesetze der Thora an. Besonders bei denen gehts bei den Sonderfällen und Einzelfakkberücksichtigungen manchmal vom Hundertsten ins Tausendste. Diese Art Tiere darfst Du essen, sie gelten als rein. Sollte so eine Tierart aber noch jenes Merkmal aufweisen, dann seien sie Dir unrein. Nur im Falle XY nicht, wenn auch noch Merkmal Z hinzukommt. Der Klippschliefer (Luther: Hase) käut wieder, hat aber keine gespaltenen Klauen, also isser unrein. Vom Hundertsten ins Tausendste, penetrant penibel, detailreich, priesterlich.
Zahlreiche Texte in den Mosebüchern sind theologisch sowie sprachlich deutlich zusammengehörig und unterscheiden sich sprachlich wie z.T. theologisch ebenso deutlich von weiteren Texten dieser Bücher. In diesen Texten werden zudem immer wieder priesterliche Belange berücksichtigt, weswegen man diese Textgruppe auch die "Priesterschrift" nennt. Und ein weiteres sehr typisches Merkmal? Klar! Die Detailwut.
Während der nichtpriesterschriftlich verfaßte Kainitenstammbaum einfach nur die Namen der Kainsnachkommen als Vater-Sohn-Folge wiedergibt, ggf. noch Infos zu Beruf oder ner Großtat gibt, findet sich beim priesterlichen Stammbaum der Sethiten das Alter der Väter bei Geburt des ersten Sohnes, die Lebenszeit von da bis zum Tod, sowie die Gesamtlebensdauer. Und die Sätze sind so dermaßen gleichgebildet. So auch später bei der Semitengenealogie nach der Flut.
Apropos Flut. Auch da gibt es neben sog. "jahwistischen" Textpassagen auch priesterschriftliche Passagen (weswegen es im Sintflutbericht auch so viele Doppelungen gibt, daß also der selbe Ereignisabschnitt mehrmals erzählt wird (wiewohl immer mal etwas anders)). Und ja, die Archenbeschreibung mit den vielen Details, die erweist sich auch an sprachlichen Merkmalen als priesterschriftlich. Ebenfalls zu den priesterschriftlichen Passagen gehören die Datumsangaben, an welchem Tag in welchem Monat des soundsovielten Jahres des Noah es zu regnen anfing, es zu regnen aufhörte, das W"asser sank, das Wasser vom Festland vollständig fort war (1.1.601, siehe oben ersten Spoiler), dann schließlich sogar der Boden selbst trocken war (27.2.601, s.o.).
Penetrant, penibel, priesterschriftlich.
Warum also sind 1) bestimmte Stories in der Bibel so detailreich, und was 2) sagt das über mythisch/historisch des geschilderten Ereignisses aus?
1) Daß es sich um nen priesterlich kontaminierten Text handelt, und 2) Nichts.