UffTaTa schrieb:Ich habe mich eh schon gefragt warum es keine Tragflächenboote mehr gibt. In den 60ern waren die der letzte Schrei und voll in Mode
Tragflächenboote waren nie ganz verschwunden, ihr Hauptnachteil ist aber der hohe Tiefgang in Ruhelage - das funktioniert in vielen Binnenhäfen und auf vielen Flüssen nicht, wo normale Rümpfe noch problemlos zurechtkommen. Die Personenschiffahrt braucht dafür eher breite, entsprechend flache Unterwasserschiffe ohne hervorstehende Anhänge.
Der Nachteil von Tragflächenbooten auf dem Meer ist dann wiederum ihr kaum berechenbares Verhalten im starken Seegang, denn in Tragflächenfahrt soll der Hauptrumpf möglichst konstant oberhalb der Wellen bleiben. Zu hohe Wellen bedeuten dabei auch, dass das Boot garnicht erst "freikommen" kann.
Entweder fährt man mit Tragflächen auf dem Meer also nur bei möglichst gutem, windstillen Wetter, oder muss die ganze Konstruktion übermäßig hoch und stabil machen, was wieder andere Nachteile hat. In Normalfahrt erzeugen die Anhänge unterm Rumpf dann so viel Widerstand, dass aus dem Vorteil ein übergroßer Nachteil wird (Geschwindigkeit, Verbrauch).
Generell gilt aber auch: Um überhaupt auf die Tragflächen zu kommen, braucht so ein Boot abartig viel Leistung.
Wenn es dann erstmal fährt, sieht das zwar wieder anders aus, aber zumindest bei konventionellen Antrieben bedeutet das immer auch deutlich höhere Kosten, Gewichte, Platzbedarfe. Ein Tragflächenboot wird also in erster Linie schon teuer, bevor es überhaupt fährt.
Dagegen gilt gerade im Schiffsverkehr auf mittleren und langen Strecken, dass sich weniger Geschwindigkeit und/oder größere Wasserlinienlänge beim Vebrauch überproportional bezahlt machen: Eine typische, kleine bis mittelgroße Privatyacht, die bei Vollgas nicht ganz ins Gleiten kommt, verbraucht dabei gut das Zehnfache gegenüber ihrer idealen Reisegeschwindigkeit und frisst den Vorteil der kürzeren Reisedauer dann durch die nötigen Tankpausen wieder auf.
Das heißt aber auch: Legt man so ein "Zubringer- und Reiseboot" von Anfang an darauf aus, einen Geschwindigkeitsgrad ("Rumpfgeschwindigkeit") von ca. 5 oder noch besser 3,5 nicht zu überschreiten, kommt man mit einem Bruchteil der Antriebsleistung und des Verbrauchs zurecht. Außerhalb der Spaß- und Sportbootwelt sind deshalb die Betriebskosten weitaus interessanter, als die Geschwindigkeit.
Ein Schlüssel zur Kostenersparnis auf langen Strecken im offenen Meer ist nach wie vor der Wind. Erste Umsetzungen in der Art sehen wir ja seit einigen Jahren wieder. Für die küstennahe Personenschiffahrt lohnt sich das natürlich aus verschiedenen Gründen nicht.