gusti schrieb:Ich halte es nach wie vor für höchst unwahrscheinlich, dass eine 26jährige fitte Frau sich entlang eines gut markierten und befestigten Wanderweges im nicht alpinen Schwarzwald derart verirrt, von der Strecke abkommt und dann irgendwo aufgrund eines Unfalls unbemerkt liegen bleibt, dies ohne jemals mit ihrem Telefon um Hilfe gerufen zu haben, obwohl dieses sogar noch bis abends Internetempfang hatte.
Das sehe ich auch so.
Was man aber glaube ich bedenken muss, dass sie mehrere Dinge doch recht unkonventionell anging, z.B. das Handy - das hätten einfach die meisten Leuten (Powerbank hin oder her) einfach zur Sicherheit nochmal auf 100% geladen.
Auch die recht späte Aufbruchzeit zieht sich wohl durch.
Basierend auf dem, was wir nun wissen: Ich halte es für möglich, dass eine 26jährige fitte Frau gesundheitlich Probleme bekommt, dabei meine ich nun nicht mal einen Schlaganfall, Herzinfarkt oder ähnliches (wobei das natürlich auch möglich wäre), da reicht finde ich schon eine Kleinigkeit, z.B. eine schmerzende Blase, Kreislaufbeschwerden, Menstruation mit Problemen, Scheuerstelle, also Dinge, mit denen sich viele Leute im Alltag mal rumschlagen. Da reicht ja bei manchen auch, wenn am Vortag das Wasser ausging oder knapp wurde und man mal kurz dehydriert war.
Eventuell war die Strecke zum Edeka auch ein Test, ob es besser wird. Also ungefähr so: Morgens der Plan, den E6 zu wandern, dann aber gemerkt, "Mist, mir ist irgendwie ein wenig schummrig". Viele Leute würden vermutlich frühstücken, sich nochmal eine Stunde hinlegen, einfach mal abwarten .... Eventuell hat sie dann überlegt: Ich gehe zu Edeka und kaufe mir was mit Zucker (Smoothie, Kekse) und schaue auf dem Weg dorthin, ob es mir dann besser geht, wenn ich mich bewege, wenn nicht, dann bin ich immerhin im Ortskern an einer Bushaltestelle. Dann trinkt sie irgendwo den Smoothie, telefoniert mit ihrem Freund, schaut, ob sich der Kreislauf bessert. Das würde das erklären.
Wie geht es dann weiter? Zwei Möglichkeiten: (a) sie beschließt "hat heute keinen Wert" und trifft ihren späteren Mörder. Dafür würde die geringe Anzahl an Sichtungen sprechen.
Oder (b). Sie läuft mal los. Ungewöhnlich ist ja, dass für den Abend keine Übernachtungspläne bestanden (von denen wir wissen). Eventuell fehlt uns da aber ein Puzzlestück. Vielleicht hat sie sich auch überlegt: "Ich bin nun so spät dran, dass sich ein Hotelzimmer in Wehr nicht mehr lohnt". Eventuell die Idee, spät loszulaufen und die Nacht wild im Zelt zu campen. Allerdings, das haben wir ja schon ausgiebig diskutiert, dann der Nachteil, dass man halt noch eine Dusche braucht, v.a. nach dem Wandertag und das am nächsten Tag dann irgendwo (Freibad, etc.) machen muss. Ist auch nicht jedermanns Sache, knapp zwei Stunden ungeduscht Bus zu fahren. Oder sie läuft mal los, unsicher, ob sie die 22km packt. Eigentlich will sie ja. Daher probiert sie es .... Da können wieder zwei Sachen passiert sein: Die Kreislaufprobleme werden nach einiger Zeit schlimmer, sie versucht, die Wanderung abzubrechen und verunfallt auf der vermeidlichen Abkürzung zur Straße. Dann liegt sie einfach noch da und wurde noch nicht gefunden. Oder sie campt auf der Hälfte des Weges. War nicht so geplant, aber 22km waren nicht drin. Jemand beobachtet das und "schlägt zu". Dafür würde sprechen, dass das Handy nochmal kurz im Netz ist.
Dafür würde die fehlende Buchung sprechen, also "Mir geht es heute nicht so gut, keine Ahnung, ob ich noch in Wehr ankomme oder einfach früher abbreche. Es gäbe ja ein paar Ausstiege." Daher auch kein Vorbuchen. Komme ich nicht in Wehr an, brauche ich kein Zimmer in Wehr. Dann bin ich mittags beim Auto finde ich 100% was. Mit dem Zelt bin ich flexibel. Zur Not lege ich mich nach 11km in den Wald und wandere am nächsten Morgen früh los. Oder sie plante, einfach jemanden (Bauern, ...) zu bitten, ob sie da Campen kann. Eventuell kam sie da zu Schaden. Oder sie plante, einfach nochmal an einem der Campingplätze anzurufen, wenn es klarer war: "Hey, war die Woche schon mal da, ich verspäte mich, würde spät abends kommen, leise mein Zelt aufbauen, wenn niemand mehr da ist, am nächsten Morgen bezahlen. Geht das klar?". Da sie diese Alternativen hatte, hatte sie auch keine Dringlichkeit und konnte es einfach mal probieren.
Was ich auch überlegt habe: Sie hatte bei der Hinfahrt ja über eine Mitfahrzentrale ein paar Leute im Auto. Passte zu ihr, sie mochte Leute um sich herum, man verdient nebenher noch Geld. Warum hat sie das für die Rückfahrt nicht gemacht (zumindest nach meinem Kenntnisstand, korrigiert mich sonst bitte)? Eventuell doch, weil das Ende etwas offen war. Sie war sich unsicher, wann sie letztendlich loskommt. Sie wollte das Ende irgendwie offen lassen, oder irre ich da?
Schwer tue ich mich nach wie vor mit der Vorstellung, dass sie zufällig ihren Mörder traf (ohne digitale Spuren), der zufällig mit dem Auto unterwegs hatte, Zeit und Infrastruktur hatte, einen Mord beging und dann nie wieder auffällig wurde. Irgendwie sehr viele Zufälle. Was ich mir aber vorstellen kann: Sie wanderte los und jemand wurde auf sie aufmerksam. Bei der Gepäckmenge war klar, dass sie den gesamten Schluchtensteig laufen wird. Sie wird beobachtet, man merkt, okay, sie ist alleine auf dem Trail. Da weiß ich ja dann, mit was ich ein paar Tage später rechnen kann, Strecke ist klar ...