wobel schrieb:Bin gespannt wer da das Plädoyer halten wird...
Es dürfen beide ein Plädoyer halten, wenn sie wollen.
Tiergarten schrieb:Das mag ja durchaus so sein. Aber ich frage mich, was denn die Alternative ist.
Wenn Gina H. weiter schweigt und die Anwälte so defensiv bzw. unfähig bleiben im Bestreben, den Beweisen/Indizien etwas wirksam entgegen zu setzen, geht der Prozess für die Angeklagte unweigerlich den Bach runter.
Ich denke nicht, dass das Unfähigkeit ist. Es ist ja so, dass ein Zeuge nach dem anderen auftritt und seine Eindrücke schildert. Wenn der Richter fertig mit fragen ist, dürfen die anderen Prozessbeteiligten ihre Fragen stellen. Als Verteidiger macht es da natürlich Sinn sorgfältig nachzuhaken, um herauszuarbeiten, was der Zeuge z.B. wirklich gesehen hat und wieso er etwas in eine bestimmte Richtung interpretiert hat.
Allerdings macht das ja eigentlich der Richter genauso. Der will mit seinen Fragen ja auch herausfinden, wie er die Aussage eines Zeugen zu bewerten hat. Wenn der Richter schon gut gefragt hat, brauchen auch die Verteidiger keine Fragen mehr zu stellen, aber StA und Nebenklage ja auch nicht.
Ich glaube, wir haben da alle irgendwie falsche Erwartungen an das Auftreten eines engagierten Strafverteidigers, die durch amerikanische Gerichtsfilme und v.a. durch diese Nachmittagsgerichtsshows geprägt sind. Da zerpflücken die Anwälte des Angeklagten einen Zeugen - und am liebsten, wohl der Dramatik geschuldet, den letzten geladenen Zeuge - derart, dass das ganze Geschehen plötzlich in einem völlig anderen Licht zu sehen ist und sich entweder der Kläger oder aber dieser letzte Zeuge als der wahre Täter herausstellt.
In amerikanischen Prozessen ist es ja tatsächlich so, dass Zeugen entweder von der Anklage oder von der Verteidigung benannt werden. Die berufende Seite darf dann den Zeugen zu erst befragen und versucht so zu fragen, dass die gewünschte Aussage möglichst deutlich und möglichst beeindruckend zum Vorschein kommt. Danach nimmt sich die Gegenseite den Zeugen vor und versucht, seine Aussagen und oft auch seine Glaubwürdigkeit zu torpedieren.
So läuft es in deutschen Prozessen nicht, deshalb kommen uns die Fragen der Verteidigung vielleicht sehr lasch und zahnlos vor. Es ist halt nicht ihre Aufgabe, einen Zeugen zu diskreditieren oder seine Aussage ins Wanken zu bringen.
Und was sollen sie zu all den verräterischen Text- und Sprachnachrichten, die GinaH netterweise den Ermittlern überlassen hat, schon groß sagen? Denrn ist auch klar, dass die so aussagekräftig sind, dass sich jeder sein eigenes Bild machen kann und jeder Versuch einer Umdeutung sicher nicht gut ankommen würde - weder bri den Richtern noch bei den Journalisten.
Ich bin auch gar nicht sicher, ob wir über die Ticker überhaupt alle Aktionen und kritischen Rückfragen der Verteidigung mitbekommen. Für mein Gefühl sind die meisten Journalisten - ähnlich wie wir hier - schon von der Schuld der Angeklagten überzeugt. Das mag die Berichterstattung durchaus recht einseitig einfärben und die Aktivitäten der Verteidiger werden tendenziell als recht hilflos dargestellt, manchmal sogar etwas zynisch belächelt ( wie etwa das Bild von Rücker mit seinem blauen Müllsack voller Kinderklamotten).
Ob sie wirklich so passiv sind, wie wir es nach dem Lesen der Ticker meinen, kann ich nicht beurteilen.
Ich hab ja schon mal geschrieben, dass ich diese zusammenfassenden Statements von StA und Verteidigung am Ende jedes Prozesstages etwas seltsam finde und den Sinn nicht ganz verstehe. Da klopft sich jede Seite selber auf die Schulter und versichert sich (und der anwesenden Presse..
), wie gut der Tag für sie gelaufen ist?
Da kommt es mir auch immer so vor, als wenn die Verteidigung keinen Blumentopf gewinnen würde.
Ich denke, dass den Verteidigern klar ist, dass Gina H verurteilt werden wird, die Indizienlast ist zu erdrückend. Zumindest was die Frage nach Motiv und Gelegenheit angeht: das Motiv wird durch GHs eigene Worte in hunderten von Nachrichten belegt und ihre Anwesenheit an Fabians Wohnung und am Tatort durch Bilder und Zeugen.
Wer der Täter ist, steht also ziemlich außer Frage. Vielleicht könnten sie versuchen, im Plädoyer die Heimtücke wegzureden, aber dann bleiben immer noch die niedrigen Beweggründe sls Mordmerkmal, die man eben aus GinaHs Motiv erkennen kann. Insofern dürfte Ihnen klar sein, dass sie auch den Mord nicht zum Totschlag runter diskutieren können.
Ich denke, sie werden das ihrer Mandantin auch ausreichend erklärt haben.
Ich glaube nicht, dass GinaHs Einlassung ein Move der Verteidigung ist, sondern dass sie drauf bestanden hat. Jetzt hat sie endlich mal die ganz große Bühne (von wegen Angst vor Menschen....!), auf der sie ihren großen "Drama, Baby, Drama!"-Auftritt hinlegen kann. Wie gesagt, ich bin mir nicht sicher, ob sie nicht einfach denkt, sie müsse nur ein bisschen labern, um den Richtern zu erklären, dass jedes einzelne Indiz Quatsch ist. Auch wenn ihre Anwälte 10x versucht haben, ihr zu erklären, dass das so bei Gericht nicht funktioniert. Ihre Lebenserfahrung sagt halt was anderes, da hats ja meist geklappt, die Leute mit neuen Storys zu bequatschen .