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Der Mordfall Weimar

3.584 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Mord, Doppelmord, Kindermord ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Der Mordfall Weimar

27.05.2021 um 19:35
@AgathaChristo

Manchen geht die Partnerliebe über die Kinderliebe. Ich selbst kann das auch nicht nachvollziehen, aber ja - leider zeigt die Welt da draußen, das sowas möglich ist.
Aber HIER denke ich, wie gesagt, das es sich um eine Kurzschlusshandlung hielt. Sonderlich gut geplant war da nichts, keine Alibis, keine glaubhaften Geschichten, während sie sich bei der Vergiftung lange nicht so blöd angestellt hat. Da ziehe ich die Linie, in ihrem Fall, zwischen geplant und ungeplant.


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27.05.2021 um 20:23
Zitat von Foxy.VapianoFoxy.Vapiano schrieb:Sonderlich gut geplant war da nichts, keine Alibis, keine glaubhaften Geschichten, während sie sich bei der Vergiftung lange nicht so blöd angestellt hat. Da ziehe ich die Linie, in ihrem Fall, zwischen geplant und ungeplant.
Wenn die Tötung ungeplant als Affekt Kurzschlusshandlung von ihr verursacht wurde, dann hätte sie auch einen Gutachter in Anspruch nehmen können, der ihr verminderte Schuldunfähigkeit zugesprochen hätte?

Sie hat ihre Schuld immer abgestritten und ihren Mann beschuldigt.
In den langen Jahren ihrer Inhaftierung hätte sie sich schuldig bekennen können. Damals gab es noch keine Sicherungsverwahrung und lebenslänglich sind 15 Jahre, bei guter Führung weniger.

Die sie ja abgesessen hat, ob sie es nun war oder nicht.
Denke, es wäre besser gewesen, sich der Schuld zu stellen. Als bekennende Kindsmörderin hätte man sicher Motive dazu hinterfragt. Dafür sind Gutachter zuständig.
Warum, wieso, weshalb. Das ist nie wirklich zur Sprache gekommen, weil sie sich total in Lügen verstrickt hatte.


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27.05.2021 um 20:27
@AgathaChristo

Wie gesagt, ich denke sie glaubt selbst ihre Lügen.
Vielleicht so ein psychologischer Prozess den wir, an dieser Stelle, mit unserem Denken und der Meinung darüber wie wir handeln würden, einfach nicht nachvollziehen können.


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27.05.2021 um 20:43
Zitat von AgathaChristoAgathaChristo schrieb:Warum, wieso, weshalb. Das ist nie wirklich zur Sprache gekommen, weil sie sich total in Lügen verstrickt hatte
Ich persönlich denke, dass ihr ihr Mann einfach im weg war und sie versucht hat mittels Vergiftung ihn los zu werden. Den Tod der Kinder halte ich tatsächlich für einen Unfall bzw eine Kurzschlussreaktion. Vielleicht dachte sie, es wäre eine weitere gute Gelegenheit den Ehemann loszuwerden, nachdem die Giftsache nicht funktioniert hatte. Irgendwann ist dann allerdings der Punkt erreicht, wo man aus seinen Lügengeschichten selber nicht mehr herauskommt ohne sein Gesicht zu verlieren. Ich denke, dass ihr genau das wiederfahren ist. Der Zeitpunkt war vorbei, wo sie noch die Wahrheit hätte sagen können. Dann bleibt einem nur für den Rest des Lebens mit Lügen zu leben und wie sich gezeigt hat, hat sie damit ja auch viele Anhänger.


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27.05.2021 um 21:16
AgathaChristo schrieb:
Du glaubst doch nicht wirklich, das ein kleiner Kindeskopf bei Abwehr einen Sprung in der Autoscheibe verursachen kann?
Hau mal auf eine Autoscheibe, um da einen Sprung zu verursachen. Das klappt nur mit brachialer Gewalt oder will ich nicht ausschließen, sexuelle körperliche Leidenschaft im Auto, wo Platznot herrscht.
Es handelt sich hier um eine Windschutzscheibe aus dem Jahr 1986. Nicht vergleichbar mit der Beschaffenheit heutiger Windschutzscheiben. Und wie alt der Passat damals war, weiß ich nicht. Vielleicht hatte der noch die einfachen Windschutzscheiben der damaligen Zeit. Also kein Verbundglas oder so was. Man kann sich den Innenraum eines Passat ansehen, indem man unter Google oder einer anderen Suchmaschine eingibt: VW Passat, BJ 1986, Innenraum. Da kann man dann auch sehen, wie die Abstandssituation und der Höhenunterschied zwischen Frontscheibe und Vordersitz ist.

Und war es wirklich ein Sprung oder nur ein geringfügiger, aber dennoch sichtbarer Schaden. Eine Ansicht des Autos kann man ja irgendwo finden. Womöglich im Buch von Petra Cichos (Mordakte Weimar).

Leider kenne ich keinen Link zum Obduktionsbericht zu Melanie. Den muss es aber geben, da hier schon die Rede davon war. Ich meine hier im Forum vor einigen Jahren jedenfalls schon mal gelesen zu haben, dass in diesem Bericht steht, dass Melanie deutlich feststellbare Einblutungen in der Schädeldecke hatte. Falls das stimmt, könnten diese innerlichen Blutungen von einem heftigen Stoß mit dem Kopf an die Windschutzscheibe herrühren. Sie können nicht durch den Wurf, sprich beim Aufprall in die Brennessel passiert sein. Denn da war Melanie bereits tot, so dass keine Einblutungen mehr entstehen konnten.

Kann hier jemand mit dem Obduktionsbericht aushelfen ?


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27.05.2021 um 21:46
Zitat von miltesmiltes schrieb:Leider kenne ich keinen Link zum Obduktionsbericht zu Melanie. Den muss es aber geben, da hier schon die Rede davon war. Ich meine hier im Forum vor einigen Jahren jedenfalls schon mal gelesen zu haben, dass in diesem Bericht steht, dass Melanie deutlich feststellbare Einblutungen in der Schädeldecke hatte. Falls das stimmt, könnten diese innerlichen Blutungen von einem heftigen Stoß mit dem Kopf an die Windschutzscheibe herrühren. Sie können nicht durch den Wurf, sprich beim Aufprall in die Brennessel passiert sein. Denn da war Melanie bereits tot, so dass keine Einblutungen mehr entstehen konnten.
Möglich wäre auch eine Vollbremsung mit unangeschnalltem Kind auf dem Vordersitz und eine folgende Panik/ Kurzschlussreaktion von ihr. Wie soll sie das erklären? Was wird aus dem Sorgerecht? Schon genug Ärger am Hals und dann auch noch das. Jetzt ist einem der Kinder in ihrer Obhut auch noch was passiert....
Denkbar wäre aber auch, dass die Kinder etwas von innen an die Windschutzscheibe warfen zb im Streit ein Spielzeug aus Metall, Schlüssel usw und es daraufhin bei ihr zur Kurzschlussreaktion kam.

Ganz sicher bin ich mir jedenfalls, dass sich an dem vorangegangenen Wochenende für sie die Lage nochmal zugespitzt hat und die nerven wortwörtlich blank lagen, so dass es gar nicht viel brauchte, um vollends die Beherrschung zu verlieren.


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27.05.2021 um 22:41
@Spekulatius666
Unangeschnalltes Kind mit dem Kopf die Windschutzscheibe glaube ich nicht. Da wäre das Verletzungsbild am Kind ein ganz anderes gewesen. Außerdem steht zu bedenken, dass ein Kind wohl eher gegen das Armaturenbrett geflogen wäre.

Mir selbst ist bei relativ geringem Tempo, ca. 40km vielleicht auch etwas weniger, mal ein unangeschnallter Kinderautositz auf dem Beifahrersitz gegen die Windschutzscheibe geflogen. Die Folge war ein, bei vorher völlig intakter Scheibe, ein kapitaler Trümmerbruch. Und das war nicht anno 86, sondern in den 2010er Jahren.


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27.05.2021 um 22:52
@Spekulatius666
Der Sonntag Abend, 3.8.86, ist für mich der Schlüssel zur Tat durch M.W am Montag Morgen.

Ich habe mich immer gefragt, warum M.W ihre Kinder tötete, nachdem sie einen Tag davor mit ihnen noch einen Badeausflug machte.
Ich bin für mich zu dem Ergebnis gekommen, dass Pratt ihr in dieser Sonntag Nacht, gesagt hat, dass er im Oktober zurück in die Staaten gehen wird und zwar ohne sie.

Ich bin also voll bei Dir, dass es am Wochenende, konkret am Sonntag Abend oder in der Nacht, einen Tat-Auslöser gab, Könnte mir vorstellen, dass Pratt, ihr möglicher Weise gesagt hat, dass sogar sofort Schluss sein muss. Vielleicht auch nur deshalb, weil ihn seine Vorgesetzten offensichtlich deutlich die Vorschriften für amerikanische Armee-Angehörigen in Deutschland klar gemacht hatten einschließlich der Konsequenzen, wenn er sich auch weiterhin nicht an diese Vorschriften hält. Demnach war ein Verhältnis mit einer verheirateten deutschen Frau wohl nicht nur unerwünscht sondern ausdrücklich verboten. Pratt hat zudem in einem Spiegel-Interview aus 1997 von Spannungen zwischen ihm und M.W. An diesem Sonntag gesprochen. Den Link habe ich leider gerade nicht präsent.

Ich hatte hier vor einigen Jahren schon mal von einer DEAD END STREET für M.W gesprochen. Nachlesbar in meinem Profil. Damit meine ich, dass in dieser Sonntag Nacht ihre Welt komplett zusammengebrochen ist und sie noch in der Nacht realisiert hat, dass sie ihr Leben erst mal weiter mit R.W wird verbringen müssen. Ich hatte damals deshalb den Gedanken, dass sie nicht nur ihre Kinder sondern auch sich selbst töten wollte, das dann aber nicht hinbekommen hat. Wäre ja ein Szenario wie es immer mal wieder vorkommt.

Für mich ist ein Unfall nicht vorstellbar. Melanie lag am Ende tot in den Brennesseln. Erwürgt und zum Ende hin wohl erstickt. Karola musste sterben, um diese Tat zu vertuschen ? Also erst der Unfall, dann Mord an beiden Kindern mit annschließender Entsorgung statt ins Krankenhaus zu fahren ? Für mich too strange.


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28.05.2021 um 05:32
Zitat von AgathaChristoAgathaChristo schrieb:Kindestötung unter Berücksichtigung der Lebensumstände, wird heute relativ milde verurteilt.

Es gibt Beispiele dafür. Die Frau, die mehrere neugeborene Kinder in Pflanzentöpfe versteckte, sie bekam ca. 8 Jahre Freiheitsentzug. Ihr wurde Alkoholkonsum attestiert, was zu der milden Strafe geführt hat.

Aber damals spielten die Lebensumstände der Eltern noch keine Rolle, es ging mehr darum, den Tod der Kinder zu sühnen.
Hat lange über 3 Prozesse gedauert. Heute wäre sowas nicht mehr möglich
Die Frau, die ihre Babies in Blumenkübeln usw verscharrte, bekam 15 Jahre, wie kommst du auf 8 ? Bei ihr ging es aber auch um Totschlag, nicht um Mord wie im Weimar Fall. Sie saß 10 Jahre ab und kam nach der Verbüßung von 2/3 der Strafe auf Bewährung frei.
Zehn Monate später, am 1. Juni 2006, dem Weltkindertag, wurde Sabine H. wegen achtfachen Totschlags durch Unterlassen (die Tötung von 1988 war nach DDR–Recht verjährt) zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Nun hat sie zwei Drittel ihrer Strafe abgesessen und darf das Gefängnis verlassen
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/mutter-liess-neun-babys-sterben-sabine-h-darf-das-gefaengnis-verlassen/12227414.html

Wie kommst du darauf, daß Kindstötungen heute relativ milde bestraft werden ? Klar kommt es immer auf die Umstände an, jeder Fall ist individuell. Aber was hätte es denn bei MB gegeben, was strafmildernd hätte berücksichtigt werden können ?
Zitat von miltesmiltes schrieb:Und war es wirklich ein Sprung oder nur ein geringfügiger, aber dennoch sichtbarer Schaden. Eine Ansicht des Autos kann man ja irgendwo finden. Womöglich im Buch von Petra Cichos (Mordakte Weimar).
Hier ist der Schaden an der Scheibe zu sehen, aus den Polizei Akten

Beitrag von Maria2017 (Seite 81)
Zitat von miltesmiltes schrieb:Ich meine hier im Forum vor einigen Jahren jedenfalls schon mal gelesen zu haben, dass in diesem Bericht steht, dass Melanie deutlich feststellbare Einblutungen in der Schädeldecke hatte. Falls das stimmt, könnten diese innerlichen Blutungen von einem heftigen Stoß mit dem Kopf an die Windschutzscheibe herrühren. Sie können nicht durch den Wurf, sprich beim Aufprall in die Brennessel passiert sein. Denn da war Melanie bereits tot, so dass keine Einblutungen mehr entstehen konnten.

Kann hier jemand mit dem Obduktionsbericht aushelfen ?
Leider habe ich auch keinen Link dazu, allerdings wird in dem Buch von Petra Cichos darauf eingegangen. Es gab zwei kleine Einblutungen bei Melanie.
Auf der Innenseite der Kopfschwarte einen Querfinger von der Kranznaht, in der Mitte gelegen, eine knapp pfenniggroße mittelgroße Einblutung. Außerdem einzelne, punktförmige mittelgroße Einblutungen in der Kopfschwarte in der Stirngegend und im Schläfenbereich.
Quelle: Mordakte Monika Weimar - Petra Cichos

Zudem fanden sich auf ihrem Tshirt auch Blutspuren. Unter ihren Fingernägeln zudem gelbe Faserspuren, die dem Oberteil von MB zugeordnet wurden.


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28.05.2021 um 09:41
Zitat von Photographer73Photographer73 schrieb:Aber was hätte es denn bei MB gegeben, was strafmildernd hätte berücksichtigt werden können ?
Zumindest heute werden ja umfangreiche psychiatrische Gutachten erstellt, wenn der Angeklagte mitspielt. Ob die Bereitschaft damals bei mw dagewesen wäre und welche Beurteilung herausgekommen wäre, kann man nur spekulieren. Dass sie aus ihrer Sicht unter enormen Druck stand kann ich mir durchaus vorstellen. Ob das gereicht hätte für eine verminderte oder völlige Schuldunfähigkeit kann ich nicht beurteilen.


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28.05.2021 um 09:41
Zitat von quaerere1quaerere1 schrieb:Wo war denn die liebende Mutter? Und mal ehrlich , wenn der RW so fies gewesen wäre und gewaltätig war, wo sind die Zeugen die das bestätigt haben und sie hat in einem Haus mit ihren Verwandten gelebt, warum haben die nicht auf den Putz gehauen oder die Nachbarn?
Statistisch gesehen dürfte es nicht so unwahrscheinlich sein, dass so etwas nicht nach außen getragen wird. Eine räumliche Trennung muss die Familie Böttcher ja aber befürwortet haben. Sonst hätten die RW doch nicht das Angebot gemacht, in eine andere Wohnung zu ziehen.

Es gibt bestimmt sehr viel Fälle als aktenkundig werden In Röhrigshof-Nippe wird es wahrscheinlich auch kein Frauenhaus gegeben haben. Heute ist das Thema viel präsenter und ich vermute, es gibt heute auch mehr Hilfsangebote als damals. Du und ich wüssten, wo wir uns Hilfe holen. Aber kann ich das so ohne weiteres von jemandem der Prägung MBs annehmen? Es ist für mich auch irritierend, dass eine 19-jährige Ende der 70-er Jahre befürchtete, keinen Mann mehr zu finden. Aber vielleicht muss ich hier einrechnen, dass die Bedingungen dort andere waren, wie ich sie kennengelernt habe.

Ich meine, dass Margaretha mal in irgendeinem Beitrag mehrere Zeugenaussagen von Familienangehörigen zitiert hat. Natürlich kann ich auch hier gruppendynamische Prozesse nicht ausschließen, dass zum Beispiel die Situation in einem besonders dramatischen Licht dargestellt wurde, um Empathie für MB zu erzeugen. Aber auch hier hätte es sicher Möglichkeiten, dem auf dem Grund zugehen, selbst wenn man als Kripobeamter skeptisch ist, zum Beispiel bei MB das Einverständnis einholen, den Hausarzt zu befragen, ob er Anzeichen wahrgenommen hat, die das bestätigen. Ich finde das etwas unfair MB vorzuwerfen, dass sie nicht auf diese Idee gekommen ist. Bei MBs Aussagen über den Vormittag des 04.08. haben sie die Angaben schließlich auch überprüft.

KP hat meines Wissens auch ausgesagt, dass er annahm, RW hätte MB geschlagen.

In diesem Fall kann man wohl die Möglichkeit erwägen, dass er durch eigene Beobachtungen selbst auf diese Idee gekommen ist, falls jetzt jemand einwenden sollte, er folge hier lediglich der Version MBs. Beim Sex kommt man sich ja doch in der Regel etwas näher.
In Amerika sind Ärzte übrigens zur Anzeige verpflichtet, wenn sie Anzeichen von Kindesmisshandlung wahrnehmen.

Mir war an Frau Böttchers Buch damals positiv aufgefallen, dass RW in der Zeit des Kennenlernens keineswegs als Unsympathen schildert und sie durchaus auch positives über die Anfänge ihrer Ehe sagt. Ich sage es mal so. Der Alkoholmissbrauch mag ihn nicht zu seinem Vorteil verändert haben.


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28.05.2021 um 10:25
Zitat von Spekulatius666Spekulatius666 schrieb:Zumindest heute werden ja umfangreiche psychiatrische Gutachten erstellt, wenn der Angeklagte mitspielt. Ob die Bereitschaft damals bei mw dagewesen wäre und welche Beurteilung herausgekommen wäre, kann man nur spekulieren. Dass sie aus ihrer Sicht unter enormen Druck stand kann ich mir durchaus vorstellen. Ob das gereicht hätte für eine verminderte oder völlige Schuldunfähigkeit kann ich nicht beurteilen.
Da hast du Recht, aber es gab mehrere Gutachten, eins von dem psychiatrischen Sachverständigen Professor Schumacher und eins von der Psychologin Professor Dr. Müller-Luckmann. Beide waren der Ansicht, daß das Verhalten von MB in der von ihr geschilderten Nachtversion möglich sei - daß sie sich einfach ins Bett legte und nichts tat, nachdem sie die Kinder nachts tot vorgefunden haben will.

In der Beurteilung ging es aber nur darum, ob das Verhalten grundsätzlich möglich wäre, psychologisch erklärbar, aber nicht, ob die Nachtversion der Wahrheit entspricht. Dies betonte Luckmann auch nochmal im Zusatz zu ihrem Gutachten.
Ich (Prof. Dr. Elisabeth M.-L.) weise in dem Gutachten an die Staatsanwaltschaft darauf hin, dass es nicht die Aufgabe eines psychologischen Gutachtens ist, sich zur Glaubwürdigkeit eines Angeklagten zu äußern. Es ist das gute Recht eines jeden Angeklagten, das was ihm zur Last gelegt wird, aus seiner subjektiven Sicht darzustellen. Der psychologische Gutachter ist kein Ermittlungsbeamter.
Zusatz: Um Missverstände zu vermeiden: Wenn etwas vorstellbar ist, bedeutet das selbstverständlich noch nicht, dass es so gewesen sein muss. Ich enthalte mich deshalb auch jeder Wahrscheinlichkeitseinschätzung im Bezug auf diesen oder jenen mutmaßlichen Hergang.
Dieser Zusatz war wichtig um klarzustellen, daß dadurch nicht die Glaubwürdigkeit der Nachtversion erhöht wird, die ja aus ganz anderen Gründen nicht funktionierte.


Der zweite Gutachter, Prof. Dr. Schumacher, erklärte in seinem Gutachten, daß eine Abspaltung von Gefühlen, bis evt. hin zur Totalverleugnung, vorliegen könnte. So empfand ich pers. auch das Buch von MB. Totalverleugnung, um evt selbst damit klarzukommen.

Eine Schuldunfähigkeit oder zumindest eine verminderte Schuldfähigkeit wurde nicht festgestellt.

Quellen: Mordakte Weimar - P. Cichos


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28.05.2021 um 10:29
Zitat von Photographer73Photographer73 schrieb:Wie kommst du darauf, daß Kindstötungen heute relativ milde bestraft werden ? Klar kommt es immer auf die Umstände an, jeder Fall ist individuell. Aber was hätte es denn bei MB gegeben, was strafmildernd hätte berücksichtigt werden können ?
Das Motiv zur Tötung ihrer Kinder ist immer noch nebulös.
Vehement ihre Schuld nicht eingestehen wollte und sie ihrem Mann anlastete.
Es hätten beide angeklagt und aussagen müssen, um der Wahrheit besser auf die Spur zu kommen.
RW wurde zwar auch beschuldigt, aber reichte wohl nicht auf die Anklagebank.
Finde ich nicht in Ordnung, schließlich war er auch in dieses Drama involviert.


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28.05.2021 um 10:33
Zitat von miltesmiltes schrieb:Ich hatte hier vor einigen Jahren schon mal von einer DEAD END STREET für M.W gesprochen. Nachlesbar in meinem Profil. Damit meine ich, dass in dieser Sonntag Nacht ihre Welt komplett zusammengebrochen ist und sie noch in der Nacht realisiert hat, dass sie ihr Leben erst mal weiter mit R.W wird verbringen müssen. Ich hatte damals deshalb den Gedanken, dass sie nicht nur ihre Kinder sondern auch sich selbst töten wollte, das dann aber nicht hinbekommen hat. Wäre ja ein Szenario wie es immer mal wieder vorkommt.
Ich denk immer wieder über das Motiv nach, auch wenn es für die Verurteilung nicht wichtig war, aber doch für das Verständnis warum die Morde passiert sind.
Der Gedanke des Point of no Return und daraus resultierend ein erweiterter Suizid klingen für mich durchaus schlüssig.


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28.05.2021 um 10:49
Zitat von AgathaChristoAgathaChristo schrieb:Es hätten beide angeklagt und aussagen müssen, um der Wahrheit besser auf die Spur zu kommen.
RW wurde zwar auch beschuldigt, aber reichte wohl nicht auf die Anklagebank.
Finde ich nicht in Ordnung, schließlich war er auch in dieses Drama involviert.
Sorry, aber ich muß gerade echt mit dem Kopf schütteln... Du kannst doch nicht einfach zwei Leute anklagen, zu Aussagen zwingen und dann mal gucken, was dabei rauskommt. Und erst recht kann man niemanden einfach so auf die Anklagebank setzen, nur weil er "involviert" ist, als was denn überhaupt - weil er der Vater war ? Bevor es zur Anklage kommt, gibt es Ermittlungen. Bei RW gab es noch nicht mal etwas, was einen Anfangsverdacht erhärtete. Mit welchen § des Stgb und der StPO willste denn da eine Anklage rechtfertigen ?
Zitat von AgathaChristoAgathaChristo schrieb:Das Motiv zur Tötung ihrer Kinder ist immer noch nebulös.
Vehement ihre Schuld nicht eingestehen wollte und sie ihrem Mann anlastete.
Und das hätte strafmildernd gewertet werden sollen ?


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28.05.2021 um 14:49
Zitat von miwumiwu schrieb:Eine räumliche Trennung muss die Familie Böttcher ja aber befürwortet haben. Sonst hätten die RW doch nicht das Angebot gemacht, in eine andere Wohnung zu ziehen.
Das „Angebot“ kam von der Ehefrau im Sinne von: die Ehe bleibt bestehen, er zieht in die Mansardenwohnung, während sie mit den Kindern und ihrem Freund in der Wohnung wohnt.
Frage: „Traute Ihre Frau Ihnen nicht zu, die Kinder zu betreuen?
Antwort: „Ja, das glaube ich. Im Babyalter war es schwierig. Ab dem zweiten Lebensjahr hatte ich aber damit keine Schwierigkeiten. Es hat sich vielleicht so eingespielt, dass die Kinder bei der Oma oder Uroma schliefen. Meine Frau hat die Sprechanlage immer eingeschaltet, wenn sie außer Haus war. Wenn ich bei der Scheidung Schwierigkeiten machen sollte, so drohte mir Monika, dass sie dann Krankheitsattest beschaffen würde, dass ich gesundheitlich nicht in der Lage bin die Kinder zu betreuen. Sie bot mir an, dass ich oben in die Mansardenwohnung ziehe, die Ehe offiziell bestehen bleibt, sie aber ihren Freund hat. Ich wollte aber nicht. Ich war wie vor dem Kopf geschlagen. Wir haben dann nicht mehr über das Thema geredet. Ich habe bei all den Auseinandersetzungen gesagt, dass ich nicht will, dass der Ami die Kinder kriegt.
Die Wohnung gehörte dem Ehepaar Weimar gemeinsam, aus „Mordakte Weimar“
Ankauf Eigentumswohnung über Bausparvertrag seiner Kali Werke. Kaufpreis 40.000,-- DM.
und der Aussage von ihr vom 28.8.86
Auf Nachfrage antworte ich: „Es war mit Kevin abgesprochen, dass ich weiterhin acht Nächte im Krankenhaus im Monat arbeiten möchte. Ich verdiene zwischen 870,-- DM und 980,--DM monatlich. Kevin ist bekannt, dass mir die Eigentumswohnung zur Hälfte gehört.
Zitat von miwumiwu schrieb:Eine räumliche Trennung muss die Familie Böttcher ja aber befürwortet haben.
Ihrer Familie war bekannt, daß die Ehe ab einem Zeitpunkt X nicht mehr harmonisch war, aber von denen -die ja quasi Zeitzeugen, bzw. direkt am Geschehen waren- hat das keiner so aufgebauscht wie manche hier, oder gar die Polizei gerufen, den RW aus dem Haus geworfen, seine Frau über Nacht in Obhut genommen, etc. …
(Ich will das keineswegs schönreden, aber ein prügelndes Monster schien RW nunmal nicht gewesen zu sein)

Hier einige Zitate aus Mordakte Weimar:

11.8.86 Monikas Mutter Seit mehreren Wochen hat Monika erzählt, dass sie sich scheiden lassen will. Reinhard hat meine Tochter öfter geschlagen. Auch vor den Kindern. Auch meine andere Tochter Brigitte will sich scheiden lassen. (…) Ich habe mich aber in die Probleme der Ehen meiner Töchter nicht reingehängt. Mit Reinhard verstehe ich mich auch. Ich habe ihm aber mal meine Meinung gesagt.
11.8.86 Oma Adele Bis zum Frühjahr 1985 war das Eheleben meiner Enkelin Monika intakt. Erst durch die Krankheit ihres Ehemannes Reinhard hat es Probleme gegeben. Damals fiel der Reinhard plötzlich in seinem Schlafzimmer um. Er war bewusstlos. Meine Enkelin Ursula (Monikas Schwester) und ich haben den Aufprall gehört und sind ins Schlafzimmer. Monika war auch in der Wohnung. Aber sie konnte alleine nichts ausrichten. (…) Im August 1985 passierte die gleiche Sache nochmals. Der Reinhard brach wieder beim Aufstehen zusammen und war bewusstlos. Er kam erneut in das Krankenhaus Fulda, wo er auch das erste Mal war. Letztmals brach der Reinhard im Oktober 1985 zusammen. Er ist früh gegen 5.00 Uhr zur Arbeit gegangen, kam aber bereits vor 5.30Uhr zurück. Er wurde von Ursula (Schwester von Monika Weimar) angetroffen, als er bei ihr klingelte. Sie ließ ihn in seine Wohnung, wo er dann zusammenbrach und ohnmächtig wurde. Vermutlich hatte er die falsche Klingel gedrückt, denn Monika war ja auch zu Hause. Diesmal wurde festgestellt, dass in seinem Urin Reste von Tabletten vorhanden waren. Reinhard beschuldigte Monika, dass sie ihm die Medikamente verabreicht hätte. Wie und in welcher Form, hat er nicht gesagt. Reinhard war dann seit diesem Zeitpunkt sehr aggressiv zu Monika. Er hat sie öfters geschlagen und immer wieder die Vorwürfe mit den Medikamenten gemacht. Das Verhältnis zu Melanie und Karola hat sich jedoch nicht verändert. Er war zu beiden Kindern immer gut. Allerdings hat er die Karola bevorzugt. Er hing etwas mehr an ihr.Durch das aggressive Verhalten von Reinhard, hat sich die Monika dann einen Freund genommen. Sie haben aber weiterhin im gleichen Schlafzimmer geschlafen.
11.8.86 Schwager Jürgen Ich bin der Ehemann von Monika Weimars Schwester Ursula. Der Freund von Monika, der Ami, war gestern hier im Haus. Außerdem erinnere ich mich, dass vor etwa drei Monaten die Monika mit dem Ami morgens um 4.00 Uhr die Treppe runter kam. Ich sah das zufällig, da ich zur Arbeit musste. Am Samstag, einen Tag vor der Beerdigung der Kinder, am 9. August 1986, kam mein Schwager Reinhard zu mir in die Wohnung und sagte, dass der Ami da sei. Ich habe Reinhard gefragt, warum er den Ami nicht rausschmeißt. Daraufhin sagte Reinhard, dass er dann auch alleine wäre. Er meinte wohl damit, dass die Monika dann wohl auch gehen würde. Jedenfalls habe ich Reinhard dann in meine Wohnung gelassen, wir haben Fernsehen geschaut. Dann ist er wieder zu seinem Bruder gefahren, bei dem er ja gerade wohnt. (…) Mir ist auch bekannt, dass Reinhard sie beschimpfte und schlug und als Ami--Nutte bezeichnete. Reinhard ist kein Mann, der sich durchsetzen kann. Ansonsten hätte er sich schon längst scheiden lasse. Oder die Sache anderweitig beendet. Offensichtlich ist es ihm lieber unter diesen Bedingungen zu leben, als gar keine Frau zu haben. (…) Vor einem halben Jahr habe ich mich mal so von Mann zu Mann mit Reinhard unterhalten und ich habe ihm geraten sich scheiden zu lassen. Allerdings war er so blöd und hat dies sofort seiner Frau erzählt. Ich hab erst gestern erfahren, dass zwischenzeitlich tatsächlich von Monika die Scheidung eingereicht wurde. Sie war angeblich gestern bei ihrem Anwalt Herrn G.
11.8.86 Ursula, Monikas Schwester Seit Monika alleine ohne ihren Mann weggeht, ist unser Verhältnis angespannt. Mir ist bekannt, dass es tätliche Auseinandersetzungen zwischen ihr und Reinhard gab. Die waren auch lautstark. Die Anzahl steigerte sich in der letzten Zeit. (…) Meine Schwester Monika hat mir gegenüber von Scheidung geredet. Ich glaube schon, dass man aus meiner Schwester Monika nicht so einfach etwas herausholt, was sie nicht sagen will. Das dürfte auch auf meine andere Schwester Brigitte zutreffen.
Zitat von miwumiwu schrieb:KP hat meines Wissens auch ausgesagt, dass er annahm, RW hätte MB geschlagen.
Er wusste es, also sie war was die häusliche Gewalt betraf keineswegs verschwiegen...
… Mir ist bekannt, dass der Ehemann Monika quält und schlägt. Gesehen habe ich das jedoch nicht.
Es gibt auch eine Aussage des Hausarztes vom 14.8.86, die ist mir in der gesamten Länge aber zu lange zum Abtippen, daher nur Auszüge:

  • Im Mai 1986 sprach Frau Weimar mir gegenüber offen über einen Ehekonflikt. Seit einem Jahr sei ihr Mann aggressiv und unwirsch. Er rede kaum mit ihr. Sie ginge mit ihrer Schwester vermehrt ihre Wege. Ihrem Ehemann passe das nicht, obwohl er früher selbst auch gerne weggegangen ist. Besonders problematisch seien seine Verdächtigungen (ab Oktober 1985), dass sie ihm Beruhigungsmittel geben würde.
    Am 7. August 1986 war Frau Weimar wegen psychosomatischer Beschwerden in meiner Praxis. Dabei bot sich eine 3-4 Tage alte Hämatom-Verfärbung rechts über en Brustbein, die nach ihren Angaben von einem Schlag ihres Mannes herrühre

  • Am 17. Mai 1986 sprach Herr Weimar von einer Ehekrise, die er auf die Toxikation zurückführte. Er war der Ansicht, seine Frau hätte was damit zu tun. Sie ziehe sich jetzt von ihm zurück. Eine Lösung des Konflikts über Gespräche, schien ihm zweifelhaft.
    Am 28. Juli 1986 bot ich ihm an, ihm eine Paarbehandlung zu vermit-- teln, da sich die Ehekrise zuzuspitzen schien. Seine Frau sei manchmal bis in den Morgenstunden weg und kümmere sich kaum noch um ihn.



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28.05.2021 um 14:55
@Photographer73
Danke !


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28.05.2021 um 15:42
Interessant finde ich die Aussage von Oma Adele.
RW wurde also mehrfach ohnmächtig von Frühjahr 85 bis Oktober 85. Das ist ja schon ein längerer Zeitraum. Auch interessant, dass die Ehe davor OK war, seitdem aber verständlicherweise nicht mehr. Auch interessant, dass sie sich ihren Liebhaber erst nach der Erkrankung zulegte.

Der Ablauf, wenn er denn stimmt, macht für mich gar keinen Sinn. Da führen zwei eine normale Ehe und sie jubelt ihm quasi grundlos Medikamente unter, die ihn monatelang ohnmächtig werden lassen...welcher Sinn steckt dahinter? Und als er dann krank und aggressiv wird, sucht sie sich einen Liebhaber...

Ich hatte immer gedacht, der Ablauf wäre andere gewesen. Erst der Liebhaber, dann die Vergiftung.


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28.05.2021 um 16:35
@Spekulatius666
Sie hat sich doch vor Pratt schon umgeschaut, und mit nem (verheirateten) Kegelfreund vom Ehemann sich getroffen, ich meine sogar das diese Schäferstündchen im Auto dort im Bengendorfer Grund stattfanden wo Karola gefunden wurde. Nachdem dessen Frau davon erfuhr und diese MB zur Rede stellte endete das Ganze und MB schickte sich übrigens einen „anonymen Brief“.


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28.05.2021 um 16:44
Zitat von margarethamargaretha schrieb:Sie hat sich doch vor Pratt schon umgeschaut, und mit nem (verheirateten) Kegelfreund vom Ehemann sich getroffen, ich meine sogar das diese Schäferstündchen im Auto dort im Bengendorfer Grund stattfanden wo Karola gefunden wurde. Nachdem dessen Frau davon erfuhr und diese MB zur Rede stellte endete das Ganze und MB schickte sich übrigens einen „anonymen Brief“
Dunkel erinnere ich mich. Aber versucht man deshalb seinen Mann zu vergiften? Über einen derart langen Zeitraum? Und hört nach dem erwischt werden, so plötzlich auf. Ich kann vieles irgendwo noch nachvollziehen, aber das Verhalten dieser Frau so gar nicht.


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