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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

20.835 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Hartz IV, Sanktionen, BGE ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

07.05.2020 um 22:04
Zitat von AbahatschiAbahatschi schrieb:- Schulungen
einige sind mehr oder weniger eine Art Beschäftigungstherapie.
Zitat von AbahatschiAbahatschi schrieb:- an sich kein Kopfweh bei Mieterhöhungen, das Amt zahlt immer
Ist nicht immer der Fall, weil es pauschale Grenzen gibt, wie hoch die Miete sein darf. Was darüber ist, muss man selbst zahlen.
Zitat von AbahatschiAbahatschi schrieb:H4 ist ein Maßnahmenpaket, das sollte man nicht drauf reduzieren dass es für die eine oder andere Freizeitgestaltung nicht reiche.
das ist schon richtig.
Andererseits scheinen manche (ich meine nicht dich) zu denken, Hartz-4-Empfänger leben wie die Made im Speck und könnten z.B. auch ihre Zähne auf Kosten des Staates luxeriös sanieren lassen usw...

Und wer die Hartz4er beneidet, kann doch selbst mal ausprobieren wie es so ist ;)


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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

07.05.2020 um 22:09
Zitat von AbahatschiAbahatschi schrieb:- GEZ im Wert von 17,50€ geschenkt, wird immer als kulturell und demokratisch wichtig verkauft
- Krankenversicherung wobei der Bund 100/Monat zahlt und das bei weitem nicht die Kosten deckt, die anderen Versicherten zahlen die Differenz
- Pflegeversicherung um die 15...die Differenz zahlen wieder die anderen Versicherten
- für diejenigen die Grundrente beziehen werden, wird die RV richtig belastet...da zahlt der Bund 0,- monatlich als RV Beiträgen
- Schulungen
- an sich kein Kopfweh bei Mieterhöhungen, das Amt zahlt immer
- die Kosten für die Verwaltung des Ganzen
Mieterhöhungen zahlt das Amt überhaupt nicht immer, wenn es zu teuer wird musst du dir eine günstigere Wohnung suchen. Einige wollen dann versuchen die Differenz vom Regelsatz zu zahlen aber das lässt das JC in der Regel nicht zu, aus gutem Grund. Aber ich kann auch verstehen, dass Mieter es so versuchen wollen.
Schulungen? Etwa die, die sie einem in vielen Fällen nicht bewilligen wollen, obwohl sie meist nötig sind, um wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen zu können? Zumal selbst meinem berufstätigen Kumpel eine Schulung von der ARGE bezahlt wird.

Du vergisst bei alledem, dass es nötig ist, warum sollte jemand im Regen stehen gelassen werden?
Dir würde man genauso helfen, wenn du deine Arbeit verlieren würdest oder möchtest du lieber Zustände wie in den Staaten?

Und ja, ALGII dient zur Sicherung des Lebensunterhalts aber dazu zählt auch, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Diese sind sogar im Regelsatz einberechnet, leider ist die Berechnung aber murks.


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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

07.05.2020 um 22:14
Zitat von OptimistOptimist schrieb:einige sind mehr oder weniger eine Art Beschäftigungstherapie.
Und sie kosten trotzdem was...
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Ist nicht immer der Fall, weil es pauschale Grenzen gibt, wie hoch die Miete sein darf. Was darüber ist, muss man selbst zahlen.
Also, es gibt wohl auch den Fall dass es so ist...Mieterhöhungen unter dem Mietspiegel bzw. unter der "angemessenen Wohnung" werden bezahlt.
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Und wer die Hartz4er beneidet, kann doch selbst mal ausprobieren wie es so ist ;)
Lese ich oft, wo kommt das her?
Zitat von KürbisgesichtKürbisgesicht schrieb:Dir würde man genauso helfen, wenn du deine Arbeit verlieren würdest
Das ist auch so ein Märchen...nein, ich kriege gar nichts wenn ich meine Arbeit verliere.


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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

07.05.2020 um 22:21
Zitat von AbahatschiAbahatschi schrieb:Und sie kosten trotzdem was...
Das kannst du aber nicht den Arbeitslosen anlasten, da kannst du dich woanders beschweren.
Zitat von AbahatschiAbahatschi schrieb:Also, es gibt wohl auch den Fall dass es so ist...Mieterhöhungen unter dem Mietspiegel bzw. unter der "angemessenen Wohnung" werden bezahlt.
Ja, ist ja wohl auch klar aber du schriebst von immer und das ist nunmal mitnichten der Fall.
Daher der Einwand von mir und @Optimist .
Zitat von AbahatschiAbahatschi schrieb:Lese ich oft, wo kommt das her?
Naja, man darf sich schon fragen, warum immer wieder die Leistungen die sie bekommen ins Negative gezogen werden.
Zitat von AbahatschiAbahatschi schrieb:Das ist auch so ein Märchen...nein, ich kriege gar nichts wenn ich meine Arbeit verliere.
Das sind definitiv keine Märchen außer du hast trotz Arbeitsverlust Vermögen.


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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

07.05.2020 um 22:57
Zitat von KürbisgesichtKürbisgesicht schrieb:Schulungen? Etwa die, die sie einem in vielen Fällen nicht bewilligen wollen, obwohl sie meist nötig sind, um wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen zu können?
Beispiele, brauche Beispiele


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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

08.05.2020 um 03:10
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Habt ihr noch nicht daran gedacht, dass manche auch zu pflegende Eltern z.B. haben könnten?
Genau das meine ich, wenn ich sage
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Das ist nichts anderes als in jeder Diskussion zu brüllen "Es gibt auch Arbeitslose, die einfach keine Arbeit finden!". Ja, letzteres wissen wir. Wir sind ja nicht doof.
Ich trage in dem Fall natürlich nicht mit, das Arbeitslose mit Verpflichtungen, wie z.B. Pflege von Angehörigen etc. umziehen sollten. Ich behaupte einfach mal: Auf viele treffen solche Gründe nicht zu. Mein Bekanntenkreis ist da sicher nicht repräsentativ, aber solche Fälle sind da die klare Minderheit. Dennoch liegt das in der Entscheidung des Einzelnen. Ich würde auch eher die Pflege von Angehörigen wählen, statt den Umzug und neue Arbeit, um die Pflege fremden Menschen mit eng gestricktem Zeitplan zu überlassen. Aber das wäre meine freie Entscheidung. Vielleicht fühlen sich andere Menschen da ja regelrecht verpflichtet, kann auch sein.
Ich kenne aber eigentlich auch gar nicht so viele Arbeitslose, denen schon mal ein Umzug nahegelegt wurde, um die Chancen auf Arbeit zu erhöhen. Wir sind jetzt auch nicht die strukturschwächste Stadt im Land, das kann ein Grund sein, aber ich weiß es natürlich nicht.
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Auf die meisten triffts für ihn zu, er schrieb von 60%
Das schrieb er aber erst später ;)
Vorher sprach er nur von "Arbeitsunwilligen" - also denen, die nicht wollen, und nicht von Arbeitslosen im Allgemeinen. Du bist hier mit Bezug auf einen anderen Thread eingestiegen. Mag sein, dass er das dort auch so formuliert hat. Ich weiß davon aber nix. Wie gesagt, hier schrieb er nur von Arbeitsunwilligen, und die kennt jeder von uns. Und auch den Unterschied zum Otto-Normal-Arbeitslosen. Nur darauf nehme ich hier Bezug.
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Gönne es ihr doch ;) ... es ist deine Mutter.
Nein. Niemals. Bei sowas kenne ich kein Freund und kein Feind. Ich gönne das weder irgendeinem Migranten in Thüringen, noch einem ur-deutschen aus Hamburg, noch meiner Mutter. Sie könnte, will aber nicht. Sie findet immer die tollsten Gründe dafür. Sie sollte mal zu einem Vorstellungsgespräch. Das hat dann nicht geklappt, weil sie ihre Busfahrkarte nicht gefunden hat (ist seit 123891 Jahren immer an der selben Stelle in ihrem Portemonnaie). Auf meine Frage warum sie mich nicht angerufen hat, ich hätte sie schnell gefahren: "Ich wollte dich nicht stören." Jo, Dankeschön Mama. Aber nachts um 2 anrufen, weil dein Wlan nicht geht und du nicht bei Knuddels chatten (nicht erfunden!) kannst, das geht. Da kannst du mich auf einmal stören.

Jeder, der arbeiten gehen könnte und es nicht tut, weil er einfach keinen Bock hat, erhöht die Steuerbelastung. Auch meine. Und deine.
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Wenn es in einer Gegend nicht genug Jobs gibt, dann sehe ich den Staat in der Pflicht, dass er Anreize schafft, dass AG dort hin wollen - z.B. in eine ländliche Gegend.
Kann in meinen Augen nicht sein, dass Alle nur in die Ballungszentren wollen ...
Wird regelmäßig versucht, bis dann irgendwelchen Anwohnern einfällt, dass so ein Gewerbegebiet Krach mit sich bringt und blablabla. Längere Transportwege, schlechte Fernverkehranbindung etc. spielt dann auch noch eine Rolle. Da einen Anreiz zu schaffen ist schwer. Klar, neue Autobahn ginge, aber der Krach...
Sowas ist ein Teufelskreis.

Allerdings wohne ich in der Großstadt (nur aufgrund der Größe des Stadtgebietes btw.). Jetzt irgendwo in die Wallachei fahren müssen, fänd ich auch nicht so prall. Ich möchte auch nicht zum Umzug gezwungen sein...
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Oder will man AN zumuten, dass die ihr halbes Leben mit unnötigen Fahrzeiten verbringen?
Naja, will man schon. Wenn die Fachkräfte nicht schon vor Ort wohnen und arbeitslos sind, müssen Fachkräfte wie ich bis ins Dorf tingeln. Gut, ich bin da ein schlechtes Beispiel, ich muss von Berufs wegen viel Auto fahren. Ich war schon in Dörfern unterwegs, da passte das Telefonbuch auf einen Bierdeckel. Es gibt Ecken, da fährst du 1,5 Stunden über irgendwelche Bundesstraßen.
Was nützt es, dort Jobs zu schaffen, wenn der Lieferverkehr da noch länger braucht? In Köln fährt er kurz von der Autobahn runter und ist 10 Minuten später am Zielort im Gewerbegebiet.
In so manchem hessischen Dorf müsste sich der LKW 2 Stunden über kurvige Bundesstraßen quälen. Das ist weder effizient, noch umweltschonend, noch wirklich wirtschaftlich.
Zitat von KürbisgesichtKürbisgesicht schrieb:Der erste Satz stimmt, glaub es oder nicht.
Habe ich auch nie bestritten :)
Zitat von KürbisgesichtKürbisgesicht schrieb:Bist du dir sicher, dass sie nur Ausflüchte nutzt? Entschuldige falls die Frage zu weit gehen sollte aber mit Beispielen diskutiert es sich meist leichter.
Ich bin mir sogar absolut sicher. Ich kenne meine Mutter. Weiter oben im Beitrag steht ein Beispiel, warum sie eine Arbeitsstelle nicht bekommen hat. Ich kann auch weitere liefern, falls dich das wirklich interessiert. Die Frage geht nicht zu weit, keine Sorge :)
Zitat von KürbisgesichtKürbisgesicht schrieb:Das widerspricht sich.
Dann hast du mich falsch verstanden. Rückenprobleme habe ich bis heute, war auch oft in Behandlung. Aber zwei Mal habe ich es nur vorgegaukelt, aus Gründen, die hier mal keine Rolle spielen.
Zitat von KürbisgesichtKürbisgesicht schrieb:Es ist hart zu hören, wenn jemand nicht mitmachen will aber diese Menschen dann nicht zur Gesellschaft zu zählen ist schon nen starkes Stück.
Der Fachbegriff für Menschen, die sich nicht in die Gesellschaft einbringen heißt "asozial"... Unsere Gesellschaft funktioniert nur, weil genügend Menschen arbeiten gehen. Unserer Gesellschaft könnte es sogar noch besser gehen, weil es sehr viele offene Arbeitsplätze gibt. Im Jahr 2020 sind es bisher 668.803 unbesetzte, offene Stellen (klick).

Das sind 668.803 Stellen, die Steuern generieren könnten, was die Steuerlast aller Steuerzahler reduzieren könnte. Oder höhere Rentenzahlungen bedeuten könnte. Oder, oder, oder.
Jaja, ich weiß, es sind nicht immer die entsprechenden Fachkräfte vorhanden, wohnen zu weit weg, blabla. Weiß ich alles. Das wird aber garantiert nicht auf alle Stellen zutreffen.
Könnte nun jemand eine der Stellen besetzen, tut es aber aus Unlust nicht - geht das zu Lasten aller. Und ja, ich finde das in der Tat asozial und schäbig. Davon unabhängig kann derjenige natürlich trotzdem der coolste, freundlichste, empathischste Mensch aller Zeiten sein. (Ich schreibe das nur vorbeugend!)
Zitat von KürbisgesichtKürbisgesicht schrieb:Man ist doch schon allein dadurch eingeschränkt, dass man nicht genug Geld zur Verfügung hat und die Teilnahme an Aktivitäten sehr eingeschränkt ist. Was verlangst du denn noch ,wo man sich einschränken soll?
Zumal es ja sogar Sanktionen gibt, wenn man nicht "spurt".
Schulligung, da muss ick ma sagen, s´glatschd glei!

Bei jedem Arbeitnehmer der sich nicht leisten kann, was er sich gerne leisten möchte, wird es absolut niemandem schwer fallen zu sagen "Ja Mensch, dann bilde dich fort! Dann verdienst du mehr Geld!" oder "Dann musst du dir eine besser bezahlte Stelle suchen!". Ganz Lustige sagen dann "Hätteste in der Schule ma besser aufgepasst!".

Ich gehe Vollzeit arbeiten, kann mir auch vieles nicht leisten, was ich mir gerne leisten möchte. Mein Großvater brachte mir bei: Dann spare! Wenn ich in den Urlaub fahren will, darf ich den Rest des Jahres halt nicht zu viel Geld für unnützes Zeug ausgeben. So funktioniert das.

Daher gehe ich nicht mit, wenn du schreibst
Zitat von KürbisgesichtKürbisgesicht schrieb:Na sowas wie Besuche im Zoo, mal ins Kino und solche Sachen, einfach am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Leider ist das vielen Menschen die ALGII beziehen eher nicht vergönnt.
Wirklich nicht. Ich kann auch nicht immer spontan in den Zoo oder ins Kino. Einfach weil ich irgendwas anderes kaufen musste, eine Rechnung zu bezahlen hatte oder sonstwas.
Wenn ich aber nun einem ALG II-Empfänger sage "Dann spar doch!", werde ich gleich ans nächste Kreuz genagelt, ich Sünder. Sicher, es gibt irgendwelche Menschen, die sich das dann immer noch nicht leisten können. Das kommt dann wohl aufgrund irgendwelcher anderer Konstellationen zustande. Grundsätzlich möglich ist das vom ALG II-Satz aber.
Machen wir uns nix vor: Die mit Sicherheit allermeisten ALG II-Empfänger besitzen ein Smartphone (nein, ich behaupte nicht, die hätten alle ein Iphone). Unlängst wurde beschlossen, ein Internetzugang sei zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben notwendig oder so ähnlich. Oder es gehöre dazu, so genau hab ich das nicht mehr im Kopf. Der Regelsatz sieht übrigens nicht explizit ein Smartphone vor. Muss das jetzt auch noch einkalkuliert werden? Ist ALG II-Empfängern sowas möglich? Den meisten mit Sicherheit schon.
Das gesellschaftliche Leben ist auch das Gespräch mit dem Nachbarn im Garten oder vor der Haustür. Oder der Besuch im Freibad. Es gibt so viele Beispiele, wie man am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann. Dafür braucht man nicht zwingend Geld.

Urlaub im 5-Sterne-Hotel ist ja auch Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Kann sich auch nicht jeder leisten. Sogar Puffbesuche sind Teilhabe, macht auch nicht jeder.
Auch der ALG II-Empfänger ist durchaus angehalten, mit seinem Geld zu haushalten. Ich veranschauliche das mal am aktuellen Regelsatz:

Spoiler
hartz4-regelsatztorte2020Original anzeigen (0,2 MB)


Im Satz enthalten sind 35,99€ pro Monat für Verkehr. Also, nicht den körperlichen natürlich, sondern Bus, Taxi, U-Bahn usw., gleichzeitig 150,60€ für Nahrungsmittel/alkoholfreie Getränke. Es steht dem Empfänger frei, lieber einmal mehr zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren, und dafür doch lieber mal ein leckeres Steak vom Metzger zu kaufen, statt nur die Fertigscheiße aus dem Kühlregal. Gleichsam steht es ihm frei, weniger Geld für Nahrungsmittel auszugeben, und sich dafür 1x pro Woche so richtig die Kante zu geben. Oder er kauft keine neue Kleidung.

Will er nun in den Zoo oder ins Kino - ja mein Gott, dann guck halt, wo du dir das Geld dafür abzwackst!
Was ich damit sagen will:
Mein Arbeitgeber gibt mir eine Summe X pro Monat. Und dann heißt es "So, das muss reichen. Sieh zu, wie du damit klar kommst!". Tja, und dann steht es in meiner Verantwortung, mir das Geld so aufzuteilen, wie ich es benötige und/oder für richtig erachte.

Auf den ALG II-Empfänger trifft das aber genau so zu. Er kriegt Summe X. Wie er sich das im Endeffekt aufteilt, ist seine Sache.
Ich könnte mich ja auch auf die Hinterbeine stellen und plärren meine Freizeit und meine Zeit mit der Familie wird massiv eingeschränkt, weil ich XX Stunden arbeiten gehen muss, um mir überhaupt erst mal das leisten zu können, was sich ein ALG II-Empfänger leisten kann. Nur dadurch, das ich dann noch XX Stunden weiterarbeite, kann ich mir dann mehr leisten als er. Dadurch schränkt sich meine Freizeit usw. aber ebenfalls ein.

Ich spreche aus eigener Erfahrung wenn ich sage, das ich zu meiner Arbeitslosenzeit durchaus in der Lage war, vor dem heimischen PC zu sitzen und im Internet zu surfen, nicht verhungert bin, auch im Kino war - und wenn Freunde mal abends raus wollten, ging das in Maßen auch. Ich musste halt selber Prioritäten setzen, um das Geld an anderer Stelle einzusparen. Geht nicht immer, und ist auch nicht immer einfach, aber es geht.

Die Sonderfälle, bei denen das wegen irgendwelcher zu leistenden Sonderzahlungen, höheren Ausgaben wegen "Isso!" ist, lasse ich dabei weg. Die gibt es, das bestreitet auch keiner - aber die stellen eben nicht die Mehrzahl an ALG II-Empfängern. Während der eine sich noch sein Auto leisten kann, muss der andere am Ende des Monats beinahe schon Fensterkitt fressen. Gibt´s alles.

Wenn ich auch nur auf die Idee kommen würde meinem Chef zu erzählen ich bräuchte mehr Geld, weil ich mich sonst bei irgendwas einschränken muss, dann fragt der mich, ob ich noch alle auf dem Zaun habe.
Zitat von OptimistOptimist schrieb:darf er das haben?
Klar darf er das. Aber solche Rechnungen sind immer sehr, sehr zweifelhaft. Denn man bekommt fast den Eindruck, als wäre nach 5 Tagen schon kein Geld mehr da. Trotzdem sitzt keiner im Dunkeln (naja, jedenfalls nur wenige, und die sind meist selbst schuld dran) in seiner vom Amt bezahlten Butze, um 1x pro Woche Hackfleisch zu essen oder sich den Hintern mit Klopapier statt der Tageszeitung abzuwischen.
Zitat von KürbisgesichtKürbisgesicht schrieb:Einige wollen dann versuchen die Differenz vom Regelsatz zu zahlen aber das lässt das JC in der Regel nicht zu, aus gutem Grund.
Dümmste Regelung ever. Sie mag zwar ihre Daseinsberechtigung haben, ich finde sie trotzdem schwachsinnig. Selber im Bekanntenkreis erlebt. Ist doch die Sache des ALG II-Empfängers, ob er zugunsten seiner bevorzugten Wohnung woanders sparen will. Aber naja, es ist so, wie es ist.
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Andererseits scheinen manche (ich meine nicht dich) zu denken, Hartz-4-Empfänger leben wie die Made im Speck und könnten z.B. auch ihre Zähne auf Kosten des Staates luxeriös sanieren lassen usw...

Und wer die Hartz4er beneidet, kann doch selbst mal ausprobieren wie es so ist ;)
Wie die Made im Speck sicherlich nicht. Aber unter jeglicher Lebensgrundlage, wie das oft dargestellt wird, eben auch nicht. Ausprobieren "durfte" ich das auch. Ich kann aber ehrlich gesagt nicht behaupten, mir hätte es grundsätzlich an irgendwas gemangelt. Ich konnte mir zwar wesentlich weniger leisten als heute, aber ich bin mir sicher, ich würde auch wieder mit Hartz IV klar kommen, ohne am Hungertuch zu nagen oder niemals nie nie wieder Freunde zu treffen oder in den Zoo zu gehen.
Zitat von KürbisgesichtKürbisgesicht schrieb:Und ja, ALGII dient zur Sicherung des Lebensunterhalts aber dazu zählt auch, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Diese sind sogar im Regelsatz einberechnet, leider ist die Berechnung aber murks.
Nunja... ich lese immer wieder "gesellschaftliches Leben". Was genau soll das eigentlich sein? Also, was es ist, weiß ich. Aber was genau du darunter verstehst, das weiß ich nicht so recht.
Als ich ALG II-Empfänger war, bestand mein gesellschaftliches Leben aus Vereinsleben als Ehrenamtler. Ich war 5 Tage die Woche unterwegs. Jedes Wochenende irgendwo im Partykeller oder zum Grillen. Hat mich nie was gekostet, außer die üblichen Mitbringsel oder eine kleine Kostenbeteiligung. Hingekommen bin ich immer mit dem Rad. Auch bei Regen, und auch bei Strecken über 2 Kilometer.
Ich hatte also 20/21/22 Tage pro Monat gesellschaftliches Leben, ohne auch nur eine Sekunde mit den Nachbarn gesprochen zu haben, ins Kino gegangen zu sein o.ä., wobei ich natürlich auch ab und an im Kino war, oder im Pub meiner Wahl.
Zitat von KürbisgesichtKürbisgesicht schrieb:Naja, man darf sich schon fragen, warum immer wieder die Leistungen die sie bekommen ins Negative gezogen werden.
Es gibt Leute in Deutschland die glauben, Hartz IV wäre tatsächlich so erstrebenswert und luxuriös, das ganze Menschenmassen aus fremden Ländern herströmen, um sich daran zu laben :D


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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

08.05.2020 um 06:03
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Es gibt Leute in Deutschland die glauben, Hartz IV wäre tatsächlich so erstrebenswert und luxuriös, das ganze Menschenmassen aus fremden Ländern herströmen, um sich daran zu laben :D
für Menschen, welche im eigenen Land viel weniger zum Leben hatten als den Hartz4-Satz, ist das sicherlich tatsächlich viel Geld - kann man also gar nicht so richtig vergleichen, weil eine Summe x für jeden relativ ist.

Genau wie mMn auch das Folgende relativiert oder besser gesagt, richtig gestellt werden muss - und bei dem Folgenden gehe ich von einem 8-Stunden-Tag aus:
Zitat von chrisebachriseba schrieb:meine Zeit mit der Familie wird massiv eingeschränkt, weil ich XX Stunden arbeiten gehen muss, um mir überhaupt erst mal das leisten zu können, was sich ein ALG II-Empfänger leisten kann.
Also das finde ich schon mal sachlich nicht richtig, wie ich im folgenden versuche aufzuzeigen (vorerst dazu: Stichwort "Aufstocker" und dann hat man etwas mehr als ein Arbeitsloser).
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Mein Arbeitgeber gibt mir eine Summe X pro Monat. Und dann heißt es "So, das muss reichen.
Wenn du weniger oder genau so viel nur hättest wie ein Hartz4-Empfänger + Miete usw., dann müsste dir das nicht reichen, dann könntest du zum Amt gehen und würdest einen Zuschuss bekommen und wärest ein bisschen besser gestellt als ein AHartz4-Empfänger.
Mit etwas mehr als ein H4-Empfänger kann man dann auf alle Fälle besser reichen, weil es eben mehr ist.
Somit ist es logisch, dass der Arbeitgeber sagt: du musst damit reichen was er dir gibt, weil der ja auch weiß, dass du aufstocken könntest.
Und alles an Verdienst was gleich oder oberhalb eines "Aufstockers" ist, reicht ja dann auch locker um besser leben zu können als en H4-Empfänger - zumindest bei einem Alleinstehenden.

Jeder hat ja auch die Wahl zu sagen:
Mir reicht das bisschen H4 oder ich gehe arbeiten um etwas mehr zu haben.
Wie sich das alles steuerlich auf eine Gesellschaft auswirkt ist dann wieder ein anderes Thema.
Ich rede nur von der Möglichkeit, dass jeder diesbezüglich eine Entscheidung treffen könnte, ob das dann egoistisch oder asozial ist oder nicht, steht wieder auf einem ganz anderen Blatt.
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Tja, und dann steht es in meiner Verantwortung, mir das Geld so aufzuteilen, wie ich es benötige und/oder für richtig erachte.
Auf den ALG II-Empfänger trifft das aber genau so zu. Er kriegt Summe X. Wie er sich das im Endeffekt aufteilt, ist seine Sache.
nur ist eben der Unterschied, dass man als Arbeitender immer mehr hat als ein Arbeitsloser, was ja auch richtig ist.
Aber ich finde halt deinen Vergleich nicht richtig, weil für einen Arbeitslosen das Geld eben wirklich nur gerade so reicht. Umsonst ist das ja auch nicht so knapp berechnet worden, kann man ja auch nachvollziehen. Und ich stehe auf dem Standpunkt, jeder H4-Bezieher sollte - auch wenn es wenig ist - dankbar sein, dass es in unserem Staat überhaupt das Leben gesichert wird - ist ja nicht in allen Ländern so.

Und klar hast du recht, dass man dann hin und her jonglieren muss oder kann - indem man von dem einen Bereich etwas abzwackt und sich dann evt. ungesünder ernährt usw. oder gesund lebt und dann für Anderes nichts weiter hat.
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Grundsätzlich möglich ist das vom ALG II-Satz aber.
Indem man von anderen zugestandenen Summen des Regelsatzes was abzweigt bzw. darauf dann verzichtet.
Wenn man jedoch den Regelsatz genau umsetzen würde, wie er berechnet/vorgesehen ist, dann hat man für Nahrungsmittel pro Tag ca. 4,80 Euro.
Eine Kiwi kostet manchmal schon ca. 60 Cent und das übrige Obst und Gemüse ist auch ziemlich teuer.
Aber man kann sich ja - so wie es Sarrazin vorgerechnet hatte, hauptsächlich auch von Nudeln ernähren.
Oder man verlässt sich darauf, dass man in der Tafel zu jederzeit was bekommt, was einem schmeckt und auch noch einigermaßen essbar ist (nicht schon angefault usw.). Manche empfinden sich dann halt auch wie ein Almosenempfänger ... die fühlen sich dann "wie der letzte Dreck".
So ein Gefühl sollte man mMn nicht einfach so wegwischen mit "sollen sich mal nicht so anstellen". Und der Staat verlässt sich mMn auch viel zu sehr auf die Tafelmöglichkeit denke ich - mit seiner Berechnung für das Alg2.

Klar, verhungern tut man sicherlich nicht. Und insofern gehts einem schon wirklich besser als jemanden der in einem Land lebt, wo die Lebensbedingungen schlechter sind als bei uns.
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Zitat von chrisebachriseba schrieb:Ich trage in dem Fall natürlich nicht mit, das Arbeitslose mit Verpflichtungen, wie z.B. Pflege von Angehörigen etc. umziehen sollten. Ich behaupte einfach mal: Auf viele treffen solche Gründe nicht zu. Mein Bekanntenkreis ist da sicher nicht repräsentativ, aber solche Fälle sind da die klare Minderheit
das kannst du halt nicht wissen, ob die in der Minderheit sind, wie du schon sagst, dein Bekanntenkreis ist nicht repräsentativ. Ich könnte nun glatt das Gegenteil behaupten (in meinem Bekanntenkreis siehts tatsächlich anders aus...), aber solch ein Ping-Pong bringt uns auch nicht weiter.
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Ich würde auch eher die Pflege von Angehörigen wählen, statt den Umzug und neue Arbeit, um die Pflege fremden Menschen mit eng gestricktem Zeitplan zu überlassen.
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Aber das wäre meine freie Entscheidung
Ja und was wäre die Konsequenz? Würdest du es dann richtig finden, wenn jemand der Meinung wäre, dass du wegen deiner freien Entscheidung dann kein Geld vom Amt zu beanspruchen hast? Also dass du dann hungern müsstest, weil du jemanden pflegen willst?
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Ich kenne aber eigentlich auch gar nicht so viele Arbeitslose, denen schon mal ein Umzug nahegelegt wurde, um die Chancen auf Arbeit zu erhöhen
ich kenne nun wiederum Einige. Scheint wohl wirklich von Gegend zu Gegend sehr unterschiedlich zu sein. Ist evtl. wirklich ein Ost-West-Ding habe ich so das Gefühl. Die Strukturen und Arbeitslosenzahlen sind eben teilweise noch etwas unterschiedlich.
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Gönne es ihr doch ;) ... es ist deine Mutter.
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Nein. Niemals. Bei sowas kenne ich kein Freund und kein Feind.
da weiß ich nun echt nicht, was ich dazu sagen und denken soll.
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Jeder, der arbeiten gehen könnte und es nicht tut, weil er einfach keinen Bock hat, erhöht die Steuerbelastung. Auch meine. Und deine.
Ja und auch der Staat erhöht die, weil er auch oftmals Steuern verschwendet (schon alleine für Prestigebauten usw) - und nun?
Will man es nun bei Schwachen (welche aus diversen Gründen keine Energie haben usw.) raussuchen? Wie gesagt, ich denke und das wurde gestern auch verlinkt, es ist nur ein kleiner Prozentsatz, der wirklich keinen Bock hat - das macht dann in meinen Augen den Kohl auch nicht mehr fett ;)

Natürlich - die Gefahr sehe ich allerdings auch - dass es bei den Jugendlichen heutzutage immer mehr werden könnten mit 0-Bock-Stimmung (wenn man hört "ich werde mal Hartzer", da geht selbst mir die Hutschnur hoch).
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Wenn es in einer Gegend nicht genug Jobs gibt, dann sehe ich den Staat in der Pflicht, dass er Anreize schafft, dass AG dort hin wollen - z.B. in eine ländliche Gegend.
Kann in meinen Augen nicht sein, dass Alle nur in die Ballungszentren wollen ...
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Wird regelmäßig versucht, bis dann irgendwelchen Anwohnern einfällt, dass so ein Gewerbegebiet Krach mit sich bringt und blablabla
Es müsste ja nicht gleich ein Gewerbegebiet sein. Bissel bessere Infrastruktur - z.B. wieder mehr Läden und Arztpraxen usw. - würde ja sicher für den Anfang auch reichen.
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Sowas ist ein Teufelskreis.
ja sicher, das wäre alles nicht so einfach. Aber die Lösung sehe ich eben auch nicht darin, dass man Alle vom Land nun in die Ballungsgebiete treibt nebst des größeren Pendleraufkommens.
Also dass man nach "Vogel-friss-oder stirb"-Manier sagt: ist deine Entscheidung - wenn du nicht umziehen willst, dann gibts auch kein Geld (kam ja schon diese Ansicht von Anderen).
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Allerdings wohne ich in der Großstadt (nur aufgrund der Größe des Stadtgebietes btw.). Jetzt irgendwo in die Wallachei fahren müssen, fänd ich auch nicht so prall
siehst du, umgedreht findest du das auch nicht so prickelnd und ist es ja auch nicht. Schon alleine wegen des erhöhten Verkehrsaufkommens.
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Zitat von chrisebachriseba schrieb:Unserer Gesellschaft könnte es sogar noch besser gehen, weil es sehr viele offene Arbeitsplätze gibt
Da fragt sich halt aber auch, was sind das alles für Stellen? Wenn die nicht vielleicht zuimdest z.T. irgendwelche Haken hätten, wären die sicher auch leichter besetzbar.
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Jaja, ich weiß, es sind nicht immer die entsprechenden Fachkräfte vorhanden, wohnen zu weit weg, blabla. Weiß ich alles. Das wird aber garantiert nicht auf alle Stellen zutreffen
auf alle nicht, aber vielleicht auf Viele?
Nehmen wir mal nur z.B. das Spargelstechen - da könnten die gar nicht so ohne weiteres jeden nehmen (hatte ich mal in einem Bericht gesehen), auch wenn man dazu keine Facharbeiterausbildung bräuchte.
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Ich könnte mich ja auch auf die Hinterbeine stellen und plärren meine Freizeit und meine Zeit mit der Familie wird massiv eingeschränkt, weil ich XX Stunden arbeiten gehen muss,
ich bin sowieso der Meinung, dass alle Arbeitenden zu viele Stunden am Tag ran müssen. Wenn die Zeit verkürzt wäre, gäbe es dann auch mehr Arbeitsplätze.
Mir ist schon oft aufgefallen - zumindest in meiner Gegend:
Die einen schuften sich halb tot (müssen auch noch unbezahlte Überstunden schrubben) und die Anderen haben zu viel Freizeit (manche wissen nicht mal was mit dieser anzufangen).
Ist doch alles gar nicht gut genug verteilt (die Zeit meine ich).

Alle etwas weniger arbeiten und der Staat könnte dann die Differenz aufstocken anstatt Arbeitslosigkeit zu bezahlen ...
... da möchte ich wetten, dann wären vielleicht einige angebliche oder tatsächlich Faule auch eher bereit sich einen Job zu suchen.
Bei der Kurzarbeiterregelung gehts doch auch, dass der Staat die fehlende Zeit bezuschusst.

Hoffe ich habe mich mit allem verständlich genug ausgedrückt, wie ich es alles meinte :)


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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

08.05.2020 um 08:03
Zitat von LexterLexter schrieb:Die Meinung sage ich auch jedem einzelnen Hartzer direkt ins Gesicht, gar kein Problem.
Für so Leute wie Du einer bist fällt mir nichts gutes ein,leider.
Denk dir ein A... am Anfang und ein Lo... am Ende und Du bist nah dran.

Es sind auch keine "Hartzer",sondern Erwerbslose mit Anspruch auf Unterstützung von Staat,finanziert von DEINEN!
Steuergeldern...recht so!

..und das schöne ist,Du kommst nicht drum herum...Ha.


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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

08.05.2020 um 08:54
Hallo,

ich finde es schwierig, mit Bezug auf die Sanktionsstatistik Arbeitsunwilligkeit bei HartzIV-Empfängern ausblenden zu wollen. Man kann sehr wohl Arbeitsunwillig sein, und es trotzdem alle 10 Wochen zum Amt schaffen. Auch der geforderte Nachweis der Bewerbungen lässt sich an einem Nachmittag prima erledigen. Sollte man dann trotzdem zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden, ist es da kein Problem, mit seinem Auftreten für eine Ablehnung seitens des Arbeitgebers zu sorgen.

Faul sein und nicht sanktioniert werden schließt sich absolut nicht aus.

Haben wir denn hier schon von den Vergünstigungen für HartzIV-Bezieher gesprochen? Ich würde gerne bspw. häufiger ins Theater, ok, ist gerade eh nicht möglich, kann es mir aber nicht leisten WEIL ICH ARBEITEN GEHE. Als H4-Bezieher bekommt man hier an der Abendkasse bei nicht-ausverkauften Veranstaltungen, und das sind die meisten, ein Ticket für 3,- €, unabhängig vom Normalpreis (meist ca. 18 - 30 €).

Wenn ich von meinem Gehalt Miete und Geld für Urlaub abrechne, habe ich auch nicht wirklich mehr Geld als ein H4-Empfänger und empfinde das als mehr als genug, zumal man, wie gesagt, auch bei Kulturveranstaltungen Vergünstigungen hat. Von der Zeit für sich ganz zu schweigen.

Apropos Zeit: da ein H4er davon unglaublich mehr hat, als ein Arbeitnehmer (ich muss auch am WE, Feiertagen, morgens, abends), kann er diese auch noch sinnvoll und geldsparend nutzen, um seine Einkäufe für die Woche aus Kaufhallen im ganzen Stadtgebiet mit Sonderangeboten zu füllen, oder sich bei der Tafel für 1-2 € ne volle Tüte zu schnappen.

Tut also bitte nicht so, als würde es irgendwem an irgendetwas fehlen!


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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

08.05.2020 um 09:00
@Griespudding

Hab deinen Denkfehler gefunden:
Zitat von GriespuddingGriespudding schrieb:Wenn ich von meinem Gehalt Miete und Geld für Urlaub abrechne, habe ich auch nicht wirklich mehr Geld als ein H4-Empfänger
Hartz 4 und Geld für Urlaub..guter Witz!
Zitat von GriespuddingGriespudding schrieb:Apropos Zeit: da ein H4er davon unglaublich mehr hat, als ein Arbeitnehmer (ich muss auch am WE, Feiertagen, morgens, abends), kann er diese auch noch sinnvoll und geldsparend nutzen, um seine Einkäufe für die Woche aus Kaufhallen im ganzen Stadtgebiet mit Sonderangeboten zu füllen, oder sich bei der Tafel für 1-2 € ne volle Tüte zu schnappen.
Ja natürlich..man hat sonst nichts zu tun deswegen kann man im ganzen Stadtgebiet rumkurven um in zig Läden Sonderangebote zu shoppen.
Die "vollen Tüten" bei der Tafel kosten 5€ und da ist längst nicht alles drin was du brauchst.
Und sobald du "zu viel" beziehst darfst du überhaupt nicht mehr zur Tafel.


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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

08.05.2020 um 09:14
@Nerok

Ich denke nicht, dass man als H4er unbedingt auch noch Urlaub braucht, um sich vom harten Alltag zu erholen. Wie gesagt, rechne ich die ca. 300,- €/Monat raus, habe ich auch nicht mehr als ein H4er. Und ich kann trotzdem essen, meinen Hobbies nachgehen - einzig die Zeit fehlt. Achja, auf den Urlaub könnte ich gerne verzichten - meine bessere Hälfte aber nicht. ;-)

Welche Unmenge an Gründen gibt es denn, die einen H4-Bezieher zeitlich davon abhalten günstig einzukaufen? Der Termin alle 8 - 12 Wochen?
Ich habe mir ein Tageslimit von 5,- für Essen/Trinken gesetzt. Das reicht vorne und hinten und das obwohl ich auch häufiger teuer "to-go" esse, weil mir aufgrund meiner Arbeitszeiten die Zeit für Einkauf und Kochen fehlt. Auch finde ich 5,- für ne Tüte voll Lebensmittel nicht soooo viel.


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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

08.05.2020 um 09:34
Zitat von GriespuddingGriespudding schrieb:ich finde es schwierig, mit Bezug auf die Sanktionsstatistik Arbeitsunwilligkeit bei HartzIV-Empfängern ausblenden zu wollen
ich denke mal, das tut auch niemand, weil jeder weiß, dass es in allen Gruppierungen immer auch schwarze Schafe gibt, so auch bei dieser.
Zitat von GriespuddingGriespudding schrieb:Man kann sehr wohl Arbeitsunwillig sein, und es trotzdem alle 10 Wochen zum Amt schaffen. Auch der geforderte Nachweis der Bewerbungen lässt sich an einem Nachmittag prima erledigen. Sollte man dann trotzdem zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden, ist es da kein Problem, mit seinem Auftreten für eine Ablehnung seitens des Arbeitgebers zu sorgen.
ja, das kann man alles.
Man kann den Staat auch in anderen Bereichen immer locker betrügen, wenn man kriminelle Energie hat. Aber sh. oben.
Und wer darauf neidisch sein sollte, dass man betrügen kann und dass das doch so ungerecht ist (ja ich weiß, das hast du nicht geschrieben, ich sags nur mal vorbeugend falls jemand das so denkt), dann kann er das alles selbst tun und dann ists für denjenigen schon halb so ungerecht ;)
Zitat von GriespuddingGriespudding schrieb:Haben wir denn hier schon von den Vergünstigungen für HartzIV-Bezieher gesprochen?
ja und auch schon mit Fehlannahmen diesbezüglich aufgeräumt ;)
Zitat von GriespuddingGriespudding schrieb:.... Als H4-Bezieher bekommt man hier an der Abendkasse bei nicht-ausverkauften Veranstaltungen, und das sind die meisten, ein Ticket für 3,- €, unabhängig vom Normalpreis (meist ca. 18 - 30 €).
wo ich wohne bekommt man das nicht. Also kann man solche unterschiedlichen Handhabungen nicht verallgemeinern (hast du auch nicht getan, ich weiß).
Zitat von GriespuddingGriespudding schrieb:Wenn ich von meinem Gehalt Miete und Geld für Urlaub abrechne, habe ich auch nicht wirklich mehr Geld als ein H4-Empfänger
du hast nicht mehr als ein H4-Empfänger? Dann rate ich dir, einen Antrag als Aufstocker zu stellen, dann hast du mehr als ein H4-Empfänger.
Zitat von GriespuddingGriespudding schrieb:Ich habe mir ein Tageslimit von 5,- für Essen/Trinken gesetzt. Das reicht vorne und hinten
ist da auch regelmäßige gesunde Ernährung drin?

Zitat von GriespuddingGriespudding schrieb:Von der Zeit für sich ganz zu schweigen.
Du kennst doch sicher den Spruch "Rentner haben niemals Zeit" -> das ist bei denen tatsächlich so, ich kenne sehr viele Rentner. Weshalb ist das bei denen so? (rhetorische Frage) ... Bei vielen Arbeitslosen ist es ähnlich.
Außerdem stecken viele auch in Maßnahmen.
Zitat von GriespuddingGriespudding schrieb:Tut also bitte nicht so, als würde es irgendwem an irgendetwas fehlen!
fehlen nicht, aber so richtig gesunde Ernährung ist auch nicht drin ... aber muss ja auch nicht ;)


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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

08.05.2020 um 10:02
@Optimist

Ne, ich habe mehr als den H4-Satz, ziehe ich davon allerdings Miete (bezahlt bei H4-Empfängern das Amt) und Geld für den Urlaub ab, bin ich etwa beim Satz und kann davon gut leben.
Ich wüsste nicht, warum es da noch mehr geben sollte. Weniger und auf Gutscheinbasis, wäre für mein Empfinden gerechter.


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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

08.05.2020 um 10:19
Zitat von GriespuddingGriespudding schrieb:Wenn ich von meinem Gehalt Miete und Geld für Urlaub abrechne, habe ich auch nicht wirklich mehr Geld als ein H4-Empfänger
Zitat von NerokNerok schrieb:Hartz 4 und Geld für Urlaub..guter Witz!
Zitat von GriespuddingGriespudding schrieb:Ich denke nicht, dass man als H4er unbedingt auch noch Urlaub braucht, um sich vom harten Alltag zu erholen
ob es ihm/ihr darum ging, möchte ich bezweifeln.
Aber ist auch egal wie es gemeint ist, fakt ist doch, dass eben mit Hartz4 tatsächlich kaum ein Urlaub drin ist ... und ja, das ist auch nicht schlimm.

Nur der Punkt ist doch der:
Wenn mit deinem Gehalt also Urlaub drin ist, dann haut eben diese Rechnung - so als Vergleich - nicht so richtig hin:
Zitat von GriespuddingGriespudding schrieb:Ne, ich habe mehr als den H4-Satz, ziehe ich davon allerdings Miete (bezahlt bei H4-Empfängern das Amt) und Geld für den Urlaub ab, bin ich etwa beim Satz
Das kann man doch also gar nicht vergleichen.

Was weiß ich denn wie hoch deine Miete ist (wieviel Qm sind es, die ein Empfänger gar nicht haben und bezahlt bekäme - schon das alleine)?
Und was weiß ich, wie hoch deine Urlaubsausgaben sind? (es gibt einfachen und Luxusurlaub usw.)
-> das alles kannst du doch also gar nicht in deine vergleichende Rechnung packen und dann hinterher sagen, du hast auch nicht mehr als ein Hartz4-ler, wenn du das alles abziehst.

Das dürftest du eben nicht abziehen oder verrechnen. Sondern deine vergleichende Rechnung müsste so aussehen:

- 434 -Regelleistung

- Betrag x für eine angemessene Miete (angemessene Qm -> ca. 45 für Singles) - und dann kommt das auch noch auf die Gegend an (im Osten und kleinen Städten sind die Mieten noch billger - meistens)

- kein Urlaub reinrechnen

- von Haus aus auch nicht irgendwelche Vergünstigungen (die bekommt man nur in Ausnahmefällen

Und diese Summe kannst du dann mit Deinem Gehalt vergleichen.
So würde es richtig.


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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

08.05.2020 um 11:33
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Und diese Summe kannst du dann mit Deinem Gehalt vergleichen.
So würde es richtig.
Nein, so wäre es richtig:

432€ (wie kommst Du auf 434€)
500€ (Miete pauschal)
100€ KV Beitrag vom Bund
190€ zum KV Beitrag von den Versicherten zur Kostendeckung im Mittel
15€ PV Beitrag vom Bund
xx€ zum PV Beitrag von den Versicherten zur Kostendeckung im Mittel
17,50 GEZ
--------------
1254€

Was muss man brutto verdienen um 432 + 500 +17,50 = 949,50 Netto zu haben?

1206€ ! Beim Mindestlohn sind das 128 Std Monat die man weniger Zeit hat, zB für künstlerische Aktivitäten wie Malerei oder Bildhauen. Mit dem Zoo wird es auch nicht so einfach.


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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

08.05.2020 um 11:38
Zitat von OptimistOptimist schrieb:einige sind mehr oder weniger eine Art Beschäftigungstherapie.
Wir sind uns aber auch einig, dass es bei einigen nunmal nicht für mehr als diese "Beschäftigungstherapie" ausreicht oder?
Das es einigen mangelt an ausreichender Qualifikation für tiefergreifende Maßnahmen. Was bringt es eine Frau, die 20 Jahre langzeitarbeits... äh "Hausfrau" war, in einer Maßnahme für 18.000 Euro zu setzen, in der es um das Wirtschaftswesen geht?
Manchen muss man eben, mittels "sinnloser" Maßnahmen erstmal zeigen wie ein Berufsalltag aussieht. Das man pünktlich zu sein hat, über einen langen Zeitraum hinweg, dass man manche langweilige Stunde auch einfach mal gewissenhaft aus- und absitzen muss usw.
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Du kennst doch sicher den Spruch "Rentner haben niemals Zeit" -> das ist bei denen tatsächlich so, ich kenne sehr viele Rentner. Weshalb ist das bei denen so? (rhetorische Frage) ... Bei vielen Arbeitslosen ist es ähnlich.
Außerdem stecken viele auch in Maßnahmen.
Rentner haben meist keine Zeit weil sie das nachholen wollen, was sie zu Arbeitszeiten nicht geschafft haben.
Welche Begründung sollte es da bei den Arbeitslosen geben? Kann ich nicht nachvollziehen.
Und da von "vielen" zu sprechen, halte ich auch für völlig realitätsfern. Es mag WELCHE geben, die trotz Arbeitslosigkeit viel zu tun haben/ ihre Erziehungspflicht der Kinder sehr genau nehmen, jemanden pflegen oder desöfteren mal zum Arzt müssen um die weitere Arbeitsuntauglichkeit feststellen zu lassen. Ansonsten dürften allgemein 20 bis 30 Bewerbungen im Monat keine komplett freizeitauffressende Aufgabe sein.

Nicht alle Arbeitslosen über einen Kamm zu scheren ist mehr als richtig, allersings gilt das für beide Richtungen. Allen einen extrem vollen Alltag anzuheften und sie damit in Schutz zu nehmen, wäre nämlich genauso falsch.
Arbeitnehmer wissen auch nicht wo sie, nebst der Arbeit, all ihren Scheiss noch erledigt bekommen sollen. Und auch DA pflegen Angehörige teilweise Familienangehörige. Oder sind Eltern. Oder bewerben sich dennoch auf 20 bis 30 ANDERE Stellen im Monat weil man den eigenen Job doof findet. Oder gehen zeitaufwendiger Hobbys nach. Oder müssen wegen diverser Krankheiten wöchentlich zu Ärzten. Kriegen manche einfach so neben der Arbeit hin, ja.
Daher bitte ich doch tunlichst Abstand vom falsch erzeugten Bild des Mitleids zu nehmen.
Zitat von OptimistOptimist schrieb:ob es ihm/ihr darum ging, möchte ich bezweifeln.
Aber ist auch egal wie es gemeint ist, fakt ist doch, dass eben mit Hartz4 tatsächlich kaum ein Urlaub drin ist ... und ja, das ist auch nicht schlimm.
Ist es auch mit einem normalen Mindestlohn nicht möglich, wenn man Kinder hat und andere Verpflichtungen, für die man ALLEINE aufkommt.
Ich kann auch nicht in den Urlaub fahren obwohl ich mir den mehr als verdient hätte


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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

08.05.2020 um 11:45
Zitat von OptimistOptimist schrieb:für Menschen, welche im eigenen Land viel weniger zum Leben hatten als den Hartz4-Satz, ist das sicherlich tatsächlich viel Geld - kann man also gar nicht so richtig vergleichen, weil eine Summe x für jeden relativ ist.
Nunja, dennoch hat der Schlaraffenland-Einwanderer, der ja "nur wegen Hartz IV" her kommt, hier ja die gleichen Lebenshaltungskosten wie jeder anderer auch, der ALG II erhält. Da beißt sich halt die Katze in den Schwanz. Der eine bekommt ALG II und beklagt sich, das es zu wenig ist - fabuliert auf der anderen Seite aber, dass Menschen nur wegen Hartz IV extra nach Deutschland kommen. Für mich klingt das schon widersprüchlich. Egal, ist ja auch nicht Kern der Diskussion hier.
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Wenn du weniger oder genau so viel nur hättest wie ein Hartz4-Empfänger + Miete usw., dann müsste dir das nicht reichen, dann könntest du zum Amt gehen und würdest einen Zuschuss bekommen und wärest ein bisschen besser gestellt als ein AHartz4-Empfänger.
Mit etwas mehr als ein H4-Empfänger kann man dann auf alle Fälle besser reichen, weil es eben mehr ist.
Somit ist es logisch, dass der Arbeitgeber sagt: du musst damit reichen was er dir gibt, weil der ja auch weiß, dass du aufstocken könntest.
Und alles an Verdienst was gleich oder oberhalb eines "Aufstockers" ist, reicht ja dann auch locker um besser leben zu können als en H4-Empfänger - zumindest bei einem Alleinstehenden.
Für mich als Arbeitnehmer gehen mit der Arbeit aber auch höhere Kosten einher. Während ich als ALG II-Empfänger evtl. keine Monatskarte brauche, weil ich mit dem Rad in direkter Umgebung alles bekomme was ich brauche, muss ich als Arbeitnehmer etwa pendeln. Oder muss öfter Kleidung kaufen, weil im Job meine Privatkleidung einen höheren Verschleiß hat, wie z.B. bei Bauarbeitern. Ich kriege bei Stromnachzahlungen auch kein zinsloses Darlehen, sondern muss die Zinsen selber tragen. Den Kitaplatz für meinen kleinen Rotzlöffel muss ich auch selber latzen.
Wenn ich z.B. ein Auto halte, um mir damit etwas mehr Freizeit zu "erkaufen", weil ich eben nur 45 Minuten bis zur Arbeit brauche, statt mit den ÖPNV 1,5 Stunden unterwegs zu sein - dann brauche ich gar nicht erst nach "Aufstocken" zu fragen.

Das es Leute gibt, die trotz Arbeit auch nicht viel mehr haben als ein ALG II-Empfänger, liegt eben nicht grundsätzlich an einem zu niedrigen Gehalt, sondern an arbeitsbedingt steigenden Lebenshaltungskosten.
Zitat von OptimistOptimist schrieb:nur ist eben der Unterschied, dass man als Arbeitender immer mehr hat als ein Arbeitsloser, was ja auch richtig ist.
Aber ich finde halt deinen Vergleich nicht richtig, weil für einen Arbeitslosen das Geld eben wirklich nur gerade so reicht. Umsonst ist das ja auch nicht so knapp berechnet worden, kann man ja auch nachvollziehen. Und ich stehe auf dem Standpunkt, jeder H4-Bezieher sollte - auch wenn es wenig ist - dankbar sein, dass es in unserem Staat überhaupt das Leben gesichert wird - ist ja nicht in allen Ländern so.
Ich finde, da begehst du einen Denkfehler. Als Arbeitender habe ich nicht grundsätzlich mehr Geld als ein ALG II-Empfänger. Gerade im Niedriglohnsektor ist das halt eben nicht so. Ob das jetzt bedingt ist durch die z.B. nötig werdende Monatskarte, die man schlimmstenfalls noch für 2 verschiedene Tarifbereiche zahlen muss, oder gar einfach nur dadurch, das man wenig verdient, durch körperlich anspruchsvolle Arbeit schon eine höhere Kalorienzufuhr/Tag braucht.
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Ja und was wäre die Konsequenz? Würdest du es dann richtig finden, wenn jemand der Meinung wäre, dass du wegen deiner freien Entscheidung dann kein Geld vom Amt zu beanspruchen hast? Also dass du dann hungern müsstest, weil du jemanden pflegen willst?
Die Konsequenz wäre, das ich dann hungern würde. Ich trage die Konsequenzen meiner Entscheidungen immer selbst. Ich bin so erzogen, mir käme es nie in den Sinn zugrunde zu legen, dass andere die Konsequenzen für mein Handeln und meine Entscheidungen zu tragen haben.
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Also dass man nach "Vogel-friss-oder stirb"-Manier sagt: ist deine Entscheidung - wenn du nicht umziehen willst, dann gibts auch kein Geld (kam ja schon diese Ansicht von Anderen).
Das ist richtig. Trotzdem gilt die Friss-oder-Stirb-Methode: Zieh um, oder bekomme halt keine Arbeitsstelle. Zuhause sitzen und warten, das die Arbeit vor die eigene Haustür kommt, halte ich jedenfalls für nicht gangbar. Mein Großvater pflegte immer zu sagen: "Wenn du zuhause sitzen willst und wartest, dass dir gebratene Tauben ins Maul fliegen - dann verhungerst du."
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Da fragt sich halt aber auch, was sind das alles für Stellen? Wenn die nicht vielleicht zuimdest z.T. irgendwelche Haken hätten, wären die sicher auch leichter besetzbar.
Die Frage stellt sich für mich ehrlich gesagt nicht. Der Arbeitnehmer muss sich dem Arbeitsmarkt anpassen, nicht umgekehrt. Wäre sonst ja auch absurd.
Zitat von OptimistOptimist schrieb:ich bin sowieso der Meinung, dass alle Arbeitenden zu viele Stunden am Tag ran müssen. Wenn die Zeit verkürzt wäre, gäbe es dann auch mehr Arbeitsplätze.
Mir ist schon oft aufgefallen - zumindest in meiner Gegend:
Die einen schuften sich halb tot (müssen auch noch unbezahlte Überstunden schrubben) und die Anderen haben zu viel Freizeit (manche wissen nicht mal was mit dieser anzufangen).
Ist doch alles gar nicht gut genug verteilt (die Zeit meine ich).

Alle etwas weniger arbeiten und der Staat könnte dann die Differenz aufstocken anstatt Arbeitslosigkeit zu bezahlen ...
... da möchte ich wetten, dann wären vielleicht einige angebliche oder tatsächlich Faule auch eher bereit sich einen Job zu suchen.
Ich hoffe, du sprichst damit nicht die Mär an, dass bei halber Arbeitszeit für alle doppelt so viele Menschen Arbeit hätten, und sich am Ende jeder mehr leisten kann...
Die Kurzarbeiterregelung funktioniert, ja. Aber frag mal die Menschen, die auf Kurzarbeit sind, ob die Kurzarbeit gut finden. Sie bekommen 60% ihres Nettogehalts. Nicht zusätzlich zu ihrem Gehalt - nein. Nur das Kurzarbeitergeld. Der Staat zahlt da keine Differenz zu irgendwas, sondern zahlt 60% des Nettogehalts, welches der Arbeitgeber aufgrund der Kurzarbeit in dem Fall eben nicht auszahlt. Will heißen: Der Arbeitgeber zahlt nur das, was gearbeitet wird, der Staat zahlt dann noch 60% dessen, was netto fehlt. Also hat der Kurzarbeiter 40% weniger, und nicht den gesamten Differenzbetrag.
Für viele Arbeitnehmer ist das eher eine Katastrophe, denn ein Segen.

Finanzieren lassen würden sich solche Konstrukte auf Dauer auch nicht. Ein Arbeitnehmer erwirtschaftet Summe X, generiert Summe Y als Steuern usw. Zwei Mitarbeiter, die jeweils nur 50% der Arbeitsstelle besetzen, erwirtschaften aber nicht Summe X x2, und generieren auch nicht Summe Y x2.
Zitat von LuckyLookLuckyLook schrieb:..und das schöne ist,Du kommst nicht drum herum...Ha.
Für mich die mit Abstand frechste Aussage hier im Thread.
Zitat von NerokNerok schrieb:Hartz 4 und Geld für Urlaub..guter Witz!
Ich frage mal ganz dreist: Muss der Arbeitnehmer sich jetzt auch noch schämen, wenn er 22 Tage pro Monat je 8h arbeitet, und sich dafür 1x im Jahr einen Urlaub leistet, während der ALG II-Empfänger das nicht kann?
Zitat von NerokNerok schrieb:Ja natürlich..man hat sonst nichts zu tun deswegen kann man im ganzen Stadtgebiet rumkurven um in zig Läden Sonderangebote zu shoppen.
Naja, die Zeit dazu hat der durchschnittliche ALG II-Empfänger aber, oder etwa nicht? Jeder normale Mensch guckt, ob er irgendwo Geld sparen kann. Kann der durchschnittliche ALG II-Empfänger das nicht auch? Ich sags mal so: Wenn er schon keine Zeit hat zu schauen, ob er beim Einkauf irgendwo Geld sparen kann, wie will er dann jemals arbeiten gehen? Arbeit verschlingt wesentlich mehr Zeit.
Und der Arbeitnehmer ist dann halt "selbst schuld!", wenn er teuer kauft. Er hätte ja Sonderangebote einkaufen können, nicht wahr?
Zitat von NerokNerok schrieb:Die "vollen Tüten" bei der Tafel kosten 5€ und da ist längst nicht alles drin was du brauchst.
Und sobald du "zu viel" beziehst darfst du überhaupt nicht mehr zur Tafel.
Die Tafeln sollen auch den normalen Einkauf nicht ersetzen. Die Tafeln gibt es nur, weil eben so viele Leute normal einkaufen gehen. Als ich noch ehrenamtlich bei der Tafel gearbeitet habe hatte ich jeden Tag Kandidaten in der Ausgabe stehen die glaubten, sie wären in einem superbilligen Supermarkt.
Es gibt auch keine Konstellation, in der man "zuviel" bezieht. Entweder man hat aufgrund von Leistungsbezug Anspruch darauf, dort für den symbolischen Obulus einkaufen zu gehen, oder eben nicht. Wenn man den Anspruch nicht hat, bezieht man auch nicht nur Sozialleistungen. Das ist auch gut so. Denn es soll verhindern das jene, die mehr Geld haben als andere, den Menschen mit noch weniger Geld auch noch das letzte Essen wegfressen nur weil sie denken "Oh, ist ja billig da, da kann ich sparen!".
Was sich bei den Tafeln abspielt glaubt einem eh niemand. Dafür muss man da selber gearbeitet haben. Da 1x wöchentlich als Kunde aufzuschlagen reicht nicht.
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Und diese Summe kannst du dann mit Deinem Gehalt vergleichen.
So würde es richtig.
Nope. Weil man als Arbeitnehmer auch immer höhere Kosten hat, als ein ALG II-Empfänger.
Zitat von StreuselchenStreuselchen schrieb:Es mag WELCHE geben, die trotz Arbeitslosigkeit viel zu tun haben/ ihre Erziehungspflicht der Kinder sehr genau nehmen, jemanden pflegen oder desöfteren mal zum Arzt müssen um die weitere Arbeitsuntauglichkeit feststellen zu lassen. Ansonsten dürften allgemein 20 bis 30 Bewerbungen im Monat keine komplett freizeitauffressende Aufgabe sein.
Ich stelle mir immer die Gretchenfrage: Wenn ein Arbeitsloser schon keine Zeit hat um Pflichten nachzukommen, die vllt. 5-10 Stunden pro Monat in Anspruch nehmen - wie will der jemals 40h pro Woche arbeiten? In der Grundschule lernen Kinder, 6 Stunden pro Tag Aufgaben nach zu kommen. Im Erwachsenenalter sind ein paar Stunden pro Monat schon zuviel verlangt oder gar unmöglich. Ich verstehe sowas nicht.


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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

08.05.2020 um 11:50
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Ich stelle mir immer die Gretchenfrage: Wenn ein Arbeitsloser schon keine Zeit hat um Pflichten nachzukommen, die vllt. 5-10 Stunden pro Monat in Anspruch nehmen - wie will der jemals 40h pro Woche arbeiten? In der Grundschule lernen Kinder, 6 Stunden pro Tag Aufgaben nach zu kommen. Im Erwachsenenalter sind ein paar Stunden pro Monat schon zuviel verlangt oder gar unmöglich. Ich verstehe sowas nicht.
Und ich denke eben das es nicht an Zeit mangelt, dem nachzukommen sondern an Motivation die Zeit für sowas aufzubringen.
Manch einer kann sich einfach nicht aufraffen Motivation ins Geldverdienen zu stecken, weil die Prioritäten anders gesetzt werden.
Und aus welchen Gründen das so ist, spielt für mich nichtmal eine Rolle. Man soll dann nur auch so ehrlich sein, vorallem zu sich selbst, dass es so ist und nicht lapidar ausrednerisch ins Volk jubeln dass man keine Zeit zum arbeiten hätte.
Das ist einfach ein Schlag ins Gesicht für Arbeitnehmer, die eben auch empfinden keine Zeit zu haben und wegen der Arbeit vieles private auf der Strecke lassen. Mit dem gewissenhaften Gedanken, dass es anders nunmal nicht geht.


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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

08.05.2020 um 11:57
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Und wer die Hartz4er beneidet, kann doch selbst mal ausprobieren wie es so ist ;)
Jaja, richtig viel Neid! :D Ich habe den Beiträgen meiner Nachredner nichts hinzuzufügen...!

@LuckyLook
Du darfst von mir denken was du willst, es ist alles erlaubt. Aber erzähl es doch bitte wem, den es interessiert! Danke.


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Der ALGII-/Bürgergeld-Thread

08.05.2020 um 12:02
Zitat von StreuselchenStreuselchen schrieb:Und ich denke eben das es nicht an Zeit mangelt, dem nachzukommen sondern an Motivation die Zeit für sowas aufzubringen.
Manch einer kann sich einfach nicht aufraffen Motivation ins Geldverdienen zu stecken, weil die Prioritäten anders gesetzt werden.
Die Motivation will ich gar nicht erst anschneiden, ich hör schon den Schreiner, der das Holz fürs Kreuz heran schafft...
Allerdings formuliere ich das mal wie folgt:

Wer bei grundsätzlich erst einmal völlig leerem Terminkalender seine Zeit so schlecht plant, das er an 30 Tagen im Monat keine Zeit findet, um insgesamt 5-10 Stunden seinen Verpflichtungen ggü. dem JobCenter nach zu kommen, ist für den Arbeitsmarkt gänzlich ungeeignet. Selbst für den sehr, sehr unwahrscheinlichen Fall, das diese Leute alle einen Familienangehörigen pflegen, und das auch noch in Vollzeit, d.h. 8 Stunden pro Tag, bleiben vom Tag selbst noch 16 Stunden übrig. Gut, Schlaf muss sein, sagen wir 8h. Bleiben noch 8h/Tag übrig.
Nur rein spaßeshalber sagen wir, im Schnitt blieben nur 2 Stunden pro Tag übrig, weil die Pflege supersuperintensiv sein muss, oder was auch immer.
Das wären dann 60h pro Monat in denen man Zeit hat, seinen Verpflichtungen nach zu kommen.
Sorry, wer das nicht schafft, ist auf dem Arbeitsmarkt einfach nicht überlebensfähig. Und sollte gar nicht erst über Beziehung, Kind usw. nachdenken. Da hat er nämlich keine Zeit für.


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