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Der Hartz 4 Thread

18.211 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Hartz IV, Sanktionen, BGE ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Der Hartz 4 Thread

19.11.2020 um 18:51
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Mein Bekannter argumentierte, dass er das unlogisch fänd aus folgendem Grund:
Irrelevant.
Schonvermögen ist meistens selbst erarbeitet oder gespart und zwar vor der Notsituation H4 - das ist der Unterschied.


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Der Hartz 4 Thread

19.11.2020 um 18:53
Zitat von abahatschiabahatschi schrieb:und zwar vor der Notsituation H4 - das ist der Unterschied.
ja genau, das war auch das was mir mein Bauchgefühl sagte und er absolut nicht wahrhaben wollte.
Aber jetzt habe ich Sicherheit darüber (und werde es ihm verbindlich sagen können) - danke dir :)


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Der Hartz 4 Thread

19.11.2020 um 23:37
Zitat von capspauldincapspauldin schrieb:Würdet ist eine virtuelle Beratung in Anspruch nehmen, zb über Skype?
Bedingt....
Das Problem ist,damit wird die Möglichkeit genommen,einen Beistand bei den Beratungen hinzuziehen zu dürfen.
Außerdem werden doch schon gerne "Telefontermine" angeboten,als Ersatz für normale Termine.
Die sind allerdings freiwillig und nicht zu sanktionieren.

Ich bin aber sicher,es wird fleißig daran gearbeitet die Schrauben wieder anzuziehen....

Im Moment ist Corona ein Segen für AlgII Empfänger.Etwas mehr Ruhe,so wie es aussieht.


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Der Hartz 4 Thread

20.11.2020 um 05:24
Zitat von LuckyLookLuckyLook schrieb:Das Problem ist,damit wird die Möglichkeit genommen,einen Beistand bei den Beratungen hinzuziehen zu dürfen.
Wieso solltest du zu einem Telefonat keinen Beistand hinzunehmen können?
Zitat von LuckyLookLuckyLook schrieb:Im Moment ist Corona ein Segen für AlgII Empfänger
Geschlossene Tafeln und soziale Isolation widersprechen da schon enorm.


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20.11.2020 um 14:45
Telefontermine würde ich nicht wahrnehmen. Je weniger Kontakt mit den Jobcentern, desto besser.
Zitat von capspauldincapspauldin schrieb:Geschlossene Tafeln und soziale Isolation widersprechen da schon enorm.
Sozial isoliert ist man so oder so, da man kaum am Leben teilhaben kann.


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21.11.2020 um 05:21
Zitat von WallieWallie schrieb:Je weniger Kontakt mit den Jobcentern, desto besser.
Spätestens nach dem 2. ignorierten Telefontermin kommt die reguläre Einladung,egal ob Corona oder nicht.
Mann muss ja ganz dringend über "die berufliche Situation" reden.....


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21.11.2020 um 06:02
Zitat von LuckyLookLuckyLook schrieb:Spätestens nach dem 2. ignorierten
Ignoranz war selten ein guter Begleiter, aber wers braucht


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21.11.2020 um 06:38
Zitat von LuckyLookLuckyLook schrieb:Spätestens nach dem 2. ignorierten Telefontermin
wie muss man "Ignoranz von Telefontermin" verstehen?
Man wird angerufen und wenn man nicht da ist, dann kann doch das Jobcenter nicht von Ignoranz sprechen, auch wenn man mehrmals nicht erreicht wurde - oder wie ist das?
Wird man vorher vielleicht angeschrieben?
Ich kenne mindestens 2 Fälle, wo diejenigen nicht angeschrieben worden waren.


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21.11.2020 um 06:44
@Optimist

Da gibt es nichts zu interpretieren. Wenn man Telefonate ignoriert dann geschieht dies bewusst.
Wir sprechen nicht von verpassten Anrufen.

Aber die alltägliche Herausforderung zurück zu rufen ist für einige dann schon eine ausfüllende Lebensaufgabe.


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Der Hartz 4 Thread

21.11.2020 um 08:10
Zitat von capspauldincapspauldin schrieb:Aber die alltägliche Herausforderung zurück zu rufen ist für einige dann schon eine ausfüllende Lebensaufgabe.
da hast du recht. Die beiden Bekannten von mir hatten dann tatsächlich zurück gerufen.

Nur mal aus Neugier: wird das demnach stillschweigend vorausgesetzt, dass man das tut - und wenn nicht gilt es dann als -Telefonanruf ignoriert- (ich meine jetzt mal nur von der rechtlichen Seite her)?


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Der Hartz 4 Thread

21.11.2020 um 08:18
@Optimist

Nein. Ein Rückruf wird nicht vorausgesetzt bzw. ist verpflichtend.

Wenn man jedoch auf mehrere Telefonate nicht reagiert, wird ein Telefontermin postalisch angekündigt, gleichwertig einer Einladung.


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Der Hartz 4 Thread

21.11.2020 um 08:20
@capspauldin
aha, so läuft das - danke.
Der eine Bekannte erzählte mir, dass sich die Mitarbeiterin für seinen Rückruf bedankt und darüber gefreut hatte - also alles in allem, dass sie sehr nett war.


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21.11.2020 um 08:23
@Optimist

Ein professionelles Miteinander, beginnt beim Rückruf und dem Dank für den Rückruf. Nur so funktioniert es.


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Der Hartz 4 Thread

21.11.2020 um 18:12
Zitat von WallieWallie schrieb:Sozial isoliert ist man so oder so, da man kaum am Leben teilhaben kann.
Der Faktor "Geld" ist sicherlich kein kleiner Faktor - andererseits ist er nicht immer der alleinige. Der Faktor "Zeit" kann auch eine größere Rolle einnehmen.

Am Ende kommt es schlicht darauf an, wie man "soziale Isolation" bzw. "soziale Teilhabe" definieren will. Geld hilft grundsätzlich immer und ermöglicht Dinge. Aber mal als Beispiel aus dem Stehgreif: Ich kann auch in Vollzeit arbeiten und massig Stunden die Woche schieben, also vom Tag wenig haben und habe dann ggf. das Wochenende wo ich aber andere Dinge tätigen vorziehen müsste oder schlicht manche "Teilhabe am Leben" (wie man sie denn auch definieren möge) ausschließe.

Umkehrschluss, jemand der im Bezug ist und gerade keine durchgehende (Um)Schulung, Maßnahme oder sonst was macht und quasi bis auf sporadische Termine den Tag für sich hat, der hat mehr vom Tag. Zwar hat man im Schnitt weniger Geld in der Tasche als jene die einer Tätigkeit nachgehen - das schließt aber "Teilhabe" an sich gar nicht aus.

Da muss es auch nicht immer plakativ der Theater- oder Restaurantbesuch sein.

Lange Rede, kurzer Sinn: "Kommt halt drauf an".
Zitat von capspauldincapspauldin schrieb:Aber die alltägliche Herausforderung zurück zu rufen ist für einige dann schon eine ausfüllende Lebensaufgabe.
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Der eine Bekannte erzählte mir, dass sich die Mitarbeiterin für seinen Rückruf bedankt und darüber gefreut hatte - also alles in allem, dass sie sehr nett war.
Zitat von capspauldincapspauldin schrieb:Ein professionelles Miteinander, beginnt beim Rückruf und dem Dank für den Rückruf. Nur so funktioniert es.
Ich mache mit den unterschiedlichen Zitaten mal den "Gesamtkomplex" der zwischenmenschlichen Fähigkeiten auf.


Gerade in der Rückschau, nach so einiger persönlicher/charakterlicher Entwicklung oder Reife im Leben, wundere ich mich darüber. Ich glaube, mal ähnlich getickt zu haben. Nicht "genau so", aber beispielhaft. Ich glaube daher, die Leute (die es betrifft, ob jüngere oder je nach Lebenslauf auch ältere) haben vielleicht im Schnitt "unterentwickelte Soft Skills" die - warum auch immer - nicht in entscheidenden Phasen ausgebaut oder geprägt wurden und auf der Strecke blieben.

Also, Soft Skills und Lebenseinstellung. Anders kann ich mir nicht groß erklären, wie man nicht mal so etwas hinbekommt bzw. von "Blockern" im Kopf oder Charakter davon abgehalten wird.

Da ich selbst an mir eine gewisse Entwicklung bei Soft Skills usw., spätestens mit Berufseintritt, feststellen konnte, denke ich, dass es eben daran liegt. Gerade Soft Skills sind da relevant, aber ich mutmaße, dass man hier eher das Elternhaus und die schulische Bildung dahingehend als primären Einflussfaktor nehmen sollte. Wenn ich mit "Defiziten" beim Jobcenter lande, haben wohl vorher andere versagt und / oder man selbst - ab da könnte man ggf. noch "Schadensbegrenzung" betreiben oder versuchen, komplementär Kurse anzubieten die versuchen Defizite aufzugreifen und umzuwandeln.

Das klingt vielleicht für manchen Leser hämisch oder abwertend - das ist aber nicht in diesem Sinne so gemeint. Ich kann an mir selbst ja eine gewisse Entwicklung in dem Bereich nach der Schule und mit Berufseintritt feststellen und meine es daher eher wertfrei oder feststellend, da ich zumindest teilweise auch in diesen Schuhen steckte.

Wo ich vielleicht zur sagen wir mal vorm Beruf noch unsicher oder zögernd/unselbstständig wirkte, habe ich spätestens mit dem Beruf eine markante Weiterentwicklung erlebt - teils passiert die auch bei vielen Menschen erst dann, da man mit vorher untypischen Situationen konfrontiert wird. Man lernt ferner mit fortschreitendem Lebensalter. Und daran wachsen meist auch die Soft Skills - Ausnahmen gibt es natürlich in jede Richtung.

Vorher hätte ich vielleicht noch dezente Blocker im Kopf gehabt, proaktiv das direkte oder fernmündliche Gespräch mit anderen zu suchen, heute lache ich über die Vorstellung während ich zig mal am Tag rumtelefoniere, mit vertrauten wie auch fremden Personen spreche, Dinge und zwischen unterschiedlichen Stellen eigenständig organisiere und nebenher noch Personen ausbilde. Aber vor vielen Jahren wäre mir die Vorstellung eher fremd gewesen.

Daher denke ich eben anhand meiner Beobachtungen und Einschätzungen: Sofern es keine "Null-Bock-Einstellung" bei manchen ist, sind es vermutlich unterentwickelte Soft Skills oder falsche Priorisierungen im Kopf. In meiner Bezugsphase habe ich viele Klischees mitbekommen und auch mit den Sachbearbeitern gesprochen, die diese zumindest aus ihrer Sichtweise bestätigten. Irgendwoher müssen diese "Defizite" ja kommen.

Also, kurzum: Eigene Einstellung, Soft Skills und zumindest ein Grundlevel der Höflichkeit anderen gegenüber. Vielleicht aber noch am wichtigsten in der Aufzählung: Ein Verständnis und Abschätzen seiner Handlungen sowie das ehrliche beantworten der Frage "Was will ich eigentlich?"

Wenn ich "kein Bock" habe und / oder mit einem Rückruf überfordert bin und dann noch soziale Erwartungen oder Normen fremd sind, liegt einiges im Argen. Da müsste dann einiges nachgeholt, bzw. an der eigenen Einstellung dahingehend gearbeitet werden, wenn es was werden soll... oder genauer, wenn ich meine "Auswahl" sowie meine Chancen vergrößern möchte.


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30.11.2020 um 21:01
Zitat von WardenWarden schrieb am 21.11.2020:Am Ende kommt es schlicht darauf an, wie man "soziale Isolation" bzw. "soziale Teilhabe" definieren will. Geld hilft grundsätzlich immer und ermöglicht Dinge. Aber mal als Beispiel aus dem Stehgreif: Ich kann auch in Vollzeit arbeiten und massig Stunden die Woche schieben, also vom Tag wenig haben und habe dann ggf. das Wochenende wo ich aber andere Dinge tätigen vorziehen müsste oder schlicht manche "Teilhabe am Leben" (wie man sie denn auch definieren möge) ausschließe.
Die durchschnittliche ALG II-Heulsuse definiert "am Leben teilhaben" grundsätzlich so, dass nur Dinge und Unternehmungen, die Geld kosten, als "Leben" zählen. So ist zum Beispiel der Kinobesuch mit großer Cola und Extra-Popcorn für zusammen 20 Euro, während man 2h stumm nebeneinander sitzt und auf die Leinwand glotzt "am Leben teilhaben", aber völlig kostenlos mit Nachbarn im Garten sitzen und 2h über Gott und die Welt quatschen nicht.

Als Kind war ich jeden Tag draußen, irgendwo mit Freunden gebolzt, einfach nur durch die Stadt gelaufen, oder mit meinem alten, klapprigen BMX durch den Wald gekachelt, mit 1 DM in der Tasche, für ein Eis. Ich glaube, ich habe als Kind nie am "Leben" teilgenommen. Da kann ich echt froh sein, dass ich nicht zum introvertieren Serienkiller mutiert bin.

Ganz unterm Strich ist "Ich möchte auch am Leben teilhaben können" meist nix anderes als "Ich will mir dasunddas auch kaufen können!".


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30.11.2020 um 21:23
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Ganz unterm Strich ist "Ich möchte auch am Leben teilhaben können" meist nix anderes als "Ich will mir dasunddas auch kaufen können!".
...und ein anderer soll es bezahlen ;)


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30.11.2020 um 21:51
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Die durchschnittliche ALG II-Heulsuse definiert "am Leben teilhaben" grundsätzlich so, dass nur Dinge und Unternehmungen, die Geld kosten, als "Leben" zählen. So ist zum Beispiel der Kinobesuch mit großer Cola und Extra-Popcorn für zusammen 20 Euro, während man 2h stumm nebeneinander sitzt und auf die Leinwand glotzt "am Leben teilhaben", aber völlig kostenlos mit Nachbarn im Garten sitzen und 2h über Gott und die Welt quatschen nicht.
Ich versuche immer möglichst, Dinge differenziert zu betrachten. Fairerweise hat es nicht jeder mit dem Regelsatz leicht - ohne "spoiled", also verzogen oder mit übermäßiger Erwartungshaltung durch das Leben zu rennen. Aber ich habe es sowohl mitgemacht wie auch solche Leute (die Negativklischees) in einer häuslichen Gemeinschaft erlebt - Mehrfamilienhaus, aber kein großes. Da kriegt man über die Jahre viel mit, ob im Wohnumfeld oder bei Maßnahmen usw.

Man sollte immer vorsichtig urteilen - zugleich brauche ich aber auch kein RTL bzw. kann trotz scripted reality bestätigen, dass es die "Heulsusen"-Fraktion nun mal auch gibt. Ich käme selbst mit meinem vielleicht glorifizierten Bürojob der gut Geld abwirft nicht auf die Idee, einen Kinobesuch mit überteuerten Snacks als Maßstab der sozialen, gesellschaftlichen Teilhabe zu betrachten. Das ist auch für mich Luxus selbst wen ich da pro Monat mein Geld verschleudern könnte und alle möglichen Filme durchschauen könnte. Es rentiert sich en Mass einfach nicht und jedes Netflix oder Schießmichtot-Abo ist rentabler. Kino zu besonderen Anlässen / Filmen, sonst nicht. So sehe ich das zumindest - andere fahren vielleicht voll drauf ab. Aber das ist halt eine Frage der Frequentierung. Teuer wird es auf Dauer so oder so.

Aber ehe ich abschweife oder mich auf das Kino versteife (Reim), verstehe ich die Kernaussage dahinter und stütze sie - auch wenn ich mir den Disclaimer nicht nehmen lasse, dass nicht jeder der im Bezug klagt auch Verprasser ist oder selbstverschuldet eine negative (Haushalts-)Lage erleidet sondern das eher ungewollt passiert.
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Als Kind war ich jeden Tag draußen, irgendwo mit Freunden gebolzt, einfach nur durch die Stadt gelaufen, oder mit meinem alten, klapprigen BMX durch den Wald gekachelt, mit 1 DM in der Tasche, für ein Eis. Ich glaube, ich habe als Kind nie am "Leben" teilgenommen. Da kann ich echt froh sein, dass ich nicht zum introvertieren Serienkiller mutiert bin.
Boah, ganz ehrlich, das waren noch Zeiten. Auch wenn ich viel daheim war und gezockt habe, es war fast eine Selbstverständlichkeit was zu unternehmen wenn Freunde geklingelt haben oder man sich auch spontan verabredet hat. Was haben wir alte Ruinen erkundet (teils Mitten in der Innenstadt, wie deplatziert eine Art "Mini-Idyll" in der Stadt, oder einfach in den Park oder auch mit dem BMX auf dafür gebauten Waldstrecken rumdüsen und springen.

Auch wenn ich eher die Marke Stubenhocker geworden bin, das tat mir eher gut und ich sehne mich wieder danach, mehr raus zu kommen. Ich bin schon froh, beruflich durch die Wegstrecke immer zu einem Mindestmaß unterwegs und draußen zu sein.

Wieso erwähne ich das? Natürlich nicht nur, um über irgendwas zu schwadronieren. Ich will quasi damit die Aussage unterstützen, man könne was erleben ohne groß Geld ausgeben zu müssen. Ständig ins Kino oder sonstige Tätigkeiten, das kostet - ob einmalig oder besonders auf Dauer. Aber sich nen Ball irgendwo besorgen, benutzte Fahrräder, raus an die frische Luft ... das ist oft viel günstiger bis quasi kostenlos.

Und wenn man zusammen was macht, dann ist das doch soziale und gesellschaftliche Teilhabe, oder?

Das bringt mich wieder zu meinem Argument weiter oben. Was ist denn soziale und gesellschaftliche Teilhabe genau? Alles und nichts. Ich zahl steuern. Ist das schon Teilhabe im gebenden Sinne? Ich bekomme Steuern. Teilhabe im nehmenden Sinne? Ansonsten arbeite ich abstrakt für die Bevölkerung, leiste aber oft Überstunden und habe aufgrund von Pensum und Wegstrecke vom Tag eigentlich gar nichts mehr, dafür ein passabel gefülltes Konto am Monatsende bzw. Anfang.

Manche träumen von so etwas. Ich sage von einem anderen Blickwinkel betrachtet: Ich träume von dem, was andere haben. So gesehen kann jemand der keiner Tätigkeit nachgeht und H4 bezieht viel mehr soziale/gesellschaftliche Teilhabe erfahren als jemand als jemand der sich finanziell theoretisch mehr leisten kann, aber nicht so oft oder kaum zum Zuge kommt, Zeit oder der Motivation geschuldet.

Am Ende ist halt alles relativ und ziemlich individuell.
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Ganz unterm Strich ist "Ich möchte auch am Leben teilhaben können" meist nix anderes als "Ich will mir dasunddas auch kaufen können!".
Vielleicht. Aber wie so oft gilt in dieser Gesellschaft, wenn nicht oft und abstrakt gesehen universell: Du willst was? Dann beschreite den Weg, der dich dahin bringt. So simpel ist das, egal wie man dies subjektiv bewerten will oder das als unfair empfindet - wenn zeitnah keine andere einfachere Abhilfe möglich ist, muss man den Weg gehen so wie er eben zu einem Zeitpunkt ist.

Das ist wieder sehr individuell, manchmal hängt es von wenigen, manchmal von vielen Faktoren ab. In aller Regel kann man aber sagen, dass es vom reinen Lamentieren (auch wenn es natürlich nicht jeder oder jede leicht hat, keine Frage) nicht besser wird.

Ich weiß, manche könnte diesen oder neuerliche Posts lesen und denken, es ist moralisch oder indirekt anprangernd. Besserwisserisch vielleicht?

Am Ende verstehe ich die Argumente hierin aber eher als Motivationsschub oder als Versuch dessen. Ich kann zumindest sagen: Hätte ich nur lamentiert und aufgegeben, ich würde vermutlich heute noch gut ein Jahrzehnt später H4 kriegen und totunglücklich sein, perspektivlos weil mich nach so langer Zeit eh keine Wunschstelle mehr nehmen würde.

Keine Sorge, ich komme gleich zum Ende des längeren Posts. Will sagen: Man hat nur ein Leben. Ob man H4 nun okay oder beschissen findet, in beiden Fällen sollte man seine Chancen nicht verstreichen lassen wenn man denn noch welche hat. Gerade dann, wenn man es hasst. Ich war zwar dankbar, in diesem sozialen Netz landen zu können, aber ich wollte nicht abhängig und finanziell beschränkt sein, auch wenn ich gut auskam. Ich wollte mich verwirklichen bzw. in die Nähe dieser Stufe kommen und noch was machen, zugleich habe ich manchmal das Stigma gehasst, das auf einem lasten kann - auch wenn man sich motiviert beworben hat und sich mit manchen nicht gemein machen wollte.

Einen größeren Motivationsschub kann ich mir gar nicht vorstellen.


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Der Hartz 4 Thread

01.12.2020 um 07:44
Zitat von WardenWarden schrieb:Manche träumen von so etwas. Ich sage von einem anderen Blickwinkel betrachtet: Ich träume von dem, was andere haben. So gesehen kann jemand der keiner Tätigkeit nachgeht und H4 bezieht viel mehr soziale/gesellschaftliche Teilhabe erfahren als jemand als jemand der sich finanziell theoretisch mehr leisten kann, aber nicht so oft oder kaum zum Zuge kommt, Zeit oder der Motivation geschuldet.
Das ist einfach: man möchte sein Einkommen haben mit dem zeitlichen Aufwand eines ALG3 Empfängers...deswegen gibt es die Diskussionen jeweils über den anderen ;)


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Der Hartz 4 Thread

01.12.2020 um 09:17
Zitat von WardenWarden schrieb:Ich wollte mich verwirklichen bzw. in die Nähe dieser Stufe kommen und noch was machen, zugleich habe ich manchmal das Stigma gehasst, das auf einem lasten kann - auch wenn man sich motiviert beworben hat und sich mit manchen nicht gemein machen wollte.
Sehr viele H4-Empfänger leiden eben u.a. auch unter diesem Stigma.
Und nicht jeder schafft es, aus dem Bezug rauszukommen - aus diversen Gründen, zT. unverschuldet. Jedoch das Stigma - aus Sicht Außenstehender - bleibt ja dennoch.
Es gibt eben Einige, welche pauschal auf H4-Bezieher herabsehen ohne überhaupt die Hintergründe im jeweiligen Fall zu kennen.


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Der Hartz 4 Thread

01.12.2020 um 09:25
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Und nicht jeder schafft es, aus dem Bezug rauszukommen - aus diversen Gründen, zT. unverschuldet.
? Ich verstehe den Satz nicht...sie kamen aus verschiedenen Gründen bis jetzt nicht raus...zT unverschuldet, aber ansonst schon selbst verschuldet?
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Es gibt eben Einige, welche pauschal auf H4-Bezieher herabsehen ohne überhaupt die Hintergründe im jeweiligen Fall zu kennen.
Und mich stört ja dass die Professionellen ALG2 Bezieher die einem im Gesicht lachen auch noch geschützt werden.


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