@mitH2CO3 Diese Behauptung, dass die oberen 5% 44% des Steueraufkommens zahlen, ist ja nur 'ne absolute Zahl.
Sie verschleiert halt, dass diese Gruppe pro verdientem Euro oft weniger Steuern zahlt als die unteren 95% - insbesondere wenn man Unternehmenssteuern sowie indirekte Steuern mit einbezieht.
Wer nach Leistungsfähigkeit besteuern will, muss auf relative Steuerquoten schauen, nicht auf absolute Summen.
Außerdem wird die Steuerbasis von den Arbeitern geschaffen. Das heißt, dass jeder Euro, der versteuert wird, zuvor von arbeitenden Menschen durch Lohnarbeit, Produktion oder Dienstleistung erwirtschaftet worden ist.
Zwar besitzen die oberen 5% große Anteile am Kapital, aber das Kapital produziert ohne Arbeit keinen Wert.
Dass sie einen Teil dieses erarbeiteten Werts als Steuern abführen, macht sie also nicht zu den eigentlichen "Finanziers" des Staates. Es macht sie zu Verwaltern eines gesellschaftlich produzierten Überschusses.
Stellt dir einfach mal folgendes vor: Ein Sklave erarbeitet 1.000 Dollar. Sein Besitzer nimmt ihm 800 Dollar ab und zahlt aus diesem Betrag 200 Dollar Steuern. Würde man hier ernsthaft sagen: „Der Sklavenhalter trägt die Steuerlast"?
Nein - denn die Substanz der Steuer kommt ja aus der Arbeitskraft des Sklaven.
Genauso kommt die Steuerbasis in einer Klassengesellschaft auch aus der Arbeit der Mehrheit. Dass die Kapitalklasse einen Teil des von ihr angeeigneten Mehrwerts an den Staat abgibt, ist kein Beweis für zu hohe Abgaben, sondern ein Beleg dafür, wie ungleich der ursprünglich erarbeitete Wohlstand verteilt ist.
Die Frage ist ja nicht, ob die oberen 5% einen hohen Anteil der Steuern zahlen. Die eigentlich Frage sollte sein: Warum besitzen sie einen noch viel höheren Anteil des gesellschaftlichen Reichtums? Und warum wird ihr relativer Steuerbeitrag im Vergleich zu ihrem Einkommen und Vermögen nicht erhöht? Wer absolute Steuersummen ohne Bezug zu Einkommen, Vermögen und erbrachter Arbeitsleistung lobt, legitimiert eine Umverteilung von unten nach oben...