DerHilden schrieb:Also sorry, aber das Patriarchat wurde ja überhaupt erst durch den Kapitalismus in dieser extremen Form ermöglicht, weil der Kapitalismus zwingend auf kostenlose Care-Arbeit angewiesen ist, um neue Arbeitskräfte hervorzubringen, die ihre Arbeitskraft für den Mehrwert der Kapitalisten verkaufen.
Nach meinem Kenntnisstand lebten die Menschen seit Beginn des Ackerbaus im Patriarchat. Mit der Sesshaftwerdung begann man mit Viehzucht, Vorratshaltung, Landbesitz. Es entwickelten sich Machtstrukturen, bei denen das Eigentum an die männlichen Nachfahren vererbt wurde. Über die Zeit wurden das Machtverhältnis zwischen Mann und Frau dann auch noch durch Gesetze und Religionen verfestigt.
Pharaonen, chinesische Kaiser horteten bereits die Reichtümer ihrer Länder (heute sind es halt ÜBER-Reiche Indivduen wie bspw. E. Musk)
Ich meine, in unserer Gegend waren doch auch Feudalherren unterwegs, die alles wegmezelten, was nicht ihren Interessen diente.
Auch in vorkapitalistischen Gesellschaften, war es bereits unvorstellbar, dass das einfache Volk den Privilegierten gleichwertig sei. (Der Stärkere holt sich halt das, was er will.) Wirtschaftliche Unterdrückung/Ausbeutung galt als normal, ebenso wie das Elend der Massen.
Mag ja sein, dass es in vereinzelten winzigen Ureinwohnergrüppchen auf iwelchen Inseln auch mal mehr Gleichheit gab. Aber in der Hauptsache lief es doch so ab, wie zuvor beschrieben. Frauen waren Eigentum, wurden kontrolliert, hatten die Nachkommen zu gebären, diese zu betreuen und zu erziehen, den Haushalt zu schmeissen und ihrem Gatten zu dienen. Und die Wirtschaft war unmenschlich, ausbeutend (-> Sklaverei).
DerHilden schrieb:Im Sozialismus, in dem es kein Privateigentum an Produktionsmitteln gibt und damit auch keine Herrschaft der Burgeoisie über das Proletariat, gibt es gar keine Grundlage für Unterdrückung.
Von daher würde mich deine Erklärung interessieren, inwiefern der Sozialismus für Macht und Unterdrückung steht, wenn die Grundlage für Unterdrückung, also die Ausbeutung für Profitinteressen, gar nicht gegeben ist?
Der Kapitalismus entstand meines Wissens nach mit der Industriellen Revolution im frühen 19. Jahrhundert. Der Sozialismus entstand darauf wohl als Gegenbewegung zur Ausbeutung im Industriekapitalismus.
Der Kapitalismus für sich genommen ist ja nicht das Problem, sondern die ihm zugrunde liegenden dominanzgeprägten männlichen Überzeugungen, Strukturen und Gewohnheiten, die aus alten Zeiten übernommen wurden -> Frauen, Menschen, Natur werden unterdrückt und ausgebeutet. Fürsorge und Mitgefühl galten/gelten als nebensächlich, bedeutungslos.
Aber auch der Sozialismus wurde nicht so verwirklicht, wie man sich das vllt. gedacht hatte. Es entstand lediglich ein kontrollierendes System, das von einer rücksichtslosen männlichen Elite gelenkt wurde. (Hausarbeit, Carearbeit, für die Frauen zuständig waren - weshalb eigentlich? -, wurden von den Herren Marx und Engels in ihren Theorien genauso wenig beachtet, wie im Kapitalismus.)
Ich denke halt es wäre sehr hilfreich, wenn immer mehr Männer dahingehend reflektieren würden, welche überholten, dominanzgeprägten Überzeugungen in ihren Köpfen sind. Denn egal welches System oder Modell man ausprobieren sollte, solange diese Prägungen nicht bewußt gemacht und aufgelöst werden, fällt man - unbewußt, unbeabsichtigt - in diese alten Muster zurück, und hat doch wieder nur ein anderes kontrollierendes, unterwerfendes und ausbeuterisches Dominanzsystem vor sich, welches Fürsorglichkeit und Empathie vermissen lässt.