Gwyddion schrieb:Kann ich nicht unbedingt so stehen lassen. Wer eine gescheite Idee hat und einen Business Plan vorlegen kann, der kann durchaus über Banken auch Kredite bekommen... Es gab auch mal die Ich-AG´s .. eine Möglichkeit sich
Klar 'ne gescheite Idee und 'n Businessplan können helfen, aber die Bank vergibt Kredite nicht aus Nächstenliebe, die will Sicherheiten. Wer keine hat, bekommt auch keinen Kredit. Wer von Lohnarbeit lebt, hat keine Sicherheiten...nur seine Arbeitskraft, die er verkaufen muss, um zu überleben...
Die Ich-AGs waren ja keine Befreiung, sie waren eine Verlagerung des Risikos auf den Einzelnen. Die haben ja nicht mehr Freiheit geschaffen... die haben die soziale Sicherheit abgebaut. Der Arbeiter wird zum Schein-Selbständigen, trägt das volle Risiko und hat keine Absicherung. Das ist kein Aufstieg, das ist eine weitere Stufe der Ausbeutung...
Die Behauptung, dass jeder Unternehmer werden kann, ignoriert, dass das System auf Lohnarbeit basiert. Wenn alle Unternehmer wären, wer würde dann die Arbeit machen, hm? Die Lohnarbeit ist keine Option.. sie ist die Grundlage des Systems.
Gwyddion schrieb:Entweder man arrangiert sich mit dem jetzigen System in dem einige ihr Unternehmertum entdecken und dadurch auch Arbeitsplätze zur Verfügung stellen.. oder man erhofft sich ein Wolkenkuckucksheim in dem man nur noch von oben nach unten verteilt und keinerlei Risiko mit *hust* Knechtschaft oder Selbstständigkeit eingehen muss. Der Unternehmer trägt allerdings auch das finanzielle Risiko. Der Arbeitnehmer wird jedoch bei Insolvenzen durch den Sozialstaat aufgefangen.
Du stellst es hin, als ob der Arbeitskraftgeber im Sozialstaat 'n gemütliches Polster hätte, aber die Realität sieht da komplett anders aus. Der Arbeitskraftgeber wird ja nicht aufgefangen, er wird verwaltet...
Arbeitslosengeld ist kein Geschenk, es ist 'ne Versicherungsleistung, die er selbst mit seinen Beiträgen bezahlt hat...und wenn der Staat spart, dann kürzt er genau diese Leistungen und nicht die Subventionen für Unternehmer...
Der Unternehmer trägt das finanzielle Risiko, ja, aber er trägt es mit seinem Kapital. Der Arbeitskraftgeber trägt das existenzielle Risiko mit seiner Gesundheit, seiner Zeit, seiner Lebensperspektive usw... Wenn der Unternehmer scheitert, verliert er Geld und wenn der Arbeitskraftgeber scheitert, verliert er seine Existenz...
Und die Wahl zwischen arrangieren und Wolkenkuckucksheim ist falsch. Es gibt nicht nur zwei Optionen: Unternehmertum oder Sozialismus. Es gibt die Möglichkeit, das System zu ändern, nicht durch Umverteilung von oben, sondern durch die Abschaffung der Lohnarbeit. Aber das ist kein Wolkenkuckucksheim, das ist die Konsequenz aus der Tatsache, dass das jetzige System nicht für die Mehrheit funktioniert...
Gwyddion schrieb:Wenn es keine Unternehmer gäbe, würden im übrigen auch nicht alle die notwendige Arbeit machen. Ist so... Das ist die andere Seite des Systems.
Wenns keine Unternehmer gäbe, müssten die Arbeiter die Arbeit selbst organisieren, das ist richtig, aber das ist nicht das Problem... das ist die Lösung. Die Arbeiter brauchen keine Unternehmer um Arbeit zu organisieren. Sie brauchen keine Kapitaleigentümer die ihnen sagen was sie tun sollen. Sie könnten die Produktion selbst in die Hand nehmen, demokratisch, planmäßig, ohne Profit...
Das ist keine andere Seite des Systems, das ist 'ne andere Welt und die ist möglich, weil die Arbeiter die Werte schaffen. Die Unternehmer sind nicht notwendig...sie sind nur die, die sich die Arbeit aneignen... Wenn sie wegfallen, bleibt die Arbeit. Wenn die Arbeit wegfällt, bleibt nichts....
Gwyddion schrieb:Ja.. Ich auch. Wo ist das Problem?
Das Problem ist ja, dass du arbeiten musst, um zu überleben, während andere von deiner Arbeit leben, ohne selbst zu arbeiten... Du hast keine Wahl. Du musst deine Arbeitskraft verkaufen, weil du sonst verhungerst... Der Kapitaleigentümer hat die Wahl, er kann arbeiten oder nicht... sein Einkommen kommt aus deiner Arbeit.
Du sagst: "Ich auch", als ob das normal wäre, aber es ist nicht normal, es ist das System und es ist nicht gerecht, weil du die Werte schaffst, während andere sie sich einstecken. Das Problem ist nicht, dass du arbeitest...das Problem ist, dass du dafür nicht das bekommst, was du wert bist...
Du akzeptierst es, weil du keine Alternative siehst, aber die Alternative existiert: eine Welt, in der Arbeit nicht mehr verkauft wird, sondern organisiert wird, für alle und nicht für nur für ein paar wenige. Das ist kein Wolkenkuckucksheim, das ist die Konsequenz aus der Einsicht, dass das jetzige System nicht für dich funktioniert....