Mauzi666 schrieb:Das ist eine berechtigte Frage. Und die Antwort darauf mag im ersten Moment simpel klingen, ist aber ein wichtiger Schritt: Wir müssen damit aufhören, so zu tun, als sei alles in bester Ordnung. Wir müssen die Problematiken erst einmal kollektiv anerkennen und uns bewusst aus der systemischen Ignoranz herausbewegen.
Genau das sieht man doch hier im Thread perfekt: Sobald man die fundamentalen Fehler des Kapitalismus und der geldgesteuerten Allokation sachlich benennt, schalten viele User sofort ab, meistens Individuen, die vom System profitiert und sich das Hamsterrad vergoldet und bequem eingerichtet haben. Es wird reflexartig abgewiegelt, schöngeredet oder mit neoliberalen Lehrbuch-Phrasen um sich geworfen, weil die Wahrheit unbequem ist. Diese intellektuelle Verweigerungshaltung ist ein wichtiges Schutzschild des Systems
sehr gut gesagt
(nicht nur das) 👍
Neustarter schrieb:Ich meine: Es ist erkennbar und erwartbar, dass das System auf längere Sicht scheitern wird, da es die Fundamente untergräbt, auf denen es beruht.
Wir können das haarklein und bis ins Detail analysieren und prognostizieren - analog zum Drogensüchtigen, der erwartbar und vorhersehbar nicht sehr alt werden wird, weil er seinen Körper systematisch zugrunde richtet, aber weil er von seiner Sucht nicht loskommt, konsumiert er weiter, bis er irgendwann einen elenden Tod stirbt - aber es bewirkt nichts, was eine grundlegende Wende betrifft
Wenn solche guten Analysen in die Köpfe gehen und bei dem einen oder Anderen evtl doch in kleinen Schritten ein Umdenken bewirken würden, ist doch schon mal was gewonnen. "steter Tropfen höhlt den Stein" ...
Neustarter schrieb:Auch die präziseste Analyse ändert nichts am analysierten Sachverhalt, sondern beschreibt ihn nur und belässt ihn dann. Das scheint mir das zu sein, worauf es am Ende hinauslaufen wird
Einerseits denke ich auch, es wird sich nichts ändern, weil der Mensch im Allgemeinen ist und bleibt wie er ist.
Andererseits, sh. weiter oben und In diesem Sinne:
Mauzi666 schrieb:Veränderung beginnt im Kopf
Neustarter schrieb:Ja, aber veränderte Köpfe sind immer noch am Leib angewachsen, der den Kopf nicht nur trägt, sondern überhaupt erst als integrierten Körperteil erst hervorgebracht hat. Und der Leib ist nun mal primär auf das leibliche Wohl bedacht. Ideale fallen da gewöhnlich hinten runter, wenn es beginnt, unbequem zu werden
Ja, aber manche sind fähig, sich zu beherrschen und auch mal zu verzichten, wenn Einsichten Eingang in den Kopf gefunden hatten 😉
Auch wieder in diesem Sinne:
Mauzi666 schrieb:Die Analyse ändert nur dann nichts, wenn Betroffene ihre eigene Position im System nicht begreifen. Am Ende gibt es in dieser Hierarchie nur Herrschende und Beherrschte, aber das System funktioniert prächtig, weil viele/ die meisten Beherrschten glauben, sie hätten Großes mitzukamellen, nur weil sie nicht im Dreck leben oder einen Pool im Garten haben. Erst wenn dieses falsche Bewusstsein weicht und die Menschen im goldenen Hamsterrad kapieren, dass sie trotz Krawatte und gutem Gehalt nur die Handlanger ihrer eigenen Ausbeutung sind, verwandelt sich die passive Analyse in echten Widerstand
Neustarter schrieb:Aber so lange das Gehalt stimmt und der eigene Wohlstand gehalten werden kann, wird auch das nicht mehr falsche Bewusstsein hübsch passiv bleiben, wenn erwartbar ist, dass Widerstand zum Verlust von Gehaltshöhe und Wohlstandslevel führen wird
muss nicht zwangsläufig auf wirklich Alle zutreffen. Aber ich gebe zu, mein Optimismus hat schon sehr gelitten, dass es mal Recht viel mehr werden könnten 😉
Sherlock_H schrieb:Ich stimme dir zu, denke aber, dass das von dir beschriebene Problem nicht auf den Kapitalismus beschränkt ist. Im Sozialismus war möglicherweise die Bürokratie ähnlich groß. Jedenfalls war die Vernachlässigung von Infrastruktur und Gebäuden in der DDR noch deutlich schlimmer als jetzt in der Bundesrepublik
Die Bürokratie war nur halb so groß meiner Erfahrung nach. Das merkte ich schon alleine dort wo ich arbeitete ganz deutlich . Von einem Tag auf den anderen nahm die Bürokratie nach der Wende ums Doppelte schlagartig zu (die Vorgaben wurden ja vom Westen übernommen).
Sherlock_H schrieb:Interessanterweise ist es in Deutschland ja derzeit so, dass der öffentliche Dienst (und das sind zum Teil eben die Verwaltungsbeamten) wächst, während in der Wirtschaft Stellen abgebaut werden. Man könnte dies auch als sozialistische Tendenz sehen
Auch hier stimmt deine Analyse nicht so richtig, was den Sozialismus betrifft.
Dass die Wirtschaft und Infrastruktur schlecht war, lag mMn an Fehlplanungen und zu großen Subventionen, z.B. bei den Mieten. Und dies hatte Finanzlöcher zur Folge.
Es lag mMn nicht an der Bürokratie oder aufgeblähter Verwaltung.