ickebindavid schrieb:Was ist denn dein Vorschlag, sollte man mit denen kuscheln gehen?
Und ja um AFD zu wählen muss man mMn verdammt dumm sein. Entweder verdammt dumm oder rechtsradikal.
Ist natürlich sehr individuell aber: Den Ton ändern. Aufklären. Grundstandpunkte (gewisse, nicht alle) ggf. erst mal wahrnehmen. Das Klientel direkt ansprechen. Manchmal muss man argumentativ auch Konzessionen oder Kompromisse eingehen, statt "all-in". Je nach Thema usw.
Ist halt anstrengender, als sich mit den Kumpels auf die Schulter zu klopfen, dass alle dumm sind. Aber nur so erreichst du im Zweifel die Leute oder Dritte.
Ich bin da mit meiner Sicht auch vielleicht sehr eigen als Ex-Aluhut und jemand, der sich etwas weiter nach rechts gelehnt hat, in der Jugend etc und kurz mal eine frühe Lucke/Petry-AfD gewählt hat. Am eigenen Benchmark festmachend würde ich mich selbst zu der Zeit nicht als dumm bezeichnen. Man hat halt eine gewisse andere Wahrnehmung der Welt und gewisser "issues", also Probleme. Und sieht in gewissen Bereichen Lösungen. Oder auch gar unterbewusst ein Frustventil über eigene oder gesellschaftliche Belange.
Natürlich gibt es zugleich "dumme" Menschen mit weniger politischer Bildung etc. wo populistische Narrative verfangen. Aber der Idealfall ist doch, diese Menschen zu erreichen und "zurückzuholen" zu einer besonneneren Mitte, wenn man deren Radikalisierung nicht verhindern kann.
Zugleich ist mir anhand der eigenen Erfahrung (nach meinem Weg zurück zu einer Mitte und zehntausenden Interaktionen über die Jahre mit Verschwörungstheoretikern und polit. Extremisten) bekannt, dass man oft selbst mit einer gewissen sachlichen Argumentationsweise das Klientel direkt augenscheinlich nicht erreicht. Respektive Veränderung nicht von heute auf morgen passiert sondern ein steter Prozess ist.
Ich hab mich quasi immer wieder ohne Bezahlung aus Überzeugung in einen Diskurs, manchmal zynisch-sarkastisch, manchmal sehr plump und direkt, oft aber auch konstruktiv und sachlich begeben. Es ist fucking - sorry - anstrengend. Wer vielleicht nicht sehr idealistisch ist oder den Weg mal durchgemacht hat wird da wohl wenig Zeit investieren. Gut, wir sind jetzt hier in nem Diskussionsforum, wo das Konzept hier wohl für alle die das gerade lesen nicht zwingend so fremd ist, aber gehen wir mal von "Ottornormal" aus.
Aber ich halte daran fest, dass der beste Weg abstrakt eigentlich zweigleisig ist: Präventiv (Aufklärung, Satire, Humor) und reaktiv (Leute an der 'Klippe' auf Augenhöre und aufklärend ansprechen, Leute in der Extremismusbubble gezielt und konfrontativ aber relativ auf Augenhöhe bzw. sachlich im Ton ansprechen).
Das Ziel ist hier nicht mal, irgendwen zeitnah mit erwartbaren Resultaten zu bekehren, sondern die Person und Dritte die auf Social Media meist immer mitlesen, diesen Denkanstöße und ein anderes Narrativ mitzugeben. Wie gesagt, es ist anstrengender als in den eigenen Reihen einfache oder plumpe Ablehnung dem politischen Gegenüber mitzuteilen, aber es wäre überhaupt online - ggf. auch in echt, vlt. gerade da wo man eher Zugang zu einer Person über familiäre Verbindung etc. hat als ein Online-Fremder - abstrakt gesehen ein Weg um Leute mittel- bis langfristig wieder zu erreichen.
Vielleicht bin ich da auch voreingenommen weil mein eigener Weg rein online war (vom allseits bekannten meckernden Onkel auf Familienfeiern sehen wir mal ab), hin und zurück. Ich bin in einer verwundbaren Frustphase online in Echokammern geschlittert. Und bin online nach Stabilisierung im Leben und vor allem Humor und Satire von Menschen, die z.B. Reichsbürger auf die Schippe genommen haben, wieder da rausgekommen bzw. nicht weiter drin steckengeblieben. Gerade bei Reichsbürgern war die kognitiv Dissonanz eindeutig, bei anderen politschen Extremismen nicht zwingend. Auf der einen Seite hatte ich hysterisch krakeelende Leute die mit Pseudorecht argumentierten wo selbst Rechtslaien Zweifel kriegen. Auf der anderen Seite hatte ich Foren wie Sonnenstaatland und Aktivisten die sowohl eher links waren aber auch Behördenmitarbeiter aus der Justiz usw. die mit RBern zutun hatten und wo ich mir sicher sein konnte, dass die Recht wohl besser interpretieren konnten als irgendwelche Dullis. Die Satire dazu hat geholfen da einen Haken dran zu machen.