Lepus schrieb:und wir haben auch null über die DDR und die Treuhand gelernt.
DDR war die letzten 3 Monate vorm Abitur Thema. Viel zu spät, weil man mit dem Kopf da schon woanders war. Zumal nach 1990 die Geschichte auch nicht plötzlich aufhört.
Lepus schrieb:Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass dort jedes Dorf rechte Tendenzen hat.
Ist auch nicht so. Mein Vater konnte damals ziemlich genau sagen, wer im Dorf strammer NPDler war, weil es zu Beginn bzw. Mitte der 2000er relativ verpönt war. Deswegen wundert's mich auch, dass die DVU/NPD ein No-Go, aber die AfD mit ähnlichem und teils unverblümterem Wording plötzlich der Heilsbringer ist.
Aber schauen wir einfach auf die Wahlergebnisse für die rechtsextremen Parteien in Sachsen-Anhalt (mein Dorf - Wahlkreis - Bundesland).
1990 (REP/NPD): 1,8 % - 0,6 % - 0,7 %
1994 (NPD): 3,1 % - 1,3 % - 1,4 %
1998 (DVU): 20,3 % - 9,9 % - 12,9 %
2002 (FDVP): 1,6 % - 1,2 % - 0,8 %
2006 (DVU): 6,5 % - 2,8 % - 3,0 %
2011 (NPD): 5,9 % - 5,1 % - 4,6 %
Die Tendenz war also nach einem Peak 1998 eher rückläufig (auch wenn mir gerade bewusst wird, dass mein Heimatdorf schon immer überdurchschnittlich dabei war
:cry: ).
Lepus schrieb:Aber vermutlich nur so lange, wie man dort nicht wohnt, ich komme ja selbst aus einem Kaff.
Als Jugendlicher war's zumindest der Horror für mich. Wenn deine Freunde teils 20-30 Kilometer entfernt leben, es kaum Gleichaltrige und Freizeitangebote in deinem Dorf gibt und der Bus alle zwei Stunden mal fährt, sorgt das nicht gerade für Jubel. Zumal in einer Zeit, wo Internet gerade Neuland war und man mal nicht eben per Discord oder WhatsApp Kontakt halten konnte. Diese Dorfromantik habe ich (zumindest für Heranwachsende) noch nie verstanden. Aber das ist Off-Topic.
Neustarter schrieb:Vor allen Dingen hat man Bock, das etablierte System kaputt zu machen, da es für alles steht, was den Osten mit seinen Regionen abgehängt werden ließ.
Also lieber das gesamte System an die Wand fahren, als mit den Widrigkeiten zu leben und das Beste daraus zu machen? Okay, dann bin ich froh, anders sozialisiert worden zu sein.