Ich habe mich im Hinblick auf die Aktion des Vereins Finderwille am Wildenstein mal in die Arbeitsweise von Leichensuchhunden, sog. HRD-Hunden (Human Remain Detection Dogs) eingelesen und die getroffenen Aussagen der Vereinsmitglieder überprüft.
Ein wissenschaftlicher Artikel über die Erfolgsquote von HRD-Hunden und das Geruchsprofil von Leichen befindet sich u. a. hier:
https://www.researchgate.net/publication/387090476_Establishing_the_volatile_organic_compound_profile_and_detection_capabilities_of_human_remain_detection_dogs_to_human_bonesDanach lassen sich folgende Aussagen treffen:
• Je älter die Knochen sind, desto geringer die Wahrscheinlichkeit des Auffindens. Die Trefferquote steigt, wenn den Knochen noch Gewebe anhaftet. Ein 6 Jahre alter Knochen gilt schon als ziemlich „alt“.
• Die Ausbildung und das Training von HRD-Hunden gehört mit zum Schwierigsten verglichen mit anderen Suchhunden. Um eine gute Trefferquote zu erzielen, muss ständig mit menschlichen Überresten geübt werden, was schon deshalb schwierig ist, weil Leichenteile naturgemäß schwer verfügbar sind.
• Im Rahmen der Untersuchung war die Trefferquote anfangs eher bescheiden, stieg aber mit der Anzahl der Wiederholungen.
• HRD-Hunde sind nicht für Mantrailing und Flächensuche geeignet.
• Die Aussage des Leiters von Finderwille, die Hunde hätten am Wildenstein „Scarletts Individualgeruch“ gefunden ist kompletter Unsinn. Dies schon deshalb, weil HRD-Hunde gar nicht darauf trainiert sind, einen Individualgeruch aufzuspüren. Sie spüren den Geruch von flüchtigen organischen Verbindungen, sog. VOCs (Volatile Organic Compounds) auf, die sich durch chemische und biologische Prozesse im Rahmen des Verwesungsvorgangs bilden und die mit dem Ausgangsgeruch rein gar nichts zu tun haben.
Diese Aktion gehört für mich zur gleichen Kategorie wie das Auftreten des angeblichen „Sehers“ Michael Schneider. Es wird versucht aus dem Schicksal von Verunglückten Kapital zu schlagen.