Hallo, ich lese hier nun schon eine Weile die Beiträge zu diesem Fall. Das meiste ist schon geschrieben worden, ich möchte dennoch meinen Eindruck zu diesem ungewöhnlichen Verbrechen äußern. Es fällt auf, wie unbeschreiblich abgebrüht dieser Mord erscheint. Man würde hier spontan und ohne nähere Kenntnisse sagen, dass die Angeklagte gar kein Motiv hatte, dieses Kind zu töten. Und dennoch hatte sie aus ihrer Sicht ein Motiv. Ein Motiv, das auf den ersten Blick abwegig erscheint, aber durch den Prozess immer greifbarer wird. Der gesamte Prozess dreht sich weniger um eine klare forensische Spurenlage, sondern vielmehr um die Plausibilisierung des Motivs für die Tötung von Fabian vor dem Hintergrund der Persönlichkeit der Angeklagten. Der psychiatrische Sachverständige Dr. Keiper aus Rostock ist anscheinend während der Verhandlung im Gerichtssaal stets anwesend und vervollständigt sein Bild von der Angeklagten und ihrem Umfeld.
Aus der Anklageschrift:
Der Angeklagten war dabei bewusst, dass derartig ausgeführte Messerstiche in den Brustbereich tödliche Verletzungen aufgrund der Nähe zu lebenswichtigen Organen, wie dem Herzen, sowie zu lebenswichtigen Blutgefäßen verursachen können. Sie handelte ziel- und zweckgerichtet, um durch die Tötung einen Streitpunkt mit Matthias R. zu begraben und diesen wieder für sich gewinnen zu können. Dabei vernichtete sie bedenkenlos das Leben des 8-jährigen Kindes für die vage Hoffnung auf Wiederaufnahme einer für sie auch monetär vorteilhaften Beziehung.
Dieses in der Anklage beschriebene Tötungsdelikt zeichnet sich durch stark instrumentelles Denken bei großer Ichbezogenheit und völligem Empathiemangel sowie durch fehlende Reue aus. Hinzu kommen ausgeprägte Besitz- und Kontrollbedürfnisse und gewisse manipulative Fähigkeiten.
All dies vereint die Angeklagte offenbar in sich und das wird gerade im Prozess überzeugend herausgearbeitet.
Bezüglich der Psychopathologie könnte eine Akzentuierung in Richtung einer dissozialen Persönlichkeitsstörung mit Schwerpunkt auf Instrumentalisierung vorliegen. Eine instrumentelle Behandlung von Menschen für eigene Bedürfnisse, Lügen, Regel- und Gesetzesüberschreitungen und fehlende Reue gehören zu den typischen Merkmalen. Die widersprüchlich erscheinende Erwerbsunfähigkeit bei gleichzeitiger krafterfordernder Betätigung im Pferdesport zeigt ihre Fähigkeit zum Durchsetzen ihrer Interessen ebenso wie der von ihr herangezüchtete männliche Unterstützerkreis. Es ergibt sich das Bild einer Person, die andere Menschen stark instrumentell behandelt. Aber erst im Zusammenhang mit einem skrupellosen Kindsmord lässt dies an dissoziale Persönlichkeitszüge denken. Ihre Tierliebe spricht wiederum eher dagegen.
Sowohl die Einlassung der Angeklagten als auch die abschließende Beurteilung des Sachverständigen werden interessant.
Mit der Einlassung möchte sie anscheinend auf die Meinungsbildung einwirken:
„H. bereitet sich laut ihrem Anwalt aktuell auf die Einlassung bereits vor. Es gehe ihr darum, verschiedene Punkte richtigzustellen.“
https://www.t-online.de/nachrichten/panorama/kriminalitaet/id_101329750/mordfall-fabian-gina-h-sagt-am-24-august-vor-gericht-aus.htmlAuf die „Richtigstellung“ darf man gespannt sein.