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Der Hartz 4 Thread

18.211 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Hartz IV, Sanktionen, BGE ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Der Hartz 4 Thread

10.10.2020 um 21:29
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Abgesehen davon, das ich anscheinend nur "Billigmist" in den Magen kriege, geben wir für 2 Personen keine 300 Euro für Lebensmittel pro Monat aus.
Also das ist in der Tat ausgesprochen wenig...

Und das mit 2 Personen?


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10.10.2020 um 21:39
@Optimist

Bei Dir dürfte sich ein Brotbackautomat schnell amortisieren.

Allgemein an alle:

Wenn man Lebensmittelkosten senken will kann man Tomaten Chilis und Kräuter so gut wie
kostenlos auf jeder kleinen Fensterbank nachziehen. Es gibt auch oft Streuobstwiesen wo man kostenlos für den Eigenbedarf mitnehmen kann. Wenn beim Wochenmarkt am Ende aufgeräumt wird kann man Obst und Gemüse sehr viel günstiger bekommen.
So ein bisschen Eigeninitiative ist ja nicht verboten ganz besonders wenn man Zeit hat.

Es ist dich nicht menschenunwürdig Methoden anzuwenden die in den 70er Jahren besonders bei größeren Familien absolut üblich waren.


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10.10.2020 um 21:41
Zitat von sacredheartsacredheart schrieb:Es ist doch nicht menschenunwürdig Methoden anzuwenden die in den 70er Jahren besonders bei größeren Familien absolut üblich waren.
da bin ich vollkommen bei dir.

Mir gings nur darum aufzuzeigen, dass die Beispielsrechnung von @chriseba keine Allgemeingültigkeit haben kann und sogar auch noch eine Mahlzeit vergessen worden war (Abendbrot) ;)
Kurz, dass es mMn viele geben wird, bei denen diese 150 Euro für Lebensmittel zu knapp kalkuliert sind - auch wenn man billig einkauft. Wie gesagt, es ging ja ums Kaufen....
Dass man auch anderweitig Lebensmittel bekommen kann - Tafel zB - steht auf einem anderen Blatt.


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Der Hartz 4 Thread

10.10.2020 um 22:34
Zitat von chrisebachriseba schrieb:dass man für Lebensmittel im Supermarkt in der Stadt weniger zahlt als beim Aldi auf dem Land,
Das kommt etwas darauf an, welcher Supermarkt gerade wo verfügbar ist. In der Stadt ist es sicher etwas einfacher auch Alternativen zu finden. Auf dem Land können Fahrtkosten andererseits einen günstigeren Anbieter in größerer Entfernung wieder teuer werden lassen. da nimmt man eben das, was da ist. Und das ist nicht immer ein Aldi der Lidl sondern auch ein schon lange ansässiger famliengeführter Bio-Supermarkt. Es gibt umlegende Dörfer und Weiler, da belebt man gerade genssenschaftliche kleinere Läden für die Grundvers
Zitat von chrisebachriseba schrieb:was genau ist denn in der Stadt teurer als auf dem Land? Kostet der Strom da mehr? Oder das Wasser? Kino? Sportverein, ja, das könnte ich mir vorstellen, dann ists mit der Vorstellungskraft aber auch schnell wieder vorbei.
Die Preise und Kosten können in vielen Bereichen variieren, oft angepasst an die regionalen Kaufkraftverhältnisse. Bei größeren Ladenketten fällt es wahrscheinlich eher weniger ins Gewicht. Doch schon beim Baumarkt oder Handwerker, KFZ-Betrieb u. a. kann sich das bemerkbar machen. Auch die Berechnng, ob über Waben, Zonen oder we auch immer abgerechnete Preise für öffentliche Verkehrsmittel unterscheiden sich alleine schon von Stadt zu Stadt. Das hat also weniger mit Vorstellungskraft (man merkt aber hier im Thread schon manchmal das sie wirklich fehlt ;-), als mit dem realen Leben und den dazu gehörenden Notwendigkeiten zusammen.


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10.10.2020 um 22:53
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Ja gucke ma. Jahreswagen bar bezahlen ist bei mir nicht drin. Und jetzt will man dem armen Volke mehr Regelsatz geben, und mir dafür noch mehr wegnehmen. Das ist schon gemein... nicht?
Nein, jeden Falls nicht in dem Sinne dem auf ALG angewiesenen die Schuld zuzuschreiben. Das ist ja auch eben immer wieder einfach, ohne sich mal grundlegende Gedanken über die Vergangenheit und was die Agenda 2010 da so angerichtet hat zu machen . Es ist etwas müßig Menschen davon abzubringen sich immer nach unten mit ihren Problemen bei der Fehlersuche zu orientieren.

Hier nur mal die Reallohnentwicklung bis 2014:
https://www.bpb.de/politik/innenpolitik/arbeitsmarktpolitik/187829/lohnentwicklung-in-deutschland-und-europa (Archiv-Version vom 11.10.2020)
... Außerdem sind die Arbeitsmarktreformen, vor allem die "Hartz-Reformen" dafür ursächlich. Der ohnehin durch die schwache konjunkturelle Entwicklung ausgelöste Lohndruck wurde durch die Arbeitsmarktreformen, mit der einhergehenden Ausdehnung des Niedriglohnsektors, weiter verschärft.
Und bis heute hat sich noch nicht so sehr viel verändert. Der eingeführte Mindestlohn konnte nur teilweise eine geringe Verbesserung bewirken.


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10.10.2020 um 23:15
Zitat von OptimistOptimist schrieb:das ist doch nun quatsxh, bleibe bitte sachlich - das war auf die Woche bezogen.
Das ist dann wohl ein Verständnisfehler bei dir. Wenn man bei uns in der Gegend sag "Ich hab heute nur ein Brot gegessen", dann meint man eine Scheibe Brot, nicht einen ganzen Laib.
Zitat von OptimistOptimist schrieb:was unterstellst du mir hier für einen Nonsens?
Ich unterstelle dir rein gar nichts. 4-5 Scheiben Brot allein zum Frühstück, dann Mittagessen, ganz vielleicht nachmittags einen Snack, abends nochmal 4-5 Scheiben Brot, das ist schon nicht wenig. Wenn du dann gleichzeitig schlank bist, dann magst du wohl zu den mehr oder minder glücklichen "Ich kann essen was ich will, ich nehme nicht zu!"-Menschen. Mehr habe ich nicht gesagt.
Zitat von OptimistOptimist schrieb:wie gesagt, da möchte ich nicht wissen, wie wenig Gemüse das ist? In meiner Region ist Gemüse ziemlich teuer, auf 3,50 käme ich locker, wenn ich satt werden wöllte.
Reichlich.
Zitat von OptimistOptimist schrieb:ber nicht von mir. Trenne bitte die Aussagen der user und gehe bitte nur auf meine Aussagen ein.
Nein, weil das hier keine Einzeldiskussion ist. Das endet nur wieder in einem Zitate-Wald. Ich habe keine Lust mit dir auszudiskutieren, warum ich deinen Brotkonsum für außergewöhnlich hoch halte, wie ein ALG II-Empfänger das trotzdem finanzieren kann, nur damit dann User XY ankommt und fragt "Und was ist mit dem 5-Uhr-Tee???". Wirklich nicht. Das siehst du nämlich hieran:
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Mir gings nur darum aufzuzeigen, dass die Beispielsrechnung von @chriseba keine Allgemeingültigkeit haben kann und sogar auch noch eine Mahlzeit vergessen worden war (Abendbrot) ;)
Eine Allgemeingültigkeit nehme ich nicht einmal in Anspruch, ich bezog mich auf eine bestimmte Frage, eines bestimmten Users. Und jetzt diskutiere ich mit dir über Brot, weil ich das Abendessen nicht expliziert aufgeführt hatte. Nee, da habe ich echt keine Lust zu.
Zitat von masiquodomasiquodo schrieb:Nein, jeden Falls nicht in dem Sinne dem auf ALG angewiesenen die Schuld zuzuschreiben.
Ich will dem Arbeitslosen gar nicht die Schuld geben. Aber er verlangt Gerechtigkeit, und die bestünde dann darin, mir mehr wegzunehmen, obwohl ich für seine Situation nunmal rein gar nix kann. Das will er dadurch erreichen das er mir erzählen will, er müsse Fensterkitt fressen, weil das Geld nicht reicht. Und das in einem Thread in dem es unter anderem darum geht, das es dem Einzelnen ja unzumutbar ist, seine Termine beim KJC wahrzunehmen. Der Allgemeinheit soll es aber zumutbar sein, jeden persönlichen Lebensentwurf ("Ich esse das nicht! Ich will was anderes!", "Ich lasse mir das Rauchen nicht verbieten!", "Ich brauche unbedingt dasunddas!") zu finanzieren.

Es soll das Existenzminimum sichern, und nicht jeden Biobio-Lifestyle. Das dann immer mal wieder User auftauchen und was von "Sportverein für Kinder" erzählen, aber noch nie vom Bildungs- und Teilhabepaket gehört haben, machts dann echt auch nicht mehr besser.


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10.10.2020 um 23:35
Ich weiß nicht ob es "die Tafel" überall gibt aber sofern man Geringverdiener oder sonst ALG II-Bezieher ist hat man doch einen Anspruch auf diese? Und ich finde auch, dass das, was die Tafel an Lebensmitteln ausgibt nicht wenig ist. Da könnte man locker auch 5 Scheiben Brot morgens, mittags, abends essen, wenn man das denn möchte. Hier zumindest hat die Tafel sogar einen Bringdienst (und sucht dafür immer Ehrenamtliche, die das machen).
Ich finde sogar, dass ALG II-Bezieher es damit leichter haben als solche, die sich an der Grenze dazu bewegen und ihre Lebensmittel deshalb selbst einkaufen "müssen". Das kann unter Umständen schon dazu führen, dass die am Ende des Monats weniger Geld übrig haben als der ALG II-Bezieher.


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10.10.2020 um 23:37
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Ich will dem Arbeitslosen gar nicht die Schuld geben. Aber er verlangt Gerechtigkeit, und die bestünde dann darin, mir mehr wegzunehmen, obwohl ich für seine Situation nunmal rein gar nix kann.
Ich glaube dies ist eben der Fehlschluss. Es geht zunächst mal um politische und wirtschaftliche Entscheidungen, die ebenso für Arbeitslose oder-suchende, als auch für die unteren Einkommenschichten die Situation verbessern helfen. Denn diese ja nicht kleine Gruppe hatte bisher die größten Einbußen zu verzeichnen. Einbußen, die auch in Krisenzeiten Lohnverzicht bedeuteten, der aber ebenso wenig bis heute wieder aufgeholt werden konnte, wie sich irgendwie anderweitig für sie großartig verbessert hätte. Der eben verlinkte Artikel geht darauf ein, ein weiteres Kapitel dreht sich zum Beispiel noch mal dedizierter um den Niedriglohnsektor. Dieser wurde in Deutschland seit der Agenda 2010 in derartige Größenordnungen gebracht, dass wir uns damit zum Buhmann in Europa gemacht haben. Im Vergleich liegen wir da vor nur noch wenigen anderen osteuropäischen Ländern. Am besseren Ende, mit kaum vernehmbarem Niedriglohnbereich stehen z.B. die skandinavischen Länder. Die Zusammenhänge sind eigentlich überdeutlich und die mitgebrachten Probleme und Zeichen kaum fehl zu deuten.

Man darf sich durchaus darüber Gedanken machen ob es sinnvoll erscheint, dass sich die ähnlich benachteiligten Gruppen im unteren Einkommensbereich gegenseitig ausspielen lassen. Um das zuverhindern wäre viel wichtiger zu realisieren was tatsächlich passiert ist mit den Löhnen, den Arbeitsplätzen, ja auch welchen Anteil und Rolle die immer weiter getriebene Leiharbeit dabei spielt.
Zitat von chrisebachriseba schrieb:aber noch nie vom Bildungs- und Teilhabepaket gehört haben
Naja, also da sollte man dann schon mal mit konkreten Zahlen und realen Preisen für Vereinsmitgliedschaften und ähnlichem kommen. ich bin da nicht im Thema drin, habe aber schon vernehmen dürfen es wäre ähnlich knapp gestrickt wie die Regelsätze von H4 berechnet.


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10.10.2020 um 23:59
Zitat von YaaCoolYaaCool schrieb:Ich weiß nicht ob es "die Tafel" überall gibt aber sofern man Geringverdiener oder sonst ALG II-Bezieher ist hat man doch einen Anspruch auf diese? Und ich finde auch, dass das, was die Tafel an Lebensmitteln ausgibt nicht wenig ist.
Nicht die Arbeit der Tafeln steht in der Kritik, jedoch die Sozialpolitik, die dies als Albi instrumentalisiert es gebe keine verstetigte Armut in Deutschland. Nicht mißverstehen, die Tafeln sind für sehr viele Menschen am unteren Ende der der Einkommens- und Armutsskala sehr wichtige und lebenserhaltende Institutionen. Den Menschen, die dort Aufgaben übernommen haben und auch ehrenamtlich arbeiten kann man nicht genug dafür danken die Menschen zu unterstützen und die Trägervereine und unterstützer auch ein Stück weit wieder eine gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen (Kaffetreff, Werkstätten und andere soziale Angebote).

Doch für den Staat ist es ebenso ein Armutszeugnis (sic!) nicht ausreichend Geld für einen vernünftigen Einkauf bereit zu stellen (was ja auch zusätzlich dem örtlichen Handel zugute käme) zum anderen zeigt es den abartig und von nur noch Wachstum und Gier nach noch mehr Auswahl getriebenem Konsum. Die Tafeln waren ursprünglich nur für wirkliche Not weniger gedacht, die durch alle sozialen Netze gerutscht waren. Heute jedoch werden sie durch immer weiter betriebenen Anzahl und Professionalisierung, ich glaube in Bayern dachte man schon über große zentrale Kühlhäuser und Verteilerlogostik nach, zu einer Konkurrenz zu Lebensmittel- und im Zusammenhang mit Sozialkaufhäusern auch dem restlichen Einzelhandel. Kritik bezieht sich eben auch darauf, dass viele Menschen dort ehrenamtlich oder staatlich subventioniert arbeiten und somit auch eine Art "Lohndruck" auf den normalen Einzelhandel ausgeübt wird.


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11.10.2020 um 00:00
Zitat von Ray.Ray. schrieb:Nun aus dem Satz, daß mich ein Sachbearbeiter des Jobcenters auf das Rauchen ansprechen soll und mir eine Therapie am besten mit verkaufen soll.
Achso. Das Ansprechen und Empfehlen von Möglichkeiten, um Arbeitslosigkeit zu beenden und den Schulden Herr zu werden, ist gleichzusetzen mit einseitigen Diktaten, wie ein Leistungsbezieher zu leben hat.


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11.10.2020 um 00:14
Zitat von YaaCoolYaaCool schrieb:"die Tafel"
Ein Artikel, der die Kritik an der Tafelbewegung schon 2008 aufgriff. Dieser Artikel soll als Information dienen. Ergänzend zu dem was ich eben dazu geschrieben hatte.

https://www.tagesspiegel.de/politik/kritik-caritas-suppenkuechen-festigen-armut/1403910.html


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11.10.2020 um 00:47
@masiquodo

Ich wollte damit auch nur sagen, dass zumindest bei Bezug von ALG II keine "Notwendigkeit" besteht zu hungern, ganz gleich viele Scheiben Brot man zu welcher Zeit auch immer essen möchte. Aber ja, gäbe es die Tafel nicht wäre das sehr wohl ein Problem wie auch für die Geringverdiener, die sich an der Grenze zum Aufstocken bewegen.


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11.10.2020 um 07:44
Zitat von YaaCoolYaaCool schrieb:Ich weiß nicht ob es "die Tafel" überall gibt aber sofern man Geringverdiener oder sonst ALG II-Bezieher ist hat man doch einen Anspruch auf diese? Und ich finde auch, dass das, was die Tafel an Lebensmitteln ausgibt nicht wenig ist
Die Masse ist sicher in Ordnung, aber die Qualität nicht immer.
Ich kenne ein paar Leistungsbezieher, welche mir mal ihre Pakete von der Tafel gezeigt hatten: Mehr als die Hälfte des Obst und Gemüses war schon vergammelt (würde ich teilweise nicht mal an Schweinen verfüttern). Das meiste dEs Brotes schon hart.
Die haben natürlich einen großen Teil wegschmeißen müssen. Nicht weil es ihnen zu gut geht oder sie undankbar sind, sondern weil es trotz Hunger teilweise nicht essbar war.

Vielleicht wird woanders besser aussortiert und ich will die Arbeit der Tafelmitarbeiter keinesfalls schlechtreden.
Ich wollte damit nur sagen, wenn manche glauben, vom Tafeln könnte sich in jedem Falle jemand großartig "über Wasser halten" das ist eben nicht immer und überall gegeben.
Zitat von YaaCoolYaaCool schrieb:Hier zumindest hat die Tafel sogar einen Bringdienst (und sucht dafür immer Ehrenamtliche, die das machen).
das ist sehr lobenswert und kann man nicht genug anerkennen.
Das sehe ich aber wieder als Übertreibung in die andere Richtung.
Man muss doch verlangen können, dass Bedürftige selbst kommen.
Oder meintest du, dass nur an Gehbehinderte geliefert wird? (das wäre natürlich okay)
Zitat von YaaCoolYaaCool schrieb:Ich finde sogar, dass ALG II-Bezieher es damit leichter haben als solche, die sich an der Grenze dazu bewegen und ihre Lebensmittel deshalb selbst einkaufen "müssen
klar haben sie es leichter. Und der Staat verlässt sich mit seiner Lebensmittelberechnung vielleicht sogar darauf?
Zitat von chrisebachriseba schrieb:Ich will dem Arbeitslosen gar nicht die Schuld geben. Aber er verlangt Gerechtigkeit, und die bestünde dann darin, mir mehr wegzunehmen, obwohl ich für seine Situation nunmal rein gar nix kann.
Zitat von masiquodomasiquodo schrieb:Ich glaube dies ist eben der Fehlschluss. Es geht zunächst mal um politische und wirtschaftliche Entscheidungen, die ebenso für Arbeitslose oder-suchende, als auch für die unteren Einkommenschichten die Situation verbessern helfen.
sehe ich genau so.

Und zudem, wo soll der Anreiz für eine Jobaufnahme herkommen, wenn man dann vielleicht genau so viel verdient, wie ein Billiglöhner, der aufstocken muss?
Solch ein Arbeitsloser würde vom Regen in die Traufe kommen, wäre - trotz 40-Stunden-Woche immer noch auf staatliche Hilfe angewiesen, müsste zum Amt um "Almosen" bitten, was wohl niemand so toll findet.

Da müsste halt angesetzt werden. In den skandinavischen Ländern klappts anscheinend besser.

Der eben verlinkte Artikel geht darauf ein, ein weiteres Kapitel dreht sich zum Beispiel noch mal dedizierter um den Niedriglohnsektor. Dieser wurde in Deutschland seit der Agenda 2010 in derartige Größenordnungen gebracht, dass wir uns damit zum Buhmann in Europa gemacht haben. Im Vergleich liegen wir da vor nur noch wenigen anderen osteuropäischen Ländern.
das ist es.
Und diejenigen, welche auf Arbeitslose herabsehen, könnten irgendwann vielleicht selbst mal in solch eine Lage kommen.
Man darf sich durchaus darüber Gedanken machen ob es sinnvoll erscheint, dass sich die ähnlich benachteiligten Gruppen im unteren Einkommensbereich gegenseitig ausspielen lassen. Um das zuverhindern wäre viel wichtiger zu realisieren was tatsächlich passiert ist mit den Löhnen, den Arbeitsplätzen, ja auch welchen Anteil und Rolle die immer weiter getriebene Leiharbeit dabei spielt.
ganz genau.
In diesem System werden oftmals Gruppen gegeneinander ausgespielt (manchmal vielleicht mehr oder weniger unbewusst und subtil), was diese Gesellschaft spaltet. Aber Einigkeit wird evtl. gar nicht angestrebt, habe ich manchmal so den Eindruck.


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11.10.2020 um 07:54
Zitat von YaaCoolYaaCool schrieb:Ich weiß nicht ob es "die Tafel" überall gibt aber sofern man Geringverdiener oder sonst ALG II-Bezieher ist hat man doch einen Anspruch auf diese?
Man hat als Hartz IV Empfänger nicht einen Anspruch auf die Tafel. Meist können die auch gar nicht so viele Menschen versorgen wie sich melden.
Zitat von AldarisAldaris schrieb:Achso. Das Ansprechen und Empfehlen von Möglichkeiten, um Arbeitslosigkeit zu beenden und den Schulden Herr zu werden,
Was hat das Rauchen mit der Arbeitslosigkeit zu tun?
Nun dann könnte man genauso gut sagen, daß man in Zukunft die Butter vom Brot unten lassen soll um Geld zu sparen. Nicht bei jedem ist das Rauchen schuld an den Schulden. Abgesehen davon wäre ein Hinweis auf die privat Insolvenz vielleicht auch ein Weg. Warum nicht das vorschlagen? Gut fände ich auch unangebracht.


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11.10.2020 um 08:01
@Ray.
Zitat von Ray.Ray. schrieb:Was hat das Rauchen mit der Arbeitslosigkeit zu tun?
In erster Linie sieht man da keinen Zusammenhang, jedoch stellt man die Frage anders wird ein Schuh draus.
"Ist das Rauchen ein Hindernis?". Kommen finanzielle Probleme dazu, ist es berechtigt und legitim anzusprechen ggf mit dem Rauchen aufzuhören besonders wenn noch gesundheitliche Probleme dazu kommen.
Es sind Ratschläge bzw. Lösungsansätze, die muss man nicht annehmen.

Eine Privatinsolvenz ist Erfahrungsgemäß oft gar nicht notwendig, zumal es ein absoluter Motivationskiller ist, was die Arbeitssuche angeht.


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11.10.2020 um 08:51
Zitat von capspauldincapspauldin schrieb:"Ist das Rauchen ein Hindernis?". Kommen finanzielle Probleme dazu, ist es berechtigt und legitim anzusprechen ggf mit dem Rauchen aufzuhören besonders wenn noch gesundheitliche Probleme dazu kommen.
Nun wenn es von der Familie oder Freunden kommt ist das ja auch ok.


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11.10.2020 um 08:53
Zitat von Ray.Ray. schrieb:Was hat das Rauchen mit der Arbeitslosigkeit zu tun?
Nun dann könnte man genauso gut sagen, daß man in Zukunft die Butter vom Brot unten lassen soll um Geld zu sparen. Nicht bei jedem ist das Rauchen schuld an den Schulden. Abgesehen davon wäre ein Hinweis auf die privat Insolvenz vielleicht auch ein Weg. Warum nicht das vorschlagen? Gut fände ich auch unangebracht.
Ich sehe oft dass Vorschläge gerne als Vorschreiben wahrgenommen wird. Aus meiner Sicht macht man es sich damit zu einfach.

Wenn ein Leistungsbezieher sagt er bekomme zu wenig und die Gesellschaft müsse mehr rausrücken finde ich es legitim auch mal in die andere Richtung zu schauen und darauf hinzuweisen wenn auch beim Leistungsbezieher noch Optimierungspotential besteht.

Und wenn jemand zB Schulden hat die er nicht bezahlen kann finde ich es unangemessen wenn der Gläubiger auf die Zahlung verzichten soll und der Schuldner weiterraucht. Damit macht man im Einzelfall eine soziale Notlage unglaubwürdig.


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11.10.2020 um 09:11
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Das sehe ich aber wieder als Übertreibung in die andere Richtung.
Man muss doch verlangen können, dass Bedürftige selbst kommen.
Oder meintest du, dass nur an Gehbehinderte geliefert wird? (das wäre natürlich okay)
Natürlich nicht für jeden. Ich denke das hängt (abgesehen von Corona) stark damit zusammen, dass ein Großteil der Kunden der Tafel Renter sind und viele auch einfach nicht mehr so können.
Ich erwähnte das weil hier auch die Mobilität besonders auf dem Land als Problem beschrieben wurde. So könnte sich jemand, der sich kein eigenes Fahrzeug leisten kann und bei dem auch die Öffentlichen nicht ausreichen, zu mindest bei der Tafel hier, trotzdem bei der Tafel melden und sie würden ggf. jemanden vorbei schicken. Welche Voraussetzungen genau dafür erfüllt werden müssen weiß ich aber nicht.
Aber ich kenne das Problem von fehlender Mobilität auf dem Land durchaus und es ist nicht so, dass man sagen könnte "Bushaltestellen gibt es in jedem Ort", das bedeutet noch lange nichts. In dem Dorf, in dem ich damals gewohnt hab fuhr bspw. ein Bus um 08:10 Uhr (etwa eine Stunde Fahrt weil er alle möglichen anderen Orte abfahren musste) und der letzte um 4:25 Uhr wieder zurück (ebenfalls eine Stunde Fahrt). Beide Zeiten waren mehr als ungünstig für zB eine "normale" Arbeitsstelle, musste man in die "Stadt" für Behörden, andere Termine oder Besorgungen, bedeutete das schon mal gerne, dass man 2-3 Stunden Aufenthalt einplanen musste und hatte man diesen Bus dann verpasst (weil der Termin zB länger dauerte) konnten das auch mal 5 Stunden werden. Und wenn du ohnehin kein Geld hast ist da nichts mit Zeittotschlagen durch Bummeln-Gehen oder in ein Cafe setzen o.ä.
Mal ganz davon abgesehen, dass die Öffentlichen auch alles andere als günstig sind.. die Tafel hat auch nicht den ganzen Tag offen. Wenn auf dem Land also kein passender Bus fährt würde das bedeuten, dass du entweder viel zu früh da bist und dann jedes Mal mehrere Stunden warten musst (und im Anschluss vielleicht dann auch mehrere Stunden mit deinen Lebensmitteln warten musst bis etwas zurück fährt) oder eben einfach Pech gehabt hättest.

Edit:
Zitat von OptimistOptimist schrieb:klar haben sie es leichter. Und der Staat verlässt sich mit seiner Lebensmittelberechnung vielleicht sogar darauf?
Du meinst mit der Lebensmittelkostenberechnung? Ich bin mir nicht sicher ob er sich darauf "verlässt" aber er ruht sich darauf aus.

https://www.hartziv.org/news/20191205-hartz-iv-erhoehung-so-setzt-sich-der-regelsatz-2020-zusammen.html
Ich denke das größte Problem dabei ist das Pauschalisieren. Mir ist bewusst, dass man die Beträge ja irgendwie berechnen muss. Für mich klingen 150€ für eine alleinstehende Person für Lebensmittel z.B. erstmal nach ausreichend (nicht viel aber ausreichend), in der Realität sieht das dann aber oft anders aus weil die anderen Anteile höher als vorgesehen ausfallen können, was dann bedeutet, dass du an anderen Stellen sparen musst und damit ggf. keine 150€ im Monat übrig bleiben. Der Satz bietet keine bis kaum Möglichkeiten für Rücklagen, was dazu führt, dass wenn etwas unverhofftes passiert, die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass das Geld nicht reicht - auch nicht für Lebensmittel.

Ich finde zB, dass die 38,32 € für Energie schon zu knapp bemessen sind. Ich lebe alleine und zahle aktuell 45€ pro Monat für Strom und laut den jährlichen Aufstellungen meines Stromanbieters verbrauche ich weniger als der Durchschnitt.
Bei 26,61€ für Haushaltsgeräte/gegenstände kann man jetzt sagen, ja, die kauft man nicht jeden Monat, du musst dir trotzdem überlegen wie lange du da sparen müsstest wenn zB deine Waschmaschine kaputt geht oder du irgendwas anderes brauchst.
Natürlich müssen Arbeitnehmer solche Dinge auch bezahlen und ggf. für teurere Anschaffungen sparen, vom Niedriglohnsektor mal abgesehen haben diese aber in der Regel Rücklagen, oder die Möglichkeit solche zu bilden, die das dann abfangen oder zumindest nicht ganz so dramatisch machen.
Ich bin mir gerade nicht sicher was mit "Nachrichtenübermittlung" gemeint ist aber interessant, dass nur 1,12€ für Bildung vorgesehen sind.

Edit:
Die groß angekündigte Hartz IV Anpassung für 2020 beweist sich in Anbetracht der enorm steigenden Strompreise als Milchmädchenrechnung. Es ist daher ein Trugschluss anzunehmen, dass Leistungsempfänger durch die Hartz IV Erhöhung 2020 mehr Geld zur Verfügung haben werden als zuvor.



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11.10.2020 um 09:51
Zitat von sacredheartsacredheart schrieb:Und wenn jemand zB Schulden hat die er nicht bezahlen kann finde ich es unangemessen wenn der Gläubiger auf die Zahlung verzichten soll und der Schuldner weiterraucht. Damit macht man im Einzelfall eine soziale Notlage unglaubwürdig.
Das mag man vermessen finden oder nicht aber niemand kann es verhindern. Wenn schließlich am Monatsende nichts mehr da ist kann ein Gläubiger haben wollen was er will.


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11.10.2020 um 10:57
Zitat von Ray.Ray. schrieb:Man hat als Hartz IV Empfänger nicht einen Anspruch auf die Tafel. Meist können die auch gar nicht so viele Menschen versorgen wie sich melden.
Das kommt zudem noch dazu. Die Zahl der Menschen, die dort Hilfe suchen ist ja auch sehr stark angewachsen. Also ich kenne nur ansatzweise die Tafel in einer Nachbarstadt, da darf man pro Woche einmal hin um sich was abzuholen. Die Wochentage sind meines Wissens entsprechend des Alphabetes aufgeteilt. Es ist dabei immer schwierig gerecht vorzugehen, gerade in größeren Städten, man bemüht sich aber jedem ein entsprechendes und ansprechendes Angebot bieten zu können.


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