Fritzchen037 schrieb:Woher weißt Du das? Weil Du verschiedene Formen von Kapitalismus vergleichst?
Nein, zudem Dinge wie Knappheit der Güter bzw. das Ressourcenproblem unabhängig vom Wirtschaftssystem sind bzw. existiert. Kommunismus hat keine magische Lösung dafür und Karl Marx sowieso nicht. Der hat auch noch in ganz anderen Zeiten gelebt. Und wie gesagt auch das Machtproblem bleibt ungelöst und endet sogar zwangsweise in autoritäre oder totalitäre Regimes wie auch die Geschichte bisher zeigte.
Wir brauchen moderne Lösungen und keine veralteten Lösungen. Zudem Kapitalismus bisher jedem kommunistischen Experiment eindeutig überlegen war, sieht man historisch auch und wie weit uns die kapitalistische "Weltordnung" gebracht hat und im Gegensatz zu Kommunismus - praktisch funktioniert hat und funktioniert.
Fritzchen037 schrieb:Wer ist der "Rest der Gesellschaft"? Was meinst? Sind die Ausbeuter und Selbstausbeuter die "Mehrheit der Gesellschaft"? Oder der "Rest"?
Die breite Mittelschicht vor allem. Außerdem ist deine Klasseneinteilung sowieso ein veraltetes Konzept in der modernen kapitalistischen Gesellschaft gerade im Westen. Angestellte heutzutage haben vielerlei Möglichkeiten sich selbst aufzubauen, die meisten auch die Möglichkeit eigene Produktionsmitteln zu haben und sich unabhängig zu machen sowie sich auszusuchen für wen und mit wem sie arbeiten wollen bis zu einem gewissen Grad. Wie gesagt wir sind schon lange nicht mehr im 19. Jahrhundert.
Die Mehrheit der Gesellschaft hat kein Interesse an einer gewaltsamen Revolution oder der Abschaffung des Privateigentums. Sie wollen faire Löhne, gute Arbeitsbedingungen, Sicherheit und die Freiheit, sich durch eigene Leistung Wohlstand aufzubauen. Das marxistische Konzept, dass eine kleine Elite eine riesige, homogene Masse von "elenden Sklaven" ausbeutet, entspricht einfach nicht mehr der Lebensrealität in modernen demokratischen Staaten.
Fritzchen037 schrieb:Sag mal, wie ist die denn?
Der Mensch ist evolutionär darauf programmiert, zuerst für sich selbst, seine Familie und seine engste Gruppe (Tribalismus) zu sorgen. Kooperation funktioniert in der Natur vor allem durch das Prinzip: „Wie du mir, so ich dir“ (Reziprozität). Ein System, das verlangt, dass jeder Fremde in einer anonymen Millionen-Gesellschaft genauso hart für mich arbeitet wie für sich selbst, ignoriert diesen biologischen Antrieb.
Menschen brauchen Anreize, um Höchstleistungen zu erbringen oder Risiken einzugehen (z.B. jahrelange harte Ausbildung, Firmengründungen). Wenn das Belohnungssystem komplett abgekoppelt wird (weil am Ende das Komitee entscheidet, wer was bekommt), sinkt die Produktivität drastisch. Das hat nichts mit „kapitalistischer Gehirnwäsche“ zu tun, sondern ist in jeder menschlichen Kultur beobachtbar.
Zur menschlichen Natur gehört leider auch das Streben nach Status und Macht. Wenn man das Geld abschafft, verschwindet dieses Streben nicht – es verlagert sich nur. Im Kapitalismus streben Menschen nach finanziellem Erfolg; im Kommunismus streben sie unter anderem nach politischem Einfluss im Komitee oder wer sonst die Macht hat. Und politische Macht über die Ressourcenverteilung ist oft weitaus gefährlicher und korrumpierender als reines Geld.