emanon schrieb:Ich habe jetzt nicht den Eindruck, dass diese Vorhaben ST in den Bildungshimmel katapultieren werden.
Das sicherlich nicht, und mit dem aktuellen Kultusminister Jens Riedel sind wir hier in ST auch gut bestückt, nachdem dessen Vorgängerin im Amt durch ihn ersetzt worden ist. Nachdem ich mir das Wahlprogramm der AfD zu Bildungsfragen durchgelesen habe, kann ich mir dazu jetzt auch ein fundierteres Urteil bilden.
Inklusion soll abgeschafft werden. Stattdessen sollen Förderschulen ausgebaut werden, um eine spezifischere Förderung gewährleisten zu können, die der Art und dem Grad der Behinderung der Schülerinnen und Schüler gerecht wird. Klingt erst mal gut, ist aber trotzdem schlecht umsetzbar, da die erforderlichen Kapazitäten an Förderschulen zunächst mal geschaffen werden müssten. In den größeren Städten vielleicht machbar, aber in den ländlichen Gebieten eben nicht. Dort müssten dann die betreffenden Kinder und Jugendlichen aus den ortsnahen Schulen herausgenommen und dann in die meist weiter entfernten Förderschulen transportiert werden - eine Kostenfrage und eine Zeitfrage wegen des längeren Schulweges. Klassen mit inkludierten Schülern im GU (gemeinsamem Unterricht) stellen hier die praktikablere Lösung dar, zumal GU oder Förderschule auf Basis der Freiwilligkeit seitens der Eltern zugeteilt wird. Es kommt also preiswerter und für die Schülerinnen und Schüler effizienter, wenn man Inklusion weiter laufen lässt.
Flüchtlinge sollen in eigenen Flüchtlingsklassen mit Lerninhalten der Heimatländer durch Lehrkräfte aus deren Heimatländern unterrichtet werden, um sie auf ein Leben in ihren Heimatländern nach erfolgter Ausreise aus Deutschland besser vorzubereiten. Klingt zwar erst mal vernünftig und wohlwollend, ist aber dennoch mit EU-Recht und dem Grundgesetz nicht vereinbar, da hierbei der Gleichheitsgrundsatz verletzt wird.
Eltern erhalten das Recht auf Hausbeschulung, müssen aber durch halbjährliche Tests nachweisen, dass sie staatlich vorgegebene Bildungsstandards einhalten. Anderenfalls wird die Schulpflicht wieder angeordnet. Entsprechende Kapazitäten sind seitens der Schulen vorzuhalten. Das könnte teuer werden - sowohl was den bürokratischen Aufwand betrifft, der die Kontrolle umfasst, wie auch was die Vorhaltung der Kapazitäten betrifft, hinsichtlich Stundenzuteilung und Lehrkräfteauslastung an den Schulen, denn freigehaltene Kapazitäten müssen ebenfalls bezahlt werden.
Rückkehr zum dreigliedrigen Schulsystem nach der Grundschule, Schullaufbahnempfehlungen sollen verbindlich per Konferenzbeschluss durch die Schulen angeordnet werden ohne Mitbestimmungsrecht der Eltern. Kann man machen, aber hebt nicht notwendigerweise den Bildungsstand in den jeweiligen Schulzweigen - insbesondere die Hauptschulen verkommen dann zur Resterampe, wo sich all jene sammeln, die überall sonst durch das Raster gefallen sind - Disziplinverstöße und Schulschwänzerei inklusive. Was die Auslesekriterien betrifft, setzt man auf Leistungsdrill, statt auf Kompetenzen, was zwar zu einer entsprechend kenntnisreichen Elite an Schülerschaft in den Gymnasien führen kann, die es dann auch in die Universitäten schafft, aber infolge hohen Leistungsdrucks dann auch mehr Schülerinnen und Schüler in psychische Probleme drückt, wenn sie den Anforderungen nicht mehr standhalten.
Insgesamt also mehr Drill, mehr Druck, mehr Selektion und dadurch mehr hierarchische Separierung der Schülerschaft, die die hierarchische Schichtung der Gesellschaft in Oberschicht und Unterschicht(en) eher verstärken als nivellieren wird. Die Durchlässigkeit von unten nach oben über Bildung wird dadurch noch stärker eingeschränkt als es jetzt schon ist. Nach meinem Dafürhalten orientiert sich die AfD hier eher am Wilhelminischen Zeitalter als an der Moderne - sehr altbacken alles.