anthe schrieb:Ich ergänze um: Liebe zum Verbrenner, Technologieoffenheit für AKW, schnell wieder billiges Gas aus Rußland importieren, keinen Cent mehr in die Verteidigung der Ukraine.
Leider alles so hunderprozent zutreffend und aus meiner bescheidenen Sicht auch das alles komplett falsch, nicht innovativ und rückwärts gewand.
Vielleicht ist auch eine ordentliche Portion Hass auf die anderen Parteien dabei.
Wenn 40% in Thüringen und 27-30% bundesweit AfD wählen würden, dann können das nicht alles überzeugte Rassisten, Reichsbürger oder Chemtrail-Gläubige sein – das ist statistisch schlicht nicht plausibel. Diese Randgruppen gibt es, aber sie erklären keine Wahlergebnisse dieser Größenordnung.
Was Wahlanalysen (infratest dimap, WZB, Bertelsmann Stiftung u.a.) eigentlich zeigen:
Ein großer Teil sind Protestwähler, die primär gegen die etablierten Parteien stimmen, nicht zwingend für ein AfD-Programm.
Migration wird zwar oft als Sorgethema genannt, aber gerade Thüringen zeigt das sogenannte "Kontaktparadox": Das Bundesland hat einen der niedrigsten Ausländeranteile Deutschlands, trotzdem ist die AfD dort am stärksten. Tatsächliche Migration korreliert eher negativ mit AfD-Zustimmung – Großstädte und Regionen mit viel Zuwanderung wählen tendenziell weniger AfD. Migration ist hier also weniger ein Erfahrungsthema als ein mediales, diffuses Angstthema.
Strukturelle Abstiegsängste, besonders in strukturschwachen Regionen: Bevölkerungsschwund, Abwanderung junger Menschen, Überalterung, geringere Löhne, wirtschaftliche Strukturschwäche seit der Wende.
Ost-spezifisch: geringeres institutionelles Vertrauen seit der Wendezeit, andere Erfahrungswelt.
Ein generelles Gefühl von Kontrollverlust – über die eigene wirtschaftliche und demografische Zukunft, unabhängig davon, ob konkrete Migration sichtbar ist.
Und ein Normalisierungseffekt: Je höher die Umfragewerte, desto eher trauen sich auch gemäßigtere Wechselwähler, das offen zuzugeben.
Kurz: Die unbequeme Wahrheit ist, dass ein erheblicher Teil enttäuschte Wechselwähler der Mitte sind – nicht Überzeugungstäter, die aus direkter Erfahrung heraus handeln. Das lässt sich nicht mit "die sind halt alle Rassisten" erklären, und genau das macht die Lage politisch brisanter.
Und das früher das ein oder andere gut war und zwar egal ob in Ost oder West, stimmt zwar teilweise, aber ich habe sehr starke Zweifel, dass die AFD uns das zurück holen wird. Im Gegenteil.
Mit der Technologie von vorvorgestern und der Ideologie der 1930 er Jahre wird man heutzutage keinen einzigen Blumentopf gewinnen und genau das werden wir bald live erleben.