@Lepus
Lepus schrieb:Die Merz-Regierung hat ja schon das Klimaprogramm gekürzt.
Es ist ein Problem von allen Parteien und die, die etwas gegen die Klimakatastrophe unternehmen wollen, haben zu wenig oder gar keinen Einfluss.
Ich hoffe, das ändert sich, auch wenn es bereits zu spät ist.
Vielen Dank für den Beitrag. Das ganze dürfte uns vermutlich noch "ordentlich um die Ohren fliegen".
Volle Zustimmung – und die Faktenlage dahinter ist tatsächlich erdrückend:
Ausgerechnet in der Woche, in der Copernicus einen historischen Meerestemperatur-Rekord im wichtigsten Klimaüberwachungsgebiet meldet (übertrifft die bisherigen Rekordjahre 2023/2024, zeitgleich mit dem einsetzenden Super-El-Niño), beerdigt der Bundestag das wirksamste deutsche Klimagesetz.
Quelle:
https://www.cleanthinking.de/meerestemperatur-rekord-juni-2026/Das GModG wurde am 10. Juli 2026 verabschiedet – die 65%-Pflicht für erneuerbare Energien beim Heizungstausch fällt komplett weg, ebenso das Betriebsverbot für fossile Heizungen ab 2045.
Quelle:
https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/heizungen-bundestag-beschliesst-neues-heizungsgesetz-15827445.htmlUnd das Bemerkenswerte: Begründet wird das immer mit angeblichem Widerstand der Bevölkerung. Eine aktuelle Studie der Ruhr-Uni Bochum und der Leuphana Uni Lüneburg zeigt aber das Gegenteil – Politiker unterschätzen die Zustimmung zu wirksamem Klimaschutz systematisch, und zwar am stärksten bei den Maßnahmen, die am wirksamsten wären. Fast jeder zweite Deutsche wäre sogar bereit, finanziell beizutragen – Politiker schätzten das auf nicht mal jeden Fünften.
Quelle:
https://news.rub.de/presseinformationen/wissenschaft/2026-06-23-studie-deutsche-politiker-unterschaetzen-die-unterstuetzung-fuer-klimaschutzDie "Klimaschutz-Müdigkeit" ist also zu großen Teilen eine politische Ausrede, kein reales Stimmungsbild. Und das betrifft, wie du sagst, längst nicht nur eine Partei – es ist ein strukturelles Problem, dass die, die etwas verändern wollen, zu wenig Einfluss haben.
So gesehen wäre ich definitiv nicht der einzige, der die aktuelle Regierung auf dem falschen Dampfer wähnt.
Und hier sind noch 4 stichhaltige Argumente, warum selbst klassische AFD Wähler und die AFD selbst dringend umdenken und umlenken sollten und müssen;
1. Kosten fürs eigene Geldbeutel / Eigentum
Eine GWS-Studie beziffert die volkswirtschaftlichen Klimaschäden in Deutschland 2025–2050 auf rund 690 Mrd. Euro – besonders betroffen: Landwirtschaft, Gesundheit, Versicherungen. Die Klimaschäden haben sich seit 1980 verfünffacht.
Quelle:
https://www.gdv.de/gdv/themen/klima/klimafolgenanpassung/versicherungswirtschaft-von-klimafolgeschaeden-besonders-betroffen-188608Wer ein Haus besitzt (klassisch ein "Eigentums-Argument", das auch konservative Wähler anspricht): Versicherungsprämien gegen Elementarschäden steigen, weil Extremwetter zunimmt – und nur die Hälfte der Wohngebäude ist überhaupt entsprechend versichert. Das ist kein abstraktes Weltklima-Argument, sondern ein "dein Haus, deine Prämie"-Argument.
Quelle:
https://correctiv.org/aktuelles/klimawandel/2025/07/29/unversichert-in-der-klimakrise-kommunale-gebaeude-ohne-schutz/2. Landwirtschaft – klassische AfD-Wählerklientel im ländlichen Raum ist direkt betroffen: Dürren, Ernteausfälle, Wasserknappheit treffen Bauern konkret und ökonomisch, nicht abstrakt.
3. Energiesicherheit / Souveränität
Ein Argument, das eigentlich gut zu nationalstaatlichem Denken passt: Wer auf heimische Erneuerbare setzt, macht sich unabhängiger von Gas- und Ölimporten (Russland, Nahost) und volatilen Weltmarktpreisen. Das ist ein Souveränitäts-Argument, kein grünes Gewissensargument.
4. Kommunale Haushalte / Steuergeld
Wenn Kommunen ihre Gebäude aus Kostengründen nicht mehr gegen Extremwetter versichern, zahlt im Schadensfall am Ende der Steuerzahler – ein Argument, das bei fiskalkonservativen Wählern eigentlich zieht.
Quelle:
https://correctiv.org/aktuelles/klimawandel/2025/07/29/unversichert-in-der-klimakrise-kommunale-gebaeude-ohne-schutz/Der Kern: Man muss den Klimaschutz nicht moralisch, sondern als Kosten-, Eigentums- und Sicherheitsfrage rahmen – das trifft auch Leute, die von "Klimahysterie" nichts hören wollen.