sacredheart schrieb:Natürlich hat die AFD den 'Vorteil', dass sie bisher -Sonnenberg klammern wir mal aus- nie liefern musste. Insofern kann sich kein Wähler auf dem Weg der erlebten Realitätsprüfung von ihr abwenden, sondern nur aus programmatischen Gründen oder wegen Personen.
Guter Punkt, der sicher auch für andere Parteien gilt: In der Zeit der Ahrtalflut hatte ich mit Grünen-Wählern geredet, die ernsthaft der Meinung waren, die Ahrtalflut wäre unter einer grünen Bundesregierung gar nicht passiert. Da waren die Grünen zu dem Zeitpunkt schon 15 Jahre nicht mehr in einer Bundesregierung gewesen. Längere Abwesenheiten von Regierungsverantwortungen führen eben auch zu großen und variablen Erwartungshaltungen.
Im Falle der Grünen ist die Popularität dann gesunken, weil in der Ampel teils Erwartungen nicht erfüllt werden konnten.
Im Bereich der AfD-Schwesterparteien kann man sich etwa die FPÖ in Österreich angucken, deren beide Regierungsbeteiligungen eher skandalträchtig waren und sie in einem Umfragetief zurückließen. In Schweden oder den Niederlangen ergeht es den Rechtsparteien aktuell ähnlich. Das Tief hielt dann aber dann auch jeweils nur ein paar Jahre an, das gehört zur Wahrheit dazu.
Was ich auch als sehr nachhaltige Gefahr sehen würde, falls die AfD verboten werden würde: Eine Art ewiger Märtyrerstatus, jahrzehntelang zelebriert von ihren 25 bis 30 % Wählern mit einem "Wie toll wär's gewesen, wenn...".
martenot schrieb:Bei den meisten AfD-Wählern hingegen scheint mir die Parteitreue deutlich größer zu sein. Deswegen denke ich, sie werden der Partei auch dann weiterhin treu bleiben, wenn es nach einem Wahlsieg zu Härten und Unannehmlichkeiten aufgrund der von der AfD verhängten Maßnahmen kommen wird.
Teilweise gibt es die beinharten AfD-Ideologen, da stimme ich zu. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass gerade eher allgemein politikverdrossenen Wähler wieder für neue Projektionsfläche bereit wären, sobald die AfD realpolitische Dinge umsetzen muss, die sie nicht billigen. Ich meine, beiden Typen von AfD-Wähler schon mal kennengelernt zu haben.
Gerade im Osten konnte man bei der Linken der 2000er-Jahre oder auch beim BSW in den letzten Jahren oft sehen, wie schnell Protestwähler wieder weg waren, sobald die Partei in die Landesregierungen hereinging und da Kompromisse schließen musste.