emanon schrieb:Wer so etwas unterstützt, der kann sich weder auf irgendeine "Protestwahl" rausreden
Ich glaube, das wollen die AfD Wähler in Sachsen-Anhalt auch gar nicht.
emanon schrieb:Der Fisch stinkt hier gewaltig und zwar nicht nur vom Kopf her.
Das tut er doch schon länger.
Ines Geipel
Wikipedia: Ines Geipeldie ich schon öfter mal zitiert hatte
hat darüber am Wochenende neuerlich einen lesenswerten Aufsatz geliefert; aus der Presseschau.
Der sachsen-anhaltinische AfD-Chef Ulrich Siegmund ist im Privatleben ein Unternehmer, der Raumdüfte vertreibt. Ines Geipel beschreibt ihn in einem ganzseitigen FAZ-Essay als Mann der Atmosphären erzeugt. Nicht verbergen kann er ihr allerdings, dass er sich in Sachsen-Anhalt in eine extrem massive Tradition des Rechtsextremismus stellt: "Nach der Revolution von 1989 waren sie sofort da. Bei Lichte besehen waren sie das allerdings schon vorher. Warum ausgerechnet Sachsen-Anhalt am 6. September für den rechten Durchmarsch herhalten soll, hat auch mit seinen tradierten Radikalformaten zu tun: mit der gut organisierten Neonaziszene noch am Ende der DDR. Der in Halberstadt gegründeten Neonazi-Gang "Wotansbrüder", den Sprengstoffanschlägen, Hakenkreuzen, Mordanschlägen auf Ausländer, den Hetzjagden in Magdeburg, Halle und Dessau. Skinheads und DDR-Staatssicherheit waren bei den Exzessen vielfach ein Nahverbund." Heute fast vergessen: Schon 1998 zog die rechtsextreme DVU mit 12,9 Prozent in den Magdeburger Landtag ein.
Quelle:
https://www.perlentaucher.de/9punkt/2026-08-17.htmlZum Letzten, Stefan Laurin sah sich - in dem Zusammenhang
All das Geld, die Reise- und Pressefreiheit, das Recht, zu demonstrieren, reichten nicht aus, um aus der Mehrheit der Ostler Demokraten im westlichen Sinn zu machen. Der Soziologe Steffen Mau stellt in seinem Buch „Ungleich vereint“ fest: „Ostdeutschland mangelt es bis heute an einem robusten sozialmoralischen und sozialstrukturellen Unterbau, der Toleranz, ein emphatisches Demokratieverständnis und ein Bekenntnis zu den Prinzipien der liberalen Ordnung tragen könnte.“ Und Ilko-Sascha Kowalczuk schreibt in „Freiheitsschock“: „Wahlforscher geben an, dass sich über die Hälfte der Ostdeutschen vorstellen könnten, die AfD zu wählen. Nimmt man noch die Prognosen für BSW und auch die Linkspartei hinzu, so steht das Wählerpotential für autoritäre, antiwestliche und kremlnahe Parteien in Ostdeutschland aktuell bei deutlich über zwei Dritteln. (…) Wir haben im Osten eine autoritäre Tradition, die über Kaiserreich, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und DDR fortwirkte.“
Quelle:
https://www.ruhrbarone.de/welches-deutschland-haetten-sie-gerne-und-wie-viele/237050/auch mal die Wahlergebnisse seit 1990 an, interessant die Grafik im Link
Das wird deutlich, wenn man sich die Wahlergebnisse im Osten anschaut: Seit Jahrzehnten stimmen dort immer mehr Menschen für die Feinde des Westens, wählten SED, DVU, NPD AfD und jetzt auch BSW:
Quelle: ebd.
Deshalb machte ich ja auch meine letzte Umfrage. Ist schon irgendwie ein besonderes Völkchen. Von allen ehemaligen Ostblockstaaten jammern am lautesten jene, die 1989/90 am weichsten gefallen sind. In Tschechien oder Polen, auch Ungarn, ja da gibt es auch einen Hang zum Populismus, aber das ostdeutsche Jammern und Wehklagen ist dann doch - und nicht nur irgendwie - sehr besonders.