Wieso wird jetzt über Antifa diskutiert?
Der Begriff kommt aus dem letzten Jahrhundert und trug schon damals wenig bei zur Erklärung der Lage. Man könnte den Begriff auch in die Tonne treten.
Und
@rainlove könnte ja nach Ungarn auswanderrn, da folgte Orban seinem Freund DT und erklärte Terrororganisation, nur, upsi, Orban wurde ja gerade abgewählt
:shrug:Osteuropa Historiker Jan Behrends hat über den toxischen Begriff mal einen ganz guten Blog Essay verfasst.
Noch heute wird die russische Regierung nicht müde zu betonen, dass er Osteuropa nicht sowjetisiert, sondern „vom Faschismus befreit“ hat. Für historische Differenzierung fehlt auch heute der Platz.
Hannah Arendt hat den Antifaschismus-Begriff in den 1960er Jahren einer schonungslosen Kritik unterzogen: Sie erklärte, dass Hitler mit Stalin weit mehr gemeinsam hatte als mit Mussolini, eine Tatsache, die der Antifaschismusbegriff stets verschleiert. Doch solche liberalen Spitzfindigkeiten beeindruckten die SED-Elite über 40 Jahre wenig. Sie machte Antifaschismus zur Staatsdoktrin ihrer ostdeutschen Diktatur. In der DDR galt: wer Faschist ist, bestimmt die herrschende Partei. Die Reihe großer Antifaschisten (nach Stalin) umfasste neben Walter Ulbricht solche Helden wie Hilde Benjamin, Erich Mielke oder Erich Honecker. Nebenbei sei noch erwähnt, dass der Volksaufstand des 17. Juni 1953 im offiziellen Diskurs ein „faschistischer Putsch“ war. Nur um eines ging es dem verordneten Antifaschismus in der DDR nicht: um die Auseinandersetzung mit der historischen Realität des Nationalsozialismus. Diese Aufgabe hat die SED gern anderen überlassen.
Die Tradition des deutschen Antifaschismus ist schillernd. Das gilt bis in die Gegenwart, wo sich unter dem Label „Antifa“ genügend Gruppen versammeln, die insbesondere die Selbstermächtigung zur Gewalt auszeichnet. Dass die „Linke“ seit Jahren die Renaissance der DDR-Mythen betreibt, ist ihr gutes Recht. Diese Partei steht zum ideologischen Erbe der DDR und weiß die Schlagkraft des Antifaschismusbegriffs zu schätzen. Stutzig machen sollte es die demokratische Öffentlichkeit jedoch, wenn historisch kontaminierte Begriffe bedenkenlos von demokratischen Parteien verwendet werden. Heiligt der „Kampf gegen rechts“ die Mittel? Gibt es keine Alternativen zum „Antifaschismus“? Wollen wir zurück in den Bürgerkrieg?
Antifaschismus ist ein politisches Credo ex negativo. Selbst wenn man den gesamten historischen Rattenschwanz des Begriffs ignoriert, so stellt sich die Frage, warum sich Gegner des Nationalsozialismus, Faschismus, Rassismus oder Autoritarismus in der Gegenwart nicht einfach als das definieren, was sie sind: Demokraten! Denn eins ist sicher: Nicht alle Antifaschisten waren Demokraten und wegen der engen Bindung an Sowjetunion und DDR ist der Begriff historisch belastet. Er stammt aus der Diktatur. Unsere Demokratie braucht zu ihrer Verteidigung den kommunistischen Kampfbegriff Antifaschismus nicht. Er ist ein trauriges Relikt aus dem 20. Jahrhundert. Was wir benötigen, ist der Einsatz der Demokraten für die offene Gesellschaft.
Quelle:
https://www.salonkolumnisten.com/warum-ich-kein-antifa-bin-eine-historische-einordnung/Nur das halt, der Einsatz für die offene Gesellschaft, ist ja eben genau das, was die AfD nicht will.