martenot schrieb:Ich frage mich, ob die AfD selbst da überhaupt eine feste Definition verwendet, oder ob "kulturfremd" halt ein Stimmungsbegriff ist, den man gar nicht festlegen mag und kann.
Ich kann da nur vermuten, aber mir scheint, dass hier die Zeiten Bismarcks als Normzustand dienen, an dem das Deutschtum gemessen wird. Alles, was danach an Migration nach Deutschland stattgefunden hat, gilt als "nichtdeutsch". Alles, was davor an Migration in das Gebiet des späteren Deutschen Kaiserreichs stattgefunden hatte, gilt als "deutschstämmig" - auch eben Slawen, Mongolen, Ungarn, Franzosen, Italiener und Schweden, die im Laufe des Mittelalters bis ins späte 19. Jahrhundert hier hängengeblieben sind und sich mit der jeweils vorgefundenen Bevölkerung vermischt haben (neben anderen Völkern, die ich nicht aufgezählt habe sowie den hier seit den Römern anwesenden Juden, die an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben sollen).
Alles, was nicht ins christliche Abendland passt, gilt in dieser Denkweise als "kulturfremd", wobei man Abstufungen macht zwischen orthodoxen Christen vom Balkan und aus Russland einerseits und Muslimen aus der Türkei und arabischen Ländern andererseits (neben Kurden, Iranern, Afghanen und Pakistanern, die nicht arabischsprachig sind).
Afrikaner mit negridem Phänotyp sowie Asiaten fernöstlicher Herkunft fallen aus diesem Raster heraus und werden allein wegen ihres Phänotyps als "fremd" erkannt - eine Eigenschaft, die bei den meisten Menschen muslimischen Glaubens erschwerend hinzukommt, da sie dadurch nicht nur "kulturfremd" sind, sondern zugleich auch "rassefremd", was die Stigmatisierung vereinfacht.
Gesteht man den Asiaten noch zu, sich hier dem bismarckdeutschen Normativ integrierend anzupassen, werden Afrikaner meist als "Bimbos" abgewertet, die sich auf Zuhälterei und Drogenhandel spezialisieren und anstrengender Arbeit lieber aus dem Wege gehen - "Neger" sind eben faul und "verderben" mit ihrer "Lüsternheit" den biodeutschen mitteleuropäischen Phänotyp, indem sie für eine "durchrasste" Bevölkerung sorgen, nachdem sie sich als Schürzenjäger hier mittels deutscher Frauen einkreuzen. Solche "Mischlinge" sind folglich ebenfalls nicht deutsch, sondern "undeutsch".
Wie gesagt - das ist meine Vermutung, aber wenn ich immer wieder mal solche Begriffe wie "Pollacken", "Ithaker", "Iwans", "Kanacken", "Fidschis" und "Nigger" zu hören bekomme, wenn es um Polen, Italiener, Russen, Muslime, Vietnamesen (oder Asiaten allgemein) und Afrikaner geht, liege ich wahrscheinlich nicht ganz daneben, was die Einordnung der Dumpfheit betrifft, die sich mittels solcher abwertenden Begriffe Bahn bricht.