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Ist unsere Solidarität bei Menschenrechten selektiv?

43 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Umfrage, Israel, Iran ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Ist unsere Solidarität bei Menschenrechten selektiv?

um 02:09
@GirlsBestPlay

Das hast du gut ausgedrückt. Dem kann ich nur zustimmen.

Hier habe ich heute etwas mehr über die Geschichte (dieses Themas) gelernt:
Benennen und sprengen
Von Thierry Chervel

21.01.2026. Gern wird beim Thema "Linke und Iran" auf Michel Foucaults begeisterte Äußerungen zur iranischen Revolution hingewiesen. Gut so, aber die deutsche Geschichte beginnt früher und war eher noch fataler. Und der Schulterschluss der Linken mit den iranischen Mullahs setzt sich auch lange nach der Revolution noch fort.

Es ist Zeit, dass sich die westliche Linke ihrer Mitverantwortung für die iranische Tragödie bewusst wird. Und das gilt ganz besonders für die deutsche Linke. Gern wird beim Thema "Linke und Iran" auf Michel Foucaults begeisterte Äußerungen zur iranischen Revolution hingewiesen. Gut so, aber die deutsche Geschichte beginnt früher und war eher noch fataler. Und der Schulterschluss der Linken mit den iranischen Mullahs setzt sich auch lange nach der Revolution noch fort.
Quelle: https://perlentaucher.de/intervention/der-anteil-der-westlichen-oeffentlichkeit-an-der-iranischen-tragoedie.html

Was du da über den "antikolonialen Widerstand" gesagt hattest ...
Sie widerspricht dem romantisierten Bild vom ‚antikolonialen Widerstand‘. Deshalb wird sie ignoriert.“**
... ein Ursprung scheint hier zu liegen:
Der 2. Juni ist ein Schlüsseldatum für die Geschichte der deutschen Linken und er lieferte die Begründungen für die spätere Radikalisierung einiger ihrer Protagonisten im Terrorismus. Auslöser der Proteste war der Staatsbesuch des Schahs in Berlin. Bahman Nirumand hatte mit seinem Bestseller "Persien, Modell eines Entwicklungslandes oder Die Diktatur der freien Welt" die Munition für die Proteste geliefert. Er war einige Monate vor den Protesten bei Rowohlt erschienen und auch durch die Protektion Hans Magnus Enzensbergers zu einem Riesenerfolg geworden.
Quelle: https://perlentaucher.de/intervention/der-anteil-der-westlichen-oeffentlichkeit-an-der-iranischen-tragoedie.html

Und das, das war mir so auch nicht bekannt.
Der Iran lieferte der westlichen Linken weitere Inspirationen. Foucaults Intervention zugunsten der iranischen Revolution wirkt heute seltsam traumverloren. Sie liest sich, als hätte die Revolution einen ästhetischen Reiz für ihn, er pries vor allem ihre spirituelle Dimension. Simone de Beauvoir gehörte wie hierzulande Alice Schwarzer und in den USA Kate Millett zu den wenigen prominenten Linksintellektuellen, die den antifeministischen Charakter dieser Revolution anprangerten. Foucault hatte sich für diesen Aspekt nicht die Bohne interessiert.

Die westliche Linke mag sich nach der Revolution von einer direkten Begeisterung für Khomeinis Regime abgewandt haben - zu fremd und irritierend war dessen Gehabe. Aber ein gewisses indirektes Bündnis blieb bestehen - und wurde vor allem durch Khomeinis "Fatwa" gegen die "Satanischen Verse" erneuert.

Viele stellten sich nach der Fatwa gegen Rushdie, auch Konservative wie John Le Carré, mehr noch aber linke, bis heute verehrte Ikonen wie etwa John Berger. Es war ein Bündnis des romantischen Orientalismus und des entstehenden Multikulti-Denkens in der Linken. Man erinnere sich an die Annemarie-Schimmel-Debatte in Deutschland. Kenan Malik hat zu dieser kulturalistischen Wende das beste Buch geschrieben: Für ihn markiert die Fatwa jenen Moment, als sich die Linke aus Diskursen über soziale Ungleichheit löste und sich identitätspolitischen Themen und dem Antirassismus zuwandte.
Quelle: https://perlentaucher.de/intervention/der-anteil-der-westlichen-oeffentlichkeit-an-der-iranischen-tragoedie.html

Puh, ziemlich viel. Ideengeschichte und so.

Ist aber auch mehr ein Exkurs, den ich kurz teilen wollte. Vielleicht interessiert es dich ja.

Also wenn du noch mehr drüber lernen wolltest, das wäre ein Ansatzpunkt.


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Ist unsere Solidarität bei Menschenrechten selektiv?

um 02:38
Zitat von philaephilae schrieb am 16.01.2026:Da bin ich nicht aktiv bislang. Schätze, dabei geht es dann vor allem um Likes und Follower, um Aufmerksamkeit. Nicht so sehr um tatsächliches Engagement.
Hm, da hast du vermutlich recht.
Zitat von FellatixFellatix schrieb:Puh, ziemlich viel. Ideengeschichte und so.
Ziemlich Ja 🙂 du informierst dich sehr vielseitig was ich mitbekommen habe, das finde ich sehr gut 🙌
Zitat von FellatixFellatix schrieb:Ist aber auch mehr ein Exkurs, den ich kurz teilen wollte. Vielleicht interessiert es dich ja.

Also wenn du noch mehr drüber lernen wolltest, das wäre ein Ansatzpunkt.
🫶🙌 Danke dir!


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Ist unsere Solidarität bei Menschenrechten selektiv?

um 04:29
Constantin Schreiber sagt: Jetzt demonstrieren Menschen im Iran für Freiheit. Jetzt riskieren Frauen und Männer ihr Leben, weil sie sich weigern, weiter in einem System aus religiösem Zwang, Gewalt und Erniedrigung zu existieren. Jetzt werden Jugendliche verhaftet, gefoltert und hingerichtet, weil sie tanzen, demonstrieren oder ihre Haare zeigen. Und jetzt? Genau jetzt ist das Schweigen vieler in Berlin, Paris, London oder Brüssel kein Versehen mehr, sondern eine Haltung.

Denn wer heute schweigt, der entscheidet sich. Auffällig ist vor allem das Verhalten vieler linker Bewegungen jener Milieus, die sich sonst mit bemerkenswerter Geschwindigkeit und moralischer Inbrunst mobilisieren. Insbesondere dann, wenn es Israel und Gaza geht. Innerhalb weniger Stunden füllen sich Plätze, werden Demonstrationen organisiert, Resolutionen verabschiedet, Social Media-Profile umdekoriert.

All Eyes on Gaza etwa, eine antiisraelische Protestbewegung mit Unterstützung der Linken, Amnesty, dem Zentralrat der Muslime und vielen mehr, die lautstark in Deutschland auftrat. Die Empörung saß locker, die Gewissheit war groß. Im Fall Iran hingegen: zögern, schweigen, ausweichen. Kein All Eyes on Iran. Bis heute auf der Webseite linken, nur etwas zu Venezuela, nichts Aktuelles zum Iran. Diese ideologische Schieflage hat Geschichte.

Teile der westlichen Linken romantisierten die islamische Revolution von neunzehnhundertneunundsiebzig als antiimperialistischen Befreiungsschlag. Michel Foucault etwa sprach von einer neuen politischen Spiritualität. Dass daraus eine brutale Theokratie entstand, die Frauen entrechtet, Oppositionelle ermordet und Minderheiten verfolgt, wurde verdrängt. Wer damals die Augen schloss, tut sich bis heute schwer damit, klare Worte zu finden.

Und diese Blindheit wirkt fort. Während israelische Militärschläge binnen Minuten moralisch verurteilt werden, oft ohne Kontext, oft ohne jede Differenzierung, bleiben Hinrichtungen im Iran Randnotizen. Während für Gaza lautstark Solidarität eingefordert wird, müssen iranische Frauen darum kämpfen, überhaupt wahrgenommen zu werden. Das ist keine ausgewogene Moral, das ist selektive Empörung. Besonders deutlich wird dieses Muster bei identitätspolitischen Bewegungen.

Gruppen, die sonst jede Form von Unsichtbarkeit anprangern, die sind erstaunlich leise, wenn im Iran Frauen erschossen werden, weil sie sichtbar sind. Queers for Palestine finden klare Worte zu Israel, aber kaum welche zu einem Regime, das Homosexualität mit dem Tod bestraft. Hinzu kommt ein weiterer, oft ausgeblendeter Faktor: Die innerislamische Dimension. Der Iran ist ein schiitisch geprägter Staat und Solidarität innerhalb der muslimischen Welt folgt keineswegs automatisch religiöser Nähe.

In vielen sunnitisch geprägten Kontexten gelten Schiiten biswegen sogar als Heretiker, als Abweichler vom richtigen Glauben. Diese tiefen theologischen und politischen Spannungen setzen der Solidarität enge Grenzen. Wohl auch deshalb kommt vom Zentralrat der Muslime nichts. Diese Schweigen ist nicht neutral. Es schützt nicht die Unterdrückten, sondern stabilisiert die Täter. Es zeigt, dass Menschenrechte offenbar nicht universell gelten, sondern abhängig davon sind, wofür wenn es geht, etwa wenn Juden im Spiel sind.

Der Iran ist damit der Lackmustest unserer Moral. Wer bei Gaza bullt, aber beim Iran schweigt, beweist, dass für ihn Moral nicht universell, sondern wahlweise ist und ihm die Freiheit der Menschen im Iran egal ist

Quelle: siehe erster Beitrag. Video.

Für all jene die das Video nicht gesehen haben 🫶✨ oder keine Videos mögen und lieber lesen…


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