Daka318 schrieb:Kann man ja nicht bewerten wie man will. Weil es so Sinn ergibt und ein deutscher Prozess auch genau so aufgebaut ist. Zuerst die Sachverständigen, dann die Belastungszeugen und dann die Entlastungszeugen.
Wo widerspricht das jetzt den gesetzlichen Vorgaben?
Du hast aus meiner umfangreichen Erklärung zu den gesetzlichen Vorgaben und den daraus zu ziehenden Schlüssen jetzt nur einen Satz rausgepickt.
Aber nur, damit hier nichts grob Falsches zum Aufbau eines deutschen Strafprozesses stehen bleibt: So ist es natürlich genau nicht. Es gibt schon keine Einteilung in Belastungs- und Entlastungszeugen, das Gericht und auch die StA müssen unparteilich die Wahrheit aufklären, auch die StA muss daher relevante Beweise, die die Angeklagte entlasten, einführen. Die Reihenfolge der Beweismittel legt das Gericht fest, dabei geht es auch um Verfügbarkeit und Logik des Geschehens, aber nicht um "erst die eine Seite, dann die andere Seite". Beweisanträge kann die Verteidigung von Anfang an stellen, nicht erst gegen Ende des Verfahrens. Sachverständige kommen übrigens meist eher später als früher dran.
Daka318 schrieb:
RitterTrenk schrieb:Auch in den prozessualen Statements zu den Ergebnissen der Beweisaufnahme sowie den öffentlichen Statements der Verteidigung spielten die Kinder keine/eine sehr untergeordnete Rolle. Viel Hoffnung setzt man in die Beweiskraft selbst auf Seiten der Verteidigung daher wohl eher nicht.
Gina H.s Anwalt Andreas Ohm gibt ebenfalls eine Erklärung ab. Juristen seien bekannt dafür, „Tatsachen so auszulegen, dass sie ins Gesamtbild passen“. Über die beiden Jungen sagt er: „Die waren ersichtlich bemüht, hier die Wahrheit zu sagen, und haben gesagt, wenn sie sich nicht erinnern konnten.“ Die Grundaussage, dass die beiden Fabian am 10. Oktober 2025 zu dieser Zeit gesehen hätten, sei „sehr überzeugend“ gewesen.
Quelle: Bild.de
Wo liest du da eine untergeordnete Rolle oder wenig Hoffnung raus?
Auch hier verstehst du meinen Punkt nicht, argumentierst selektiv. Natürlich wird die Verteidigung nach der Aussage der Kinderzeugen diese nicht auf offener Bühne schlecht/klein reden, sondern den Beweiswert loben, ob sie daran glauben oder nicht. Der Schluss, dass sie selbst nicht übermäßig an den Wert der Aussagen glauben, ist vielmehr (wie in meinem Post geschildert) aus ihrer bisherigen Prozesstaktik und den gerichtlichen/öffentlichen Statements möglich. Wären die Kinderzeugen aus ihrer Sicht die entlastende "smoking gun", hätten sie den Beweisantrag ganz früh und schnell gestellt und/oder jedenfalls in ihren Statements stärker herausgestellt, dass die Annahmen der Anklage zum Tattag wegen der Kinderzeugen nicht stimmen und das belegt werden wird. Stattdessen haben sie den Fokus viel mehr auf andere vermeintliche "smoking guns" gelegt, die sie offensichtlich für viel wichtiger und vorteilhafter eingeschätzt haben. Die wurden halt dann aus verschiedenen Gründen alle nicht zum Erfolg, deswegen kratzt man jetzt eher nur noch die Dinge zusammen, an die man weniger glaubt.
Etwas allgemeiner habe ich den Eindruck, dass einige hier, vielleicht geprägt von Filmen zu US-Strafverfahren oder Barbara Salesch, die Vorstellung haben, dass es der Verteidigung oder gar dem Gericht darum geht, einen gewissen Spannungsbogen aufzubauen und dass "der ganz große Knall" am Schluss kommt bzw. man sich den entscheidenden Zeugen oder sonstigen Beweis bis zum Finale aufspart. Das ist natürlich nicht so. Etwas krude, dass man denkt, Gina sitzt freiwillig seit ein paar Monaten in U-Haft mit schlimmen Anfeindungen im Gefängnis und der Öffentlichkeit, totalem Kontrollverlust bezüglich Matthias und ihrem gesamtem Umfeld, keinem Kontakt zu ihrem Sohn/zu den Pferden etc., obwohl sie und die Verteidiger wissen, dass man ja das große As im Ärmel und Ticket in die Freiheit hat, aber dieses bewusst erst am Ende zieht, damit der Effekt schöner ist.