Larry08 schrieb:Es wirklich seltsam, dass nach all den Jahrzehnten immer noch das Argument, Hamas & Co würde verschwinden, wenn Israel nur "netter" wäre oder Siedlungen räumte, benutzt wird.
Sie verschwindet nicht von selbst, das ist ein Prozess. Aber rein logisch ist doch, dass die Hamas und auch die anderen Organisationen nur an Zuspruch verlieren können, wenn das einzige Argument das für eine Unterstützung der Hamas spricht, nämlich der angebliche Schutz vor Verdrängung und ethnische Säuberung, wegfallen würde.
Das passiert nicht von jetzt auf gleich und geht natürlich gleichzeitig einher mit der Entwaffnung der ganzen Proxis dort, zum Beispiel durch neutrale Streitkräfte, über einen längeren Zeitraum und das systematische Abschneiden dieser Organisationen von seinen Unterstützern. Damit ist nicht das ziellose Bombardieren des Iran gemeint, denn damit erreicht man genau das Gegenteil und bestätigt das Narrativ, die Jugend und die USA sind unser großer Feind.
Larry08 schrieb:Hamas und anderen Islamistengruppen geht es nicht um die Grenzen von 1967 oder den Stopp von Siedlungen. In ihrer religiös basierten Ideologie geht es explizit um die Vernichtung Israels und den Hass auf Juden als religiöse Pflicht.
Genau, deswegen muss man der Hamas und vergleichbaren, islamistischen Organisationen den Nährboden nehmen und aufhören die Menschen dort zu unterdrücken, zu vertreiben und zu bombardieren.
Larry08 schrieb:2005 hat Israel jeden einzelnen Siedler aus dem Gazastreifen abgezogen und sogar die Friedhöfe exhumiert. Die Antwort der Hamas war nicht der Aufbau eines blühenden Staates, sondern der Aufbau einer Terror-Infrastruktur, die Milliarden in Tunnel statt in zivile Infrstaruktur investiert hat.
Hat sich die Hamas nicht damals an die Macht geputscht? - Hier habe ich tatsächlich Wissenslücken. Aber den Punkt gebe ich dir, eine Rabenschwarze Phase in dem Konflikt, da das eigentlich der Anfang von etwas großem hätte sein können. Israel hatte damals aber militärisch auch echt Schwierigkeiten die Siedlungen zu halten - die Stimmung auch im Volk kippte gegen die Siedlungspolitik, so hat damals Sharon den Rückzug angeordnet. Aber dennoch: Das wäre eigentlich die Gelegenheit gewesen zu signalisieren, dass man so auf beiden Seiten zusammen leben kann.
Larry08 schrieb:Es wird oft so getan, als sei die Anzahl der Toten ein Gradmesser für die Moral. Das ist absurd. Israel investiert Milliarden in das Iron Dome-System, um seine Zivilisten zu schützen. Die Hamas investiert Milliarden in Tunnel, um ihre Kämpfer zu schützen, während sie Zivilisten als Schutzschilde missbraucht.
Der Gradmesser ist bei beiden eben aus den von dir genannten Gründen ein anderer. Die Polizei darf auch nicht die selben Mittel anwenden wie ein Drogenkartell. Israel hat als demokratischer Staat eben eine andere moralische Pflicht und muss sich an Gesetze, allen voran an das Völkerrecht halten. Die Hamas als Terrororganisation leider nicht - deswegen entsteht manchmal dieses verzerrte Bild und man kann hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen und mit Whataboutismus like "... aber die Hamas hat Raketen geschossen, wir dürfen daher alles in Schutt und Asche legen" - argumentieren. So meine Meinung.
Larry08 schrieb:Man könnte sagen, die Israelis müssen ihre Waffen benutzen, um ihre Kinder zu schützen, die Hamas benutzt ihre Kinder, um ihre Waffen zu schützen.
Hart überspitzt formuliert. Auf Krankenhäuser und Schulen schießen geht halt weit über das "... meine Kinder schützen" hinaus. Da geht es um Töten um jeden Preis, egal ob Zivilist und Kind. Es ist ja auch oft offen von beiden Seiten ausgesprochen, nicht nur von Seiten der Hamas, das zivile Tote vollkommen egal sind. Israelische Minister, original zitiert, sagen man muss Palästinensische Kinder töten, da das die nächsten Terroristen sind.
Was Hass angeht können sich, leider, beide Seiten die Hand geben.
Der nahe Osten braucht nachhaltige Lösungen, beide Seiten haben Ihre Daseinsberechtigung, juristisch aktuell die Israelis mehr als die Palästinenser. Das Gleichgewicht muss hergestellt werden und man muss den Menschen in Aussicht stellen, dass es auch für sie eine Perspektive gibt, wenn Sie sich gegen die Hamas stellen.