Extremismusforscher zur AfD
"Parteispitze will offene Debatte verhindern"
Wie rechts ist die AfD denn nun? Sie ist vor allem ein Haufen mit einer kaum zu vereinbarenden "Meinungsvielfalt". Die könnte ihr aber auf die Füße fallen, erklärt der Politikwissenschaftler Timo Lochocki bei n-tv.de
n-tv.de: Die AfD hat ihren Parteitag am vergangenen Wochenende in großen Teilen mit Diskussionen um Verfahrensfragen verplempert. Inhaltliche Debatten kamen selten in Fahrt oder wurden abgewürgt. Was ist da passiert?
Timo Lochocki: Die Parteiführung war sichtlich bemüht, eine offene Debatte - vor allem um das Islamthema - zu verhindern. Es sieht danach aus, dass die Parteiführung sich in einzelnen Punkten des Grundsatzprogramms nicht einig zu sein scheint mit den Parteimitgliedern. Bei vielen entscheidenden Abstimmungen waren die Ergebnisse ungefähr im Verhältnis 60 zu 40. Das heißt, die Partei ist programmatisch nicht konsolidiert und bemüht sich auch nicht unbedingt, diese Konsolidierung durch eine offene Debatte voranzutreiben.
Ist die AfD also doch nicht so basisdemokratisch, wie sie behauptet?
(Anmerkung von mir: Dies ist für mich die aufschlussreichste Antwort des Interviews)
@tudirnixWenn sie es wäre, hätte sie die zwei Tage in Stuttgart damit zubringen müssen, möglichst viele ehrliche Debatten zu haben. Es sieht aber so aus, als habe man stattdessen bewusst versucht, diese Debatten zu unterbinden. Zum Beispiel versuchten Teile der Partei, die Debatten durch Geschäftsordnungsanträge zu verkürzen. Man könnte auch sagen: Die Führungsspitze scheint zu versuchen, die öffentliche Debatte unter den Mitgliedern zu unterbinden, denn sie scheint in entscheidenden Fragen nicht mit den Mitgliedern überein zu stimmen.
http://mobil.n-tv.de/politik/Parteispitze-will-offene-Debatte-verhindern-article17611226.html