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Wie geht es weiter mit der AfD?

71.061 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Familie, Wahlen, Partei ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Wie geht es weiter mit der AfD?

Wie geht es weiter mit der AfD?

17.03.2018 um 12:48
Die zwei Angebote der AfD:
Ethnopluralismis für die Wirtschaftsleute.
Nationalsolzialismus für Arbeiter.
Nach Einschätzung des Gewerkschaftsforschers Klaus Dörre gibt es heute erhebliche "Suchbewegungen" unter den Arbeitern. Augenblicklich scheinen sie in eine überdurchschnittliche Repräsentanz der AfD im Arbeiterbereich zu münden.

In ihrem Parteiprogramm bekennt sich die AfD zur freien Marktwirtschaft.
Staatliche Regulierungen und Subventionen werden im klassisch-marktliberalen Duktus abgelehnt.

Wie die AfD auf Basis dieser Grundhaltung versucht, aus krisenhaften wirtschaftlichen Entwicklungen politisches Kapital zu schlagen, indem sie vor allem andere gesellschaftliche Kräfte denunziert und dämonisiert, war am Wochenende in Görlitz zu beobachten.
Am vergangenen Sonnabend rief nun die AfD zur eigenen Kundgebung "Zukunft Lausitz. Arbeitsplätze sichern!" in Görlitz auf.
Vor etwa 1000 Teilnehmern wetterte der AfD-Landeschef Jörg Urban gegen die Gewerkschaften, die Globalisierung und den Klimaschutz sowie gegen die politische Konkurrenz.
Der Görlitzer Bundestagsabgeordnete Tino Chrupalla rief unter Beifall, man habe es satt, "Billiglohnregion" zu sein.

Im Grundbass der Reden schwang mit, dass weniger Migration und mehr Nationalstaat die Strukturprobleme der Oberlausitz irgendwie würden lösen können.
https://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/TOP-THEMA/Ende-der-Bescheidenheit-artikel10156570.php


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Wie geht es weiter mit der AfD?

17.03.2018 um 13:01
Zitat von eckharteckhart schrieb:Tino Chrupalla rief unter Beifall, man habe es satt, "Billiglohnregion" zu sein.
Sollen die Lausitzer nicht für eine Ost / West Angleichung der Löhne kämpfen, oder ist das nur unter der Ägide der Gewerkschaften legitim?
Zitat von eckharteckhart schrieb:Nationalsolzialismus für Arbeiter.
Wenn sie das mit der AfD machen ist es das obige?

Ich verstehe den Beitrag nicht ganz .... Die Forderung keine Billigregion zu sein erscheint mir gerechtfertigt, oder ist die Lausitz keine arbeitsmäßige Billigregion?


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17.03.2018 um 13:17
Zitat von eckharteckhart schrieb:Nationalsolzialismus für Arbeiter.
naja nationalsozialismus will die afd sicher nicht.
das vertritt auch kein ernsthafter parteienforscher, würde die afd so etwas wollen, wäre sie sofort verboten.


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17.03.2018 um 13:21
@neugierchen
Mein Kritikpunkt ist:
AfD will Besinnung auf „Europa der Vaterländer“
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.nach-brexit-afd-will-besinnung-auf-europa-der-vaterlaender.f73cdce6-c55b-45ce-808d-611145b2cc51.html
AfD-Politiker Höcke wirbt für einen linken Sozialkurs
http://www.huffingtonpost.de/2017/11/30/afd-hoecke-sozialpolitik-links-erfolg_n_18692242.html
Der AfD-Landeschef hat keine akademische Vita und versteht es, sich als Stimme des kleinen Mannes zu inszenieren, der Klartext redet.
https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/landespolitik/afd-bundesparteitag-fragen-antworten-poggenburg-100.html (Archiv-Version vom 31.12.2017)

Das von Dir angesprochene Unglaubwürdige wird erst dadurch unglaubwürdig, weil es dem Tun der NSDAP gleicht.:
"Auf dem Balkon den Arbeitern große Parolen zu brüllen und gleichzeitig im Raum hinter der Balkontür mit Wirtschaftsbossen rum kungeln."

Warum soll ich da nach Konsensfähigkeit mit Parolen suchen?
Bin ich blöd?
Zitat von peterleepeterlee schrieb:naja nationalsozialismus will die afd sicher nicht.
Nationalen Sozialismus sagt sie.
nach dem Motto:
Sozialismus kann nur national sein, nach dem auch die DDR verfahren ist.


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17.03.2018 um 13:46
@eckhart
Die zwei Angebote der AfD:
Ethnopluralismis für die Wirtschaftsleute.
Nationalsolzialismus für Arbeiter.
Wieviel Blödsinn willst du hier in diesem Tread eigentlich noch zum besten geben?


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17.03.2018 um 14:09
Zitat von neugierchenneugierchen schrieb:Ich verstehe den Beitrag nicht ganz .... Die Forderung keine Billigregion zu sein erscheint mir gerechtfertigt, oder ist die Lausitz keine arbeitsmäßige Billigregion?
Dafür zahlen wir hier in der Lausitz aber auch weniger, als Menschen in München, Stuttgart oder Hamburg, auch in derem Umfeld.

Unsere Mieten sind niedriger, wir fahren zum tanken nach Polen, was gleich mal 30Cent pro Liter sparen kann.(wenn man kein Diesel fährt)
In der Gastronomie bezahlt man meist weit weniger als in anderen teilen Deutschlands.
Allgemein, unser Leben hier ist im Vergleich zu anderen, einfach günstiger.

Der Lausitzer.


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17.03.2018 um 14:13
Sitzt man hier nur an der Kasse, dann hat man warscheinlich mehr Geld über, als würde man den selben Beruf in München nachgehen.


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Wie geht es weiter mit der AfD?

17.03.2018 um 15:01
Zitat von Bone02943Bone02943 schrieb:Sitzt man hier nur an der Kasse, dann hat man warscheinlich mehr Geld über, als würde man den selben Beruf in München nachgehen.
Also meinst Du das gleicher Lohn, ob Ost oder West unnötig ist? Ich bin der Meinung es sollte egal sein wo ich arbeite .... muss ich noch mal drüber nachdenken .....


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17.03.2018 um 15:09
@neugierchen

Wenn sich die Löhne danach richten, wie hoch die Lebensunterhaltungskosten sind, dann ist das an sich nichts schlechtes. Aber du kannst auch gern als Kassierer München, in einer winzigen 1-Zimmerwohnung leben, während du als Kassierer woanders eine 3-Raumwohnung zahlen kannst. Muss doch jeder selber wissen.


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17.03.2018 um 15:27
@neugierchen
Was du als wirkliche Alternative bezeichnest,das War schon vorgestern ein Modell das scheiterte.
Es scheitert immer wieder,uns jedesmal in Trümmern.
Die Lausitz ist eine Region die als Kohlefördergebiet ausgedient hat,bisher hat sich nur noch keiner getraut das klar zu sagen.und da die ganze Region fast ausschließlich aufs graben ausgerichtet ist und sich keiner was anderes vorzustellen traut,isses halt ne Billigregion...abgehängt und perspektivlos


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17.03.2018 um 15:30
Zitat von GrenoxGrenox schrieb:Wieviel Blödsinn willst du hier in diesem Tread eigentlich noch zum besten geben?
Wie viel? Weiß ich nicht(!),aber vielleicht mindestens so lange bis ich
Die Politiker wissen ganz genau was sie tun.
Aber Hochmut kommt immer vor dem Fall. Und eines Tages weht in diesem Land wieder ein anderer Wind.
Asylgesetzgebung: Muss sie angepasst werden? (Seite 782) (Beitrag von Grenox)
und
Zitat von GrenoxGrenox schrieb am 17.11.2016:Der wichtigste Punkt war für die Deutschen immer die Treue zum Vaterland. Aus ihr ergibt sich die Demut dem Volke gegenüber, der Gehorsamkeit der Wehrkraft und der Achtung gegenüber jenen die Aufrichtig und Ehrlich sind.

vergessen haben werde?


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Wie geht es weiter mit der AfD?

17.03.2018 um 15:39
Zitat von WarheadWarhead schrieb:Die Lausitz ist eine Region die als Kohlefördergebiet ausgedient hat,bisher hat sich nur noch keiner getraut das klar zu sagen.und da die ganze Region fast ausschließlich aufs graben ausgerichtet ist und sich keiner was anderes vorzustellen traut,isses halt ne Billigregion...abgehängt und perspektivlos
und die AfD hat die Antwort darauf, die in ihrem Parteiprogramm steht:
Zitat von eckharteckhart schrieb:In ihrem Parteiprogramm bekennt sich die AfD zur freien Marktwirtschaft.
Staatliche Regulierungen und Subventionen werden im klassisch-marktliberalen Duktus abgelehnt.
Unglaubhaft ist:
Zitat von eckharteckhart schrieb:Im Grundbass der Reden schwang mit, dass weniger Migration und mehr Nationalstaat die Strukturprobleme der Oberlausitz irgendwie würden lösen können.
Irgendwie.


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17.03.2018 um 15:46
Zitat von eckharteckhart schrieb:Im Grundbass der Reden schwang mit,
Wie schwang es denn mit? Nur mal so zum Verständnis ... gesagt wurde es ja scheinbar nicht ... Nur ein Eindruck des Schreibers, oder gibt es Anhaltspunkte?


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17.03.2018 um 16:41
@Optimist

Ich habe das mal auf deinen Hinweis hin hier in den AfD-Thread geholt:
Zitat von OptimistOptimist schrieb:fehlendes kritisches Denken war und ist es mMn auf keinen Fall (die Leute in der DDR waren im Allgemeinen genauso kritisch wie andere Menschen woanders auch).
In politischen Sendungen wurde schon öfter angesprochen, woran es liegt.
Könnten wir aber besser im AfD-Faden diskutieren, hier passt das weniger rein.
Könntest du mir bitte sagen, was in den pol. Sendungen angesprochen wurde, woran es liegt, dass sehr viele DDR-Bürger die Scheinheiligkeit der AfD nicht erkennt und deshalb auf sie herein fällt.


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17.03.2018 um 16:46
@peekaboo
auf die schnelle hab ich jetzt erst mal das hier gefunden:
https://www.focus.de/politik/videos/experten-erklaeren-folgen-der-wiedervereinigung-darum-waehlen-ostdeutsche-eher-afd-als-westdeutsche_id_7639770.html

Wenn ich das nacherzähle, was ich in den politischen Sendungen gehört hatte, zählt das hier ja nicht als Beweis.
Vielleicht finde ich später mehr.


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17.03.2018 um 16:47
@Grenox
Zitat von GrenoxGrenox schrieb:Wieviel Blödsinn willst du hier in diesem Tread eigentlich noch zum besten geben?
Für dich mag das Blödsinn sein, aber für mich klingt das ziemlich plausibel.
Es wäre natürlich schön gewesen, du hättest noch zu deinem Einzeiler gleich eine Begründung mit geliefert, damit man nachvollziehen kann, warum das Blödsinn sein soll. Aber vielleicht kannst du es ja nicht begründen und trollst nur, weswegen die Begründung auch gefehlt haben wird.


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17.03.2018 um 16:54
@Optimist
Zitat von OptimistOptimist schrieb:Vielleicht finde ich später mehr.
Ja, das wäre wirklich super von dir und würde mir wirklich weiterhelfen die Sache zu verstehen. Allerdings mag ich den Focus nicht sonderlich und würde dich bitten aus deinen geposteten Links die relevanten Stellen zu zitieren, damit es sich besser diskutieren lässt und ich genau weiß, was du meinst. Ich möchte nämlich vermeiden das man sich falsch versteht.


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Wie geht es weiter mit der AfD?

17.03.2018 um 16:54
Zitat von neugierchenneugierchen schrieb:Wie schwang es denn mit? Nur mal so zum Verständnis ... gesagt wurde es ja scheinbar nicht ... Nur ein Eindruck des Schreibers, oder gibt es Anhaltspunkte?
Das schwang mit,wie das nun mal im menschlichen Zusammenleben üblich ist:
Vor etwa 1000 Teilnehmern wetterte der AfD-Landeschef Jörg Urban gegen die Gewerkschaften*, die Globalisierung und den Klimaschutz sowie gegen die politische Konkurrenz.
Statt Gewerkschaften* bietet die AfD Leute auf wie Hilburger.
Oliver Hilburger, so der Name des Stuttgarter Betriebsrats, hatte seine Kernbotschaft an das aufgeputschte Publikum in Zwickau gebracht: "Raus aus den Gewerkschaften und eigene Gruppen gründen!"

Hilburger ist kein Neuling im Geschwader der nationalen Propagandisten.
In Sachsen machte Hilburger nicht nur am 1. Mai bei der AfD in Zwickau mobil. Er trat im November 2017 bei der "Compact"-Konferenz in Leipzig auf, neben Björn Höcke (AfD) und dem Aktivisten Martin Sellner von der rechtsextremen Identitären Bewegung.
Im Februar dieses Jahres sprach Hilburger in Dresden bei Pegida. In Leipzig warb er vor Wochen an der Seite von Frank Neufert, einem AfD-Kreisrat aus dem Zwickauer Land, für die "IG Beruf und Familie", die mit zwei Mandaten in den neu gewählten Betriebsrat des Leipziger Porsche-Werkes einzog.
Neufert selbst tritt mit seiner "IG"-Liste im BMW-Werk an, wo seit gestern gewählt wird.

Der Angriff der oppositionellen, rechtslastigen, AfD-nahen Listen auf die Mitarbeitervertretungen ist strategisch geplant.



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17.03.2018 um 17:16
Ich muss erst noch den Protestwähler finden der kein White Genozid Gläubiger ist. Bisher ist mir das nicht gelungen und irgendwann kommen dann zwangsläufig die Juden dazu in einer Form oder der anderen, egal wie sehr man im nüchternen Zustand was von Pro Israel plärrt weil man sich den Staat aus irgendeinem Grund enthonolgisch weiß vorstellt. Dass die AfD Gedeon verteidigt ist eher Selbstverteidigung.


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17.03.2018 um 17:21
@peekaboo
Zu dem vorhergehenden Link: da ist vor allem das enthaltene Video vielleicht interessant. Hab es mir aber selbst noch nicht vollständig angehört.

Hier hab ich noch etwas, hoffe, diese Quelle ist hier nicht verboten (ich kenne mich mit Schweizer Seiten nicht aus):
Welche Zusammenhänge gibt es zwischen dem Ende der DDR und dem Aufstieg der AfD?
...
Ein scharf beobachtender „Ossi“ gibt Auskunft.
...
Jörg Scheller: Andreas, Du bist Body­builder→, zwei­fach promo­vierter Sport­wis­sen­schaftler→ und stammst aus der säch­si­schen Klein­stadt Werdau, wo Du bis heute lebst.
...
Andreas Müller: Die freund­schaft­li­chen Bande, die uns seit Jahren verknüpfen, spre­chen ja dafür, dass die Kommu­ni­ka­tion zwischen „Ossis“ und „Wessis“ durchaus funk­tio­nieren kann. Aber selbst­ver­ständ­lich ist das auch ein Vier­tel­jahr­hun­dert nach dem Mauer­fall noch längst nicht, zumin­dest bei der Gene­ra­tion 50 plus.

Gerade diese Gene­ra­tion ist aber nicht zu unter­schätzen, sie hat Kinder groß- und erzogen, das heißt ihnen ihre Inter­pre­ta­tion der Welt vermit­telt. Sie steht zu einem beträcht­li­chen Teil noch im Berufs­leben – falls sie Arbeit hat, muss man hinzu­fügen.
...
Man kann die rasante Entwick­lung rechten Gedan­ken­guts im deut­schen Osten aus meiner Sicht nur verstehen, wenn man sich seine Entwick­lung nach dem Mauer­fall ansieht. Dass da Faktoren aus der 28 Jahre währenden Abschir­mung in einer kommu­nis­ti­schen Diktatur mit hinein­spielen, ist aus meiner Sicht unstrittig, aber auch diese wurden wohl erst nach dem Mauer­fall voll wirksam.

...
JS: Die Alter­na­tive für Deutsch­land (AfD) hat sich auf das Narrativ verlegt, dass die Erfah­rungen der ostdeut­schen Bevöl­ke­rung mit einer Diktatur frischer seien als im Westen, weshalb Ostdeut­sche über ein feineres Senso­rium für die dikta­to­ri­schen Züge des “Systems Merkel” verfügten als West­deut­sche.

Als bevor­mun­dend wahr­ge­nommen wird die west­lich domi­nierte Bundes­re­gie­rung ebenso wie die als abstrakt empfun­dene Euro­päi­sche Union.
Die entge­gen­ge­setzte Lesart besagt, dass in Ostdeutsch­land die Diktatur in den Köpfen genau umge­kehrt nach­wirke; dass die Menschen nicht aus den Mustern von Freund und Feind heraus­kämen; dass sie sich in einer plura­lis­ti­schen Demo­kratie nicht zurecht­fänden.
....

AM: Da muss ich etwas ausholen. Ich erin­nere mich an einem Auftritt des damals gerade neu ins Amt gewählten SED-PDS-Vorsit­zenden Dr. Gregor Gysi in Gera, in dessen Verlauf er dem ungläubig erstar­renden Publikum prophe­zeite, dass im Falle einer vom dama­ligen Bundes­kanzler Dr. Helmut Kohl favo­ri­sierten möglichst baldigen „Wieder­ver­ei­ni­gung“ die Arbeits­lo­sig­keit im Osten epide­mi­sche Ausmaße annehmen werde
...
die Unsi­cher­heit gras­sierte überall.
...
JS: Du deutest eine Lesart an, die auch mit Blick auf die Vorge­schichte des Natio­nal­so­zia­lismus gängig ist:
Erst die Wirt­schafts­krise der 20er und 30er Jahre habe den Aufstieg der Extre­misten möglich gemacht.
Die Unter­stüt­zung radi­kaler oder extremer rechter Parteien ist also nicht – zwin­gend – Ausdruck einer ideo­lo­gi­schen Über­zeu­gung, sondern ein Denk­zettel für gemä­ßigte Kräfte, denen Versagen vorge­worfen wird.
...
Aller­dings sind die Ausgangs­lagen im Vergleich zwischen dem frühen 20. und dem frühen 21. Jahr­hun­dert doch sehr verschieden; histo­ri­sche Vergleiche zur Deutung der Gegen­wart über­haupt proble­ma­tisch.

Dass aber berech­tigter wie auch unbe­rech­tigter Missmut zu „Denk­zet­tel­wahlen“ führt, scheint mir mit Blick auf Ostdeutsch­land schlüssig. Wie dem auch sei! Was fehlte denn in Ostdeutsch­land, um dem Raub­tier­ka­pi­ta­lismus entgegen zu treten?

AM: Im deut­schen Osten fehlten nach 1990 aus meiner Sicht zwei wesent­liche soziale Korrek­tive, die im „Westen“ immer dafür gesorgt haben, dass es der „Kapi­ta­lismus“ nicht zu arg trieb: Gewerk­schaften und Kirchen.
Die Gewerk­schaften als verlän­gerter poli­ti­scher Arm der verhassten kommu­nis­ti­schen Staats­macht waren im Herbst 1989 massen­haft verlassen worden. Außerdem traten neuge­grün­dete ostdeut­sche Unter­nehmen nur in den seltensten Fällen einem Arbeit­ge­ber­ver­band bei.

Die Folge: Tarif­lohn – Fehl­an­zeige! Die Löhne wurden dras­tisch nach unten gedrückt, die Arbeits­zeiten wurden hoch­ge­schraubt und kaum jemand wehrte sich, weil allen die Angst vor Entlas­sung im Nacken saß.
Und das wach­sende Heer der Arbeits­losen war als Droh­ku­lisse perma­nent präsent, allen Kaschie­rungen durch „Umschu­lungen“ und „Fort­bil­dungen“ zum Trotz.

das zweite gesell­schaft­liche Korrektiv, das in den Altbun­des­län­dern immer poli­tisch wirksam war – und es bis zum heutigen Tag ist –, führte im Osten eben­falls ein Schat­ten­da­sein
...
Ich glaube, wenn sich in der Altbun­des­re­pu­blik Unter­nehmer erlaubt hätten, was sie sich im Osten nach 1990 erlaubten, wären sie von der Kanzel herunter verdammt worden.
Im Osten hingegen brauchte kein Unter­nehmer pasto­ralen Zorn zu befürchten – die Kirchen waren nahezu leer!
...
JS: All das erklärt aber nicht, warum den Enttäuschten gerade rechte Posi­tionen so attraktiv erscheinen, sieht man einmal vom Verlangen nach Denk­zet­teln und Sünden­bö­cken ab.

Mal ganz naiv gefragt, ich weiß natür­lich um die spezi­ellen Umstände im ehemals linksto­ta­litär regierten Ostdeutsch­land: Wäre es für die Arbei­te­rInnen nicht nahe­lie­gender, linke Parteien zu wählen? Soziale Gerech­tig­keit und Arbeit­neh­mer­schutz sind doch Kern­an­liegen der Linken.

Die AfD hingegen ist eher unter­neh­mer­freund­lich aufge­stellt; ihre Kader sind geprägt von Gutver­die­nern und Akade­mi­kern der soge­nannten „Mitte“.
Seltsam ist auch, dass die Wahl­er­folge der AfD im deut­schen Osten mit einer signi­fi­kanten Abnahme der Arbeits­lo­sig­keit eben­dort einher­gehen.
...
Wie geht das zusammen?

AM: Als die Mauer 1990 fiel, lag die Arbeits­lo­sen­quote aber bei 0,0 Prozent! Und dass die Zahlen sich im Verlaufe der Jahre redu­zierten, hängt auch mit der Abwan­de­rung von Arbeits­kräften in die Altbun­des­länder, der extremen Auswei­tung des Nied­rig­lohn­sek­tors – z.B. im Bereich der Leih­ar­beit – und der Bereit­schaft vieler „Ossis“ zusammen, weit unter­halb ihrer Quali­fi­ka­tion zu arbeiten.
...
Viele Ossis haben sich so irgendwie über Wasser gehalten, ohne Arbeits­lo­sen­geld zu beziehen, aber inner­lich haben sie gekocht vor Wut! Von wegen „blühende Land­schaften!“

JS: Was immer noch nicht zwangs­läufig zu einem Rechts­ruck führen muss. Die Rede von den „blühenden Land­schaften“ stammt doch von einem rechts­kon­ser­va­tiven Poli­tiker!

AM: Dass es die poli­ti­sche Rechte und nicht etwa die poli­ti­sche Linke war, welche die Unzu­frie­den­heit mit den „arro­ganten Besser­wessis“ und der wach­senden Frus­tra­tion in poli­ti­sches Kapital ummünzen konnte, liegt aus meiner Sicht am poli­ti­schen Erbe der SED-Nach­folger als Sammel­be­cken für einer­seits altge­wor­dene „Beton­kom­mu­nisten“, die ihre poli­ti­sche Lebens­leis­tung nicht aufgeben wollen und heute noch die Berliner Mauer recht­fer­tigen, und ande­rer­seits an reform­wü­tigen, aber reali­täts­fernen Welt­ver­bes­se­rern, die am liebsten die „Kommune 1“ aufleben lassen und das Privat­ei­gentum völlig abschaffen wollen.

Für die Masse der ostdeut­schen Bevöl­ke­rung ist das keine ernst­hafte gesell­schaft­liche Alter­na­tive. Als dann mit dem wach­senden Flücht­lings­strom über die deut­schen Grenzen hinweg die allge­meine Verun­si­che­rung der ostdeut­schen Bevöl­ke­rung ein unge­ahntes Ausmaß erreichte, gab es faktisch keine gesell­schaft­liche Kraft, die den massen­haft kursie­renden Gerüchten von der isla­mi­schen Über­frem­dung glaub­würdig Einhalt bieten konnte:
Die Bundes­re­gie­rung als Verant­wort­liche für Massen­ar­beits­lo­sig­keit und Perspek­tiv­ver­lust war mora­lisch diskre­di­tiert, die linke Oppo­si­tion (Linke und Grüne) galt als Ansamm­lung von Traum­tän­zern und Altka­dern und die FDP als „Partei der Besser­ver­die­nenden“, die es am liebsten noch ärger treiben würden.



JS: Die AfD hat also das Vakuum erkannt und stra­te­gisch geschickt ausge­nutzt?

AM: Genau. Sie saugte faktisch alles auf, was die Altpar­teien liegen gelassen haben. Erstens die Zukunfts­angst der ostdeut­schen Mittel­ständler mit ihrem aussichtslos erschei­nenden Kampf gegen die Groß­in­dus­trie.
Zwei­tens die Angst vor Krimi­na­lität in den verwahr­losten Neubau­sied­lungen, wo der Sozi­al­neid ohnehin schon längst fest verwur­zelt ist und mit der Ankunft der auslän­di­schen Konkur­renten um Sozi­al­leis­tungen eine unge­ahnte Blühte erlangte.
Drit­tens die unge­bremst wuchernde Verschwö­rungs­lyrik, die Erklä­rungen liefert, wo öffent­lich-recht­liche Medien als angeb­lich verlän­gerter Arm der Regie­rungs­ge­wal­tigen unglaub­würdig geworden sind.
...
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...
Es geht schon lange nicht mehr um die Frage, ob wir mit den Rechten reden sollen, sondern allein darum, wie wir es tun.“ Würdest Du vor dem Hinter­grund Deiner Erfah­rungen zustimmen? Sollte man „mit Rechten reden“? Und falls ja, mit welchen Rechten? Rechte sind ja, genau wie Linke, kein einheit­li­cher Block.

AM: Ich meine: unbe­dingt! Nicht nur, weil diese in zahl­rei­chen Facetten ausge­prägte „rechte Gesin­nung“ viel­fach vor allem ohnmäch­tiger Protest gegen eine als Vernach­läs­si­gung wahr­ge­nom­mene Politik ist, sondern vor allem, weil es viel­fach gar nicht mehr anders geht: Rechtes Gedan­kengut wird im deut­schen Osten längst in Klas­sen­zim­mern, in Amts­stuben und Betriebs­kan­tinen disku­tiert!
Es zu igno­rieren, käme aus meiner Sicht einer Kapi­tu­la­tion und dem Einge­ständnis von Hilf­lo­sig­keit gleich – falls es nicht sogar als still­schwei­gende Bestä­ti­gung wahr­ge­nommen wird.
....

JS: Es bleibt die Frage, wie das geschehen soll. Radi­kale und Extre­misten, ob auf der linken, auf der rechten oder der liber­tären Seite, nutzen das Gespräch, insbe­son­dere das öffent­liche, meist nicht für einen ratio­nalen Diskurs, sondern als – mitunter gut getarnte – Predi­ger­kanzel. Erschwe­rend kommt hinzu, dass gerade die Rechten in den letzten Jahren sehr viel gewitzter, raffi­nierter und stra­te­gisch klüger geworden sind, was ihre Predigten betrifft.

Die Linke hat in dieser Hinsicht einiges aufzu­holen – es genügt nicht, gebets­müh­len­artig den Ignazio Silone zuge­schrieben Kalen­der­spruch „Wenn der Faschismus wieder­kehrt, wird er nicht sagen: ‚Ich bin der Faschismus’. Nein, er wird sagen: ‚Ich bin der Anti­fa­schismus’“ zu wieder­holen.

...

AM: Schwierig! Ich denke, man sollte vor allem die enorme Bedeu­tung der Medien nicht unter­schätzen. Im Osten ist die poli­ti­sche Lenkung des Fern­se­hens durch den Staat noch immer in unrühm­li­cher Erin­ne­rung.


Wenn da, wie nach der Kölner Silves­ter­nacht 2015, auch nur der leiseste Verdacht aufkommt, dass das schon wieder so läuft, gehen sofort alle Warn­lampen an!
Gleich­zeitig zeigt es die funda­men­tale Bedeu­tung der Massen­me­dien auf.

Ich finde, genau dort gehört die Ausein­an­der­set­zung hin – und zwar ins öffent­lich-recht­liche Fern­sehen und zur besten Sende­zeit, damit Berufs­tä­tige nicht zwischen Infor­ma­tions- und Schlaf­be­dürfnis hin- und herge­rissen sind.

Die poli­ti­sche Debatte hat sich ohnehin längst vom Parla­ment in die Talk­shows verla­gert – sei’s drum! Und wer da meint, man böte der AfD dort nur ein Podium, der sei an Bertold Brecht erin­nert. Der empfahl der DDR-Regie­rung einst­mals unver­froren, sie könne sich doch ein anderes Volk wählen, wenn ihr das eigene nicht passe.

Wer daran zwei­felt, dass die Öffent­lich­keit letzt­lich die rich­tigen Schluss­fol­ge­rungen aus einer öffent­li­chen Debatte zieht, der hat die Grund­idee der Demo­kratie inner­lich längst beer­digt und ist damit dem rechten Gedan­kengut viel­leicht näher, als er sich selbst einge­stehen will. Dem radikal linken übri­gens auch – narziss­ti­sche Selbst­über­hö­hung und Demo­kra­tie­ver­dros­sen­heit finden sich an beiden Rändern des poli­ti­schen Spek­trums!

....
Das finde ich eine sehr gute Analyse.
Kann ich aus meiner eigenen Erfahrung heraus bzw. meinem Umfeld heraus nur bestätigen.
Das Unterstrichene ist alles von mir.

ist leider etwas viel Text, ich habe schon sehr viel gekürzt, ist also kein Vollzitat. Wenn ich noch mehr gekürzt hätte, wäre der Inhalt nicht gut genug rüber gekommen.

http://geschichtedergegenwart.ch/treffen-sich-zwei-ossis-auf-arbeit-ein-gespraech-mit-dem-bodybuilder-andreas-mueller-ueber-ostdeutschland-den-kapitalismus-und-die-afd/


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