Neustarter schrieb:Was Du wahrscheinlich meinst, nennt sich "Methodologischer Naturalismus" - aber wie gesagt: Das ist etwas anderes - ein methodologisches Prinzip und keine Weltanschauung.
Die zentrale Annahme des methodologischen Naturalismus ist vielmehr die Ablehnung einer eigenständigen, philosophischen Methode, die der empirischen Forschung vorausgeht und diese begründet.
Wikipedia: Naturalismus (Philosophie)#Methoden der NaturwissenschaftenEs ist der ungemeine Vorteil von Wissenschaft, daß sie nicht islamisch, buddhistisch, christlich, atheistisch, animistisch, hinduistisch, jüdisch usw. intendiert ist. Wenn man in einem wissenschaftlichen Artikel das untersuchte Phänomen mit dem Wirken von Tezcatlipoca oder mit Karma erklärt, dann können nur solche Wissenschaftler dieser Studie folgen, welche an Tezcatlipoca oder ans Samsara glauben. Wissenschaft muß und will weltanschauungsfrei arbeiten, weil so sämtliche beteiligten Wissenschaftler unabhängig von deren Glauben, Philosophie, Weltanschauung einer wissenschaftlichen Arbeit aus rein inhaltlichen Gründen zustimmen können, oder sie auch aus rein inhaltlichen Gründen entkräften.
So spricht man auch bzgl. der Gottfrage vom methodischen Atheismus des Wissenschaftsbetriebs. Nicht weil man als Wissenschaftler Atheist sein müsse oder es über kurz oder lang werde oder wegen sonstiger Mythen, Märchen und sogar Lügen. Nein, Gott bleibt außen vor, weil er nichts ist, das man empirisch analysieren kann. Weil er Glaubenssache ist wie Karma, Tezcatlipoca und so weiter.
Kann man Wissenschaft materialistisch nennen? Ja, wenn man da ebenfalls "methodisch" / "methodologisch" vorsetzt.
Womit beschäftigt Wissenschaft sich, was untersucht sie, was beschreibt sie? Unsichtbare Rosa Einhörner? Gott? Die Zwischenwelt der Seelen zwischen zwei Inkarnationen? Nö, sind ja Glaubenssachen, die sich empirisch überhaupt nicht fassen lassen. Wissenschaft befaßt sich nur mit Dingen, die man sehen, hören, fühlen usw. kann, auch dann, wenns nur mithilfe technischer Apparaturen möglich ist (UV-Licht, Infraschall...). Das Blöde is halt, daß sich nur Materie i.w.S. empirisch erfassen läßt. Mag auch mal ne Marienerscheinung geben udgl, doch läßt sich sowas halt nicht reproduzieren, gar unter Laborbedingungen. Daher ist so ein Sehen doch wieder Glaubenssache und nix für Wissenschaft.
Der "methodische wissenschaftliche Materialismus" liegt also nur daran, daß ausschließlich die Materie der Wissenschaft als "Untersuchungsmaterial" dienen
kann. Mit ner dran geknüpften Weltanschauung hat das nicht die Bohne zu tun.
Leider gibts halt Ideologen, die dem Wissenschaftsbetrieb solcherlei ideologischen Atheismus, Materialismus usw. andichten, und die findet man übrigens auch unter Atheisten (wenn sie glauben, daß Wissenschaft Gott mehr und mehr ausm Weg räumen würde und zu Atheismus führte). Gibt zum Glück weit mehr von denen (auf allen Seiten), die das "methodologisch" verstehen und beherzigen.