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Mordfall Daniela Kammerer - Innsbruck 2005

Mordfall Daniela Kammerer - Innsbruck 2005

30.07.2014 um 20:34
@ZenCat1
Ich find ja deine Meinung eh schwer ok!
Ich denke es gibt da noch einen weiteren Fall des CCM, aus Wiener Neustadt, wo angeblich der Verdächtige wegen Mangels Leiche, nicht verurteilt werden konnte - wegen Mord.

Hab den Namen der verschwundenen Frau vergessen, aber muss auch hier wo in Allmy sein.

Hab eine schöne ruhige Nacht! Hier donnert es ;)

Doverex


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Mordfall Daniela Kammerer - Innsbruck 2005

30.07.2014 um 21:06
Punkt 1: ich bin heilfroh, dass wir zu einer Diskussion des 'Falls' zurückgekehrt sind! Danke an alle!


Punkt 2: ich bin begeistert, dass wir mit @nephilimfield hier jemanden haben, der sachliche und vor allem qualifizierte Aussagen rund um DNA-Beweise geben kann und dies auch unermüdlich tut! DANKE!

Der Hinweis, dass zwei Einstichstellen aussagekräftiger sind als eine, ist - auch das ist jetzt makaber - beruhigend, weil ich dadurch wieder Hoffnung schöpfe, dass es - wann auch immer - doch noch eine Klärung geben kann.

Punkt 3: ich verstehe @ZenCat1's Vorbehalte gegenüber dem CCT total - und hoffe trotzdem, dass diese einerseits professionell genug waren, um gute 'Grundlagen-Arbeit' zu leisten, aber - vielleicht - letztlich über's Ziel hinausgeschossen sind. Weil etwas wie 'Beugehaft' haben wir hoffentlich im letzten Jahrtausend hinter uns gelassen (ich bin naiv und stehe dazu ;-)).

ABER: ich kann schon verstehen (auf der ganz menschlichen Ebene), dass man, wenn man sich lange und intensiv mit einem Fall beschäftigt und persönlich von der Schuld eines Täters überzeugt ist, geneigt ist, über's Ziel hinauszuschiessen. Erfolgsdruck hin oder her. Mir würde da schon persönliche Motivation als Erklärung ausreichen. Was es, das möchte ich betonen, nicht 'okay' macht - aber menschlich verständlich.

Da es vor einem Haftrichter nicht gereicht hat, gilt die Unschuldsvermutung umso mehr.

Ich hab' wirklich keine Ahnung, wer DK ermordet hat. Aber wenn schon wir hier in diesem thread so emotional diesbezüglich werden, ohne DK selbst gekannt zu haben noch Teil des Ermittlungsteams zu sein, dann verstehe ich schon, dass Ermittler 'the extra mile' gehen - manchmal halt auch in die falsche Richtung.

Wenn TB unschuldig ist, dann hoffe ich, dass seine Unschuld BALD bewiesen werden kann. Ich mag mir wirklich nicht vorstellen, was das für ihn, seine Familie in Österreich und sein Leben in Australien bedeutet, dass er zwar aus der U-Haft entlassen wurde, aber eben nicht völlig und eindeutig 'freigesprochen' wurde. Sollte er unschuldig sein, hoffe ich wirklich, dass dies sein weiteres Leben in Australien (oder wo auch immer) nicht negativ beeinflusst. Und ich hoffe total, dass man irgendwann (idealerweise bald) den wahren Täter findet und überführen kann.

Sollte er schuldig sein, hoffe ich, dass die Beweise eindeutig genug sind, um ihn zweifelsfrei zu überführen.

Mir geht es - ganz ehrlich - gar nicht so sehr darum, ob der Täter seiner gerechten (?) Strafe zugeführt wird. Ich bin kein Racheengel. Ich will einfach nur wissen 'wer' und 'wieso'.


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Mordfall Daniela Kammerer - Innsbruck 2005

30.07.2014 um 21:44
@nilhörnchen

Bitte gerne!

@Doverex

Du meinst Heidrun Wastl. Auch auf Youtube zu sehen unter "Fall Heidi Wastl".


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JosefK1914
ehemaliges Mitglied

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Mordfall Daniela Kammerer - Innsbruck 2005

30.07.2014 um 22:07
nilhörnchen schrieb:Wenn TB unschuldig ist, dann hoffe ich, dass seine Unschuld BALD bewiesen werden kann. Ich mag mir wirklich nicht vorstellen, was das für ihn, seine Familie in Österreich und sein Leben in Australien bedeutet, dass er zwar aus der U-Haft entlassen wurde, aber eben nicht völlig und eindeutig 'freigesprochen' wurde. Sollte er unschuldig sein, hoffe ich wirklich, dass dies sein weiteres Leben in Australien (oder wo auch immer) nicht negativ beeinflusst. Und ich hoffe total, dass man irgendwann (idealerweise bald) den wahren Täter findet und überführen kann.
Endlich mal jemand, der die Situation eines Unschuldigen in einem solchen Fall richtig darstellt.

Ihre Hoffnung in Ehren, nur in den seltensten Fällen kann man die Unschuld beweisen. Hier gibt es nur ganz wenige Fälle. Meist nur, wenn ein anderer Täter ausgemacht wurde. Und selbst dann gibt es Fälle, wo die StA die Fälle so verdreht und weltfremde Szenarien erfindet, dass die anderen höchstwahrscheinlich unschuldigen Angeklagten trotzdem von manchen Gerichten schuldig gesprochen werden.
ZenCat1 schrieb:Ich möchte hier auch auf den Fall Kührer verweisen, bei dem meines Wissens nach dasselbe CCT gewerkelt hat wie nachher bei Daniela. Wo, zum Teufel, ist die blaue Hundedecke plötzlich hergekommen?
Nicht nur das, es hieß, dass sich AUF der Hundedecke DNA vom angeblichen Täter befunden haben soll. Die Hundedecke war jedoch auf seinem Grundstück, wo sicherlich genügend DNA von ihm befand, dass bedeutet Sekundärkontamination kann hier durchaus erfolgt sein. Kommt einem das nicht irgendwie bekannt vor?

Eindeutig belastend wäre hier auch nur DNA auf der Innenseite der Decke gewesen, also der Seite wo die Leiche eingewickelt war, dort wäre DNA nur vom Täter und Opfer zu finden gewesen.


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Mordfall Daniela Kammerer - Innsbruck 2005

30.07.2014 um 22:18
@nephilimfield
Ja richtig, Heidrun Wastl meinte ich!

Gibt auch einen Thread hier bei Allmy darüber, der aber schon geschlossen ist.

Diskussion: Cold Case - Heidrun Wastl - Mord ohne Leiche oder Unfall? (Beitrag von Comtesse)


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Mordfall Daniela Kammerer - Innsbruck 2005

31.07.2014 um 19:09
Zu meinem Letzten Beitrag Beitrag von Lohengrin, Seite 205
habe ich vergessen meine obligatorische Frage noch einmal in Erinnerung zu
bringen. Mir ist immer noch wichtig ob Daniela an dem Morgen ihre Brille trug
oder ob sie Kontaktlinsen getragen. Sorry für die "Störung" ;), Aber das musste
unbedingt noch erwähnt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Lohengrin


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Mordfall Daniela Kammerer - Innsbruck 2005

31.07.2014 um 19:18
Lohengrin schrieb: Mir ist immer noch wichtig ob Daniela an dem Morgen ihre Brille trug
oder ob sie Kontaktlinsen getragen
@Lohengrin
Also ich vermute mal, dass Daniela Kontaktlinsen getragen hat.
In dem Beitrag des ORF über der Cold Case, Mordfall Daniela Kammerer, schreibt auf youtube der ORF Kammeramann Stefan Gessl, der auch diesen Beitrag auf Youtube lud: Sind die Originalaufnahmen einen Tag vor Ihren Tod.
Die letzten Handyaufnahmen.....


und darauf trug Daniela keine Brille, hat vermutlich ihre Kontaktlinsen getragen.
Daher denke ich, dass die Wahrscheinlichkeit am Mordtag auch mit den Kontaktlinsen unterwegs gewesen zu sein, sehr hoch ist.

a629e2 2014-05-31 08 32 35-


Lieben Gruß,
Doverex


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Mordfall Daniela Kammerer - Innsbruck 2005

31.07.2014 um 19:58
@Doverex
@Lohengrin

Ich hab grad ein Dejavu.

Beitrag von Doverex, Seite 191


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Mordfall Daniela Kammerer - Innsbruck 2005

31.07.2014 um 20:23
@nephilimfield
Ich weiß ja, dass Daniela auch Brille trug ;)
Die Wahrscheinlichkeit aber, wenn sie am Vortag der Mordnacht (siehe das Bild weiter oben) diese Kontaktlinsen drinnen hatte, diese auch am nächsten Tag trug, finde ich höher gegeben als umgekehrt. Ist also nur eine Wahrscheinlichkeitsannahme von mir.

Tu mir aber schwer damit, weil ich weder Brillen noch Kontaktlinsen selbst brauche, kenn mich da also net wirklich drin gut aus. Wiel lange hat wer die Kontaktlinsen drinnen, nehmen die meisten Leute die Linsen über Nacht raus? Hab da keine Ahnung drüber.

Schön wäre es, wie @Lohengrin es schon ansprach, wenn man sich hierzu nicht auf Wahrscheinlichkeitsannahme oder andere Vermutungen stützen müsste, sondern wenn sich auf Lohengrins BITTE einfach jemand melden würde, der es weiß, also ein Freund/in, Studienkollege/in oder i-jemand aus dem Umfeld der darüber Ahnung hat.

Und auch Deinen Fragekatalog sollte man nicht vergessen!

Offene Fragen/Widersprüche: >>> Spoiler

1) Die Ohrenzeugin, die einen Streit hörte, in dem der männliche Part "gebrochen Deutsch" sprach, wird vom CCT als unglaubwürdig bezeichnet. Warum?

2) Zu Beginn hieß es, DK sei mit ihrem Fahrrad zum Tatort gefahren. Heute heißt es, sie sei zu Fuß gegangen. Wie kommt es zu dieser Diskrepanz?

3) Wie kommt der Haftrichter auf die Theorie, der Täter habe sich am Sillufer versteckt? Gab es einen Hundeeinsatz?

4) Im Forum hat sich jemand gemeldet, der versichert, DK habe noch ihre Freundin nach Hause begleitet. Diese Information taucht aber öffentlich nirgends auf. Warum?

5) Der Zimmerkollege des letzten bekannten Kontakts des späteren Mordopfers wurde erst drei Jahre nach der Tat telefonisch zum Alibi befragt. Warum?

6) Der Bosnier war früh im Fokus der Ermittler, wurde aber erst Monate später einer Gegenüberstellung zugeführt. Warum?


Und Deine informative Zusammenfassung für User und alle, die es werden wollen
Spoiler

Zur Vorgeschichte:

Daniela Kammerer (DK) aus Pürbach/NÖ kam im Wintersemester 2004/2005 als 19-Jährige nach Innsbruck, um am MCI "Management und Recht" zu studieren. In Innsbruck bezog sie ein Zimmer im Internationalen Studentenhaus in der Rechengasse. DK war also zum Tatzeitpunkt im zweiten von insgesamt acht Semestern.

Zur Tatnacht:

Am 22. Juni 2005 verließ DK mit ihrem Fahrrad das Studentenhaus in der Rechengasse und machte sich auf den Weg zu einer Party im Gebäude der Katholisch Österreichischen Hochschulverbindung "Alpinia" in der Zollerstraße, wo sie einige Freunde bzw. Studienkollegen traf. In der Zollerstraße wurde DK im Laufe des Abends in eine verbale Auseinandersetzung mit einer zweiten Person verwickelt, die aber laut Zeugenaussagen relativ harmlos war und bald wieder geschlichtet wurde. Am 23. Juni 2005, gegen zwei Uhr, verließ sie das Fest zusammen mit drei weiteren Personen: ihrem Studienkollegen TB aus Niederösterreich sowie einer weiteren männlichen und einer weiblichen Person. Man ging zu Fuß, die beiden Männer schoben jeweils das Fahrrad der beiden Frauen. Ziel war das Karl-Kunst-Heim in der Dreiheiligenstraße 9 (DHS9), in dem TB mit einem Zimmerkollegen ein Doppelzimmer bewohnte.

Über die nächsten ca. zweieinhalb Stunden ist öffentlich sehr wenig bekannt. Laut Aussage von TB befand er sich zuletzt mit ihr in seinem Studentenzimmer, wo über "verflossene Beziehungen" geredet wurde. Gegen 4.25 Uhr soll DK das Studentenheim in der DHS9 mit 2,4 Promille Blutalkohol verlassen haben. Laut erstem Zeit-Weg-Diagramm des LKA Tirol begab sich DK danach in die Bogenmeile.

Zeit-Weg-Diagramm des LKA Tirol (Zirka-Angaben):

4.25 Uhr: Dreiheiligenstraße 9
4.30 Uhr: Kreuzung Ing.-Etzel-Str./Kapuzinergasse
4.30 Uhr: Höhe Cafe Plateau
4.45 Uhr: Eisgrotte Amraserstraße (gegenüber Hallenbad)
4.50 Uhr: DK wird bei den Telefonzellen am Leipzigerplatz mit zwei Messerstichen ins Herz und in den Rücken erstochen. Klingenlänge: ca. 16 cm. Die Tatwaffe wurde bis heute nicht gefunden.
5.04 Uhr: Ein Frühpensionist, der DK findet, setzt den Notruf ab.

Wichtig: Laut diesem ersten Zeit-Weg-Diagramm fuhr DK die Strecke bis zu den Telefonzellen mit dem Fahrrad (im Diagramm heißt es: "vermutliche Fahrtstrecke"). Die Rekonstruktion ergab, dass DK wahrscheinlich auf dem Weg zu einem Freund in Pradl war und bei den Telefonzellen telefonieren wollte, weil ihr Akku leer war.
Ein Augenzeuge sagte später aus, er habe gegen 4.45 Uhr in der Amraserstraße auf der Höhe des Hallenbades eine betrunken wirkende männliche Person mit schulterlangen blonden Haaren gesehen, die Richtung Telefonzellen ging.
Es gibt auch Ohrenzeugen, die sich allerdings widersprechen: Zu Beginn war die Rede von einem Streit bei den Telefonzellen zwischen einer Frau und einem Mann, der akzentfrei Deutsch oder Deutsch mit leichtem Akzent sprach. Zuletzt (2014) meldete sich eine Ohrenzeugin sogar öffentlich im Fernsehen, die überzeugt davon ist, der Mann habe nur gebrochen Deutsch gesprochen.

Im Zuge der Ermittlungen gerieten anfangs mehrere Verdächtige ins Visier des LKA Tirol. Öffentlich bekannt wurde davon nur ein Bosnier, der in U-Haft genommen, aber nach einer Gegenüberstellung wieder entlassen wurde (für weitere mögliche Verdächtige verweise ich auf die Liste von @sunnudagur auf Seite 179). Warum dieser Bosnier überhaupt in den Fokus der Ermittler geriet, bleibt offen. In dem Zusammenhang gab es eine mysteriöse Begebenheit: Monate nach der Tat langte auf dem Handy von DK ein SMS aus Bosnien ein. Laut einem Zeitungsbericht soll der Inhalt in etwa "Daniela, bist du wirklich tot?" gelautet haben. Ein Ermittlerteam machte sich auf den Weg nach Bosnien, die Spur verlief aber im Sand. Wie alle anderen Spuren auch, weshalb der Fall zu den Akten gelegt wurde.

Wie sich später herausstellte, gab es zu Beginn einige Ermittlungsschwächen. So wurden wichtige Zeugen gar nicht oder nur telefonisch befragt, Alibis nicht überprüft.

2008 wurde der Fall im Zuge einer operativen Fallanalyse neu aufgerollt. Über neue Erkenntnisse dieser Bemühungen ist wenig bis gar nichts bekannt. Es dürfte aber sicher sein, dass erst während dieser Ermittlungen im Jahr 2008 der Zimmerkollege von TB (der letzte bekannte Kontakt von DK) befragt wurde, ob sich dieser zum Tatzeitpunkt im gemeinsamen Zimmer aufgehalten habe. Seine Antwort damals: Er könne sich nicht erinnern.
2008 wurde auch DKs Sarg geöffnet, weil sich darin tatrelevante Briefe ihres ehemaligen Freundes aus dem Bezirk Gmünd (NÖ) befunden haben sollen. Sie waren aber nicht mehr lesbar.

Bis 2013 tat sich wieder nichts. In diesem Jahr startete das Cold Case Management des BMI (Cold Case Team, CCT) neue Ermittlungen. Im Zuge dessen wurde auch der Zimmerkollege von TB neuerlich befragt. Dieses Mal sagte er aus, TB habe sich zum Tatzeitpunkt NICHT im Zimmer aufgehalten. TB sei nach der Tat sehr mitgenommen und erschüttert gewesen. Weiters wurden Hautschuppen unter dem Rock von DK gefunden, aus denen mit verfeinerten molekularbiologischen Methoden DNA isoliert werden konnte. Diese DNA wurde TB zugeordnet. Daraus schloss das CCT auf einen intimen Kontakt zwischen TB und DK. Es stellte sich auch heraus, dass es Zeugenaussagen gibt, wonach DK zu Fuß zu den Telefonzellen ging und ihr eine männliche Person auf einem Fahrrad folgte. Die DNA von TB wurde auch auf DKs Fahrrad gefunden.
Das fehlende Alibi, die Hautschuppen und die (neue) Erkenntnis bzgl. des Fahrrads nahm das CCT zum Anlass, U-Haft gegen TB zu beantragen, die auch verhängt wurde. TB wurde schließlich zu Weihnachten 2013, von Australien kommend, am Flughafen Wien festgenommen.

Die Tathypothese des CCT:

TB habe sich DK gegen ihren Willen sexuell genähert. DK sei aus der Studentenwohnung geflüchtet, TB sei ihr auf ihrem Rad mit einem Messer gefolgt und habe sie bei den Telefonzellen erstochen. Laut Haftrichter soll er sich danach am Sillufer gereinigt und versteckt haben und danach wieder in seine Wohnung zurückgekehrt sein.

Der Rechtsanwalt von TB deckte allerdings Ungereimtheiten auf, vor allem bzgl. der Hautschuppen. Die Interpretation der Ermittler und des Haftrichters, die Hautschuppen würden einen intimen Kontakt belegen, ist nachweislich falsch. Die Spuren können genauso durch Sekundärübertragung an die Rock-Innenseite gelangt sein. Also etwa über die Couch oder einen WC-Sitz. Auch TBs DNA auf dem Fahrrad lässt sich auch völlig unverdächtig erklären: Er hat das Rad ja Stunden vor der Tat geschoben.
Die dürftigen Indizien konnten schließlich eine U-Haft nicht mehr rechtfertigen, TB wurde nach sechs Wochen entlassen. Der Rechtsanwalt der Familie Kammerer reichte einen Fortführungsantrag ein, der von der StAw abgelehnt wurde. Ein Richtersenat muss noch die Letztentscheidung treffen.

Der letzte Stand:

Es wurden Hautschuppen um die Einstichstellen gefunden. Daraus soll DNA isoliert werden. Es handelt sich dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit um tatrelevante Spuren.


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Mordfall Daniela Kammerer - Innsbruck 2005

31.07.2014 um 21:39
Aus dem näheren Umfeld von TB habe ich heute erfahren:


dass der Richtersenat den Antrag abgelehnt hat !

Somit sollte hier nach mMn. die Verdächtigung gegenüber TB in jeder Form in den Hintergrund rücken.

Zweitens wurde mir mitgeteilt dass:
Die anderen 2 DNA Spuren bis jetzt unbekannt sind.

Die Quelle für diese beiden INFOS scheint für mich sehr seriös zu sein!


Lieben Gruß,
Doverex


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Mordfall Daniela Kammerer - Innsbruck 2005

31.07.2014 um 22:36
@Doverex

Danke für die Info! Wahrscheinich ist die Ablehnung der Grund für die Aktion von RA Boran.

Die Nicht-Zuordenbarkeit von zwei DNA-Spuren wundert mich übrigens überhaupt nicht. Die Möglichkeiten einer Sekundärübertragug sind ja vielfältig.


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Mordfall Daniela Kammerer - Innsbruck 2005

01.08.2014 um 00:33
@nephilimfild,

das war auch mein Gedanke! Die erwartete oder avisierte Ablehnung hat die Eingabe einer Zivilklage als letztes Mittel ausgelöst. Diese Vermutung wird auch dadurch unterfüttert, dass in dem Artikel über die Zivilklage darauf hingewiesen wird, dass ein Unternehmerclan mit mächtigen Wirtschaftsverbindungen im Hintergrund steht.

Nun bin ich gespannt ob die Zivilklage zugelassen wird. Boran hat ja schon im Fall Natascha Kampusch für den Vater Koch eine Zivilklage gegen den Freund des Haupttäters eingereicht. Der Vater bezweifelte damals, dass von den Ermittlungsbehörden, Gerichten, Kommissionen vollumfänglich ermittelt wurde. Die Klageeinreichung war 2012 und danach hörte man allerdings nichts mehr von diesem Verfahren. Ich fand auch keine Mitteilung in den Medien, dass die Einleitung des Verfahren von Seiten der Behörden abgelehnt wurde, aber vermutlich liegt der Grund sowieso darin, dass es zu einem tiefgehenden Bruch zwischen Tochter und Vater kam und es insofern sinnlos gewesen wäre das Verfahren fortzuführen.

Es wäre jetzt interessant, zu erfahren, ob eine angerufene Stelle bei einem Zivilprozess die Annahme der Klage generell zulassen muss bzw. falls Ablehungsgründe möglich sind, welches diese dann sein könnten.

Noch etwas zur Zivilklage: zu dieser konnte ich nachlesen, dass der grosse Vorteil der Zivilklage für die Kläger-/Opferseite darin liegt, dass sie aktiv ihre Argumente und Belege vorbringen kann. Vielleicht löst sich auf diese Weise so manches Rätsel in Luft auf und es gibt mehr Klarheit in diesem Fall, wünschenswert wäre es!


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JosefK1914
ehemaliges Mitglied

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Mordfall Daniela Kammerer - Innsbruck 2005

01.08.2014 um 08:37
Buchfink schrieb:Nun bin ich gespannt ob die Zivilklage zugelassen wird.
Eine Zivilklage unterliegt keinen wirklichen Zulassungsbedingungen. Wenn überhaupt sind dieser mehr formeller Natur, wie Verjährung o.ä.. Aber selbst dann wird in der Regel verhandelt, da selbst die Frage der Verjährung auch nicht immer eindeutig ist. Das Gericht gibt den Parteien dann jedoch frühzeitig entsprechende Hinweise wie es entscheiden könnte.
Buchfink schrieb:Noch etwas zur Zivilklage: zu dieser konnte ich nachlesen, dass der grosse Vorteil der Zivilklage für die Kläger-/Opferseite darin liegt, dass sie aktiv ihre Argumente und Belege vorbringen kann.
Diese Möglichkleit bestand aber genauso schon bei dem Antrag auf Fortführung (§ 196 StPO). Im Gegensatz zum Zivilprozess hatte der Richterrat sogar die Möglichkeit gehabt, vor einer Entscheidung über die Einstellung, noch weitere Ermittlungen von der Kriminalpolizei zu verlangen. Das ist in einem Zivilverfahren nicht möglich, so dass die Ansprüche an die Parteien im Zivilverfahren für die Beibringung von Beweismitteln noch deutlich höher sind.


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Mordfall Daniela Kammerer - Innsbruck 2005

01.08.2014 um 08:46
Hier tut sich ja Einiges, vom (unterirdischen) Krone-Artikel bis zur Info von @Doverex, dass die Wiederaufnahme abgelehnt wurde. Was mich dabei wundert ist, dass zu diesen Neuigkeiten so gar nichts in den Medien zu finden ist?
Ich persönlich bin weder von der Schuld noch von der Unschuld TBs überzeugt, jedoch sollte es keinerlei Indizien mehr zu Lasten TB geben (wovon ich ausgehe, wenn die Wiederaufnahme abgelehnt wurde) - wäre man es ihm nicht schuldig, dies publik zu machen? Oder sehe ich das falsch?

Bei TB bleibt - zumindest bei mir - ein fahler Beigeschmack, welcher sicher auch ein bisschen den Medien geschuldet ist.


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JosefK1914
ehemaliges Mitglied

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Mordfall Daniela Kammerer - Innsbruck 2005

01.08.2014 um 14:33
Noch ein Hinweis zu einer Zivilklage im Allgemeinen:

Der große Vorteil einer Zivilklage gegenüber einem Strafverfahren ist der, dass die beweispflichtige Partei bestimmte Tatsachenbehauptungen mit Nichtwissen bestreiten kann.

Wenn man das geschickt anwendet, wird die Gegenpartei vortragspflichtig (nicht beweispflichtig), wenn anzunehmen ist, dass sie diese bestimmte Tatsachen wissen muss, dann muss Sie sich zur Sache äußern.

In Fällen, bei denen sich ein Beschuldigter sich im Strafverfahren auf sein Schweigerecht berufen hat, kann so unter solchen Umständen ein weiteres Beharren im Zivilprozess (um strafrechtlich evtl. weiter nicht belangt werden zu können) zu einem Unterliegen im Zivilprozess führen.

Im vorliegenden Fall ist nicht bekannt, dass der Beklagte im Strafverfahren die Aussage verweigert hat. Eher im Gegenteil, die StA ist ja gerade gegen die Entlassung aus der U-Haft nicht vorgegangen, weil der Beklagte sich zur Sache geäußert hatte und dadurch den dringenden Verdacht ausgeräumt haben soll. Ich persönlich sehe dies eher als Ausrede der StA umso den Gesichtsverlust zu minimieren, aber es zeigt, dass der Beklagte die Aussage eben nicht verweigert hat. Selbst Boran spricht nicht von einer solchen.


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Mordfall Daniela Kammerer - Innsbruck 2005

02.08.2014 um 09:54
Mal eine Frage an @all:

Hat jemand mal was davon gehört, dass in diesem Fall ein Fallanalytiker (aka "Profiler") eingesetzt wurde? Ich nehme es wohl an, aber veröffentlicht wurde darüber nie was, oder? (Thomas Müller hat sich das eine oder andere mal geäußert, aber ich glaube nicht als offizieller Mitarbeiter in dem Fall, sondern eher beiläufig.)


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Mordfall Daniela Kammerer - Innsbruck 2005

02.08.2014 um 11:42
@nephilimfield

Ich hatte es bisher immer so verstanden, dass die 'operative Fallanalyse' quasi das deutsch-österreichische Pendant zum 'profiling' darstellt, also Tathergangsanalyse, Analyse der Entscheidungen des Täters vor, während und nach der Tat, Tatortanalyse und daraus folgende Erstellung eines Täterprofils (falls möglich).

Wikipedia: Operative_Fallanalyse
http://www.bka.de/DE/ThemenABisZ/OperativeFallanalyse/Begriff/begriffOfa__node.html?__nnn=true

Wie das konkret allerdings im Fall DK ausgesehen hat, weiß ich nicht. Vielleicht waren es - trotz der Bezeichnung 'operative Fallanalyse' letztlich 'nur' neue Ermittler, die mit frischem Blick die 'alten' Akten noch mal durchkämmt haben.
Der Abschnitt, den du in deinem Beitrag zitiert hast, würde das ja eher in diese Richtung nahelegen ...
Beitrag von nephilimfield, Seite 152




Ich bin übrigens auch der Meinung, dass Thomas Müller nur mal so zwischen 'Tür und Angel' zu diesem Fall befragt wurde, und habe eigentlich nicht den Eindruck, dass er quasi 'offiziell' an diesem Fall gearbeitet hat.
Er hat sich ja damals sehr deutlich für die Zufallstäter-Theorie ausgesprochen.

Beitrag von AngRa, Seite 8
Beitrag von Buchfink, Seite 8


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02.08.2014 um 13:11
@nilhörnchen
nilhörnchen schrieb: Vielleicht waren es - trotz der Bezeichnung 'operative Fallanalyse' letztlich 'nur' neue Ermittler, die mit frischem Blick die 'alten' Akten noch mal durchkämmt haben.
Das hatte ich wegen dieses Beitrags in der TT auch so verstanden. Allerdings schreibt das Bundesministerium für Inneres zur "Operativen Fallanalyse (OFA)":

Die Fallanalyse ersetzt nicht die Ermittlungen. Sie wird angewendet, um Rückschlüsse auf potenzielle Täter zu ziehen oder die in Frage kommende Personengruppe eingrenzen zu können. Anhand von Tatort- und umfassenden Opferinformationen, von forensischen Daten und Ermittlungsergebnissen wird der Tathergang rekonstruiert, um in weiterer Folge Einschätzungen bezüglich Verhaltensmerkmalen, Motivstruktur und Persönlichkeitscharakteristika des Täters treffen zu können. [...] Die Fallanalyse bewertet – getrennt von den Ermittlungen – bei bestimmten Kapital- oder sexuellen Gewaltdelikten im Rahmen einer methodisch strengen Analyse das vorliegende Datenmaterial (Tatortbefund und Obduktionsbericht) in Hinblick auf Tathergang, fallspezifische Parameter und die Persönlichkeitsmerkmale des Täters. Die so erzielten Ergebnisse dienen der Unterstützung der Ermittlungen der zuständigen Dienststelle.

http://www.bmi.gv.at/cms/BMI_OeffentlicheSicherheit/2009/05_06/files/Kriminalpsychologischer_Dienst.pdf

Das wäre jetzt ungefähr die Vorgangsweise, die ich grob unter "Profiling" verstehen würde. Ob das in Innsbruck gemacht wurde und die TT das nur falsch interpretiert hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Naheliegend wäre schon, dass so eine umfassende Analyse angestellt wurde, die aber - wieder mal - nicht nach außen kommuniziert wurde.


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Mordfall Daniela Kammerer - Innsbruck 2005

02.08.2014 um 14:15
@nephilimfield
nephilimfield schrieb:Ob das in Innsbruck gemacht wurde und die TT das nur falsch interpretiert hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Naheliegend wäre schon, dass so eine umfassende Analyse angestellt wurde, die aber - wieder mal - nicht nach außen kommuniziert wurde.
ich neige dazu, anzunehmen, dass die TT das verkürzt bzw. falsch dargestellt hat. Weil es ja - auch - stimmt, dass bei einer OFA neue bzw. andere 'Ermittler' drauf schauen. Die OFA wird ja in der Regel eben nicht von den 'eigentlichen' Ermittlern im jeweiligen Fall durchgeführt, so, wie ich das verstehe.

Vielleicht ist die OFA aber auch zu keinem wirklichen Täterprofil gekommen - zumindestens keines, das sie nach außen hin kommunizieren wollten.
Bzw. der eigentliche 'Durchbruch' war lediglich die Erkenntnis, dass es sich womöglich doch um eine Beziehungstat gehandelt haben könnte. Es gab dann ja angeblich auch einen Verdächtigen, wo aber auch nichts Konkretes herausgekommen ist.
Vielleicht hielt man deswegen auch den Ball 'flach' ... weil eben nichts 'Greifbares' herausgekommen ist - und man mit dem Ergebnis zudem der 'Erkenntnis' des allseits geachteten Thomas Müller widersprach.

Zusammengefasst: ich glaube, dass eine OFA samt - ansatzweisem - Täterprofil (Beziehungstat) durchgeführt wurde, diese aber keine nenneswerten Ergebnisse erbracht hat und daher eher wenig darüber komuniziert wurde.

Daher schließt sich für mich die Frage an: gab es keine 'neuen' Erkenntnisse, weil diejenigen, die die OFA durchgeführt haben, keine Koriphäen ihres Fachs waren oder schlicht und einfach deswegen, weil die Tatort- und Opferinfos eben tatsächlich nicht mehr 'hergeben'?


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03.08.2014 um 14:28
@nilhörnchen
nilhörnchen schrieb:Bzw. der eigentliche 'Durchbruch' war lediglich die Erkenntnis, dass es sich womöglich doch um eine Beziehungstat gehandelt haben könnte.
Da hast du Recht. Das Hauptresultat der OFA dürfte gewesen sein, dass man wieder zur Beziehungstat zurückkehrte.

Übrigens noch ein Nachtrag zur Info von @Doverex:

http://www.tt.com/panorama/verbrechen/8716861-91/ermittler-im-fall-kammerer-stehen-wieder-am-anfang.csp

Innsbruck – Einer der aufsehenerregendsten Innsbrucker Mordfälle endete im Dezember nach Ermittlungen des Cold-Case-Teams des Bundeskriminalamts mit der spektakulären Verhaftung eines einstigen Studienkollegen der im Juni 2005 beim Rapoldipark erstochenen niederösterreichischen Studentin Daniela Kammerer. Kurz vor dem Weihnachtsfest war der heute in Australien arbeitende Niederösterreicher damals direkt vor den Augen seiner Schwiegereltern noch am Flughafen Wien-Schwechat festgenommen worden. Sechs Wochen Haft folgten darauf.

Angesichts der vom Cold-Case-Team zusammengetragenen Verdachtsmomente bewertete auch das Innsbrucker Landesgericht den Tatverdacht gegen den beharrlich leugnenden Niederösterreicher zweifach als dringend. Bis sich nach und nach herausstellte, dass die Suppe um den neuen Hauptverdächtigen doch recht dünn war.

Im Februar verkündete die Staatsanwaltschaft dann nach der dritten Haftprüfung: „Nach Rücksprache mit dem Cold-Case-Team sind keine weiteren Beweisergebnisse aufgetreten. Im Zuge einer Gesamtprüfung und unter Berücksichtigung der ‚Verurteilungswahrscheinlichkeit‘ ist die Staatsanwaltschaft zum Schluss gekommen, das Verfahren einzustellen.“

Am selben Tag wurde der schwer gezeichnete 29-Jährige auf freien Fuß gesetzt.

Trotzdem konnte das Mord­ermittlungsverfahren erst gestern endgültig zu den Akten gelegt werden. Hatten doch die Eltern des Mordopfers noch einmal einen Antrag auf Fortführung der Ermittlungen gestellt. Insbesondere die Spurenlage an der Kleidung von Daniela Kammerer und am Griff ihres Fahrradlenkers veranlassten die Eltern dazu. Ein Dreiersenat des Landesgerichtes unter Vorsitz von Richter Wolfgang Schaumburger prüfte nun alle vorgebrachten Verdachtsmomente nochmals genau und gab einer Fortführung nicht statt – ein Rechtsmittel gibt es dagegen keines mehr.

Richter Schaumburger: „Insgesamt stellen die Fortführungswerber der Einstellungsbegründung der Staatsanwaltschaft lediglich einzelne Beweisergebnisse gegenüber und ziehen daraus für den Beschuldigten nachteilige Schlüsse, womit sie ihrer Verpflichtung zur deutlichen Bezeichnung von Gründen, aus denen sich erhebliche Bedenken gegen die der Einstellung zu Grunde gelegten Tatsachen ableiten ließen, nicht nachkommen.“

Der völligen Rehabilitierung des Niederösterreichers folgt nun jedoch die Verfolgung des Cold-Case-Teams. Verteidiger Albert Heiss zur Tiroler Tageszeitung: „Mein Mandant wurde hier ohne Beweise zum Mordverdächtigen – verbunden mit gravierendsten Konsequenzen. Gegen die Ermittler erstatten wir Anzeige wegen Amtsmissbrauchs und fahrlässiger Freiheitsentziehung!“ Dazu sind dem bekannten Strafverteidiger auch die von seinem Mandanten behaupteten Verhörmethoden ein Dorn im Auge. Heiss: „Diese werden, wie auch die sechswöchige Inhaftierung, Thema eines Amtshaftungsverfahrens sein. Noch im August werde ich alle nötigen Schritte setzen.“

Die Mordermittlungen im Fall Kammerer laufen übrigens trotzdem weiter.


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