Mordfall in Marburg?
06.02.2026 um 04:31
Hallo,
ich kann auch bestätigen, dass es diesen Mordfall gab. Allerdings war ich damals erst 5 Jahre alt. Aber das Mädchen ging mit meiner Schwester in eine Klasse. Meine Mutter und ich haben die Mutter des Mädchen später mal zufällig in der Gutenbergstraße getroffen und die Mutter fing direkt an zu weinen, weil da Alles direkt wieder hoch kam.
Und es war nicht verantwortungslos von den Eltern. Zu der Zeit sind fast alle Kinder regelmäßig alleine durch die Wälder getigert. Entweder, weil sie irgendwohin wollten oder weil zu unserer Kindheit Kinder auch noch im Wald gespielt haben.
Wenn ich heute mit den Hunden spazieren gehe, finde ich es immer sehr erschreckend wie selten man Kinder dort antrifft. Und wenn nur mit Erwachsenen.
Wir waren früher viel draußen unterwegs mit Freunden oder auch alleine. Also das hat nichts mit verantwortungslos zu tun.
Unsere Eltern mussten als Kinder noch viel weitere Schulwege zu Fuß zurück legen. Dagegen waren wir schon verwöhnt und heute ist es einfach nur noch traurig, dass Kinder gar nicht mehr alleine draußen spielen können.
Und wenn die eigene Tochter ermordet wird, kommt man da nur sehr schwer, bzw gar nicht drüber hinweg. Und man möchte dann einfach nicht ständig daran erinnert werden. Irgendwie muss man ja sein Leben weiter leben. Der Mörder wurde gefasst und man kann diesen Mord nicht mehr rückgängig machen. Kein Artikel bringt diesen Eltern ihre Tochter ja wieder zurück. Aber jeder, solcher Artikel reißt bei den Eltern wieder Alles auf und es kommt wieder Alles hoch. Da hat man schon genügend andere Kleinigkeiten, die einen ständig an das Geschehene erinnern. Also ich kann die Eltern da sehr wohl verstehen, dass die das nicht mehr wollten.
Und das so etwas in einer Stadt wie Marburg passiert, ist auch nicht so untypisch. Ich weiß, dass ich früher auch immer dachte, das bestimmte Dinge nur woanders oder in Filmen passiert. Aber in der sechsten Klasse wurde mein Deutschlehrer vor der Schule auf dem Lehrerparkplatz angeschossen. Direkt daneben war der kleine Schulhof, bei dem sich die Klassenräume der Fünftklässler befanden. Wer von denen schon früh in der Schule war und sich dort aufgehalten hat, hat die Tat auch noch mit ansehen müssen. Der Täter, übrigens kein Marburger, hat sich kurz darauf selbst erschossen, als Polizei ihn angehalten hat, weil er über einen Zebrastreifen gerast ist. Und da waren auch lauter Kinder auf dem Weg zur Schule.
Es gibt überall immer mal Verbrechen.
Und Marburger selbst ziehen z.B. schon eher nicht an den Richtsberg, das Waldtal oder ganz oben in die Ernst-Lemmer-Straße. Diese Stadtteile haben schon so ihren Ruf weg. Also Marburger weiß man das halt irgendwann und zieht da gar nicht freiwillig hin.
Aber mal davon abgesehen, sind sehr viele Mörder vor dem Mord als hilfsbereiter, freundlicher Nachbar bekannt. Niemand sieht denen meistens an, dass sie jemanden ermorden würden. Und Morde können in den noch so idyllischsten Gegenden geschehen.
Dass ein Student in der Oberstadt einfach so abgestochen wurde, hat mich auch schockiert. Aber generell finde ich, dass in Marburg noch relativ wenig oder zumindest nicht mehr als in anderen Städten passiert. Diese Dinge geschehen eben nicht immer nur anderswo oder Anderen. Egal wo man ist, kann man immer so etwas erleben. Aber deshalb sollte man nicht sein Leben von der Angst bestimmen lassen.
Und zu der damaligen Zeit, also in den 80ern war es noch nicht so, dass jedes Ereignis so breit getreten wurde wie heute. Damals war das Internet noch gar nicht so weit und kaum jemand hatte ein Handy. Und diese Berichterstatterei kann auch die Ermittlungen negativ beeinflussen. Wenn man jemanden überführen will, ist es eher von Vorteil, wenn der Täter nicht durch die Presse auf den Stand der Ermittlungen ist. Und für die Betroffenen war es so oder so schlimm genug.
Und nur, weil das dort damals geschehen ist, ist der
Wald ja nicht unheimlicher als jeder andere
Wald. Passieren kann sowas in jeder
Gegend. Aber ich hatte als Kind immer die Logik, dass ein Täter jawohl kaum den ganzen Tag im Wald hockt und darauf wartet, dass ein Kind alleine vorbei kommt. Also ein Täter würde quasi gar nicht mit mir rechnen und deshalb auch nicht auf mich warten. Und wenn ich bedenke, was heute schon Alles auf offener Straße geschieht, ist mir der stille Wald nach wie vor lieber. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich ausgerechnet da auf einen Mörder treffe, ist wohl doch eher gering. Wenn ich halt einen treffe, hat er da leichteres Spiel mich zu packen, ohne dass es jemand mit bekommt. Aber dazu muss ich erstmal einen treffen.
Und es war in den 80igern. Lange Zeit ist da seitdem nichts mehr passiert und vorher auch viele viele Jahre nichts. Mir ist zumindest nur dieser eine Fall bekannt, weil wir eben die Mutter später mal auf der Straße getroffen haben und die so bitterlich weinen musste. Meine Mama hat mir damals grob gesagt, warum die Frau so geweint hat. Und ich habe das einfach nie vergessen. Wäre so etwas bei uns im Raum Alltag, wäre das nicht all die Jahre in meiner Erinnerung geblieben. Ich meine, ich war damals ja doch noch Recht klein und jung.