Kriminalfälle
Menschen Wissenschaft Politik Mystery Kriminalfälle Spiritualität Verschwörungen Technologie Ufologie Natur Umfragen Unterhaltung
weitere Rubriken
PhilosophieTräumeOrteEsoterikLiteraturAstronomieHelpdeskGruppenGamingFilmeMusikClashVerbesserungenAllmysteryEnglish
Diskussions-Übersichten
BesuchtTeilgenommenAlleNeueGeschlossenLesenswertSchlüsselwörter
Schiebe oft benutzte Tabs in die Navigationsleiste (zurücksetzen).

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

12.217 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Wald, Entführung, München ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

23.03.2026 um 16:55
Zitat von watnuwatnu schrieb:Trotz etlicher DNA Untersuchungen 2005 wurden nicht untersucht:
- Fernglas
- zweiter Erpresserbrief
Absolut nicht nachvollziehbar!
Auch wenn beim Fernglas vermutlich Handschuhe benutzt wurden...mehr als "negativ" hätte die Prüfung nicht verlaufen können. So aber weiß man schlichtweg gar nichts.

Gerade beim zweiten Brief wäre das wichtig gewesen, weil auf dessen Rückseite nachträglich - und vermutlich unter Zeitdruck - noch schnell der Satz „Ursula lebt wir Brauchen ihr Leben nicht Wir haben auch Kindem“ aufgeklebt wurde.
Zitat von 2r2n2r2n schrieb am 27.09.2018:warum dies Auslassung angeordnet wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.
Man könnte geradewegs meinen...


1x zitiertmelden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

23.03.2026 um 19:03
@watnu
Alles denkbar was du zu den Schülern und einer möglichen Tatbeteiligung schreibst- nur halte ich das für nicht wahrscheinlich.
Die Ermittlungsbehörden sahen es genauso, im
Übrigen haben ja weder die anonymen noch die expliziten Hinweise in diese Richtung irgendetwas substanzielles bisher ergeben.

Was das Fernglas betrifft:
Das ein Fernglas an der Entführungsstelle mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas mit der Tat zu tun hat liegt auf der Hand. Das WM ein solches hatte es aber leugnete macht ihn nicht unverdächtiger. Dass das Fernglas wie ich schon mehrere Male geschrieben habe ein sehr schwaches Indiz ist, gilt nach wie vor. Ich hatte es wie ich ja geschrieben habe bewusst gewählt: das schwächste Indiz, das Fernglas, führte schon zu mehreren Falschaussagen durch WM. Man fragt warum weist man ihm schon bei verhältnismäßig wenig belastenden Umständen offenkundige Falschaussagen nach? Darum ging es mir das einmal darzustellen. Wegen einem Fernglas wird niemand verurteilt. Das war ja auch hier nicht der Fall.
Ich wiederhole gerne nochmal: es ist die Gesamtheit der den TV belastenden Indizien sowie seine eigenen Einlassungen, die WM belasten. WM hat mehrfach und in nahezu jedem Indizienkomplex glaubhaft nachweislich durch die Ermittlungen bestätigt die Unwahrheit gesagt. Das ist Fakt, alle anderen Tathypothesen sind Mutmaßungen ohne größere Substanz. Natürlich kann es auch ein anderer Täterkreis gewesen sein. Aber dann müsste man schon konkretes vorbringen: die besagten zwei Schüler mit dem Klingeldraht: waren die in den Sommerferien 1981 vor Ort? Die Grabungen haben nach den Ermittlungen Ende August/ Anfang September stattgefunden? Wo und wann haben sie unbemerkt die Kiste gefertigt? Wie haben sie diese in den Wald gebracht? Hatte sie die Fähigkeiten ein Transistorradio umzubauen? Waren sie mobil und flexibel genug die Einkäufe für den Kisteninhalt zu erledigen, konnten sie die Schule ohne aufzufallen verlassen um zwei Erpresserbriefe in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur Tat einmal in Landsberg und in München einzuwerfen usw.? Ich habe da rein praktische Zweifel.


2x zitiertmelden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

23.03.2026 um 20:30
Thx für die AW @EdgarH. Dem, dass auch vieles für W.M. als Täter spricht, widerspreche ich nicht.
Zitat von EdgarHEdgarH schrieb:WM hat mehrfach und in nahezu jedem Indizienkomplex glaubhaft nachweislich durch die Ermittlungen bestätigt die Unwahrheit gesagt.
Man könnte auch an der Glaubwürdigkeit des Belastungszeugen Pf. zweifeln.
U. a. laut der ARD-Doku glaubten die Ermittler in den 80er Jahren Pf. nicht und er hatte ja auch sein Geständnis widerrufen.
Falls er während der Befragungen unter Suchtdruck stand (?), hätte er sowieso alles erzählt, um der Befragung zu entkommen. Ich meine zu erinnern, dass in o. g. Doku auch sinngemäß gesagt wurde, Pf. habe angeboten, wunschgemäß auszusagen.
Dennoch wurde Pf. später im Verfahren gegen W. M. für glaubwürdig gehalten.
Dabei hatte er im Wald die Stelle nicht gefunden, an der er angeblich das Loch gegraben haben soll.
Siehe u. g. AW von @robernd:
Zitat von roberndrobernd schrieb am 06.01.2021:
Zitat von Ram13Ram13 schrieb am 05.01.2021:Ist das so? Woraus ergibt sich das? Zwei der damls Pf(…) vernehmenden Beamte haben im Prozess ausgesagt. Diese haben nicht ausgesagt, dass Pf(…) "unglaubwürdig" oder seine Einlassungen "unglaubhaft" gewesen sei(en).
Ich weiß nicht, was die Vernehmungsbeamten in der Strafprozesses ausgesagt haben.
Bei der Zivilverhandlung war ich dabei.
S. hat kein Hehl daraus gemacht, dass er Klaus Pfaffinger für einen psychopathischen Alkoholiker hielt, dem man nichts glauben durfte.
Es würde mich wundern, wenn er während des Strafprozesses anderer Ansicht gewesen wäre.
- - -
Zitat von EdgarHEdgarH schrieb:Aber dann müsste man schon konkretes vorbringen: die besagten zwei Schüler mit dem Klingeldraht: waren die in den Sommerferien 1981 vor Ort? Die Grabungen haben nach den Ermittlungen Ende August/ Anfang September stattgefunden?
Wenn es mehr als 2 Täter waren, hätten nicht unbedingt die beiden in den Ferien dort sein müssen. Ich halte es auch nicht für ausgeschlossen, dass schon vor den Ferien manche Arbeiten unbemerkt ausgeführt wurden. Eine Werkstatt gab es im LEH. (Jetzt weiß ich nicht mehr sicher, ob ich das auch in o. g. Doku aufgeschnappt habe, dass ein Schüler sagte, er habe dort gelernt, Kisten zu bauen.)
-
Zitat von R.d.RR.d.R schrieb:Das Landheim bietet auch Ferienkurse an und hat somit während der Ferienzeit geöffnet:
Die Ferien dort zu verbringen, scheint auch damals möglich gewesen zu sein. U. g. User/Userin wohnte in der Gegend und schrieb:
Zitat von Marty270472Marty270472 schrieb am 11.05.2020:Und man könnte den Personenkreis der Schüler die die Sommerferien im LEH verbracht haben sogar eingrenzen da es sicher irgendwo Notizen dazu gibt, oder gab.
Darüber, ob intensiv genung im LEH ermittelt wurde, bestehen Zweifel.
- -
Zitat von EdgarHEdgarH schrieb:Wo und wann haben sie unbemerkt die Kiste gefertigt? Wie haben sie diese in den Wald gebracht? Hatte sie die Fähigkeiten ein Transistorradio umzubauen? Waren sie mobil und flexibel genug die Einkäufe für den Kisteninhalt zu erledigen, konnten sie die Schule ohne aufzufallen verlassen um zwei Erpresserbriefe in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur Tat einmal in Landsberg und in München einzuwerfen usw.? Ich habe da rein praktische Zweifel.
Z. T. stehen Antworten auf o. g. Fragen in den neueren Posts von @R.d.R .
Sitzenbleiber wird es auch im LEH gegeben haben. So könnten manche Schüler auch älter als 18 Jahre alt gewesen sein. Ich selbst hatte z. B. Kontakt zu Internatsschülern aus einem Nachbarort. Wir fuhren mit dem Auto eines Schülers am WE in die Discos im Umkreis. Ich denke daher, ältere Internatsschüler dürften auch am LEH genug Freiheiten in ihrer Freizeit besessen haben.
Dass technisch interessierte Gymnasiasten ein Transistorradio o. a. elektr. Geräte umbauen (und Mopeds frisieren ;-) konnten, bezweifle ich nicht. Solche Tüftler kannte ich auch.


1x zitiertmelden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

23.03.2026 um 20:43
Mal zur Erinnerung:
Zitat von JosephConradJosephConrad schrieb am 10.05.2020:Der Parkplatz war ja nur 140m weit weg und:
Zitat von 2r2n2r2n schrieb am 25.02.2018:Die Vergrabungsstelle, wie die komplette Verbrechensplanung, war definitiv das Ergebnis von außerordentlicher Waldkunde. Die Stelle war nicht von außen einsehbar, auch nicht vom Waldweg, der nur 20m dran vorbei führte. Das traut man nur Leuten zu, die sich öfter im Wald herumtreiben. Das wären: Jagdberechtigte, Waldarbeiter, Feriengäste, die nichts anderes tun, als den Wald zu erkunden und Schüler und Ex-Schüler des LEH. Und vielleicht auch Mazurek, wenn er auf dem Weg von Eching nach Utting über die Staatsstraße fährt und an der Aumühle hält. Und das sehr oft, damit er sich die Waldkunde aneignet, die ihm eigentlich für das Verbrechen fehlt. Leider gibt es hierfür keine Zeugen.
Was/wer daher verdächtig war:

Werner M.:
Doch es gab noch eine Zeugenaussage gestern, die nicht für den Angeklagten sprach. Eine frühere Geschäftsfrau berichtete, sie habe in den Tagen um Ursulas Entführung am 15. September 1981 mehrfach einen hellen Mercedes auf einem Parkplatz nahe der Staatsstraße 2055 bei Eching am Ammersee gesehen. Die Straße führt direkt an dem Waldgebiet "Weingarten" vorbei, in dem die zehnjährige Ursula Herrmann auf dem Heimweg verschleppt und in einer Kiste vergraben worden war. Werner M. fuhr damals neben anderen Autos einen beigen Mercedes Kombi.

Und weiter: Nach Ursulas Entführung will die Frau Werner M. und einen Bekannten gesehen haben, wie sie in einer Werkstatt einen Mercedes grün lackiert haben.
https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Ex-Mitarbeiter-belastet-Angeklagten-id6130056.html

Unbekannter:
Zitat von ErwinKösterErwinKöster schrieb am 04.10.2018:Der grüne VW Passat, der in der Tatnacht gegen 23.15 mit Vollgas vom Parkplatz an der Aumühle weggefahren ist, hatte ein FFB-Kennzeichen. Der Halter wurde von der Polizei überprüft und als unbeteiligt eingestuft. Gehen wir davon aus dass das seine Richtigkeit hat.
Harald W.:
Zitat von roberndrobernd schrieb am 09.03.2018:- Harald W. war jagdberechtigt.
- Er hatte Schlüssel zu allen Schranken.
- Er benutzte einen Hochsitz nahe der Vergrabungsstelle.
- Er hätte von dort Aktivitäten anderer Leute bemerken müssen.
- Mehrfach danach befragt, hat er immer ausweichend geantwortet.
- Er hatte einen passenden Transporter.
- Der Transporter wurde zur Tatzeit an der Zufahrt zum Wald gesehen. Auf der Westseite, also dem Ammersee abgewandt.
- Als Ex-Polizist kannte er die Arbeitsweise der Polizei.
- Er war in Kriminalfälle verwickelt, und wurde aus höherer Warte geschützt.
- Er hat einen Fernmeldelehrgang der Polizei absolviert, bei dem genau die für den Klingeldraht verwendeten Drahtverbindungen unterrichtet wurden. Diese Art ist ungewöhnlich und war zumindest mir völlig unbekannt.
- Er wurde von der Polizei zur Vergrabungsstelle geführt. Dort brach er schwitzend fast zusammen und wollte von dem Ort so schnell wie möglich wieder weg.
- Die Ermittler haben an der Indizienkette gegen Harald W. gearbeitet, als die Einstellung der Ermittlungen angeordnet wurde.
Schüler des LEH:
Zitat von 2r2n2r2n schrieb am 27.09.2018:Wenn sich jemand unauffällig und ohne Zeugen im Wald bewegen kann, dann Schüler. Man kommt vom LEH direkt in den Weingarten. Das habe ich gestern beim Laufen durch den Weingarten überprüft und weiß von dem Ex-Schüler, dass es vielfach so praktiziert wurde. Es war das Revier der Schüler. Nur waren die allermeisten Schüler in den Sommerferien nicht da.



melden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

24.03.2026 um 10:44
@JosephConrad - Danke für diese Erinnerung.

 - W.M. schließe ich als Täter grundsätzlich nicht aus, aber es gibt halt auch etliche Punkte, die einfach nicht zu ihm passen. Dazu gehört z.B. der Kontaktabbruch  nach dem 2. Erpresserbrief. Lt. Meiner Einschätzung hätte er trotzdem versucht die Sache weiter durchzuziehen. 

- Den grünen Passat ordne ich den Schießübungen zu, die an selbigem Abend stattgefunden haben. Eine etwas offenere Information dazu seitens der Polizei wäre hilfreich gewesen.

- H.W. ist und bleibt ein absoluter Kandidat. Die aufgestellte Indizienkette erscheint weitaus stimmiger als die von W.M. Er hatte ja auch einen Bruder, der damals angehender Arzt war und somit sicherlich auch weitergehende Kenntnisse im Bereich Sedierung besaß. 

- Im Bereich des LEH sehe ich ebenfalls eine große Baustelle, weil die Polizei dort - auch welchen Gründen auch immer - damals zu wenig und zu spät ermittelt hat. Es geht dabei ja nicht nur um den Klingeldraht und das Wahrscheinlichkeitsdiagramm, sondern auch um den mit Bitumenfarbe beschichteten Deckel der Kistenabdeckung, der seinen Ursprung in der väterlichen Firma von einem der beiden Drahtfinder haben könnte.
Für mehr Klarheit wäre ein Fingerabdruck/DNA-Abgleich mit den gesicherten Spuren sinnvoll. Aber dazu müssten die beiden Betroffenen zustimmen und die Staatsanwaltschaft es letztendlich beauftragen.

Alternativ habe ich mir auch schon die Frage gestellt, ob H.W. vielleicht doch etwas gesehen hat und deshalb in den weiteren Ablauf "integriert" wurde...


3x zitiertmelden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

24.03.2026 um 11:06
Zitat von R.d.RR.d.R schrieb:Ist es auch...
https://www.zdf.de/play/dokus/zdfinfo-taeterjagd-in-deutschland--100/zdfinfo-taeterjagd-in-deutschland-das-maedchen-in-der-kiste-100
(ab 1:03:30)
Das ist übrigens eine Super-Doku! Ich erinnere mich, dass ich sie schon mal gesehen habe. Aber irgendwie nicht mehr auf dem Schirm gehabt. Was mir gefällt ist, dass sie sich sehr sachlich der Thematik widmet.


melden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

24.03.2026 um 11:42
Zitat von watnuwatnu schrieb:Man könnte auch an der Glaubwürdigkeit des Belastungszeugen Pf. zweifeln.
Ich bin da hin- und hergerissen! Früher sagte ich mir, bevor das Urteil gegen WM gesprochen wurde, P. ist nicht vertrauenswürdig, wenngleich ich es schon bemerkenswert fand, dass P. sich zu der Belastung WMs hinreißen ließ.

Was mich mittlerweile aber an meiner ursprünglichen Betrachtung zweifeln lässt, war die dazu im Urteil dargelegte Begründung. Zudem sage ich mir: wenn ein Gericht zu der Auffassung kommt, dass eine widerrufene Aussage doch in seinen Augen als wahrhaftig anzusehen ist, der Zeuge aber nicht mehr lebt, um das nochmal zu hinterfragen, ist das ein sehr ungewöhnlicher Akt, den ich mir so erklären kann- und das wird auch in der oben referenzierten ZDF Doku ganz klar vom damaligen Richter bestätigt- dass das Gericht sich dann SEHR sicher sein muss, dass es die Aussage P.s einfach unglaubliches Gewicht hat.


3x zitiertmelden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

24.03.2026 um 12:05
@R.d.R

Ist zu der damaligen finanziellen Situation von H.W. etwas bekannt? Denn Geldsorgen wären wohl das einzige Motiv, welches in seine Richtung deuten könnte.


3x zitiertmelden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

24.03.2026 um 12:14
Zitat von EdgarHEdgarH schrieb:dass das Gericht sich dann SEHR sicher sein muss, dass es die Aussage P.s einfach unglaubliches Gewicht hat.
Und das ist halt die Frage:

Kann und darf ich als Gericht sehr sicher sein, wenn das Geständnis nur zusammenfassend protokolliert wurde, der angebliche Teilnehmer an der Tat alkoholkrank war und vielleicht nur Durst hatte und seine Aussage inhaltlich eine Reihe von Glaubhaftigkeitsproblemen aufwirft? Kann man diesem Dokument diesen schwerwiegenden wenn nicht gar entscheidenden Beweiswert zumessen, ohne dass eine klärende gerichtliche Vernehmung möglich ist? Ohne, dass die Verteidigung Fragen stellen konnte?

Rechtlich durfte sich das Gericht sicher sein. Aber ich habe den Hinweis des Richters in der Doku anders verstanden: Man muss schon sehr sicher sein, damit man das machen kann. Und hier kann man sich eigentlich nicht sicher sein.


1x zitiertmelden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

24.03.2026 um 12:18
Zitat von camelotcamelot schrieb:Ist zu der damaligen finanziellen Situation von H.W. etwas bekannt? Denn Geldsorgen wären wohl das einzige Motiv, welches in seine Richtung deuten könnte.
H.W. war frei von Sachzwängen. Seine Ehefrau war leitende Angestellte und hat gut verdient, während er davon profitiert hat; steht alles im Urteil.


1x zitiertmelden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

24.03.2026 um 12:36
Zitat von Serval69Serval69 schrieb:
Zitat von camelotcamelot schrieb:Ist zu der damaligen finanziellen Situation von H.W. etwas bekannt? Denn Geldsorgen wären wohl das einzige Motiv, welches in seine Richtung deuten könnte.
H.W. war frei von Sachzwängen. Seine Ehefrau war leitende Angestellte und hat gut verdient, während er davon profitiert hat; steht alles im Urteil.
Geldsorgen hatte er im eigentlichen Sinne nicht, er bekam ja seine Pension. Aber er stand einkommensmäßig deutlich "im Schatten seiner Frau", die ja wesentlich mehr verdient hat. Es gibt Charaktere, die damit nicht so leicht klarkommen. Der Wunsch nach größerer finanzieller Unabhängigkeit könnte somit durchaus ein Motiv gewesen sein.


melden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

24.03.2026 um 12:48
Geldgier hängt nicht von Geldsorgen ab.


melden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

24.03.2026 um 13:10
Ergänzend zu H.W.

Ich glaube er war mit seinem damaligen Leben ohnehin nicht sehr glücklich.

Sein Freund und Ex-Kollege meinte ja, die fortwährenden Verdächtigungen durch die Polizei hätten ihn letztendlich aus Verzweiflung in den Alkoholismus getrieben.

Wie aber im Urteil nachzulesen ist, hatte er offensichtlich bereits beim damaligen Ortstermin ein Alkoholproblem.

 "Aufgrund der durchgeführten Beweisaufnahme steht ferner außer Zweifel, dass W. bei einer Tatortbegehung, an der er noch als Jagdberechtigter und nicht als Beschuldigter teilnahm, dadurch auffiel, dass ein plötzliches Zittern der Hände und ein unerklärlicher Schweißausbruch einsetzte.
Dies steht zur Überzeugung der Kammer fest aufgrund der Angaben des Zeugen KHK ? der seinerzeit den Schweißausbruch als typische Entzugserscheinung eines Alkoholikers und als körperliche Schwäche aufgrund seiner erlittenen Schussverletzungen gedeutet hat. Der Zeuge ? schilderte glaubhaft, dass ihm W. nach der Auffindung der Ursula Herrmann ganz aufgebracht berichtet habe, dass in der Nähe der Auffindungsstelle sein Lieblingshochsitz gewesen sei und er sich darüber gräme, nichts bemerkt zu haben. W. habe ihm ferner erzählt, dass er als Jäger vernommen und an das Erdloch geführt worden sei und ihn der Anblick so fürchterlich mitgenommen habe, dass er noch einmal zum Auto habe zurückgehen müssen, um seine massiven Entzugserscheinungen mit einem Schnaps zu bekämpfen."

Quelle: Strafurteil (Seiten 281/282)


melden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

24.03.2026 um 13:23
Zitat von camelotcamelot schrieb:Ist zu der damaligen finanziellen Situation von H.W. etwas bekannt?
Er soll vor Zeugen vor der Tat geäußert haben, man müsse einen Geldboten überfallen und hat dazu laut Urteil und entsprechen dadrin enthaltener Aussage auch konkret einen potentiellen Mittäter angesprochen, der das aber abgelehnt haben will. Das war in den 1970ger Jahren.
Im Urteil wird WM als „ewig klamm“ beschrieben, „der mir den Großen mitschwingen wollte“.
WM besaß zudem Munition und ein Mauser Repetiergewehr, was das Gericht offenbar als latente Bereitschaft für einen Gewalttat einstuft.

Urteil, S.263ff


1x zitiertmelden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

24.03.2026 um 13:31
Zitat von EdgarHEdgarH schrieb:Er soll vor Zeugen vor der Tat geäußert haben, man müsse einen Geldboten überfallen und hat dazu laut Urteil und entsprechen dadrin enthaltener Aussage auch konkret einen potentiellen Mittäter angesprochen, der das aber abgelehnt haben will. Das war in den 1970ger Jahren.
Im Urteil wird WM als „ewig klamm“ beschrieben, „der mir den Großen mitschwingen wollte“.
WM besaß zudem Munition und ein Mauser Repetiergewehr, was das Gericht offenbar als latente Bereitschaft für einen Gewalttat einstuft.
Ich glaube hier besteht ein Missverständnis. Es ging um die Frage ob H.W. ein finanzielles Motiv gehabt haben könnte. Bei W.M. (auf den sich Deine Antwort offenbar bezieht) steht dies wohl außer Frage.


melden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

24.03.2026 um 13:33
@Serval69
Ah sorry. Habe nur W. Gelesen. Du hast Recht.


melden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

24.03.2026 um 19:39
Zitat von R.d.RR.d.R schrieb:Man könnte geradewegs meinen...
dass mit der Zeit weniger Presseberichte bzw. -anfragen zu einem spektakulären Tötungsdelikt erfolgen, wenn es aufgeklärt und ein Täter verurteilt ist. Unaufgeklärte Fälle erwecken mehr Aufmerksamkeit. Ich denke, wenn MH am Urteil gegen W.M. keine Zweifel gehabt hätte, wäre dieser Fall auch nicht so lange öffentlich präsent geblieben, was vielleicht manchen Personen recht gewesen wäre.

Schon direkt am Tatort stand die Furcht vor mächtigeren Personen/Vorgesetzten der Fallaufklärung entgegen:
Folge 1 des u. g. BR-Podcasts, O-Ton des Polizisten am Tatort: Er ärgerte sich Jahre später noch über die Spurenvernichtung. Obwohl er für die Absperrung gesorgt habe, führte der Pressesprecher der Polizei ca. 10 Pressevertreter hin (Fotos der Kiste in div. Medien). Er habe sich damals (auf niedriger Hierarchiestufe) nicht getraut, gegen die Anordnung der Polizeiführung zu insistieren.
- -
Zitat von R.d.RR.d.R schrieb:H.W. ist und bleibt ein absoluter Kandidat. Die aufgestellte Indizienkette erscheint weitaus stimmiger als die von W.M. Er hatte ja auch einen Bruder, der damals angehender Arzt war und somit sicherlich auch weitergehende Kenntnisse im Bereich Sedierung besaß.
Der Bruder beschwerte sich bei Edmund Stoiber (Folge 3). …
- -
Zitat von R.d.RR.d.R schrieb:Im Bereich des LEH sehe ich ebenfalls eine große Baustelle, weil die Polizei dort - auch welchen Gründen auch immer - damals zu wenig und zu spät ermittelt hat. Es geht dabei ja nicht nur um den Klingeldraht und das Wahrscheinlichkeitsdiagramm, sondern auch um den mit Bitumenfarbe beschichteten Deckel der Kistenabdeckung, der seinen Ursprung in der väterlichen Firma von einem der beiden Drahtfinder haben könnte.
Gründe sind lt. Folge 6 in der Polizeiakte vermerkt: Die Polizei rechnete schon vorab mit schwierigen Ermittlungen im LEH, weil unter den SchülerInnen Kinder einflussreicher Personen waren.
Wenn ich es richtig verstanden habe, mussten die Polizisten, an dem Tag, als sie nach einem langen Zeitraum am LEH waren und den Klingeldraht überreicht bekamen, zuerst 1,5 Stunden warten, bis der Internatsleiter zu ihnen kam.
- - -
Zitat von OriginesOrigines schrieb:Geständnis nur zusammenfassend protokolliert wurde
Es war kein Protokoll, das während der Vernehmung entstand. Es existiert nur ein nachträglicher Aktenvermerk. In den 80er-Jahren war der Belastungszeuge laut den beiden Polizeibeamten ein notorischer Lügner, Alkoholiker und unglaubwürdiger Zeuge, der mehrere Versionen erzählte. (u. a. Folge 2)
Der Verteidiger von W.M., Walter Rubach, kritisierte u. a., dass die Vernehmungen verheerend geführt wurden und Pf. suggestiv befragt wurde. (Folge 4)
Gestern habe ich @robernd zitiert, dass der im Zivilprozess aussagende Ermittler Pf. als psychopathischen Alkoholiker, dem man nichts glauben durfte, bezeichnete.
-
Zitat von EdgarHEdgarH schrieb:wenn ein Gericht zu der Auffassung kommt, dass eine widerrufene Aussage doch in seinen Augen als wahrhaftig anzusehen ist,
Fehlurteile wie die, die wohl ohne die engagierte RAin Rick nicht aufgehoben worden wären, hätten uns vermutlich auch überzeugt.
In Folge 2 wird eine Vernehmungssituation beschrieben, während der es Pf. nicht gut ging und er zitterte. Als Heilmittel sagte er, "geben sie mir ein Glas Bier …". Ob er es bekam, wird nicht gesagt. Deshalb überlegte ich gestern, ob er unter Suchtdruck vernommen wurde.
Im Verfahren gegen W.M. wurde o. g. Hauptbelastungszeuge (post mortem) gesundgeschrieben, da er damals vom Landgerichtsarzt untersucht worden sei. Seine Alkoholabhängigkeit wurde nun marginalisiert. Offenbar wurde in den 80er Jahren die ärztliche Einschätzung aber anders gewertet.
Offensichtliche Widersprüchlichkeiten im Verfahren sind m. E. nicht nur dem Angeklagten anzulasten.
- - -
Zitat von EdgarHEdgarH schrieb:Das ein Fernglas an der Entführungsstelle mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas mit der Tat zu tun hat liegt auf der Hand. Das WM ein solches hatte es aber leugnete macht ihn nicht unverdächtiger.
Falls ihm das Fernglas tatsächlich nicht gehört haben sollte, hat er die Wahrheit gesagt. Es könnte auch von einem anderen (Mit-)Täter benutzt worden sein oder nichts mit dem Fall zu tun haben. Tätern ist daran gelegen, keine Spuren zu hinterlassen. Wären sie wirklich so dämlich gewesen, einen rel. großen Gegenstand liegen zu lassen?

Umso erstaunlicher ist aber, dass es nicht auf DNA untersucht wurde, zumal man es am Auge nutzt, also einer Körperregion, die man nicht bedecken kann wie die Hände.
- - -
Zitat von R.d.RR.d.R schrieb:- W.M. schließe ich als Täter grundsätzlich nicht aus, aber es gibt halt auch etliche Punkte, die einfach nicht zu ihm passen. Dazu gehört z.B. der Kontaktabbruch nach dem 2. Erpresserbrief. Lt. Meiner Einschätzung hätte er trotzdem versucht die Sache weiter durchzuziehen.
Ursulas Mutter fragte amTelefon nach einem Lebenszeichen. Das hätte er nicht erbringen können.

Guter Einwand der Journalistin: Wieso sollte W. M., die Tat so gut vorbereiten, sich aber kein stichhaltiges Alibi beschaffen? (Folge 6)
Dass W.M. bei der ersten Befragung nicht gleich wusste, wo er zur Tatzeit war, halte ich eher für glaubwürdig. Auch, dass Zeugen sich nicht mehr genau an ein Datum oder Uhrzeiten erinnern. Im Liebs-Thread habe ich dazu u. g. Quelle verlinkt.
U. g.
Zitat von watnuwatnu schrieb am 13.02.2026:
Wahrnehmung und Erinnerung sind lückenhaft und subjektiv
Wie genau sind Augenzeugen-Aussagen?

(…)
An welcher Stelle spielt uns unsere Wahrnehmung einen Streich?

Peter Marchlewski: Je weniger ich mich auf eine Aufgabe konzentriere, umso schlechter kann ich mich erinnern. Besonders gefahrgeneigt sind daher alle Tätigkeiten, die ich jeden Tag geradezu ritualisiert erledige. Hier ist es nahezu unmöglich, gestern von heute oder andersherum zu unterscheiden.
Quelle: https://www.polizei-dein-partner.de/infos-fuer/gewerbetreibende/detailansicht-gewerbetreibende/artikel/wie-genau-sind-augenzeugen-aussagen.html
Zitat von EdgarHEdgarH schrieb:Ich bin da hin- und hergerissen!
Das bin ich auch, zwischen den drei möglichen Täter(gruppen). Das heißt, dass die Gedanken, die ich jeweils äußere, nur dem Austausch dienen sollen, ohne dass ich selbst darauf festgelegt bin.
- - -
Zitat von R.d.RR.d.R schrieb:Alternativ habe ich mir auch schon die Frage gestellt, ob H.W. vielleicht doch etwas gesehen hat und deshalb in den weiteren Ablauf "integriert" wurde...
Auf die Idee bin ich noch nicht gekommen. Dass sich regelmäßige Besucher des Waldgebiets über den Weg laufen und kennenlernen ist auch nicht ganz ausgeschlossen.
Unbedingt anhören!
https://www.ardsounds.de/sendung/entfuehrt-der-fall-ursula-herrmann/urn:ard:show:1053ecd1c742263e/
Thx für den Link. Der Podcast ist hörenswert und informativ. Richter Rothermel kommt auch zu Wort.


4x zitiertmelden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

24.03.2026 um 20:21
Zitat von watnuwatnu schrieb:In Folge 2 wird eine Vernehmungssituation beschrieben, während der es Pf. nicht gut ging und er zitterte. Als Heilmittel sagte er, "geben sie mir ein Glas Bier …". Ob er es bekam, wird nicht gesagt. Deshalb überlegte ich gestern, ob er unter Suchtdruck vernommen wurde.
Ich hatte das gestern auch angedeutet. Im Gegensatz zu heute, wo Sucht eine anerkannte Krankheit ist und das Ausnutzen eine verbotene Vernehmungsmethode, hat man das in den 1970er und 1980er Jahre als Charakterschwäche und Befindlichkeitsstörung angesehen, sich gar lustig über den Arrestierten gemacht, wenn die Entzugserscheinungen einsetzten. Schon deshalb hätte das Gericht nach meiner Meinung sich hier nicht "sicher" sein dürfen.
Zitat von watnuwatnu schrieb:Umso erstaunlicher ist aber, dass es nicht auf DNA untersucht wurde, zumal man es am Auge nutzt, also einer Körperregion, die man nicht bedecken kann wie die Hände.
Nachdem es 1981 wohl keine Spurensicherung mit Folien usw. gab, die Sachen einfach mit der Hand aufgehoben wurden, das Fernglas dann 25 Jahre lang in irgendwelchen Aservatenkammern herumlag (wenn es nicht gleich ganz verschwunden ist), ist es nicht so erstaunlich, wenn da keine verwertbaren DNA-Spuren zu finden waren.

Ansonsten dröselst Du die Möglichkeiten sehr differenziert auf.


1x zitiertmelden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

24.03.2026 um 20:53
Was meint ihr
Würde es etwas bringen die Asservate nach 20 Jahren noch mal auf Spuren zu untersuchen
Hat sich ja viel getan in der Forensik?


1x zitiertmelden

Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre

24.03.2026 um 23:58
Zitat von watnuwatnu schrieb:Falls ihm das Fernglas tatsächlich nicht gehört haben sollte, hat er die Wahrheit gesagt
Nur ganz kurz vorab: WM leugnete grundsätzlich ein Fernglas besessen zu haben. Das ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit falsch.


1x zitiertmelden