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Social Media Profiling und wie es uns beeinflusst.

8 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Youtube, Beeinflussung, Social Media ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Seite 1 von 1

Social Media Profiling und wie es uns beeinflusst.

gestern um 11:48
Hallo zusammen,

ich möchte hier ein Thema eröffnen, das mir seit einiger Zeit ziemliches Kopfzerbrechen bereitet. Über die Suche habe ich noch keinen Thread gefunden, der genau in diese Richtung geht.

Der Titel sagt bereits, worum es geht. Ich würde zunächst gern mein persönliches "Erlebnis" schildern und mich anschließend sehr über eure Erfahrungen und Meinungen freuen.

Mein Opa (84) wollte vor etwa vier Jahren Bäume veredeln und fragte mich, ob ich nicht einmal im Internet nachschauen könne, welche Methoden es dafür gibt. Wir sahen uns gemeinsam zwei oder drei YouTube-Videos an.

Das ging eine Weile so weiter, bis ich ihm zeigte, wie er YouTube selbst bedienen kann. Es dauerte nicht lange, bis er allein damit zurechtkam. Anfangs war auch alles gut: Er schaute viele Videos über Haus, Hof, Garten und Tierhaltung sowie Tipps und Tricks für den Alltag... also wirklich praktische Inhalte von teilweise sehr guten YouTubern.

Mein Opa besitzt keinen YouTube Account. Allerdings erstellt YouTube offenbar auch ohne Anmeldung anhand des Wiedergabeverlaufs, der Cookies und anderer Browserdaten ein ziemlich genaues Empfehlungsprofil. Zwischen den nützlichen Videos tauchten irgendwann auch Shorts und Beiträge mit fragwürdigen politischen Inhalten auf.

Ich glaube, jeder kann sich denken, worauf das hinauslief.

Mittlerweile bekommt mein Opa ständig Schwurbel-Videos und entsprechende Shorts angezeigt und nimmt deren Inhalte für bare Münze. Hinzu kommt vermutlich sein biografischer Hintergrund: Jahrgang 1942, in der DDR aufgewachsen, Handwerker und mit einer gewissen Verbundenheit zu Russland.

Ich ärgere mich darüber, dass ich diese Entwicklung nicht früher bemerkt habe. Vielleicht hätte man den Wiedergabeverlauf oder die Browserdaten regelmäßig löschen, oder von Anfang an gemeinsam einen Account mit bewusst gepflegten Abonnements einrichten können. Andererseits kann es eigentlich auch nicht die Aufgabe der Angehörigen sein, ständig den Medienkonsum eines erwachsenen Menschen technisch zu überwachen.

Inzwischen erzählt mir mein Opa fast jedes Mal, wenn ich ihn besuche, von irgendeinem Video, in dem angeblich dieses oder jenes gesagt worden oder passiert sei. Anfangs habe ich versucht, die jeweiligen Behauptungen zu prüfen und ihm zu erklären, warum vieles davon nicht stimmt. Mittlerweile möchte er das kaum noch hören.

Der Prozess verlief schleichend. Seit ungefähr einem Jahr schaut er gezielt fast nur noch politische Inhalte aus ominösen Quellen. Meine Versuche, ihm zu erklären, wie Empfehlungsalgorithmen funktionieren, fruchten kaum. Teilweise wird er richtig wütend, wenn ich sage, dass man diesen Videos nicht einfach vertrauen kann und ein großer Teil davon sogar KI-generierter Bullshit ist, der vor allem Aufmerksamkeit erzeugen und Stimmung machen soll.

Seine letzte Antwort darauf lautete am Wochenende sinngemäß:

„Wo soll man denn sonst seine Informationen herbekommen? Von ARD und ZDF? Denen kann man doch auch nicht mehr trauen.“

Für mich ist das ein Bilderbuchbeispiel dafür, wie man von "Das ist ein Skandal! Warum weiß die Welt davon nichts?" irgendwann zu "Das wird absichtlich verschwiegen" gelangt. Jede Widerlegung kann dann als weiterer Beleg dafür verstanden werden, dass angeblich etwas vertuscht wird.

Nun könnte man natürlich sagen: "Er ist alt, lass ihn machen."

Aber vor Kurzem erklärte er mir, dass er bei der nächsten Wahl erstmals seit der Wiedervereinigung eine andere Partei wählen wird. Konkret geht es um die AfD. Zuvor hat er seit der Wende immer die SPD gewählt!

Genau das finde ich an der ganzen Sache so erschreckend. Nicht pauschal wegen der AfD (auch wenn mich das besonders trifft), sondern:
Mit gezielter Desinformation und der enormen Verstärkung durch Empfehlungsalgorithmen lassen sich politische Einstellungen und damit letztlich auch Wahlen beeinflussen. Dafür muss eine Plattform nicht einmal selbst eine bestimmte politische Richtung vorgeben. Es genügt möglicherweise schon, dass empörende, extreme oder angstbesetzte Inhalte besonders viel Aufmerksamkeit erzeugen und deshalb häufiger empfohlen werden.

Gleichzeitig besitzen die Plattformen theoretisch die Möglichkeit, Gewichtungen ihrer Algorithmen zu verändern. Selbst wenn dadurch nur ein kleiner Teil der Nutzer politisch beeinflusst würde, halte ich diese Macht für äußerst problematisch. Der DSA der EU soll seit 2024 mehr Transparenz schaffen, allerdings hilft das nur weiter, wenn man sich mit allen Einstellmöglichkeiten der Plattformbetreiber auseinandersetzt. Wer macht das schon, in der heutigen, schnelllebigen Zeit?

Auch gebildete Menschen in meinem Umfeld sagen häufig, sie könnten sich selbstverständlich eine eigene Meinung bilden. Ein Blick auf ihre Instagram-Reels, YouTube-Shorts oder TikTok-Feeds vermittelt mir teilweise jedoch einen anderen Eindruck. Gefühlt steckt ein großer Teil der Menschen inzwischen in irgendeiner Bubble und bekommt ständig dasselbe Narrativ präsentiert. Teilweise ufert das in regelrechte Echo-Kammern aus, wo so oder so nur noch präsentiert wird, was mein Weltbild sehen und hören möchte.



Ich selbst möchte mich davon ausdrücklich nicht vollständig ausnehmen. Auch ich werde durch Algorithmen beeinflusst, selbst wenn ich versuche, Informationen regelmäßig gegenzuprüfen und Quellen miteinander zu vergleichen.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht, vielleicht sogar im eigenen Familien- oder Freundeskreis?

Wie redet ihr mit Menschen, die immer tiefer in solche Inhalte geraten? Kann man überhaupt noch etwas erreichen, ohne dass sich die Fronten weiter verhärten? Wie ließe sich eine solche Entwicklung sinnvoll verhindern? Und besitzen die Plattformbetreiber eurer Meinung nach inzwischen zu viel gesellschaftliche und politische Macht? Könnte man Profilbildung für politische Inhalte verbieten und würde das helfen?

Ich freue mich auf eure Erfahrungen und Meinungen.


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Social Media Profiling und wie es uns beeinflusst.

gestern um 13:01
Zitat von CharlyPewPewCharlyPewPew schrieb:Wie redet ihr mit Menschen, die immer tiefer in solche Inhalte geraten?
Ich muss ehrlich sagen dass ich da überhaupt keine Geduld mehr habe (bei meinen Großeltern, die beide auch in ihren 80ern stecken ist es genau das selbe Spiel) was ziemlich kontraproduktiv ist. Meine Partnerin ist da ziemlich geduldig und schafft es Leuten die Schwurbeln so zu leiten, dass sie selber die inneren Widersprüche merken. Das ist meiner Ansicht nach auch der richtige Ansatz. Aber der braucht viel Zeit und kostet enorme Kraft.

Die demütigenden Erfahrungen die man in den 90ern machen musste (inklusive dem gebrochenem Versprechen der blühenden Landschaften) und die Hilflosigkeit mit der man dem Staat bei gleichzeitig fehlender demokratischer Tiefenverankerung ausgeliefert war, macht die Menschen ziemlich anfällig für Versprechungen von einem autoritären Staat der sich um sie kümmert.
Und dank der häufig fehlenden Medienkompetenz werden diese Versprechungen auch gnadenlos und kontinuierlich in die Köpfe der Menschen reingehämmert. Gerade zur Coronapandemie gab es auch nochmal einen starken Drift weil viele Leute sich in Telegrammgruppen zusammengeschlossen haben wo sie noch härter mit diesem Shit bombardiert werden.


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Social Media Profiling und wie es uns beeinflusst.

gestern um 13:31
Zitat von CharlyPewPewCharlyPewPew schrieb:Wie redet ihr mit Menschen, die immer tiefer in solche Inhalte geraten? Kann man überhaupt noch etwas erreichen, ohne dass sich die Fronten weiter verhärten? Wie ließe sich eine solche Entwicklung sinnvoll verhindern?
Zum ersten Mal ist mir eine solche Entwicklung aufgefallen, als die Corona-Pandemie begonnen hat. Ich weiß nicht, ob mir das vorher nur nie aufgefallen ist oder ob sich zu dieser Zeit nur sehr schnell sehr viele radikale Meinungen gebildet haben. Jeder Tastaturrambo wusste da mehr und besser Bescheid als der andere.
Zu dieser Zeit habe ich schon gemerkt, dass es überhaupt nichts bringt, irgendwelche Argumente zu liefern oder vernünftig mit so einer Person sprechen oder diskutieren zu wollen. Egal mit welchen Fakten und Gegenargumenten man kommt, irgendeine hirnrissige Behauptung jagt dann die nächste, sodass man eigentlich nur noch damit beschäftigt ist, das alles abzuschmettern. Das ist sehr anstrengend und irgendwann gebe ich dann einfach auf.

Das zieht sich bis heute so, jetzt im Moment eben mit dem Thema Politik. Ich sehe das ganze Social Media Thema wirklich sehr kritisch. Durch Youtube Shorts und Instagram Reels wird man in kürzester Zeit in ein Rabbithole reingezogen und durch den Algorithmus hört es nicht mehr auf.
Irgendwann hat es angefangen mit einem Video, das zufällig in den Feed gespült wurde. Dann noch eines, dann wurde vielleicht eines geliked oder kommentiert und innerhalb kürzester Zeit befindet man sich in dieser Bubble und bekommt keine anderen Vorschläge mehr. Das geht schon in 10 Minuten.
Jeden Tag, wenn man die App öffnet, bekommt man wieder Shorts/Reels/Beiträge zum selben Thema angezeigt und kommt da auch nicht mehr raus, außer man löscht den Cache, setzt den kompletten Algorithmus auf Null zurück oder fängt an, aktiv diese Videos zu meiden, sodass sich der Feed von alleine irgendwann ändert. Aber wer macht das schon, wenn man bereits in der Bubble drin ist?

Was vorher schon schlimm war, wurde durch die Verfügbarkeit von KI Tools für die breite Masse, mit denen jeder Hinz und Kunz sich in wenigen Minuten Bilder oder ganze Videos generieren kann noch einen Ticken schlimmer.
Zitat von CharlyPewPewCharlyPewPew schrieb:Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht, vielleicht sogar im eigenen Familien- oder Freundeskreis?
Ja. Ich beobachte dieses Verhalten oft in der Generation meiner Großeltern ("Boomer"), aber auch meiner Eltern ("Gen X"), die vieles ohne jegliche Überprüfung für bare Münze nehmen. Vorallem bei Rentnern/Boomern fehlt oftmals jegliche Fähigkeit und Medienkompetenz, KI Bilder und Videos als solche zu identifizieren, obwohl es offensichtlich ist. Meiner Meinung nach liegt das daran, dass diese Menschen das Internet und die ganzen Möglichkeiten erst kürzlich für sich entdeckt haben und nicht wie ich und viele meiner Generation ("Millennials") damit aufgewachsen sind.

Der Content Creator Levi Penell hat mal die Aussage getätigt, dass es ein Social Media Verbot für Menschen ab 60 geben müsse. Was natürlich nur als Provokation und Denkanstoß gemeint war, hat aber einen wahren Hintergrund. Und zwar, dass ältere Menschen im Schnitt viel anfälliger für Fake News, gefälschte KI Inhalte und Hetze sind.

Statt eines Verbots rieten Experten zu mehr digitaler Aufklärungsarbeit, Hilfeangeboten und Bildung.
Quelle: https://www.welt.de/vermischtes/article68db96dfc8a4480f90e2f3fc/Hart-aber-fair-Wenn-der-ARD-Podcaster-ueber-ein-Social-Media-Verbot-fuer-Ueber-60-Jaehrige-diskutieren-will.html

Meiner Meinung nach würde nur ein winzig kleiner Teil der älteren Personen sowas in Anspruch nehmen. Die meisten sind einfach viel zu stur und denken, sie wüssten alles und kämen super zurecht.
Womit wir dann wieder am Anfang wären. Es ist wahnsinnig schwer, dagegen anzugehen. Das, was auf Social Media verbreitet wird, hat mehr Gewicht als mein Wort, wenn ich versuche, mit Fakten bei den betroffenen Personen dagegen anzugehen. Man ist dann selbst der Querulant, wird angepampt oder das Gespräch wird sofort abgebrochen. Deshalb habe ich es mittlerweile aufgegeben.


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Social Media Profiling und wie es uns beeinflusst.

gestern um 13:52
Zitat von CharlyPewPewCharlyPewPew schrieb:besitzen die Plattformbetreiber eurer Meinung nach inzwischen zu viel gesellschaftliche und politische Macht?
Aus wirtschaftlicher Sichtweise ist es eine großartige Leistung, welche diese Betreiber erbracht haben. Sie haben globale Organisationen erschaffen, mit denen sie fast die gesamte Weltbevölkerung schleichend und unauffällig bald komplett unterjocht und entmündigt haben. Dabei haben sie erreicht, nicht nur jegliche materiellen , sondern auch die geistigen und seelischen Ressourcen der Nutzer komplett zu plündern. So macht man Billionäre.
Aus moralischer Sicht ist das ganze einfach nur
schwerst kriminell und verachtenswert, aber es ist Alltag geworden und fällt gar nicht mehr gross auf.
Leider gibt es kein zurück mehr. Diese Entwicklung wurde von den Leuten, die das www entwickelt, erschaffen und gestartet haben, mit Sicherheit vorausgesehen, und in Kauf genommen.
Zitat von CielaCiela schrieb:Vorallem bei Rentnern/Boomern fehlt oftmals jegliche Fähigkeit und Medienkompetenz, KI Bilder und Videos als solche zu identifizieren, obwohl es offensichtlich ist.
Diese Betreiber beziehen diese Tatsache gezielt in ihr Geschäftsmodell mit ein. Es gibt für diese leider gar keine Grenze mehr. Dieses Geschäft ist dermaßen räudig und menschenverachtend, dass man denen sofort den Laden dichtmachen müsste.
Leider geht das immer weiter, bis nur noch komplettes Chaos übrig bleibt, aus dem man dann auch keine Gewinne mehr ziehen kann.


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Social Media Profiling und wie es uns beeinflusst.

gestern um 14:21
Ein sehr grosses Problem ist auch folgendes: Man sieht sich ein seriösen Youtuber an, jeden Beitrag und tritt eventuell einer dazugehörigen Instagram Gruppe bei. Soweit alles ok, man mag sich ja mit anderen austauschen über das jeweilige Thema.

Ist man in der Instagram Gruppe, hat man plötzlich eine 2. gleichnamige Gruppe die Fake ist in der Liste. Da sollte man sich schon hinterfragen, weshalb plötzlich eine 2. gleichnamige Gruppe in der Liste ist. Besonders wenn dort etwas verkauft, oder irgendwelche Finanziellen Dinge angeboten werden. Betrüger versuchen mit der geklauten Identität Leute zu ködern um an deren Geld zu kommen.

2. Möglichkeit ist, man wird in der Instagram Gruppe angeschrieben. Eine Person versucht Vertrauen aufzubauen, dann bietet später irgendwelche Geschäfte an die verlockend klingen, aber Betrug sind.

Ich wurde auch mal angeschrieben, als die Person ein Geschäft angeboten hat über Firma XYZ Geld zu vermehren (Hedgefonds usw), habe ich nach dieser Firma XYZ gegoogelt. Und siehe da auf der Webseite der Firma wurde drauf Hingewiesen, das Betrüger auf deren Namen agieren. Darauf Würste ich das die im Chat verlinkte Gruppe Fake war, die sich nach dieser Firma nannte und auch deren Logo im Bild hatte. Als Konter habe ich geschrieben, das ich die Seite der Firma besucht habe. Aber da sagte die Person das es nicht über das Web geht, sondern über die verlinkte Gruppe. Darauf hin war alles klar und habe die Fake Person blockiert und gemeldet auf Instagram. Geld will ich keins verlieren.


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Social Media Profiling und wie es uns beeinflusst.

gestern um 15:17
Das ist auf jeden Fall ein interessantes Thema, auch wenn ich selbst jetzt niemanden persönlich kenne, der sich in Social Media Bubbles verloren hätte und nur noch abgedrehte Pseudo-Thesen zum Besten gibt. Oder zumindest kenne ich niemanden, der mir abstruses Zeug predigt, was er irgendwo im Netz aufsaugen würde.


Was mich selbst betrifft, ist mein Youtube-Algorithmus anscheinend nicht ganz schlüssig, welche Videos er mir vorschlagen soll, da meine Interessen zu stark divergieren. Gerade mein Interesse an Musik führt zumindest nicht zu politisch abseitigen Videos. Und ansonsten kriege ich eher Themen vorgeschlagen, bei denen z.B. Trump kritisiert wird.


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Social Media Profiling und wie es uns beeinflusst.

gestern um 21:32
Zitat von martenotmartenot schrieb: Das ist auf jeden Fall ein interessantes Thema, auch wenn ich selbst jetzt niemanden persönlich kenne, der sich in Social Media Bubbles verloren hätte und nur noch abgedrehte Pseudo-Thesen zum Besten gibt. Oder zumindest kenne ich niemanden, der mir abstruses Zeug predigt, was er irgendwo im Netz aufsaugen würde.
Vielleicht ist es ein wenig vom Bildungsgrad und vom Erfolg im Leben abhängig. Ich arbeite an einer Brennpunktschule, da sind wir mit dem Thema sehr oft konfrontiert. Erst mal die Eltern, die z.B. langzeitarbeitslos sind, aber dahinter einen "großen Plan" vermuten und sich für Erleuchtet halten. "Sie sind ein armer Arbeitssklave, aber ich habe das System kapiert und bin ausgestiegen". Sie drehen praktisch etwas, das sie nicht gut kontrollieren können, in totale Kontrolle um - da gibt es wohl auch entsprechende Filme.

Dann würde ich noch einen Schritt weitergehen: Da werden ja natürliche Beziehungen gekappt. Ich fahre oft mit Bus und Bahn, mein Weg heim von der Arbeit sind 25 Minuten Fahrt. Da sitzen dann müde junge Mütter (meist Mütter), die gerade ihr Kind von der Kita abgeholt haben ... und starren in ihr Handy, sogar unwirsch, wenn das Kind versucht, etwas zu erzählen. Klar, sie sind müde, aber das Kind lernt, dass der Handyinhalt viel spannender ist als es selbst.

Wir haben bei bestimmten Elterngruppen das Problem, dass sie, wenn sie zum Elterngespräch da sind (und das oft nur, weil das Jugendamt sonst anspringt), sofort reagieren, wenn das Handy vibriert und sie absolut nicht mitbekommen, wenn man etwas sagt. Also "Familie Müller, wir müssen heute darüber sprechen, dass Emmas Leistungen in Mathematik so absacken". Handy vibriert. Man schaut erstmal. Dann verwirrt "Was haben Sie gesagt?". Wir müssen inzwischen echt bitten, den Fokus aufs Gespräch zu legen.

Diese Algorithmen sind echt krank. Kind #1 ist sehr ehrgeizig und hat sich so "Studifluencer" angeschaut, bevor es das Studium anfing, also Leute, die (1) morgens um 5 Uhr joggen, (2) immer Top-Noten schreiben, (3) vegan und super-healthy essen, (4) immer zu den besten 10% gehören. Hat das Kind so unter Druck gesetzt, dass es echt mentale Probleme bekam. "Die anderen schaffen es doch auch!". Glücklicherweise ist eine der bekannten Studifluencer im gleichen Studiengang, da merkte man, dass virtual reality und reality zwei verschiedene Dinge sind.


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Social Media Profiling und wie es uns beeinflusst.

um 00:55
@MissMary
Hi, erstmal danke, dass du so eine verantwortungsvolle Arbeit machst.

Der Schlüssel des Problems liegt im Wirtschaftssystem, und dass die Gesetze so gemacht sind, dass die Wirtschaft möglichst gut funktioniert.
Werbung und Manipulation werden möglichst wenig eingeschränkt, weil dadurch die Kaufkraft sinkt. Die Unternehmen und alle die Steuern zahlen, halten ja den Staat am laufen. Ich werde das jetzt einfach mal lassen, dazu einen ellenlangen Text zu schreiben.

Die Auswirkungen auf unsere Gesellschaft durch Unternehmen oder Einzelpersonen,
die Manipulationen jeglicher Art nutzen um uns durcheinander zu machen,
damit wir noch mehr Angst bekommen und in Folge Dinge kaufen oder dem Gefühl der Gruppenstärke wegen Meinungen übernehmen,
ist so monströs, dass es kaum in Worte zu fassen ist.

Ein sehr großer Teil der Gesellschaft wird dabei zunehmend von diesen Quellen abhängig, und verliert kontinuierlich die Kontrolle über die Fähigkeit sich eine eigene Meinung selbstdenkend zu bilden.

Die Schuld ist in erster Linie nicht bei denen zu suchen, die diese psychologischen Drogen konsumieren, sondern bei denen die sie anbieten. Ich glaube, das beiden Seiten größtenteils der Schaden den sie anrichten nicht bewusst ist. »Wenn das ja sowieso alle machen, was soll schon daran so schlimm sein?«.

Ich vermute, dass das reine Gefühl der Dazugehörigkeit geparrt mit den vielschichtigen Ebenen der psychologischen Manipulationen, eine Art Befriedigung oder Rausch in der Gesellschaft freisetzt, der jeglichen Wunsch dieses System zu hinterfragen den Schwächsten davon garnicht mehr möglich ist.
Die Starken der Schwachen durchschauen es in sofern, dass sie es für sich nutzen, finanziell und/oder ihrer Persönlichkeit wegen.

Daran wirst du kaum was ändern können, den die Lobi ist international, vom Waschmittel, dem Auto bis hin zu Waffenhändlern, die auf Umwegen schwachen, armen, oder perspektivlosen Menschen Waffen verkauft, damit sie sich stark dabei fühlen ihre Länder schwächer zu machen, nur damit die, die sie Verkaufen im Verkaufsland billiger an Rohstoffe kommen.

Die KI ,ChatGbt (oder d), macht alles noch um Dimensionen schlimmer, aber es merkt keiner.
Ist egal, Skynet übernimmt. Die Sache ist gelaufen. Zukünftige Generationen werden vermutlich schon in der Vorschule den ersten Burnout haben.
Das ist alles ein Albtraum wenn man bedenke welches Potential im Grunde vorhanden wäre bei uns allen.

Mittel und langfristig ist jede Art von Zuwanderung eine kulturelle und seelische Bereicherung für uns.
Abschließend möchte ich dir noch sagen, wie gut es wäre, wenn mehr Leute einen Beruf wie du machen würden.


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