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Die Kirche und der Mond

52 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Gott, Mond, Kirche ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Rao ehemaliges Mitglied

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Die Kirche und der Mond

10.02.2014 um 16:35
@perttivalkonen
perttivalkonen schieb: Weil christliche Bauernsprüche auf christliche Festtage zurückgreifen, müssen diese kalendarischen Ursprungs sein?
Falsch. Hier geht es erstens um potentiell vorchristliche Bauernsprüche - weil niemand sagen kann, wann diese Bauernsprüche entstanden. Aber schon zu vorchristlichen Zeiten waren Bauern auf feste Termine im Jahreszyklus angewiesen, es ist deshalb unlogisch zu glauben, daß die alle erst in christlichen Zeiten erfunden wurden, sie wurden allenfalls in neuere Bezeichnungen wie christliche Festtagsnamen umgetauft/umgedichtet.
Und es geht um potentiell vorchristliche Festtage, denn wenn jüdische Festtage wie Ostern üblicherweise auf den Mondkalender zurückzuführen sind, zu erkennen an den ständig wechselnden Terminen, sind logischerweise alle Festtage, die nicht unter den Mondkalender fallen, potentiell nichtjüdischen/nichtchristlichen Ursprungs. So wie die genannte Feiertags-Kette ab Wintersonnwende bis Lichtmeß = Imbolg ( Wikipedia: Imbolg ). Nach dem ständig wechselnden Mondkalender dürfte es auch keine Feiertage geben, die jedes Jahr an einem Donnerstag gefeiert werden - z. B. Christi Himmelfahrt, Fronleichnam - weshalb auch hier eine nichtchristliche Urheberschaft, hier Feiertage zu Ehren des Jupiter/Donar (dessen heiliger Tag der Donnerstag war) anzunehmen ist.
Und für die Behauptung, daß die christlichen Kirchen nur selten vorchristliche Heiligtümer besetzt oder überbaut hätten, gibt es einfach zu viele alte Kirchen, die auf oder in unmittelbarer Nähe von alten Quellheiligtümern, römischen und sonstigen Kultstätten sitzen. Nicht immer allerdings findet man Hinweise darauf in der "offiziellen" Geschichte des jeweiligen Kirchenbaus, oft muß man erst in längst vergriffenen Ortschroniken graben, bis man entsprechende Hinweise findet. (z. B. Raitenbuch in Mittelfranken - beim Umbau eines Hauses direkt neben der Kirche kam Anfang 19. Jahrhundert ein mühlradartiger "Kultstein" zum Vorschein, der vermutlich Zentrum eines ehemaligen Kultplatzes war, weil zwei von Nachbarorten kommende Straßen und die Dorfstraße sich genau an dieser Stelle treffen, mit einem "auffälligen Knick in der Straßenführung" (Zitat in dem Bericht) - ein echter "Mühlstein" kann es nicht gewesen sein, weil erstens ähnliche Steine an anderen Kultplätzen entdeckt wurden und es zweitens an dieser Stelle und in der weiteren Umgebung nie eine Mühle gegeben hat, mangels Wasser oder Wind zum Betreiben einer solchen. Nachzulesen nur in einer Ortschronik, die vor vielen Jahren mal in begrenzter Auflage zu einem Jubiläum erschien und vermutlich längst nicht mehr zu bekommen ist).


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Die Kirche und der Mond

10.02.2014 um 18:45
@Rao
Christi Himmelfahrt gehöert zum Osterkreis und richtet sich somit nach dem Mond.
Seltsame Logik legst Du an den Tag mit der Behauptung, Feiertage, die an Donnerstagen begangen werden, könnten sich nicht nach bdem Mond richten.

Naja, der Rest, den Du als "logisch" bezeichnest, ist ja auch alles andere als logisch.


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Die Kirche und der Mond

10.02.2014 um 18:51
@Rao
Zitat von RaoRao schrieb:Hier geht es erstens um potentiell vorchristliche Bauernsprüche
So formuliert ist das ja in Ordnung. Und in der Tat gibt es Sprüche und Alltagsrituale und werweißwasnochalles, die auf vorchristliche germanische Zeiten und Bräuche zurückgehen. Doch muß sich das schon erweisen lassen, sonst bleibts eben beim "potentiell", beim "womöglich". Und das ist der Unterschied.

Hier wurde ein konkreter Spruch vorgestellt und zu sowas Vorchristlichem erklärt. An ihm sollte ja gezeigt werden, daß vorchristliche Kalenderangaben in christlichen Zeiten durch christliche Tagesbezeichnungen ersetzt wurden. Ich sehe aber nicht, daß der Spruch durch seine bloße Existenz belegt, daß er, dieser Spruch, wirklich schon in vorchristlicher Zeit entstanden sein müsse.
Zitat von RaoRao schrieb:wenn jüdische Festtage wie Ostern üblicherweise auf den Mondkalender zurückzuführen sind, zu erkennen an den ständig wechselnden Terminen, sind logischerweise alle Festtage, die nicht unter den Mondkalender fallen, potentiell nichtjüdischen/nichtchristlichen Ursprungs.
Nichtjüdischen, das unterschreib ich. Aber wieso sollten diese Festtage, wenn ihnen lunarer Bezug fehlen, deswegen potentiell nichtchristlichen Ursprungs sein dürfen? Der jüdische Kalender ist lunar, aber das frühe Christentum, in dem die großen Feste entstanden, hatte keinen eigenen Kalender, sondern lebte mit den verschiedenen Kalendern seiner Umwelt. Hauptsächlich den Julianischen Kalender, und der war solar.
Zitat von RaoRao schrieb:So wie die genannte Feiertags-Kette ab Wintersonnwende bis Lichtmeß = Imbolg ( Wikipedia: Imbolg ).
Naja, aber zum Weihnachtsfestkreis wissen wir nun mal, daß er nicht in Anlehnung an die germanisch-keltische Mythologie, Kalenderrechnung und Folklore gebildet wurde. Der Weihnachtstermin geht auf den römischen dies sol invictus und dieser auf den persischen Mithraskult zurück, Epiphanias ist noch älter, und Mariä Lichtmeß / Darstellung des Herrn wurde aus Weihnachten plus 40 Tage in Anlehnung an das Lukasevangelium datiert. Selbst die Adventszeit, eine Fastenzeit, berechnete sich ursprünglich von Epiphanias her. Alles, bevor das Christentum in engerem Kontakt zu Kelten und Germanen kam.
Zitat von RaoRao schrieb:Nach dem ständig wechselnden Mondkalender dürfte es auch keine Feiertage geben, die jedes Jahr an einem Donnerstag gefeiert werden - z. B. Christi Himmelfahrt, Fronleichnam - weshalb auch hier eine nichtchristliche Urheberschaft, hier Feiertage zu Ehren des Jupiter/Donar (dessen heiliger Tag der Donnerstag war) anzunehmen ist.
Außer, Du weißt, wie die Festtermine entstanden. Das christliche Osterfest z.B. Zwar richtet es sich nach dem ersten Vollmond nach der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche, doch weicht es dann davon ab, daß der Kreuzigungsgedenktag immer auf einen Freitag fallen solle und der Gedenktag der Auferstehung immer auf einen Sonntag. Es muß immer der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond sein. Die Juden hingegen haben ihr Pessach immer zwei Wochen nach dem Neujahrsneumond, egal, welcher Wochentag das ist. So auch Pfingsten. Eigentlich ist das der fünfzigste Tag nach dem Passahfest. Die Evangelien sind nicht ganz einheitlich darin, ob das Pesach in dem Jahr, als Jesus starb, nun am Kreuzigungsfreitag oder am Samstag danach war. Pfingstsonntag jedenfalls leitet sich von der Samstagsannahme her, sieben Wochen und einen Tag später (50. Tag auf griechisch "pentekostê hêmera", daraus wirde unser Wort Pfingsten, vergleiche englisch pentecoast). Jesus soll noch 40 Tage mit den Seinen nach Ostern verbracht haben, bevor er dann am 40. Tag in den Himmel auffuhr. Da Ostersonntag der erste Tag dieses Zusammenseins war, ist der Himmelfahrtsdonnerstag logischerweise der vierzigste.

Wie Du siehst, ergeben sich diese Festtermine sämtlich aus der Art der Bestimmung des Ostertermins. Nicht aus Thor.
Zitat von RaoRao schrieb:Und für die Behauptung, daß die christlichen Kirchen nur selten vorchristliche Heiligtümer besetzt oder überbaut hätten, gibt es einfach zu viele alte Kirchen, die auf oder in unmittelbarer Nähe von alten Quellheiligtümern, römischen und sonstigen Kultstätten sitzen.
Es werden schon einige sein. Fragt sich nur: wie viel sind sehr wenig? Gemessen an weißichwievielen tausend alten Kirchenplätzen. Hundert? Fünfhundert? Und? Wie viele sind Dir nun bekannt? Zehn? Eine? Ich fragte nicht ohne Grund nach Beispielen...
Zitat von RaoRao schrieb:Nicht immer allerdings findet man Hinweise darauf in der "offiziellen" Geschichte des jeweiligen Kirchenbaus, oft muß man erst in längst vergriffenen Ortschroniken graben, bis man entsprechende Hinweise findet. (z. B. Raitenbuch in Mittelfranken - beim Umbau eines Hauses direkt neben der Kirche kam Anfang 19. Jahrhundert ein mühlradartiger "Kultstein" zum Vorschein, der vermutlich Zentrum eines ehemaligen Kultplatzes war
Mal abgesehen, ob sich diese kultische Interpretation halten kann: die älteste Kirche in Raitenbuch entstand laut Wikipedia um das Jahr 1000. Zu dieser Zeit gab es schon sehr lange keine heidnischen Kultstätten mehr im fränkischen Reich, und selbst die inoffiziellen heidnischen Praktiken waren unter den Rheinfranken mehr als 200 Jahre zuvor erloschen, wie man am Ende heidnischer Begräbnisrituale in Gräbern des 8.Jh. ablesen kann. Germanisch beeinflußter Volksglaube existiert bis heute, keine Frage, doch handelt es sich dabei nicht um einen funktionierenden Ritus mit Heiligtum udgl. Wenn also in Raitenbuch eine Kirche gebaut wurde, wo zuvor ein heidnischer Kultplatz war, dann lagen da Jahrhunderte dazwischen.

Kirchen werden da gebaut, wo Menschen zusammenkommen, wo Wege sich kreuzen. Wenn in früheren Zeiten aus dem selben Grund dort heidnische Heiligtümer errichtet wurden - oder andersherum, wenn Wege sich nach früheren Heiligtümern richteten und bildeten, nach Ende des Heiligtums aber blieben, sodaß später Kirchen an den Verkehrsknoten gebaut werden konnten, dann erklärt sich so eine Nähe von ganz allein. Ohne die Annahme, daß die Christen ihre Kirchen gerne auf alte Heiligtümer setzten. Vor allem, wenn wie in Raitenbuch das Ende des alten und der Anfang des Neuen Heiligen Hauses nicht in die selbe Generation fallen.

Pertti


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Die Kirche und der Mond

10.02.2014 um 19:04
@perttivalkonen
Thomas gibt ja außerdem noch die Info, dass die Pfingstereignisse zu Schawuot stattfanden...


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Die Kirche und der Mond

10.02.2014 um 19:28
Genau! Eben das Fest, das nach jüdischem Kalender am fünfzigsten Tag nach Passah dran ist.
Wikipedia: Schawuot
Lukas schildert in Apostelgeschichte Kapitel 2 für die Pfingstgeschichte genau solch eine Situation: es sind tausende Juden auf engem Raum in der Stadt versammelt, ihre Muttersprache ist nicht Aramäisch wie die der einheimischen Juden, sondern die verschiedenen Sprachen all der Diasporaländer. Lukas schreibt zwar, es handele sich um in Jerusalem lebende Ex-Diasporajuden, doch gibt es kein wirkliches Motiv, wieso sich an einem öffentlichen Platz in Jerusalem nahezu ausschließlich lauter Diasporajuden aufhalten würden, und zwar tausende. Im antiken Ghetto wäre das zwar möglich, dann aber nach Nationalitäten sortiert, also das Ghetto der syrischen Juden, das Ghetto der iberischen Juden usw. Doch alle promiscue, mehrheitlich aus der Diaspora, das ist Wallfahrtssituation. Paßt zum Wochenfest am 50. Tag nach Pesach, auch wenn Lukas das ignoriert.
Pertti


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Rao ehemaliges Mitglied

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Die Kirche und der Mond

11.02.2014 um 17:15
Zur Bedeutung des Donnerstags (neben aller anderen Tage): http://www.festjahr.de/woche/donnerstag/html wenn sogar eine kirchliche Website ganz ungezwungen die Verbindung zu Donar feststellt...

Die Zahl der ehemals heidnischen Kirchplätze kann ich nicht schätzen, es waren jedenfalls sehr viele. Jeder kann selbst danach suchen, indem man einfach nach Schlagwortkombinationen wie Kirche mit römischer Krypta, Kirche mit Mithräum, Kirche bei Quellheiligtum, Kirche mit "Heidensteinen" etc. suchen läßt, das gibt jede Menge Treffer, selbst wenn man die garantiert "christlichen" Krypten, Quellheiligtümer, von woanders angeschleppte "Heidensteine" etc. aussortiert, aber vielfach ist der "heidnische" Vorgänger (Kultplatz oder anderes) auch nur in Ortschroniken oder (viel seltener) archäologischen Befunden nachzuweisen, das Internet weiß nämlich auch nicht alles. Grundsätzlich ist die Chance auf einen heidnischen Vorgänger um so größer, je älter die Kirche und die Besiedlung drumherum sind, und Wikipedia ist da wenig hilfreich, da es sich immer nur auf den ersten urkundlichen Nachweis einer Kirche beziehen kann (meist bei Erstweihe, Neueinweihung eines Nachfolgerbaus oder Besitzübergang). Daß eine Ortschaft wie Raitenbuch, ein traditionelles Bauerndorf am wichtigen Weg über die Jurahochfläche Richtung Weißenburg (römische Gründung), in Nähe von Limes und Römerstraße (nächste Station der "Burgus" von Burgsalach) jahrhundertelang ohne religiösen Mittelpunkt auskam, egal ob heidnisch oder christlicher Vorgängerbau aus Holz, ist schwer denkbar. Und die Kirche wurde auch nicht in eine menschenleere Pampa gebaut, sondern in eine Gemeinschaft von Menschen, die schon vorher irgendeinen Kult ausgeübt haben - und "heiligen Boden" gab es damals nicht im Dutzend billiger, da wurde das gleiche Fleckchen Erde wiederbenutzt, wo schon die Vorfahren gebetet hatten, allenfalls wich man um ein paar Meter zur Seite, um Begräbnisplätze nicht zu stören. Die erwähnte Kirche des Jahres 1000 ist deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der erste Kultbau, der dort stand, allenfalls der erste aus dauerhaftem Stein, dessen Existenz wegen der Weihe dokumentiert ist (kleiner aber wichtiger Unterschied).

Daß die Christen "ihr" Weihnachtsfest aus dem römischen Kalender übernommen haben, ist bekannt - und daß sie bei der allmählichen Verbreitung ihrer Religion in Mitteleuropa auf viele übereinstimmende Feiertagstermine bei der einheimischen Bevölkerung stießen, dürfte ihnen die Missionstätigkeit sehr erleichtert haben. Allerdings hatten die Einheimischen ihrerseits diese Termine nicht zwangsläufig von den Römern oder gar den Juden. Kultanlagen mit dem Nebenzweck der Feststellung astronomischer Daten wie Sonnwenden, Mondphasen, Frühlings- und Herbstpunkt etc. samt damit vermutlich verbundener Festtermine gab es in Mittel- und Nordeuropa bekanntlich schon lange bevor sich der erste Römer hier blicken ließ (Stonehenge & Co.).

Bleibt die Feststellung, daß die Christen letztendlich eigentlich nicht viel Neues mitbrachten, für die Bevölkerung blieb es Business as usual, nur Namen und Kultsprache (Latein) änderten sich, genauso wie man es heute noch in den "christianisierten" Ländern Süd- und Lateinamerikas sehen kann. In Ländern wie Mexiko oder Peru muß man nicht lange an den aufgepappten Namen christlicher Heiliger kratzen, damit darunter die alten "heidnischen" Götter wieder zum Vorschein kommen - Gottesmutter statt Pachamama, sonst ändert sich nix.


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Die Kirche und der Mond

11.02.2014 um 19:00
@Simowitsch


das hängt zusammen mit dem jüdischen kalender ,der lunar geprägt ist.
an welche zeitrechnung sollte sich denn die urchristen halten ,wenn nicht an die ihrer vorväter?

Wikipedia: Hebräischer Kalender

jesus kreierte jedenfalls nirgends einen "neuen" kalender

die idee eines "neuen kalenders" blieb dann rebellen wie w.s. burroughs vorbehalten :D

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To consolidate revolutionary gain, 5 steps are necessary:

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Step #1 - Proclaim a new era and set up a new calendar.
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Step #5 - Take wealth and land from individual aliens.



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Die Kirche und der Mond

11.02.2014 um 19:09
@pere_ubu

oder Revolutionären

Wikipedia: Revolutionskalender


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Die Kirche und der Mond

11.02.2014 um 19:21
@Rao
Zitat von RaoRao schrieb: wenn sogar eine kirchliche Website ganz ungezwungen die Verbindung zu Donar feststellt...
Könntest Du den Satz noch vervollständigen? Auf der Seite (Punkt vor html, kein Schrägstrich) wird zwar die vorchristliche Bedeutung des Donnerstags angesprochen, aber das wars dann auch. Selbstverständlich hatte Thor vor allem bei den bäuerlichen Germanen eine wichtige Bedeutung, ebenso sein Tag. Und? Erklärt das die Entstehung irgendeines donnerstäglichen kirchlichen Festtages?
Zitat von RaoRao schrieb:Die Zahl der ehemals heidnischen Kirchplätze kann ich nicht schätzen, es waren jedenfalls sehr viele.
Du kennst zwar nicht ein Beispiel, aber glaubst ganz fest daran, daß es sehr viele waren.
Zitat von RaoRao schrieb:Jeder kann selbst danach suchen, indem man einfach nach Schlagwortkombinationen wie Kirche mit römischer Krypta, Kirche mit Mithräum, Kirche bei Quellheiligtum, Kirche mit "Heidensteinen" etc. suchen läßt, das gibt jede Menge Treffer
Mithräen befanden sich in öffentlichen römischen Gebäuden, das waren keine heiligen Plätze, an denen man Heiligtümer errichtete. Frühe Kirchen waren oft umgewidmete städtische Gebäude, klar haben viele ein Mithräum. Das ist echt albern.

Was die Quellheiligtümer betrifft, so ergab Google (kirche quellheiligtum) ganz Erstaunliches. Der erste Treffer, Sudelfels, war nicht ergiebig, da kein Text. Der zweite Treffer, Magdalensberg in Kärnten, lockte schon bei Google mit dem Satz "Wie so oft wurde mutmaßlich auch hier die Kirche auf dem heidnischen Kultplatz errichtet." Aber was gibt der Text dann her? Der heidnische Tempel befand sich unterhalb des Quellheiligtums, die später errichtete Kirche hingegen oberhalb. Immerhin war auch dieses Areal ehedem ein Kultplatz. Freilich - wie gehabt! - in vorchristlicher Zeit. Die Kirche hingegen wurde im 13.Jh. gebaut, hundert Jahre zuvor wurde der Berg schon erwähnt, aber noch keine Kirche. Die Kirche wurde vom Adelsgeschlecht derer von Osterwitz errichtet, die aber erst im 12.Jh. dorthin kamen. Wieder mal liegen Jahrhunderte dazwischen, und somit wird eher die Platzwahl die selben Gründe gehabt haben (wegetechnisch erschlossen, exponierte Stelle). Der dritte Treffer behandelt dasselbe Quellheiligtum wie der erste Treffer, Sudelfels, diesmal sogar mit Text. Aber Null Bezug zu einem Kirchenbau darüber. Der vierte Treffer behandelt die Ortschaft Bad Dreikirchen, aber nur der Ort befindet sich auf dem dortigen alten Heiligtum. Wieder unergiebig. Der fünfte Treffer behandelt die Wallfahrtskirche Pöllauberg über einem Quellheiligtum. Das ganze Gebiet wurde im 12.Jh. kolonisiert, und von da an hielt christliche Marienfrömmigkeit diese Quelle für wundertätig. Also kein vorchristliches Quellheiligtum. Von fünf der ersten Treffer gleich fünf Nieten. Daß es da "jede Menge Treffer" gibt, besagt dann ja wohl nix.

Heidenstein klemm ich mir mal gleich. Heidensteine sind i.d.R. Lochsteine, zumindest Steine mit Mulde. Auffällige Naturspiele wurden in der Folklore gern so genannt, aber das hat nichts mit Heiligen Stätten zu tun. Artifizielle Heidensteine hingegen gehören in die Megalithik, und da liegen zwischen Kultende und Kirchenbau nicht Jahrhunderte dazwischen, sondern Jahrtausende. Sehr viele Treffer? Meinetwegen.
Zitat von RaoRao schrieb:aber vielfach ist der "heidnische" Vorgänger (Kultplatz oder anderes) auch nur in Ortschroniken oder (viel seltener) archäologischen Befunden nachzuweisen, das Internet weiß nämlich auch nicht alles.
Das mag sein, aber was weißt Du? Hast Du schon zahlreiche Ortschroniken gelesen und kennst die Treffer? Oder wünschst Du Dir nur, daß die Ortschroniken das zuweilen hergeben? Oder kolportierst Du diesen Wunsch eines anderen - gelesen im Internet? Gib Butter bei die Fische. Wo nicht, ist das kein Wissen, keine Tatsache, was Du behauptest. Sondern nur Deine Mutmaßung. Die kannste natürlich gerne haben, aber deklarier sie doch bitte so.
Zitat von RaoRao schrieb:Daß eine Ortschaft wie Raitenbuch, ein traditionelles Bauerndorf am wichtigen Weg über die Jurahochfläche Richtung Weißenburg (römische Gründung), in Nähe von Limes und Römerstraße (nächste Station der "Burgus" von Burgsalach) jahrhundertelang ohne religiösen Mittelpunkt auskam, egal ob heidnisch oder christlicher Vorgängerbau aus Holz, ist schwer denkbar.
Für Dich vielleicht. Aber bis weit ins Hochmittelalter war es die Regel. Ländliche Gemeinden waren nicht als Kirchgemeinden organisiert, sondern als Parochien, Pfarreien, Kirchspiele, Sprengel. Das heißt, der Pfarrer einer solchen Gemeinde, bestehend aus mehreren Dörfern und Einzelgehöften, zog zu den Leuten, hielt seine Gottesdienste usw. vor Ort ab. Oft - das immerhin! - gab es am Wohnort des Pfarrers eine Kirche, aber eben nur die.
Erst seit dem 12. Jahrhundert im Rahmen des hochmittelalterlichen Landesausbaus in der Germania Slavica wurde es üblich, dass jedes Dorf über eine eigene Kirche (zunächst aus Holz, später aus Stein) verfügte.
Wikipedia: Urpfarrei
Zitat von RaoRao schrieb:Und die Kirche wurde auch nicht in eine menschenleere Pampa gebaut, sondern in eine Gemeinschaft von Menschen, die schon vorher irgendeinen Kult ausgeübt haben - und "heiligen Boden" gab es damals nicht im Dutzend billiger, da wurde das gleiche Fleckchen Erde wiederbenutzt, wo schon die Vorfahren gebetet hatten, allenfalls wich man um ein paar Meter zur Seite, um Begräbnisplätze nicht zu stören.
Jedenfalls reimst Du Dir das so zusammen. So wie das mit dem "schwer denkbar". Vertrau besser nicht Deinem Ichsehdasso, sondern mach Dich kundig. Und bis dahin halte Dich mit Deinen Dasistsos etwas mehr zurück.

Die vorchristlichen Heiligtümer auf deutschsprachigem Boden (und nicht nur da) liegen übrigens in der Regel in deutlicher Entfernung von den menschlichen Ansiedlungen. Du solltest schon beten, daß die Christen ihre Kirchen nicht da bauten, wo die Leute lebten, sonst siehts nämlich mit aktiver christlicher Kultplatzüberbauung arg mau aus.
Zitat von RaoRao schrieb:Die erwähnte Kirche des Jahres 1000 ist deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der erste Kultbau, der dort stand
Tja, Pech! Die hohe Wahrscheinlichkeit ist ein paar Zeilen höher flötengegangen.
Zitat von RaoRao schrieb:Daß die Christen "ihr" Weihnachtsfest aus dem römischen Kalender übernommen haben, ist bekannt - und daß sie bei der allmählichen Verbreitung ihrer Religion in Mitteleuropa auf viele übereinstimmende Feiertagstermine bei der einheimischen Bevölkerung stießen, dürfte ihnen die Missionstätigkeit sehr erleichtert haben.
Wieso sollte das die Sache erleichtert haben?
Zitat von RaoRao schrieb:Allerdings hatten die Einheimischen ihrerseits diese Termine nicht zwangsläufig von den Römern oder gar den Juden.
Ja natürlich nicht!

Pertti


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Die Kirche und der Mond

11.02.2014 um 19:45
@perttivalkonen
Ichweißwas, ichweißwas:

Der Willibald von Mainz erzählt, daß der Bonifatius die Donareiche gefällt hat und aus dem Holz ein Bethaus, das dem Petrus geweiht wurde, errichtet hat..


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Die Kirche und der Mond

11.02.2014 um 20:12
Freilich an anderer Stelle, in Fritzlar, nicht in Geismar, wo die Eiche stand. Das Überbauen von Heiligen Orten soll nicht so sehr die Überlegenheit demonstrieren, sondern den "Mietspiegel" des Standorts nutzen. Die Attraktivität der Donareiche hingegen ging flöten, als sie zu Bauholz profaniert wurde. Ein heiliger Ort bleibt ein heiliger Ort, auch wenn das Haus drauf wechselt. Aber ein heiliger Baum ist nicht mehr dasselbe, wenn er von nun an ne Bretterbude ist.


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Die Kirche und der Mond

11.02.2014 um 20:17
@perttivalkonen
Die Attraktivität der Eiche ging vor allem auch daurch flöten, dass Bonifatius nicht sofoert von Thoes Hammer niedergestrckt wurde...oder vom Blitz erschlagen wurde.


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