Bundesferkel schrieb am 16.05.2026:Eventuell könnte @PrivateEye allgemeine Fragen zum Thema Tauchen beantworten.
Sorry für dien späte Antwort, bei und auf Arbeit ist momentan der Teufel los und Personal fehlt...
Hab mir die News und den Thread mal durchgesehen. Vieles kam schon von
@bettman und @vargas. Danke an dieser Stelle für die ausführlichen Darstellungen.
Das ganze hätte verhindert werden können vermute ich ganz stark. Ich will nicht schlecht über Tote sprechen, aber wenn die leitende Professorin tatsächlich schon 5000 Tauchgänge absolviert hat wie ihr Ehemann sagte, hat sie als Führerin der Gruppe leider versagt. Zudem das nichts mit dem Ausbildungsstand der anderen zu tun hat oder deren Fehlen ausgleicht.
- fehlende Genehmigung für den Tieftauchgang
- scheinbar fehlende Ausrüstung/Ausbildung
- falsche Tauchgangsplanung?
Bei Archäologen geht es in der Regel um sogenanntes wissenschaftliches Tauchen. Dabei gelten besonders in Deutschland bestimmte Regeln und Ausbildungsstandards. Wissenschaftler tauchen zum Beispiel meist mit Vollgesichtsmasken, die eine ohnmachtssichere Lage garantieren, da der Taucher oder die Taucherin kein Mundstück verlieren kann bei Bewusstlosigkeit und somit niicht ertrinken kann. Ich vermute das entsprechendes Gerät gefehlt hat.
Für das Höhlentauchen wird mittlerweile auch viel Rebreathertechnik verwendet, ebenso diverse Mischgase für verschiedene Tiefen. Damit werden lange Dekopausen verkürzt und Grundzeiten erhöht. Allerdings muss man diesen Systemen vertraut sein und daran ausgebildet werden. Eine falsche Nutzung kann tödlich enden. Partialdruck et. In diesem Fall hätten alle Taucher die entsprechenden Brevetierungen und Mindesttauchgänge haben müssen.
Strömungen müssen beachtet werden, diese verbrauchen viel Atemgas und Kraft, was zu Erschöpfung und anderen Ausfällen führen kann. Ich selber brauchte einmal für eine Strecke von nur 500 Metern mit Gegenströmung trotz Flossen eine knappe Stunde... Da ist man dann nicht nur groggy.
Wärme und Luftfeuchtigkeit sind auf den Malerdiven höher. Viele trinken zu wenig, auch beim Tauchen, da es im Wasser ja keine Toilette gibt. Falsche Eitelkeit... Dehydrierung begünstigt Ausfälle und einen Tiefenrausch ebenso, der dann früher und stärker eintreten kann. Theoretisch kann man mit normaler Pressluft dem Partialdruck bis zu 78 Meter tief tauchen. In der Theorie. Manche machen das ohne Probleme (obwohl verboten) und andere bekommen schon ab 30 Metern das große "Zittern". Ist bei jedem verschieden, auch nach Konstitution, Gewöhnung, (fehlender) Fitness etc.
Auf den Malediven ist das Wasser im Normal warm, oben wie unten. Man kann sehen so weit das Auge reicht. Ein tolles Erlebnis beim Tauchen, im Vergleich mit dunklen, kalten deutschen Seen und Steinbrüchen. Und genau da liegt dien Gefahr der Selbstüberschätzung: Man fühlt sich warm und gut und toll und sicher und...huch, schon 40 Meter? Oweh... Merkt man gar nicht. Jep.
Wenn man in einer Gruppe taucht, ist das schwächste Mitglied (Ausbildung; Alter, Ausrüstung) immer der Punkt, nachdem sich alle richten. Sicherheitspuffer. In diesem Fall dürfte man alle Vorschriften ignoriert haben, zudem der einheimische Tauchguide sicherlich nicht im Ansatz für solche wissenschaftliche Tauchgänge ausgebildet oder ausgerüstet war.
Tauchgangsplanung. Ich lernte tauchen, da ging es noch nach Tabellen und festgelegten Tiefen und Zeiten und die stylische Taucheruhr am Handgelenk hatte einen sehr praktischen Nutzen und war kein Mode Accessoire. Für viele ist das im Zeitalter der digitalen Handgelenksbeschwerer mittlerweile überflüssig geworden und man verlässt sich auf Tauchcomputer, die aber auch ab und an versagen können. Hat man dann keine Ahnung was man warum wann tun sollte, sinken die eigenen Überlebenschancen leider drastisch.
Das die Crew des Tauchboots scheinbar verbotene Tauchgänge angeboten hat, macht sie teils mitschuldig. Den anderen Teil der Schuld dürfte die Leiterin der Taucher haben, denn dieser Tauchgang hätte nie von ihr durchgeführt werden dürfen. Und sie musste es einfach besser wissen.
Für die genaue Ursachenforschung muss man nun die Bergung der Leichen und die Auswertung der hoffentlich funktionsfähigen Tauchgeräte und Computer abwarten.
Möglich wäre sich verloren, desorientiert oder es gab Notfälle, die nicht adäquat behandelt werden konnten. Ein panischer Taucher der unter Wasser "durchdreht" ist eine konkrete Gefahr für sich und alle in seiner Reichweite, er kann sie mit in den Tod reißen.
Falsche Gasgemische könnten alle gleichzeitig ausgeschaltet haben, unterschätzte Strömungen je nach Wetter oder Gezeiten können das heraustauchen aus einer Höhle erschweren oder gar verhindern.
Der höchste Sicherheitsaspekt beim Höhlentauchen sind und bleiben Sicherungsseile, die man nicht verlassen sollte. Im Notfall kann man sich sogar blind in totaler Finsternis an einer solchen Leine nach draußen entlang tasten... Passend dazu: Gab es denn genug Beleuchtung oder überhaupt Beleuchtung?
Viele Fragen die erst noch detailliert beantwortet werden müssen nach der Bergung und Auswertung.
Wer noch Fragen hat, mich einfach anschreiben.
:) LG
Eye