Die schönste Zeit des Jahres ist für viele bereits angebrochen. Einige Bundesländer haben schon Sommerferien und viele befinden sich gerade im Urlaub und können bei ihrer Rückreise schöne oder schlechte Erinnerungen teilen.
Wenn einer eine Reise macht, dann hat er viel zu erzählen - so der Spruch meiner Kindheit. :)

Was habt Ihr zu berichten? Habt Ihr mal einen richtig bescheidenen Urlaub erlebt, wo alles schief ging? Zum Beispiel kurzfristig eine Reise absagen müssen oder Ihr wurdet im Urlaub bestohlen, oder aber krank?
Habt Ihr im Urlaub die große Liebe gefunden? Oder war ein geplanter Urlaub, auf den man eigentlich keine Lust hatte, überraschend schön geworden?
Habt Ihr lustige Anekdoten zu erzählen?

Ich fang mal an. :D

Mit Mitte 16 Jahren durfte ich das erste Mal alleine in den Urlaub fahren. Aber auch nur, weil meine Freundin gerade 18 und somit volljährig geworden war - was eigentlich total unlogisch war, da wir beide noch sehr viel Eierschale hinter den Ohren hatten und die knapp 14 Monate Altersunterschied nun wahrlich nicht ausschlaggebend für die geistige Reife waren. Aber nun gut. Hauptsache ohne Eltern.

Es sollte nach Italien gehen. Der Hype der 80er um Italien ebbte gerade etwas ab (wodurch es günstiger als z.B. Spanien war) und wir konnten uns doch einigermaßen schnell das Geld für die Reise zusammensparen. Das Reisebüro bequatschte uns so lange, bis wir schließlich die Reise mit Anreise per Zug buchten, um noch mehr Geld zu sparen, da ich ja bekanntlich nicht fliege. Zur Option stand dann halt nur noch die Busreise - was viele damals aus Kostengründen gemacht haben - und eigentlich wollten wir das auch buchen. Der Zug war aber über 120 DM günstiger, also unterschrieben wir unseren Reisevertrag (meinen zusätzlich noch mein Papa, da ich nicht volljährig war) und zwei Monate später begann meine schrägste Reise überhaupt. :D

Wir waren sage und schreibe fast zwei ganze Tage mit dem Zug - besser gesagt mit mehreren Zügen - unterwegs, da wir alle paar Stunden umsteigen mussten und auf den jeweiligen Bahnhöfen ebenfalls Stunden verbrachten, um auf den Anschlusszug zu warten. Das war so unglaublich zermürbend und verhagelte einem derart die Laune, dass wir am liebsten wieder umgedreht wären.
Als wir dann anderthalb Tage später endlich in Genua eintrafen, ging es plötzlich mehr weiter. Eigentlich sollte uns ein Shuttlebus nach Alassio fahren - aber der kam nicht. Ja, und dann steht man da als chronisch genervter Teenager in einem fremden Land, ohne nennenswerte Sprachkenntnisse und ohne den Hauch einer Ahnung. Andere Touristen waren nicht zu sehen, also konnte msn auch niemanden fragen und sich anschließen.

Meine Freundin wollte dann ihre Eltern anrufen und um Rat fragen. :D Ich fand die Idee klasse, bis mir bewusst wurde, dass wir gar kein Kleingeld für die Münzfernsprecher hatten. In der Wechselstube bekommt man halt nur Scheine und da es abends war, konnten wir am (selbstverständlich) geschlossenen Kiosk auch nichts kaufen und uns aufs Wechselgeld freuen.

Eine gefühlte Ewigkeit später fiel mir dann ein, dass ich ein kleines Wörterbuch dabeihatte. Natürlich im Koffer und nicht im Handgepäck. Die Details, wie ich den vollgestopften Koffer mitten auf der Straße durchsuchte, erspare ich Euch..
Zwei Stunden später waren wir dann - dank Wörterbuch und einer wirklich geduldigen Italienerin, die uns zu einer Bushaltestelle und zum richtigen Bus brachte - endlich im Hotel.
Es war spät Abends und wir waren müde, durchgeschwitzt, mit den Nerven am Ende und freuten uns nur noch aufs Zimmer. Duschen, Klamotten auspacken und eventuell noch zum Strand gehen...
Tja, das Zimmer gab es dann nicht, wie man uns beim einchecken mitteilte. Ein plötzlicher Wasserschaden am Vormittag und somit unbewohnbar. Das war lustig. Nicht.
Wir bekamen dann aber recht zügig ein anderes Zimmer in einem anderen Hotel -aber mit lauter Rentnern. Toll! :D

Abgesehen von zwei Tagen Regen und der Tatsache, dass wir unsere mühsam ersparten Lire für so unnötiges Zeug wie Sonnencreme, Batterien und Filme für den Fotoapparat ausgeben mussten - weil daheim vergessen - war es ein schöner Urlaub. Bis... ja, bis ich auf eine glorreiche Idee kam.

Als Fan von Stéphanie von Monaco wollte ich nun unbedingt noch nach Monaco. Ich hatte auf der faltbaren Karte mit dem Finger abgeschätzt, dass das ja gar nicht weit wäre und man das locker mit dem Fahrrad schaffen müsste.
Also haben wir mithilfe meines kleinen gelben Wörterbuchs zwei Fahrräder ausgeliehen und sind die Küstenstraße Richtung Monaco gefahren. Das war anfangs auch recht idyllisch, da man einen traumhaften Ausblick aufs Meer hatte. Nun waren das aber einfache Leihräder und ich kann heute wirklich nicht mehr sagen, ob sie überhaupt eine Gangschaltung hatten. Jedenfalls wurde es immer mühsamer zu fahren.
Jeder Kilometer - mitunter bergauf - in der heißen Sonne kam einem vor, als würde man an der Tour de France teilnehmen. Als sich unsere Trinkvorräte dem Ende neigten, Ort um Ort an uns vorbeizog und die Stunden sowieso, zeigte meine Freundin auf ein geiles Cabrio.

Wir machten also wieder mal eine Pause und ich versicherte zum etwa 56. Mal, dass es jetzt ganz bestimmt nicht mehr weit wäre, wenn hier schon so viele Protzkarren vorbeifahren.
Eine kleine Weile später fragte sie mich plötzlich, auf ein Autokennzeichen zeigend, ob Monaco in Frankreich liegt.
"Ähm... ja. Warum?"
"Weil man für Frankreich einen Reisepass braucht."
Und wo waren unsere Reisepässe?
Im Hotel! :D

Wir haben dann auf der gesamten langen Rückfahrt nichts mehr miteinander geredet. Gut... wir waren auch beschäftigt, die rund 50 km wieder zurückzufahren. Man hörte nur das Quietschen der Räder, das Hupen der Autofahrer und ihr unglaubliches Gefluche. :D
Die restlichen zwei Tage waren dann wieder normal schön mit Strand, Disco usw. und abgesehen von der katastrophalen Rückreise, ähnlich der Hinreise - war es rückblickend einer der schönsten Urlaube überhaupt.

P.S. Wir sind übrigens nie wieder zusammen in den Urlaub gefahren..
P.S. 2 Von Alassio bis Monaco waren es übrigens rund 90km. Ein Weg wohlgemerkt. :D