Der Fall Lucona
gestern um 22:28Der Fall Lucona ist der interessanteste Kriminalfall, den ich kenne.
Udo Proksch, Designer, Wiener Enfant terrible und Prokurist des Kaffeehauses Demel chartert den Frachter Lucona und belädt ihn mit Schrott aus einem Kohlebergwerk, der als Uranerzaufbereitungsanlage ausgegeben und bei der Bundesländer-Versicherung in Wien für 212 Millionen Schilling versichert wird. Adressat der Lieferung ist die North Pacific Trading Ltd. in Hong Kong, eine von Prokschs zahlreichen Strohmann-Firmen.
China soll das Schiff jedoch nie erreichen. Am 23. Januar 1977 explodiert die Lucona nahe der Malediven an einer der tiefsten Stellen des Indischen Ozeans. Sechs der zwölf Besatzungsmitglieder sterben.
Die Ermittlungen gegen Proksch und seinen Hauptkomplizen Hans Peter Daimler werden vor allem von der SPÖ behindert. Außenminister Leopold Gratz wird beschuldigt, die Fälschung von Beweismitteln für die Uranerzaufbereitungsanlage veranlasst zu haben. Sechzehn Politiker, Juristen und Spitzenbeamte werden im Rahmen der Lucona-Affäre von ihren Posten entfernt, angeklagt oder verurteilt.
Udo Proksch flieht auf die Philippinen, wo er sich einer Gesichtsoperation unterzieht. Er wird am zweiten Oktober 1989 unter dem Namen Alfred Semrad am Flughafen Wien-Schwechat verhaftet.
Die von Richter Hans-Christian Leiningen-Westerburg beauftragte Firma Oceaneering findet am 5. Februar 1991 das Wrack der Lucona.
Proksch wird 1992 wegen sechsfachen Mordes und sechsfachen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Er stirbt am 27. Juni 2001 nach einer Herzoperation in der Strafanstalt Graz-Karlau.
Ich habe zum Fall Lucona alle Bücher gelesen und alle Dokumentationen gesehen, die ich finden konnte. Die Fragen, die immer noch offen sind: Woher hatte Udo Proksch so viel Macht? Warum haben Politiker ausgerechnet ihn aus der U-Haft befreit, öffentlich verteidigt, bei seinen Taten unterstützt und ihm so vertraut, dass sie erpressbar waren? Wieso hatte Proksch so viele Jahre Narrenfreiheit in Österreich?
Mir geht es nicht um Korruption im Allgemeinen, sondern speziell darum, wie ein ehemaliger Kunststudent und Brillendesigner in diese Position gekommen ist. Und mein Beitrag ist eine kurze Zusammenfassung. Die Kapitel DDR/Ost-Spionage, Verbindungen Prokschs zur Sowjetunion, und "Suizid" des Verteidigungsministers Lütgendorf lassen die Fragezeichen nur größer werden.
Udo Proksch, Designer, Wiener Enfant terrible und Prokurist des Kaffeehauses Demel chartert den Frachter Lucona und belädt ihn mit Schrott aus einem Kohlebergwerk, der als Uranerzaufbereitungsanlage ausgegeben und bei der Bundesländer-Versicherung in Wien für 212 Millionen Schilling versichert wird. Adressat der Lieferung ist die North Pacific Trading Ltd. in Hong Kong, eine von Prokschs zahlreichen Strohmann-Firmen.
China soll das Schiff jedoch nie erreichen. Am 23. Januar 1977 explodiert die Lucona nahe der Malediven an einer der tiefsten Stellen des Indischen Ozeans. Sechs der zwölf Besatzungsmitglieder sterben.
Die Ermittlungen gegen Proksch und seinen Hauptkomplizen Hans Peter Daimler werden vor allem von der SPÖ behindert. Außenminister Leopold Gratz wird beschuldigt, die Fälschung von Beweismitteln für die Uranerzaufbereitungsanlage veranlasst zu haben. Sechzehn Politiker, Juristen und Spitzenbeamte werden im Rahmen der Lucona-Affäre von ihren Posten entfernt, angeklagt oder verurteilt.
Udo Proksch flieht auf die Philippinen, wo er sich einer Gesichtsoperation unterzieht. Er wird am zweiten Oktober 1989 unter dem Namen Alfred Semrad am Flughafen Wien-Schwechat verhaftet.
Die von Richter Hans-Christian Leiningen-Westerburg beauftragte Firma Oceaneering findet am 5. Februar 1991 das Wrack der Lucona.
Proksch wird 1992 wegen sechsfachen Mordes und sechsfachen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Er stirbt am 27. Juni 2001 nach einer Herzoperation in der Strafanstalt Graz-Karlau.
Ich habe zum Fall Lucona alle Bücher gelesen und alle Dokumentationen gesehen, die ich finden konnte. Die Fragen, die immer noch offen sind: Woher hatte Udo Proksch so viel Macht? Warum haben Politiker ausgerechnet ihn aus der U-Haft befreit, öffentlich verteidigt, bei seinen Taten unterstützt und ihm so vertraut, dass sie erpressbar waren? Wieso hatte Proksch so viele Jahre Narrenfreiheit in Österreich?
Mir geht es nicht um Korruption im Allgemeinen, sondern speziell darum, wie ein ehemaliger Kunststudent und Brillendesigner in diese Position gekommen ist. Und mein Beitrag ist eine kurze Zusammenfassung. Die Kapitel DDR/Ost-Spionage, Verbindungen Prokschs zur Sowjetunion, und "Suizid" des Verteidigungsministers Lütgendorf lassen die Fragezeichen nur größer werden.


