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Kriminalfall Kim Wall

28.889 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: 2017, Dänemark, U-boot ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Kriminalfall Kim Wall

Kriminalfall Kim Wall

03.09.2017 um 12:13
Zitat von passatopassato schrieb:Ich glaube auch da haette man viel zu viel Angst mit der Leiche gesehen zu werden wenn man anlegt.
Anlegen müsste er nicht. Er könnte die Teile im Hafen (westlich) vor Refhaleoen im Wasser entsorgen, damit sie dann vor Refhaleoen (wo er KW dann ja abends angeblich wieder an Land gebracht hätte) im Wasser gefunden werden.

Oder - neuer Gedanke - er deponiert die Teile irgendwo unter Wasser an einer Stelle, die er wieder findet, um sie dann nach Tagen, nachdem KW schon als vermisst gilt wieder abzuholen und so im Hafen zu deponieren, dass es so aussieht als wären sie vom Ripper dort entsorgt worden.


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03.09.2017 um 12:17
Da ist es auch zu hell und Gefahr gesehen zu werden. Ich denke die Ripper an Land Theorie geht genausogut mit Leichenteilen am Nordufer der Koge Bucht aber mit viel weniger Risiko fuer PM.

Denn von Refhaleoen ist es ueber Land gar nicht so weit. Der Ripper kann sie ja mit einem Auto dahin verschleppt haben.

Ich jedenfalls wuerde mit ner Leiche an Bord moeglichst weg vom Ursprungsort fahren wollen, was er ja auch getan hat.


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Kriminalfall Kim Wall

03.09.2017 um 12:21
Zitat von tracestraces schrieb:Du hast nach Beispielen gefragt und ich habe dir Beispiele gegeben. Diese dienten auch lediglich dazu, deine Hypothese, nur Mörder, die ihr Opfer absichtlich töteten, zerstückelten es auch nachfolgend. Welche Art von Unfall PM meint, können wir weder wissen noch mutmaßen. Von einer "Bestattung" und von einem "Unfall" zu sprechen kann - richtig - einerseits bedeuten, dass PM sein eigenes Handeln bagatellisieren möchte. Es kann aber genauso gut ein Ausdruck dessen sein, sich distanzieren zu wollen, von dem, was geschehen ist. Selbst wenn er KW beispielsweise in einem Streit schubste, sie unglücklich stürzte und tödliche Verletzungen davontrug, ist naheliegend, dass er von "Unfall" sprechen würde im Sinne von: unbeabsichtigt. Und richtig, dritte Möglichkeit ist, dass es einen Unfall im wortwörtlichen Sinne gegeben hat.
Ich meinte das schon in Zusammenhang mit unserem Fall.
Zitat von tracestraces schrieb:In diesem Punkt halte ich mich dann doch eher gern an die Fakten, wobei ich die Aussage der Polizei hierzu als verlässlicher erachte, als die eigenen Phantasien hierzu. Es ist davon auszugehen, dass sowohl die K als auch die obduzierenden Rechtsmediziner ausreichend Erfahrung besitzen, um eine offensive Verstümmelung von zweckgerichtet zugefügten Verletzungen unterscheiden zu können. Die sehr spezifische, im übrigen öffentliche, Aussage der Polizei zum Zweck dieser Verletzungen ist da für mich der Fakt.
Ok, dann also eine rein defensive Zerstückelung. Allerdings mit hat er diese Zerstückelung mit einiger Energie betrieben und ziemlich zielgerichtet durchgeführt.
Zitat von petrocekpetrocek schrieb:Definition von Unfall nach Wikipedia: "Ein Unfall ist ein plötzliches, zeitlich und örtlich bestimmbares und von außen einwirkendes Ereignis, bei dem eine natürliche Person unfreiwillig einen Körperschaden erleidet oder eine Sache unbeabsichtigt beschädigt wird."

So dürften das die meisten Menschen verstehen. Daher nehme ich an, dass Madsen das auch so meint. Je nach den Umständen des Unfalls könnte ein von ihm unbeabsichtigter Tod von Kim Wall trotzdem sehr unangenehme Folgen für ihn haben, z.B. wenn gleichzeitig eine Fahrlässigkeit von ihm vorliegt. Nicht unwahrscheinlich, dass es das ist, was er durch die Entsorgung der Leiche verhindern wollte.

Dass er den Tod von KW in irgendeiner Form gewollt hätte, lässt sich aus dem Nachtatverhalten alleine aber nicht schließen.

Theoretisch könnte er natürlich auch ein geistesgestörter, sadistischer Sexualmörder sein, der sich endlich seinen Lebenstraum erfüllen wollte, eine Frau in sechs Einzelteile zu zerschneiden. Das Problem ist nur, dass es dafür leider keinerlei Anhaltspunkte gibt und auch sein Vortatverhalten in dem Falle dann komplett unsinnig wäre.
Na ja, immerhin hat er KW ja in sechs oder mehr Teile zerschnitten. Aber ich glaube auch nicht das er ein sadistischer Sexualmörder ist. Aber ansonsten traue ich es ihm schon zu ein Mörder zu sein. Bei einem normalen Unfall, also ohne sein Eingreifen, hätte er sich auch sehr gut herausreden können. Immerhin waren sie allein an Bord. Fahrlässigkeit hätte man ihm so kaum nachweisen können. Ich denke das weiß jemand, der sich sogar Gedanken zum Auftrieb von Leichenteilen macht.


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03.09.2017 um 12:30
Zitat von AhmoseAhmose schrieb:Fahrlässigkeit hätte man ihm so kaum nachweisen können.
Das gehört leider zu den Punkten, die man von außen und ohne die Einzelheiten des Vorfalls zu kennen nicht beurteilen kann. Wäre es so gewesen, macht sein weiteres Verhalten aber keinen Sinn. Er wird also vermutlich von einer Nachweisbarkeit ausgegangen sein.

Dann bleibt die Frage, ob es Fahrlässigleit oder vielleicht doch irgendeine Art von Vorsatz war. Ausschließen kann man dabei wohl nur, dass es keine vorab geplante Tat war, sondern schmimmstenfalls ein Spontanbeschluss. Aber auch da kommen wir dann wieder in Bereiche, die ohne entsprechendes Geständnis von Madsen, mit dem wohl nicht zu rechnen ist, nicht aufklärbar sein werden.

Mörder im deutschen Rechtssinne wäre er damit aber jedenfalls nicht. Totschlag im Affekt wäre wohl das maximale, was hier noch irgendwie denkbar erscheint, aber selbst dafür gibt es so wenig Konkretes, sodass ich ihn hier im Zweifelsfall mit einer fahrlässigen Tötung durchkommen lassen würde. Dem steht dann auch das nachträgliche Zerteilen der Leiche nicht entgegen.


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Kriminalfall Kim Wall

03.09.2017 um 12:37
Zitat von tracestraces schrieb:Damit hätten wir einen zusätzlichen data Point, nämlich den, ab dem Suchmaßnahmen einsetzten und versucht wurde, über Funk Kontakt mit PM aufzunehmen. Die Frage ist: Vor welche Aufgabe stellt das womöglich einen Täter, der eine Leiche an Bord hat, sich auf See befindet und diese Funkrufe hört? Wie könnte er mit diesem Druck umgehen? Welche Handlungen könnten daraus resultieren oder unterlassen werden?
Auszug aus der timeline von @VanillaSkye mit Anmerkungen:

• 02:30 Uhr - Der Freund Walls meldet sie als vermisst
Anm.: Wir wissen nicht, wieviel PM wirklich von KW wusste, wieviel sie ihm von sich privat erzählt hat, ob er wusste dass sie einen Freund hat, der sie erwartet (sollte man voraussetzen, aber vielleicht hat er was missverstanden und den Freund in China vermutet). Er musste damit rechnen, dass sie irgendwann vermisst wird. Wie schnell das in seinen Augen gehen würde, wie intensiv die Suche sein würde und ob er glaubte, dass man noch in der Nacht nach dem Boot suchen würde?
In meinem Szenario taucht er etwa zwischen ca. 21:30 und 23:00 ab und hätte dann nichts mehr mitbekommen können. Das war aber noch zu früh, um einen Suchaufruf zu erwarten.

• 02:51 Uhr - Lyngby Radio (dän. Küstenfunkstelle) kontaktiert das U-Boot ohne Antwort zu bekommen
Anm.: Leider wissen wir nicht, was genau Lyngby fragte. Vielleicht einfach nur "Hallo hallo UC3, alles ok bei dir?" Das hätte aber schon genügt, um zu wissen, dass man jetzt nach ihm suchen wird. Die Zeit wird knapp. Da er aber nach meiner Rekonstruktion von ca. 23:00 bis zu diesem Zeitpunkt über Wasser fuhr, wusste er auch, dass davor eben noch nicht gesucht wurde. Er konnte also hoffen, rund 4 Stunden (44 km) ungesehen gefahren zu sein. (Hat er selbst eigentlich den Beinahezusammenstoß um 0:00 Uhr bemerkt, darauf reagiert?). Er konnte zu diesem Zeitpunkt noch hoffen, dass man nur ihn sucht, und noch nicht KW, zumindest aber, dass man noch nicht den Zusammenhang zwischen beiden Vermisstenfällen hergestellt hatte.

• 03:39 Uhr - Die JRCC (Rettungsleitstelle für Seenotfälle) kontaktiert die Polizei in Kopenhagen und meldete einen möglichen Unfall

• 03:50 Uhr - Nautische Morgendämmerung
• 05:35 Uhr - Bürgerliche Morgendämmerung

• 07:11 Uhr - Lyngby Radio sendet Alarm an die Schiffe in der westlichen Ostesee um nach dem U-Boot Ausschau zu halten.
(Das U-Boot selbst verfügt über keine AIS Satellitenortung.)

Anm.: Jetzt kommt richtig Stress. Es ist hell, er wird offiziell gesucht. Vielleicht wissen die Behörden jetzt schon, dass KW auf dem Boot war? Jetzt erst wird es allerhöchste Zeit, sofern nicht längst geschehen, die letzten Teile zu versenken, sich so weit es geht vom Versenkungsort fortzubegeben und abzutauchen.

• 10:14 Uhr - JRCC empfängt Nachrichten von Schiffen dass sich das U-Boot südlich des Drogden Leuchturms in der Køge Bucht befindet.
Anm.: Nach meiner Rekonstruktion war er hier ca. 3 Stunden für ein Nickerchen abgetaucht, d.h. ohne die techn. Möglichkeit, das weitere Geschehen zu verfolgen. Bald nach dem Wiederauftauchen muss er feststellen, dass sich nichts beruhigt hat, im Gegenteil. Er durchdenkt seine Möglichkeiten und sucht einen für ihn geeigneten Versenkungsplatz.

• 10:30 Uhr - Erster Funkkontakt mit dem U-Boot. Peter Madsen meldet technische Probleme aber keine Verletzten an Bord
Anm.: Die Aussage "keine Verletzten" impliziert, dass KW sich noch immer gesund an Bord befinden könnte und soll Druck aus der Suche nehmen.

• 10:39 Uhr - PM winkt einem Helikopter zu[/quote]
Anm.: Spätestens jetzt sollte ihm klar sein, mit welchem Aufwand die Suche betrieben wurde.

• 11:00 Uhr PM versenkt das Boot...


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03.09.2017 um 12:45
@Trimalchio

Hier mal eine kleine Analyse der Gespräche mit den Beamten (Übersetzung von @Noreg). Fett gedruckt sind PMs RE-AKTIONEN:


Reporterin fragt, ob er OK ist - zeigt nur den Daumen hoch.
Sie fragt nochmal - bekommt aber keine Antwort.
Sie ruft zu PM : wir sind froh das es dir gut geht! Ja ja sagt Peter und geht weiter. Ich habe ein paar Sachen die ich erledigen muss, sagt er.
Frage: Bleibst du an Land oder können wir zu dir rein kommen? keine Antwort



=> Bis hierhin sehen wir seinerseits ein sehr defensives, abwehrendes Verhalten - keine Bereitschaft, Auskunft zu geben. Auffällig ist: Er wirft ihr einen unspezifischen Brocken hin, der jedoch aufzeigt, dass es etwas gibt, das zu tun ist, aber das er nicht mit der Presse besprechen möchte.

Danach wurde er von mehreren Polizisten befragt ,vor dem Helikopter.
Er erklärt augenblicklich das er die letzten Stunden alleine auf dem Boot war aber er hat sie bereits am Donnerstag abend an Land abgesetzt.


=> Hier ein ganz anderes Verhalten. Der Inhalt ist zwar defensiv, aber seine Äußerung an sich ist offensiv. Ein weiterer Hinweis dafür, dass er seine ersten/ relevanten Ansprechpartner nicht in der Presse sieht, sondern in den Beamten (!)


Weiter fragen sie ob er irgendwelche Informationen über Kim hat. da sagt er das diese mit seinem Handy am Meeresgrund liegen. Sie hat gesagt das sie vom wired magazin ist, hinzufügt PM.

=> Interessante Kommunikation: Der Beamte möchte mit seiner Frage wissen, wo KW abgeblieben ist - PM antwortet anscheinend mit einem Freudschen Versprecher: Alles, was mit KW zu tun hat, liegt am Meeresboden. Was im Übrigen der Wahrheit (!) entsprach. Scheinbar fängt er sich, erkennt, dass er sich mit dieser Aussage in Gefahr bringt und lenkt nun ab, indem er auf die Sachebene umschwenkt, weg von der Beziehungsebene (!)

Und wie man an der folgenden Reaktion des Beamten sehen kann, geling ihm das vorerst:

Du weißt nicht wie sie heißt? Also nur das sie Kim heißt. Ich checkt nicht den Hintergrund wenn ein Journalist anruft und fragt ob er ein Interview mit ihm bekommen kann. So bin ich nicht weiter rein gegangen in die Sache habe ja alle Daten, aber die liegen im Handy.

=> Auffällig hier: Madsen wird ausschweifend. Er nutzt also dieses Anspringen des Beamten als Chance, möglichst weiter abzulenken. Nicht nur das. In seiner Antwort wird das angestrebte Ziel der Ablenkung deutlich: Distanz zur Person KW herstellen, indem er seine Eigenheit in den Vordergrund stellt. Diese Chance vertut er aber sogleich wieder, indem er das Handy anspricht, das ja die "Verbindung" zum Opfer wieder herstellt.
Das erkennt auch der Beamte und PM hat an dieser Stelle Glück, dass ein weiterer Beamter den Diskurs unterbricht:

Und das ist am Boden vom Wasser? Ein andrere Polizist kommt dazwischen.
-komm direkt hier mit rein, du kanst dich gerne direkt dahin setzen, sagt er und führt PM in den Helikopter.


=> PM erkennt seine Chance, wieder vom heiklen Thema abzulenken und bringt die Kosten für den Heli ins Spiel, versucht jedoch gleichzeitig den Kenntnisstand der Beamten herauszufinden (!) :

Ist etwas wo ihr drauf hinaus wollt?
Ein bißchen später geht PM mit einem Polizisten Richtung Polizeiauto. Menschen rund sie glauben immernoch das die Geschichte ein glückliches Ende hat als er an Land gekommen ist.
In der Videoaufnahme kann man hören das
PM sagt, wieviel er vielleicht in der Verantwortung steht das zu erstatten wenn der Helikopter wegen ihm in die Luft muss.
-es gibt falle, wo
(dann wird es undeutlich für den reporter) schwimmt raus mit der luftmatratze, und dann kann man das bezahlen. Ist es das worauf ihr aus seit? Fragt PM den Polizisten. - oder das weißt du sicher nicht?

Polizist antwortet kurz-das weiß ich noch nicht, wir werden gleich Klarheit bekommen was da los war.

=> Durch diese Antwort erhält PM keine Sicherheit und bleibt im Unklaren, was die Beamten wissen. Folglich versucht er erneut, durch Ablenkung Sicherheiten zu provozieren. Ein Zeichen dafür, dass er erheblich unter Druck steht während dieses Gesprächs und alles andere als gelassen und innerlich unbeteiligt ist:

Ja es ist nur, falls ich muss...


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03.09.2017 um 12:47
Zitat von tracestraces schrieb:Der kriminalistische Erfahrungswert zeigt auf, dass Täter zur Leichenentsorgung oftmals Orte bevorzugen, die persönliche Relevanz für sie besitzen. Warum könnte das in diesem Fall anders gewesen sein?
Ein User hatte gestern als eine Möglichkeit genannt, dass er möglichst von seinem Lebensmittelpunkt habe ablenken wollen. Du bringst einen weiteren möglichen Grund, der sehr interessant ist, da er sich in weiteren Verdeckungshandlungen wiederspiegelt: persönliche innere Distanz schaffen zu wollen. Das Geschehene nicht nah an sich heranzulassen. Der psychologische Mechanismus dafür wird übrigens als "AB-SPALTEN" bezeichnet. Interessant, nicht wahr?
Das gilt für die Leichenablage, die auch ich in der Kögebucht vermute.

Das Zerteilen, also das Entpersonalisieren, die Verwandlung in einen Gegenstand, sollte imho aber schon sehr früh erfolgt sein. Damit "beschmutzt" er seine Spielwiese nicht, sondern ganz im Gegenteil: er "reinigt" sie. Ideal dafür geeignet: Das "Grab" der Freya am Flakfortet, als ein für ihn mythisch aufgeladener Ort der Vergänglichkeit und zugleich als Ort der Sicherheit.


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03.09.2017 um 12:49
Zitat von TrimalchioTrimalchio schrieb:• 02:51 Uhr - Lyngby Radio (dän. Küstenfunkstelle) kontaktiert das U-Boot ohne Antwort zu bekommen
Anm.: Leider wissen wir nicht, was genau Lyngby fragte. Vielleicht einfach nur "Hallo hallo UC3, alles ok bei dir?" Das hätte aber schon genügt, um zu wissen, dass man jetzt nach ihm suchen wird. Die Zeit wird knapp. Da er aber nach meiner Rekonstruktion von ca. 23:00 bis zu diesem Zeitpunkt über Wasser fuhr, wusste er auch, dass davor eben noch nicht gesucht wurde. Er konnte also hoffen, rund 4 Stunden (44 km) ungesehen gefahren zu sein. (Hat er selbst eigentlich den Beinahezusammenstoß um 0:00 Uhr bemerkt, darauf reagiert?). Er konnte zu diesem Zeitpunkt noch hoffen, dass man nur ihn sucht, und noch nicht KW, zumindest aber, dass man noch nicht den Zusammenhang zwischen beiden Vermisstenfällen hergestellt hatte.
Mal ganz unabhängig von KW. Er hätte doch auch von seiner eigenen Familie als vermisst gemeldet worden sein können. Seine Frau wird doch wohl nicht davon ausgegangen sein, dass wenn er ein Interview mit anschließender Hafenrundfahrt gibt, dass er die komplette Nacht über wegbleibt? Weiterhin ist er nur zu einer Hafenrundfahrt aufgebrochen, hat ihn niemand von der Crew irgendwann zurückerwartet?

Er hat ja nicht damit gerechnet, dass KW scheinbar eine zuverlässige Person war und ihr Freund eben aus genau diesem Grund auch die Vermisstenanzeige stellte. Daher die Legende des Absetzens und die anfänglichen und ausschließlichen Erklärungen zum U-Boot - KW hatte er vermutlich nicht so schnell auf dem Schirm, trotzdem er sie kurz vorher zerstückelt hatte. Das allerdings wusste ja bis dahin nur er selbt.


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03.09.2017 um 12:52
Zitat von petrocekpetrocek schrieb:Das gehört leider zu den Punkten, die man von außen und ohne die Einzelheiten des Vorfalls zu kennen nicht beurteilen kann. Wäre es so gewesen, macht sein weiteres Verhalten aber keinen Sinn. Er wird also vermutlich von einer Nachweisbarkeit ausgegangen sein.

Dann bleibt die Frage, ob es Fahrlässigleit oder vielleicht doch irgendeine Art von Vorsatz war. Ausschließen kann man dabei wohl nur, dass es keine vorab geplante Tat war, sondern schmimmstenfalls ein Spontanbeschluss. Aber auch da kommen wir dann wieder in Bereiche, die ohne entsprechendes Geständnis von Madsen, mit dem wohl nicht zu rechnen ist, nicht aufklärbar sein werden.

Mörder im deutschen Rechtssinne wäre er damit aber jedenfalls nicht. Totschlag im Affekt wäre wohl das maximale, was hier noch irgendwie denkbar erscheint, aber selbst dafür gibt es so wenig Konkretes, sodass ich ihn hier im Zweifelsfall mit einer fahrlässigen Tötung durchkommen lassen würde. Dem steht dann auch das nachträgliche Zerteilen der Leiche nicht entgegen.
@petrocek
Guter Beitrag.

Hofft hier eigentlich noch jemand, dass der Kopf der Toten gefunden wird?

Eine Verletzung der Weichteile am Hals (durch erdrosseln z.B.)wäre ja heute schon nicht mehr nachweisbar, durch die lange Liegezeit im Wasser.
Schädelfrakturen könnte man feststellen, wenn sie vorhanden sind. Und die ließen sich deuten.

Ich glaube nicht mehr dran, dass noch etwas auftaucht.
Jeder Tag arbeitet für ihn.

Man kann froh sein, dass trotz seiner Maßnahmen wenigstens der Torso da ist.


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03.09.2017 um 12:52
@Interested
Zitat von InterestedInterested schrieb:Mal ganz unabhängig von KW. Er hätte doch auch von seiner eigenen Familie als vermisst gemeldet worden sein können. Seine Frau wird doch wohl nicht davon ausgegangen sein, dass wenn er ein Interview mit anschließender Hafenrundfahrt gibt, dass er die komplette Nacht über wegbleibt? Weiterhin ist er nur zu einer Hafenrundfahrt aufgebrochen, hat ihn niemand von der Crew irgendwann zurückerwartet?
Sehr guter Punkt! Das könnte bedeuten, dass er entweder Kontakt zu seinen eigenen Angehörigen aufgenommen haben könnte oder aber der Druck, unentdeckt auf See zu bleiben, noch größer wurde, um alle im Glauben an eine Havarie zu lassen und somit Zeit zu schinden. Die Frage ist, wie stellt man das an, wenn möglicherweise über die Funksprüche deutlich wird, dass die Marine zur Suche aufbricht?


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03.09.2017 um 13:00
@Trimalchio

Auf See gibt es da ein klares Protokoll, und das ist sehr strikt. Der Freund rief die Polizei an, die riefen die Kuestenwache an, und ab da lief dann der Mechanismus wie ein Uhrwerk.

Sie konnten ihn zunaechst nicht erreichen, und haben wohl zunaechst angenommen, dass er irgendwo schlaeft, mit oder ohne Begleitung. Als sie ihn dann morgens immer noch nicht erreichen konnten, haben sie dann eine Suchmeldung losgeschickt.

Die Kuestenwache wird ganz genaue Fragen gestellt haben. Ich gehe davon aus, dass er relativ schnell beim ersten Kontakt gesagt hat, dass er alleine auf dem Boot ist, und da kam dann die Polizei wieder ins Spiel.


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03.09.2017 um 13:10
Zitat von InterestedInterested schrieb:Seine Frau wird doch wohl nicht davon ausgegangen sein, dass wenn er ein Interview mit anschließender Hafenrundfahrt gibt, dass er die komplette Nacht über wegbleibt?
Sein Biograph schreibt, die beiden lebten in einer "offenen Beziehung". Ich gehe davon aus, dass ein unangekündigtes Fernbleiben für ihn nicht ungewöhnlich war.


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03.09.2017 um 13:14
@Trimalchio

Okay. Wollte es nur als zusätzliche Option genannt haben, dass eventuelle Suchmaßnahmen nicht ausschließlich von der KW Seite erfolgen mussten. Auch die Crew hätte ja u.U. seine Rückkehr zeitnah erwartet.
Zitat von tracestraces schrieb:Die Frage ist, wie stellt man das an, wenn möglicherweise über die Funksprüche deutlich wird, dass die Marine zur Suche aufbricht?
Indem man hauptsächlich abtaucht und nicht zu sehen ist. Nach Verbringung des Torsos und erneutem Auftauchen an anderer Stelle hat er vielleicht abgewartet, um Zeugen für das Sinken des U-Bootes zu haben. Dass nach ihm gesucht wurde, war ihm ja irgendwann klar, nur nicht, dass es in unmittelbarem Zusammenhang mit KW stand. Denn außer ihm wusste bis dahin niemand, was geschehen war.

Die Legende wurde geschaffen in Unkenntnis der Aktion des Freundes von KW (die Vermisstenmeldung).


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03.09.2017 um 13:33
Zitat von InterestedInterested schrieb:Die Legende wurde geschaffen in Unkenntnis der Aktion des Freundes von KW (die Vermisstenmeldung).
Ja, danach sieht es aus. Es bleibt ja sowieso die Differenz zwischen Halvandet als angeblichem Absetzort und der Austernbude als dem erwarteten Absetzort. Hier nochmal die genauen Positionen:

Liegeplatz UC3 (Start)
Beitrag von nodoc (Seite 88)

Austernbude: (erwartete Rückkunft, nahe am Liegeplatz)
Beitrag von AnnaKomnene (Seite 99)
Beitrag von petrocek (Seite 100)

Halvandet: (angeblicher Absetzpunkt, ca 1km Fussweg nördlich der Austernbude)
Beitrag von VanillaSkye (Seite 11)


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Kriminalfall Kim Wall

03.09.2017 um 13:38
Zitat von InterestedInterested schrieb:Auch die Crew hätte ja u.U. seine Rückkehr zeitnah erwartet.
Das nun genau nicht. Der Bornholmtrip war ja gerade erst abgesagt worden. Man dürfte irgendwann in den folgenden Tagen auf neue Instruktionen gewartet haben, aber ihn erwartet? Ich glaube nicht. Mit dem Boot konnte PM ja i.Ü. machen, was er wollte, ohne jemand zu fragen oder vorher Bescheid zu geben.


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03.09.2017 um 13:53
Zitat von TrimalchioTrimalchio schrieb:Ja, danach sieht es aus. Es bleibt ja sowieso die Differenz zwischen Halvandet als angeblichem Absetzort und der Austernbude als dem erwarteten Absetzort. Hier nochmal die genauen Positionen:
Wobei der Freund nur an der Austernbude gewartet haben soll. Ob das auch der geplante Anlandeort war, ist unbekannt. Gut möglich, dass KW einfach davon ausging wieder irgendwo auf Refhaleoen von Madsen abgesetzt zu werden und dann von dort zur Austernbude kommen wollte.

Normalerweise lag die Nautilus etwas weiter nördlich von der Austernbude. Losgefahren sind Madsen und KW von einem Steg noch etwas weiter nördlich, hinter Halvandet. Einer dieser beiden Punkte wäre daher als zu erwartender Anlandeort wahrscheinlicher. Die Entfernungen zwischen allen diesen Punkten sind nicht groß und zu Fuß locker machbar. Manchmal liegen allerdings Hafenbecken dazwischen, sodass man nicht immer den direkten Weg gehen kann.


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03.09.2017 um 13:54
@Trimalchio

Vielen Dank!

Worauf ich hinaus möchte ist, dass er ja nicht wissen konnte, was mittlerweile los war bezüglich der Vermisstenmeldung des Freundes und der damit anberaumten polizeilichen Aktionen. Wir fragen uns hier immer, warum hat er sein Boot so nah am Torso versenkt? Er wusste ja nicht, dass sie bereits nach KW suchen - jedenfalls nicht in dem Ausmaß. Er hatte vermutlich gehofft, irgendwann zurückkommen zu können, die Teile besser und sicherer verbringen zu können. Dass nun ausgerechnet der Torso doch so schnell aufsteigen würde, hat dem einen Strich durch die Rechnung gemacht. Daher auch die Legende mit dem Absetzen - wenn es nur um die Havarie ginge, dann hätte er schnell seine Aussage dazu gemacht und die Folgetage seine aufgrund von Zeitdruck überhastete Aktion u.U. besser gestalten können. Dass er festgenommen werden würde, hat vermutlich ihn selbst am meisten überrascht - weil wie gesagt, ja nur er wusste, dass es eine zerstückelte KW gibt.


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Kriminalfall Kim Wall

03.09.2017 um 14:24
Zitat von InterestedInterested schrieb:Worauf ich hinaus möchte ist, dass er ja nicht wissen konnte, was mittlerweile los war bezüglich der Vermisstenmeldung des Freundes und der damit anberaumten polizeilichen Aktionen. Wir fragen uns hier immer, warum hat er sein Boot so nah am Torso versenkt? Er wusste ja nicht, dass sie bereits nach KW suchen - jedenfalls nicht in dem Ausmaß. Er hatte vermutlich gehofft, irgendwann zurückkommen zu können, die Teile besser und sicherer verbringen zu können. Dass nun ausgerechnet der Torso doch so schnell aufsteigen würde, hat dem einen Strich durch die Rechnung gemacht. Daher auch die Legende mit dem Absetzen - wenn es nur um die Havarie ginge, dann hätte er schnell seine Aussage dazu gemacht und die Folgetage seine aufgrund von Zeitdruck überhastete Aktion u.U. besser gestalten können. Dass er festgenommen werden würde, hat vermutlich ihn selbst am meisten überrascht - weil wie gesagt, ja nur er wusste, dass es eine zerstückelte KW gibt.
@Interested
das klingt gut nachvollziehbar!
ich möchte nur ergänzen...
dass PM recht gelassen war kenn ich ich von vielen menschen in solchen situationen, aber besonders von ganz bestimmten menschen.
schaut euch die oft gezeigte live-verhaftungen von 'kriminellen' an, aber auch von mangern oder politikern.
da wundert es mich sehr wieso die so ruhig bleiben konnten.
ja das liegt sehr oft in der psyche der menschen dinge externisieren zu können, etwas nicht an sich ranlassen.
oft sind diese leute in situationen wo andere ausflippen würden, besonders gelassen.
aber auch das gegenteil. in situationen, wo sich andere sagen, ja wieso wirft der jetzt mit einem gegenstand um sich, nur weil etwas mal nicht so klappte.
das gehört sehr oft zu solchen menschentypen (psychotypen)
deren ventil wird sehr oft an ungewöhnlichen stellen geöffnet und bleibt selbst dann geschlossen, wenn alle sich wundern, wie gelassen diese person bei so etwas sein kann.

dass er festgenommen wurde und quasi schon erwartet wurde hat ihn sicher überrascht und auch sein konzept durcheinander gebracht.
was sich dann auch in den sich widersprechenden aussagen widerspiegelt. obwohl er dies sicher ruhig darlegen konnte, so war ihm sicher bewusst, dass er nicht für alles eine erklärung haben kann.

mich wundert aber auch, dass der partner KW's sie so schnell vermisst meldete und der polzei dies auch darlegen konnte, dass da was aussergewöhnliches passiert sein muss, dass die polizei auch ausrückte.

interessieren würde mich auch, wann die retter PMs welchen inhalt über funk an wen meldeten.
was genau hat PM den rettern erzählt?
haben die retter direkt die polizei informiert?
wie ist da die vorgehensweise auf see, weiss das jemand?


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Kriminalfall Kim Wall

03.09.2017 um 14:28
Mal ne andere Frage:

Wenn sie vor Mitternacht umgekommen ist, er sie dann zerstückelt und bestattet hat, wieso ist er dann nicht einfach in den Hafen zurückgefahren?

Weshalb diese enorme zeitliche Verzögerung und die Nummer mit dem Versenken?


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Kriminalfall Kim Wall

03.09.2017 um 14:36
Zitat von john-erikjohn-erik schrieb:Wenn sie vor Mitternacht umgekommen ist, er sie dann zerstückelt und bestattet hat, wieso ist er dann nicht einfach in den Hafen zurückgefahren?
Naja, er scheint ja nach allem was wir wissen mit dem Reinigen noch nicht fertig gewesen zu sein, aus welchem Grund auch immer. Sonst haette er das Boot ja nicht versenken muessen. Auf jeden Fall konnte er ja nicht mit einem vollkommen blutverschmierten Innenraum zurueckfahren.


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