Gedicht
Zum 29. April 1797
dem Tage des Gartenkaufs


In diesem Säculo im Jahre Siebenundneunzig
Starb hier ein Advocat, in seiner Race einzig,
In Praxi wohlgeübt ein Phönix seltener Art,
In welchem Redlichkeit mit Klugheit sich gepaart.
Der Witwe hinterließ er nicht das Geld bey Haufen,
Drum suchte sie sogleich den Garten zu verkaufen,
Mit Bäumen gut besetzt und einen Acker groß,
Verwahrt mit rother Thür und einem großen Schloß.
Die Frau Kreisamtsmannin ersuchte den Kreisamtmann
Den Garten zu erstehn - Sie sprach so sanft: "Verdammt, Mann!
Ein jedes hat allhier so einen Gartenfleck,
Und wir - was haben wir? - wir haben einen -
Es ist nicht auszustehn, wo soll ich Caffee trinken?
Und muß die Stube nicht mir an im Sommer stinken?"
Der Ehherr rief den Schmidt aus Confraternitaet,
Gab ihm den Auftrag, und des Preises Quantität.
Der Auctions Termin ließ immer auf sich warten,
Indeß wir, voll Reform, auf die Entscheidung harrten.
Der Garten ward besehn, bewundert und gelobt,
Und dann voll Ungeduldt nach Weiberart getobt.
Den neunundzwanzigsten April vergeß ich nimmer
Apollo reiche mir zuvor den Saytenstimmer!
Früh seifte der Barbier des Herrn Kreisamtmanns Bart,
Als von dem Gartenkauf auch so gesprochen ward.
"Wo trifft die Witwe wohl auf bessere Bezahler.
Mein Ultimatum ist: Zweyhundertsechzig Thaler."
Der Herr der Bärte schrieb sich dieses hinters Ohr,
Und trugs beym nächsten Bart des Curatoris vor.
"Gefunden" schrie entzückt Herr Topf, der Topf der Töpfe,
Springt auf mit halbem Bart, sucht seine Hemdenknöpfe,
Läuft zur Curandin straks, in Sprung, Galopp und Trab,
Kommt, sieht den Käufer an, und schließt den Handel ab. -
In frohern Hoffnungen war Cäsar nicht zerronnen,
Als er die große Schlacht bey Pharsalus gewonnen,
Als unsere Rahel jetzt, da nun der Schlüssel kam,
Und sie, nach zarten Streit, ihn in Empfang nun nahm.
Beglückwünscht ward sie hoch - bey Tisch ward manch Projekt
Präliminariter von jeden ausgeheckt -
Nur für Reformen und für Hüttchen hat sie Ohren.
Er aber sitzt so kalt, als hätt er taube Ohren.
Wir tranken Caffee erst - ich redte, ohne Ruhm
Zu melden, viel und schön, von neuen Eigenthum.
Dann gingen wir hinaus - es weht ein leises Windchen -
Voraus die Fantasie - wie einst Tobias Hündchen.
Wir langen an - Er reicht den Hut und Schlüssel ihr.
Ein jeder zieht den Hut - auf donnerte die Thür.
Vor Adams offnen Maul lag so das Paradies,
Als hier der Garten sich den trunknen Blicken wieß.
Zu kühne Muse schweig von diesen Augenblicken,
Viel besser ist es hier die Augen zuzutrücken.
Der zählt den Sand am Meer und Berenicens Haar
Der die Projekte kennt, die hier der Rausch gebar.
Kurz, endlich gingen wir nach vielen Thun und Reden
Wie unsrer Eltern Paar aus diesen Garten Eden.
Nun gingen wir herum, sahn über jeden Zaun,
Und mußten in der Luft noch manches Schlößchen baun. -
Heil aber Tennstädt dir - welch Glück ist dir geworden
Mit dieser Bürgerinn vom Seraphinen Orden!
Heil dir auch, Rahels Ruh - es wird in kurzer Zeit
In Hirschfelds Almanach dir auch ein Blatt geweiht.
Dir aber liebes Paar! wünscht, ohne Kapp und Schellen
Ein Freund, den Lieb und Treu euch ewig zugesellen,
Auf diesem trauten Fleck den lieblichen Genuß,
Der tief im Herzen quillt und nie versiegen muß.
O feyert manches Jahr hier schöne Ruhestunden
Bleibt bis zum späten Herbst in stiller Lust verbunden!
Und bin ich einst ins Land der Sehnsucht heimgekehrt,
So denkt: auch er wär hier wohl eines Plätzchens werth.


- Novalis