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Jeder 7. Deutsche Analphabet, was läuft in der Schule schief?

120 Beiträge, Schlüsselwörter: Lesen, Schreiben, Analphabet

Jeder 7. Deutsche Analphabet, was läuft in der Schule schief?

29.10.2013 um 20:40
@SagopaKajmer
Hier bist du ja auch "Mr. X". Du bist aber nicht zufällig bei "How I met your mother" abgehauen? :D

Aber deshalb, ich denke, es ist nicht die Faulheit, sondern die Scham, die Angst.

Ich habe alle Formeln im Kopf, (Kreis = Pi mal r quadrat durch zwei) usw.
Kann sie aber nicht anwenden.
Ich leide an Dyskalkulie, Matheschwäche.
Meinst du ich würde es beim Einkauf zugeben? Ich zahl immer mit Scheinen und vertrau auf den Kassierer.
Aber es ist menschlich. Ich bin deswegen kein schlechter Mensch, finde ich.
Und du ebenfalls nicht. Heutzutage können erschreckend wenige Schwimmen, wusstest du das?


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Jeder 7. Deutsche Analphabet, was läuft in der Schule schief?

29.10.2013 um 20:48
@Addy
Addy schrieb:Hier bist du ja auch "Mr. X".
Jep :D
Addy schrieb:Du bist aber nicht zufällig bei "How I met your mother" abgehauen?
den Satz habe ich nicht verstanden :D
Addy schrieb:Aber deshalb, ich denke, es ist nicht die Faulheit, sondern die Scham, die Angst.
Ich denke Faulheit gehört da schon dazu.

Stell dir vor,jemand ist seit 40 Jahren Analphabet,geht arbeiten und hat Kinder etc.

so ein Mensch hat keine Zeit, lesen und schreiben zu lernen. Vorallem wenn der Partner oder die Kinder demjenigen helfen irgendwas zu schreiben oder für ihn was vorlesen etc.
Addy schrieb:Ich habe alle Formeln im Kopf, (Kreis = Pi mal r quadrat durch zwei) usw.
Kann sie aber nicht anwenden.
Ich leide an Dyskalkulie, Matheschwäche.
Meinst du ich würde es beim Einkauf zugeben? Ich zahl immer mit Scheinen und vertrau auf den Kassierer.
Aber es ist menschlich. Ich bin deswegen kein schlechter Mensch, finde ich.
Und du ebenfalls nicht. Heutzutage können erschreckend wenige Schwimmen, wusstest du das?
Ja,von Dyskalkulie habe ich auch schon gehört (weil ich auch schlecht in Mathe bin^^)

Aber wann braucht man den im Alltag Hypotenuse,pi mal Rkubik wat weiß ich :D

Aber weisst du,auch wenn viele nicht schwimmen können,das bringt mir doch nichts ich meine ich kann nicht schwimmen und das ist fakt und da ist einem auch egal wieviele nicht schwimmen können. Das bringt mir nichts.


Mein einzigster Trost: Wenn ich Kinder habe,könnte ich ja mit ihnen lernen ^^


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Jeder 7. Deutsche Analphabet, was läuft in der Schule schief?

29.10.2013 um 20:56
@SagopaKajmer
Wenn es bis dahin überhaupt noch Turn / Schwimmunterricht an Schulen gibt. Ich habe oft gehört, viele Kinder können nichtmal einen anständigen Purzelbaum, und es wird immer seltener Schwimmunterricht angeboten.
Mach dir am besten selbst ein Bild: ( https://www.google.de/search?q=viele+k%C3%B6nnen+nicht+schwimmen&rlz=1C1GTPM_deDE510DE510&oq=viele+k%C3%B6nnen+nicht+sch... )

How I met your mother ist eine TV Serie, da gibt's auch ein Mr. X ;)

Ich denke, viele würden es vor den eigenen Kindern nichtmal zugeben, dass sie nicht lesen können.
Manche werden vielleicht denken: "Okay, jetzt leb ich 40 Jahre damit, dass mach ich weiter!"
aber ich denke, viele wollen es tatsächlich ändern, wissen aber nicht wie sie es angehen sollen, wo sie sich hinwenden sollen usw.
Deshalb fand ich damals die Tv Werbekampagne sehr gut.
("Über vier Millionen Menschen in Deutschland können nicht richtig lesen und schreiben. Schreib dich nicht ab, lern lesen und schreiben!")
Viele die diese Werbung gesehen haben, waren erschrocken über diese hohe Zahl, und haben die Mitmenschen ein bisschen besser beobachtet, und ich denke, vielen Analphabeten hat diese Kampagne auch etwas Mut gemacht.


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Jeder 7. Deutsche Analphabet, was läuft in der Schule schief?

29.10.2013 um 21:04
@Addy
Addy schrieb:Wenn es bis dahin überhaupt noch Turn / Schwimmunterricht an Schulen gibt. Ich habe oft gehört, viele Kinder können nichtmal einen anständigen Purzelbaum, und es wird immer seltener Schwimmunterricht angeboten.
Naja es gibt ja bestimmt auch Privat unterricht. Weil im Urlaub sieht es halt strange aus,wenn man am Meer ist und nicht ins Wasser geht. ^^
Addy schrieb:How I met your mother ist eine TV Serie, da gibt's auch ein Mr. X ;)
Achsoo ja die Serie kenne ich natürlich aber nicht so gut wahrscheinlich,wenn ich Mr. X nicht kenne =)
Addy schrieb:Ich denke, viele würden es vor den eigenen Kindern nichtmal zugeben, dass sie nicht lesen können.
Manche werden vielleicht denken: "Okay, jetzt leb ich 40 Jahre damit, dass mach ich weiter!"
Das kann ich mir gut vorstellen. Vorallem will man doch ein Vorbild sein für die Kinder.. Sowas zuzugeben ist dann natürlich schwierig.
Addy schrieb:aber ich denke, viele wollen es tatsächlich ändern, wissen aber nicht wie sie es angehen sollen, wo sie sich hinwenden sollen usw.
Deshalb fand ich damals die Tv Werbekampagne sehr gut.
("Über vier Millionen Menschen in Deutschland können nicht richtig lesen und schreiben. Schreib dich nicht ab, lern lesen und schreiben!")
Viele die diese Werbung gesehen haben, waren erschrocken über diese hohe Zahl, und haben die Mitmenschen ein bisschen besser beobachtet, und ich denke, vielen Analphabeten hat diese Kampagne auch etwas Mut gemacht.
Analphabetismus (gibt es das Wort überhaupt ?!) ist auch eine Schwäche (in dem Sinne,dass man ohne lesen/schreiben nicht weit kommt im Leben) und man sollte wirklich dagegen was tun.

Ich kann zwar nicht schwimmen aber ich bin auch nicht 365 Tage am Strand verstehst du.

mit lesen und schreiben wird man heutzutage überall konfrontiert.


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Jeder 7. Deutsche Analphabet, was läuft in der Schule schief?

29.10.2013 um 21:11
@SagopaKajmer
Ted war Mr. X! ;)

Analphabetismus (laut Rechtschreibprüfung :D ) findet sich in allen Schichten, ich denke viele Reiche können auch nicht richtig lesen und schreiben :/


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Jeder 7. Deutsche Analphabet, was läuft in der Schule schief?

29.10.2013 um 21:15
@Addy


reiche Menschen haben es doch nicht nötig ^^


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Helenus
ehemaliges Mitglied

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Jeder 7. Deutsche Analphabet, was läuft in der Schule schief?

29.10.2013 um 21:40
Eine Schwachstelle in dieser Statistik ist meiner Meinung nach auch, dass Migranten und deren Familie, Kinder und deren Kinder mit zu den "Deutschen" gezählt werden. Das drückt den Schnitt natürlich gewaltig und lässt es so aussehen als hätte Deutschland ein überproportionales Analphabeten-Aufkommen.


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Jeder 7. Deutsche Analphabet, was läuft in der Schule schief?

30.10.2013 um 01:42
SagopaKajmer schrieb:Sowie bei mir.. ich bin 23 Jahre alt und kann nicht schwimmen.

Ich gebe es hier offen und ehrlich zu aber draußen könnte ich das niemals sagen weil ich mich dafür schäme.
Ich bin einige Jahre älter als du und kann ebenfalls nicht schwimmen.. Allerdings schäme ich mich nicht dafür. Ich kenne übrigens mehrere Leute die es nicht können, z.b. meine beste Freundin.

Ich kenne zwar u.a. einen Legastheniker, aber keinen Analphabeten. Bei dem Legastheniker war es z.b. so, dass er u.a. bereits die 1. Klasse wiederholen musste. Er hat sich irgendwie durch die Schuljahre ,,geschummelt", musste nur selten was vorlesen usw. Ähnlich kann ichs mir bei einigen Analphabeten auch vorstellen.

Für mich ist die Vorstellung weder lesen noch schreiben zu können furchtbar - ich liebe beides. :)


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Nightshot
ehemaliges Mitglied

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Jeder 7. Deutsche Analphabet, was läuft in der Schule schief?

30.10.2013 um 02:09
(ich kann nur von meiner Schulzeit sprechen) es war bei uns so, man zwängt 38 Schüler in einen Raum und dann wird Vollgas gegeben, wenn man mitkommt ist es in Ordnung, falls man sich schwerer tut, kommt man ins trudeln und wird aussortiert oder hinterlassen.
Klingt zwar ein wenig brutal aber so ist es.
Es fehlt einfach innerhalb der Schule an so einem in der Art Auffangbecken.
Man tut sich schwer man bekommt eine schlechte Note nach der Anderen keinen Interessiert es, der Lehrer gibt dir die 6 die Klasse schmunzelt ein wenig über den oder die da und weiter geht es als wäre nichts.
Irgendwann macht sich dann eben Frust breit und man schmeißt die Schule und macht den Scheiß nicht mehr mit.
Die Eltern haben auch kein Geld für Nachhilfe, leckt mich doch alle am A... und geht dann am Bahnhof rumhängen und driftet dann irgendwann ganz ab.

Es sollte endlich eine Individuelle Förderung an Schulen geben, der Staat zwingt Alle zu recht in die Schule aber niemand sorgt dafür das man mitkommt und nicht auf der Strecke bleibt.


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Jeder 7. Deutsche Analphabet, was läuft in der Schule schief?

30.10.2013 um 03:24
Ganz so darf man das nicht sehen.Hier an der Schule(Gesamtschule) wird in der 5.Klasse zb ein Deutschtest gemacht.Wer ihn nicht besteht,bekommt extra Deutschunterricht zusätzlich.Bis zu den Sommerferien wurde sogar 2 mal die Woche kostenlose Nachhilfe angeboten.Dank der SPD die den Rotstift angesetzt hat,wurde dieser gestrichen,obwohl wir Eltern wirklich darum mit den Leuten dieses Projektes gekämpft haben.Traurig aber wahr.Also Schulen kennen schon ihre Probleme,aber sind teilweise machtlos wenn solche falschen Entscheidungen getroffen werden.Das mit dem Lehrermangel ist allerdings wirklich ein Problem und daran muss sich dringend etwas ändern.

Das andere Problem sind aber auch die Eltern.Man muss sich mal die Elternabende ansehen.Mein großer Sohn hat diesen Sommer in die Oberstufe gewechselt.Am letzten Elternabend in der 10.Klasse(also für viele die Abschlussklasse) waren 3 Mütter da,von denen die Kinder in der Oberstufe angemeldet waren.Bei meinen jüngerern sieht es auch nicht viel besser aus.Wie kann es sein,das ein fester Elternstamm der immer da ist,mitarbeitet,hilft usw gerade mal aus 6 Elternteilen besteht.Wo ist die Interesse an den Kindern?Wo ist der Wille die Kinder auf ihrem Weg zu unterstützen?


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Jeder 7. Deutsche Analphabet, was läuft in der Schule schief?

30.10.2013 um 07:22
@Addy
@SagopaKajmer

Moin, moin - bin eben erst aufgestanden :) ...

Naja, was heißt Unterstützung der Eltern! Ich war ein sehr wißbegieriges Kind und konnte auf eigene Initiative hin, schon Lesen und Schreiben, als ich in die Schule kam. Das Problem damals war, daß das garnicht erwünscht war. Die Kinder, die zum Beispiel im Kindergarten waren, konnten das alles noch nicht, dafür konnten sie Pionierlieder auswendig - was ich nun wieder nicht konnte :D .
Die Zeiten damals waren ganz andere, als heute.
Da wurde auch bei Schulschwänzern, die es damals natürlich auch schon gab - allerdings nicht in heutigem Ausmaß, ganz anders und härter umgegangen!

Trotzdem ist es mir schier unerklärlich, wie man selber nicht alles dafür tut, sich in Schrift und Wort ausdrücken zu können - von denen, bei denen es nicht reine Faulheit, sondern "krankhaft" ist, abgesehen!

Ich kann auch nicht schwimmen, liegt aber daran, daß ich jahrelang aus gesundheitlichen Gründen vom Sportunterricht ausgeschlossen war, und garnicht mitmachen durfte ... Der Endeffekt dessen war, daß ich mich von einer kleinen Wasserratte zu einem Angsthasen entwickelt habe. Dafür habe ich dann als "Flachschwimmer" regelmäßig eine 4 in Sport kassieren :D .


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Jeder 7. Deutsche Analphabet, was läuft in der Schule schief?

30.10.2013 um 09:36
RECHTSCHREIBUNG

Etwas läuft foll valsch

Hauptsache, kreativ, heißt es im Deutsch-Unterricht – und die Rechtschreibung bleibt auf der Strecke. Mit fatalen Folgen

Die Rechtschreibung von Kindern und Jugendlichen ist schlecht wie nie. „Die Hälfte der Schüler ist heute rechtschreibschwach, wenn sie aus der Schule kommen“, sagt Günther Thomé. „Sie haben so große Probleme, dass man ihre Orthografie mit der Note 5 bewerten müsste.“ Der Sprachwissenschaftler von der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main hat die Misere gründlich untersucht. Nicht erst seit der DESI-Studie (Deutsch-Englisch-Schülerleistungen-International) aus dem Jahr 2008, deren Rechtschreibabteilung er leitete, fordert er mehr Aufmerksamkeit im Unterricht für die richtige Buchstabenfolge – in Grundschulen und vor allem auch in den weiterführenden Schulen.

Gymnasiasten beherrschen die Orthografie noch am besten. „Aber nicht, weil auf den Gymnasien so ein guter Rechtschreibunterricht gemacht wird“, erklärt Thomé die Situation, „sondern weil bei der Auslese in den Grundschulen die Kinder, die mehr Fehler machen, schon gar nicht aufs Gymnasium empfohlen werden.“ Nur: Die Rechtschreibung sagt nichts über die Intelligenz einer Person aus. Die fatale Folge: Clevere Kinder, deren Stärken in anderen Bereichen liegen als im schriftsprachlichen Ausdruck, werden so benachteiligt.

Anderes scheint wichtiger: In den Grundschulen nimmt die Rechtschreibung einen immer geringeren Stellenwert ein, zu Gunsten von Lesen und kreativem Schreiben. Es ist aber gerade die Rechtschreibleistung im Fach Deutsch, die am Ende der vierten Klasse häufig ausschlaggebend ist für die Schulartempfehlung. Das fand eine neue Studie der Universität Siegen heraus. „Ein Kind kann noch so lange und fantasievolle Texte schreiben. Wimmeln sie von Rechtschreibfehlern, wird der Schüler eher eine Hauptschulempfehlung bekommen“, beschreibt Studienleiter und Sprachdidaktiker Wolfgang Steinig den Widerspruch. „Grundschullehrer schauen genau auf die Rechtschreibung, auch wenn ihnen das oft nicht bewusst ist oder sie die Tatsache herunterspielen.“

Doch im Anfangsunterricht haben sich schon vor Jahren die Prioritäten verschoben. Die Schüler dürfen und sollen hemmungslos falsch schreiben. Sie entwickeln so Lust an der Sprache, schreiben dann gern. Der Inhalt der Texte ist wichtiger als die Orthografie. Eltern sollen nicht korrigierend eingreifen, um die Anfänger im mühsamen Schriftspracherwerb nicht zu entmutigen. Fehler in der Buchstabenfolge von Wörtern werden – wenn überhaupt – frühestens ab der zweiten Klasse relevant, nicht selten erst ab der dritten Klasse.

„Für die Entwicklung der Rechtschreibkompetenz von Grundschülern bedeutet das: Sie haben nur ein ganz kleines Zeitfenster von eineinhalb bis zwei Jahren, in denen sie plötzlich korrekt schreiben können sollen“, spricht Steinig die Herausforderung im Hinblick auf das Übertrittszeugnis an. Eltern spüren dieses Dilemma. Sie ahnen, dass die richtige Schreibweise doch nicht so unwichtig ist, auch wenn sie im Unterricht an Bedeutung verloren hat. Deshalb üben sie zu Hause mit dem Kind oder bezahlen Nachhilfe, damit der Sprung aufs Gymnasium gelingt. Kinder, deren Eltern das nicht leisten können oder wollen, drohen dabei schnell ins Hintertreffen zu geraten.

Um herauszufinden, wie sich das Schreiben von Grundschülern verändert hat, verglich Steinig mit seinem Team aus Sprachwissenschaftlern freie Texte von Viertklässlern aus den Jahren 1972 und 2002. In diesem Zeitraum verdoppelte sich der Anteil der Fehler von durchschnittlich 6,9 auf 12,9 Fehler pro 100 Wörter. Ob ein Kind zweisprachig aufwächst, hatte dabei nur einen geringen Einfluss auf die Fehleranzahl.

Ausschlaggebend ist die soziale Herkunft. Die Sprachexperten stellten fest, dass vor fast 40 Jahren Kinder der sogenannten sozialen Unterschicht 7,2 Fehler pro 100 Wörter machten, wenig mehr als ihre bessergestellten Schulkameraden. Im Jahr 2002 lagen sie jedoch bei 16,4 Fehlern – im Vergleich zu 12,8 Fehlern bei Kindern der unteren Mittelschicht und 9,3 Fehlern pro 100 Wörtern bei Kindern der oberen Mittelschicht.

Das Fazit der Forscher: Dem Deutsch-Unterricht in der Grundschule gelingt es nicht mehr, unterschiedliche Startbedingungen auszugleichen. Im Gegenteil: „Die soziale Schere hat sich weit geöffnet“, kommentiert Steinig seine Ergebnisse. Die schlechten Rechtschreiber werden schlechter, die guten Schüler profitieren von den neuen Methoden des Schriftspracherwerbs. „Der Wortschatz bei Kindern, die 2002 eine Gymnasialempfehlung bekamen, ist geradezu explodiert“, sagt Steinig. Insgesamt sind auch die Texte länger geworden. Schüler benutzen öfter wörtliche Rede als noch vor Jahrzehnten. Weil es die Lehrer so vermitteln.

Ganz im Sinne des kreativen Schreibens bekommt der Nachwuchs im Deutsch-Unterricht ständig das Signal, interessant zu schreiben, spannend, sodass der Leser den Text gerne liest. Die Rechtschreibung sei Nebensache, sagen die Lehrer. „Nur wenn es dann hart auf hart kommt und es um den Übertritt geht, schlägt der Hammer Rechtschreibung zu. Das ist das Gemeine am System“, resümiert Experte Steinig. War früher alles besser? „Niemand will zurück zur Didaktik der 70er-Jahre. Aber so, wie es momentan läuft, ist es unehrlich. Eltern vertrauen dann nicht mehr auf die Professionalität der Lehrer. Und greifen selbst ein.“

Was müsste sich im Unterricht tun? Schreiben lernt man nur durch Schreiben, Fehler inklusive. Trotzdem sollte bereits ab Ende der ersten Klasse der korrekten Schreibweise ausreichend Beachtung geschenkt werden, fordert Steinig: „Das hilft jedem Schüler weiter. Und Kinder aus bildungsfernen Familien haben sonst überhaupt keine Chance.“

Wesentlich leichter kämen alle Schriftneulinge mit dem Rechtschreibenlernen zurecht, gingen die Lehrer im Anfangsunterricht immer von der häufigsten Schreibweise aus. Mit den Ausnahmen könnten sich Kinder später beschäftigen, wenn sie diese auch als solche wahrnehmen könnten. Immerhin ist Sprachforschern längst bekannt, dass im Deutschen rund 90 Prozent der Schriftzeichen immer nur für einen Standardlaut stehen.

Ein schlichtes Beispiel: Der Igel ist sprachwissenschaftlich gesehen ein Ausnahmetier. Denn man spricht ihn mit langem I. Deshalb müsste man das Wort eigentlich mit Ie schreiben, weil ein langes I im Deutschen üblicherweise so verschriftlicht wird. Trotzdem hält er sich hartnäckig als Musterbeispiel in Anlauttabellen zum Schreibenlernen für I. Eine Kleinigkeit? Ja, eine von vielen, die das Schreibenlernen unnötig verkomplizieren. Vor allem für die Kinder, denen es ohnehin schon nicht leichtfällt.

„Lehrer wissen oft nicht, was die Basis ist bei der Vermittlung der Orthografie. Und was als Ausnahmen noch obendrauf kommt“, sagt Sprachdidaktiker Thomé, ohne die Schuld den Pädagogen zuschieben zu wollen. Die Bildungspolitik setze falsche Schwerpunkte, wenn die Vermittlung des Schriftspracherwerbs während des Studiums, im Referendariat oder bei Fortbildungen von Lehrern kaum eine Rolle spiele. Schließlich sollen Deutsch-Lehrer aller Schularten ihren Schülern unter anderem auch korrektes Schreiben beibringen.

Diese Aufgabe ist nach der Grundschulzeit längst nicht erledigt. Auch wenn Deutsch-Lehrer, vor allem an Gymnasien, gern davon ausgehen. „Zu Gunsten der Literatur wird der Rechtschreibunterricht oft seingelassen. Obwohl er bis zur 8. Klasse in den Lehrplänen vorgesehen ist“, weiß Thomé. Ein Fehler: „Je älter Kinder sind, umso besser kommen sie mit der Rechtschreibung voran. Weil sie die geistige Reife haben, um komplexe Sprachphänomene nachzuvollziehen.“ Vorausgesetzt, sie werden ihnen dann noch vermittelt.

„Ausgerechnet die Rechtschreibleistung, deren Bedeutung in den Grundschulen heruntergespielt wird, gibt den Ausschlag für die Schulartempfehlung in der vierten Klasse“ Wolfgang Steinig über die Ergebnisse der Studie „Schreiben von Kindern im diachronen Vergleich“


Quelle
http://www.focus.de/schule/magazin/archiv/rechtschreibung-etwas-laeuft-foll-valsch_aid_539949.html

In meinen Bekanntenkreis durften viele bisher in der Grundschule schreiben wie sie es wollten bzw verstehen. Davon halte ich SEHR wenig.


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Jeder 7. Deutsche Analphabet, was läuft in der Schule schief?

30.10.2013 um 09:47
Für mich liegt das an der Entwicklung der Gesellschaft.

Es gilt heute doch als cool, dumm zu sein.

Man muss sich doch nur mal die Aussagen in Umfragen über die Schulzeit oder Bildung anhören:,,Höhö, in Mathe war ich immer schlecht, egal!".


Was will man schon erwarten, wenn einem überall niveauloser Müll um die Ohren gehauen wird, wie DSDS, Talkshows, Pocher vs. Boris Becker, Dschungelcamp, Bauer sucht Frau... brrr.

Diese Shows und ihre Protagonisten sind der Beweis dafür, dass man es auch mit Dummheit zu etwas bringen kann.


Deutschland ist keine Bildungsgesellschaft mehr, es gilt immer mehr als schick, doof zu sein.
Und wenn man dann dadurch keinen oder schlechter bezahlte Jobs erhält, dann ist das auf einmal unfair und Ausbeutung usw. - tja, dann hätte man vielleicht mal in der Schule aufpassen sollen und lernen können, dass ,,Schiller" nicht nur ,,der Techno-Musiker da" ist.


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Jeder 7. Deutsche Analphabet, was läuft in der Schule schief?

30.10.2013 um 10:07
@Kc
Kc schrieb:Und wenn man dann dadurch keinen oder schlechter bezahlte Jobs erhält, dann ist das auf einmal unfair und Ausbeutung usw.
Ich habe vor einiger Zeit mal eine Reportage gesehen, in der Inhaber von Handwerksbetrieben Tests für eventuelle neue Lehrlinge durchgeführt haben. Das waren durchweg Jugendliche, ohne Schulabschluß bzw dem Abschluß 10. Klasse.
Nicht eine bzw einer von diesen Jugendlichen hat auch nur annähernd die Voraussetzungen erfüllt, die diese "Prüfer" mit größtmöglichen Abstrichen gestellt haben.
Von den einfachsten Grundrechenarten, bis zu primitivsten Kenntnissen in Geografie - es war einfach nur erschütternd.
Da hatte zum Beispiel ein Tischplatte von 60x60cm einen Flächeninhalt von 250!m² und die Hauptstadt von Spanien war Italien!
Wenn dieser Report nicht im Öffentlich-Rechtlichen gekommen wäre, hätte ich es in den Frauentausch oder ähnliches verschoben und nicht geglaubt.
Der besagte Tischler suchte verzweifelt und händeringend Lehrlinge für seinen Betrieb, fand aber keine, laut seiner Aussage mußte er sogar schon Abiturienten ablehnen, weil sie nichtmal die geringste Vorstellung von den Grundrechenarten hatten, und er weder die Zeit noch die Muße hätte, seinen zukünftigen Mitarbeitern den Lehrstoff der Grundschule zu vermitteln.
Wenn das bei den zukünftigen Akademikern, die jetzt im Studium sind, auch so aussieht, dann wird mir Angst und Bange, falls ich beispielsweise in 10 Jahren mal operiert werden müßte :D .
Kein Wunder, daß man mehr und mehr Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland holt ... Deutsch kann man lernen ;) .


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30.10.2013 um 10:21
Thalassa schrieb:Da hatte zum Beispiel ein Tischplatte von 60x60cm einen Flächeninhalt von 250!m²
:D

Na die Jungs lösen sicherlich unsere Wohnungsprobleme - 250m² auf 60x60cm, stark!


Ja, da hast du schon was richtiges geschrieben - es fehlen die kompetenten Leute, es ist zu leicht, sich auszuruhen. Und es ist, wie gesagt, heute fast schon schick, dumm und ungebildet zu sein.

Man brüstet sich mit ironischem Stolz, wie schlecht man in diesem oder jenem Fach oder generell in der Schule war/ist.

Dann darf man sich aber auch nicht wundern, wenn man eben als Hilfsarbeiter endet.


Natürlich hat jeder so seine Bereiche, wo er echt gut ist und wo er nicht so gut ist. Bei mir war`s früher tatsächlich die Mathematik und ist es heute noch - aber darauf bin ich nicht stolz und geb nicht mit an. Wichtige Dinge habe ich mir trotzdem angeeignet. Meine Felder waren und sind eher Sprachen, kreative Dinge, handwerkliches, Religion, Allgemeinwissen...


Aber dann gibt`s ja auch noch die Ansprüche, die manche Leute haben. Von wegen:,,Ey isch geh doch nit putzen, wer bin isch denn!? Nua, wail isch kein Abi hab und so mach isch doch nicht von anderen den Dreck weg, muss mindestens 2000€ Bezahlung her!"


Vll. haben wir uns einfach zu lange seitens der rahmengebenden Politik aufgehalten mit Systemfragen und damit, Ansprüche immer mehr runterzuschrauben.

Also keine Orientierung mehr ,,nach oben", was die Anforderungen in der Schule angeht, sondern ,,nach unten", um möglichst jeden ,,mitzunehmen", auch, wenn er sich nicht anstrengt.

Paradoxerweise musst du, wenn du wirklich gut in der Schule sein willst, heute immer mehr und mehr machen, das ist schon sehr stressig auf guten Gymnasien.
Dafür gibt es dann wiederum kaum Ansprüche gerade in schwierigen Stadtteilen, wo es EIGENTLICH nötig wäre, Bildung reinzubringen.

Man muss Schüler fördern und fordern, wenn man mich fragt.


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30.10.2013 um 10:40
@Kc

Bei uns an der Mauer vom Schulhof stand ganz groß - vielleicht stehts heute noch da - "Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir" . Vielleicht sollte man den Kindern und Jugendlichen das gerade heutzutage auch wieder nahelegen.
Wir hatten es damals auch nicht wirklich einfach. Nach der Grundschule wurde jedes Jahr der Lehrplan geändert und die neuen Lehrpläne fußten in den seltensten Fällen auf dem, was man im vorigen Jahr gelernt hat.
Bis auf wenige Ausnahmen wirkten unsere Lehrer absolut lustlos, konnten sich nicht wirklich durchsetzen und waren froh, wenn die Stunde endlich vorbei war, weil sie Kopfschnmerzen hatten vom Krach und Lärm.
Wenn man sich da nicht zuhause hingesetzt hat und bei den Hausaufgaben selber "nachgearbeitet" hat, war man auch ganz schnell weg vom Fenster.
Ich habe - ohne zu übertreiben - zuhause bei und von meinen Eltern mehr gelernt, als in der Schule.
Bei uns war es wichtig, daß man in Staatsbürgerkunde gut war und irgendwas runterleiern konnte.


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30.10.2013 um 10:52
@Kc
Kc schrieb:Na die Jungs lösen sicherlich unsere Wohnungsprobleme - 250m² auf 60x60cm, stark!
Ach, ganz vergessen: Dieser Tischlermeister hätte noch beide Augen zugedrückt, wenn der junge Mann wenigstens irgendwas mit 36 rausgekriegt hätte, dann hätte er es einfach als Kommafehler auf die etwaige Aufregung geschoben - aber 250m² ? :(


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30.10.2013 um 19:54
@Thalassa
Thalassa schrieb:Moin, moin - bin eben erst aufgestanden :) ...
Mojee :D


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31.10.2013 um 00:26
@SagopaKajmer

Ich kann auch nicht schwimmen. Leide aber an so einer Art Phobie, was tiefe Gewässer angeht. Btw hatten wir in der Grundschule Schwimmunterricht, aber da wurde erwartet, dass man schwimmen kann. Es ging nicht um das Schwimmen lernen, sondern darum wie lange man tauchen kann oder wie schnell man ist. Eigentlich schade, aber ich glaube, dass meine Phobie eh viel zu stark ist. Ist mir aber weder peinlich noch sonstwas, ich mag Strände und Gewässer eh nicht so. Wasser habe ich auch daheim in der Badewanne... da gucke ich mir lieber ein paar neue Städte an. :) Bin u.a. deswegen so ein Stadtreise-Fan. :)

Ich frage mich, wie so ein Problem unentdeckt bleibt. Während der Schulzeit schreibt man doch Arbeiten/Tests und manchmal muss man an die Tafel und ins Heft schreibt man ja auch was. So oft man auch fehlt: Um das Schreiben kommt man nicht herum, da sollte es doch auffallen. Oder die Menschen, die in dieser Statistik vorkommen, sind wirklich "nur" funktionale Analphabeten oder Migranten...

Was ich sehr seltsam finde, ist die Tatsache, dass im Ostblock Legasthenie als Krankheit gar nicht bekannt ist. Da wird es einem eben eingetrichtert. Und nebenbei bemerkt muss ich sagen, dass man dort im Diktat in der 1. (!) Klasse bei 0 Fehlern ein "sehr gut" bekommt, bei 1-2 Fehlern ein "gut" und bei mehr Fehlern ein "ausreichend". Das Benotungssystem ist etwas anders, es gibt im Prinzip nur 4 Noten. Die beste ist 5 und bei 2 ist es nicht bestanden, die 1 wird im Prinzip nicht vergeben.

Ich frage mich ernsthaft, ob die Krankheit nicht doch irgendwo "erfunden" ist. Wieso gibt es im Ostblock sowas nicht? Kann man es vllt. im Prinzip jemandem "eintrichtern"?


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31.10.2013 um 07:53
@mostellaria
mostellaria schrieb:Die beste ist 5 und bei 2 ist es nicht bestanden, die 1 wird im Prinzip nicht vergeben.
Ich weiß ja nicht, wie es heutzutage ist, aber bei uns war zu DDR-Zeiten die "1" sehr gut und die "5" ungenügend. Schon mit einmal "ungenügend" wurde man nicht versetzt. Wenn man - wie ich - nicht schwimmen konnte, hatte man in Sport von vornherein eine 4 , egal, aus welchen Gründen man vorher vom Sport befreit war. Ich mußte von heute auf morgen mit 14 wieder Sport regulär mitmachen und war froh, wenn ich die 4 halten konnte :D .
Ich war sogar einmal sogar versetzungsgefährdet, weil ich in meinem ersten Vierteljahr sportmitmachen, eine 5 auf dem Vierteljahreszeugnis hatte, obwohl ich ansonsten einen Durchschnitt von 1,5 hatte :D . Die hätten mich eiskalt sitzengelassen und eine Ehrenrunde drehen lassen :D .


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