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Aufarbeitung DDR-Geschichte

107 Beiträge, Schlüsselwörter: DDR, Gefängnis, Politischer Gefangener

Aufarbeitung DDR-Geschichte

18.08.2015 um 08:16
Ein wichtiger Punkt, auf den ich an anderer Stelle schon hingewiesen habe, ist, dass man die Nazizeit richtig aufarbeiten muss.

Die DDR sah sich als antifaschistisches Deutschland und war daher bemüht, das Gros der Nazivergangenheit dem Westen ans Bein zu binden. Diese Tendenz führte bis zur massiven Faktenleugnung.

Es ist zwar richtig, dass es in Westdeutschland sehr viele Altnazis gab, es wäre aber völlig albern, die für die DDR einfach wegzuquatschen. Die offizielle DDR-Propaganda samt ihrer westlinken Nachbeter (Schriftsteller, Akteure der Studentenbewegung) rührte aber permanent im braunen Sumpf der damaligen BRD und log den eigenen braunen Sumpf weg!
Forscher, die im eigenen Lager nachschauen wollten, wurden sogar inhaftiert.

Ein extremes Beispiel ist z. B. der DDR-Spion ("Kundschafter des Friedens") Günther Guillaume, der als ehemaliges NSDAP-Mitglied den BRD-Kanzler Willy Brandt, der in der Nazizeit im Exil war, ausspionierte und später für seine "antifaschistische" Arbeit gelobt wurde!

Ein anderes krasses Beispiel ist Manfred von Ardenne, der unter Hitler Fernsehentwickler und Nuklearforscher war und später in der DDR weiterforschte und von Honecker in den höchsten Tönen gelobt worden ist!

Es gibt aber noch unzählige weitere Beispiele.


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Aufarbeitung DDR-Geschichte

18.08.2015 um 22:37
Momjul schrieb:Ein extremes Beispiel ist z. B. der DDR-Spion ("Kundschafter des Friedens") Günther Guillaume, der als ehemaliges NSDAP-Mitglied den BRD-Kanzler Willy Brandt, der in der Nazizeit im Exil war, ausspionierte und später für seine "antifaschistische" Arbeit gelobt wurde!
das ist ja die Ironie an der Geschichte Altnazi arbeitet für den Bundeskanzler und verrät Geheimnisse an die DDR...was hatte der im Umfeld des Bundeskanzlers überhaupt zu suchen.. erkennst du den Witz ?
Momjul schrieb:Ein anderes krasses Beispiel ist Manfred von Ardenne, der unter Hitler Fernsehentwickler und Nuklearforscher war und später in der DDR weiterforschte
na das war nichts Ungewöhnliches, wenn man Forscher später einsetzte...haben alle gemacht


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Aufarbeitung DDR-Geschichte

19.08.2015 um 00:55
catman schrieb:na das war nichts Ungewöhnliches, wenn man Forscher später einsetzte...haben alle gemacht
Klar war es nicht ungewöhnlich, genau so wie es nichts ungewöhnliches war, dass im Militär sehr viele Alt-Nazis unterkamen (die hatten schließlich oft die benötige Erfahrung und Kompetenz).
Aber man sollte das ganze dann, wenn man seine Geschichte "aufarbeitet", auch zugeben, und nicht leugnen.


http://www.focus.de/politik/deutschland/tid-18178/sed-ex-nazis-an-fuehrenden-stellen_aid_505958.html
In dem Artikel geht es um Alt-Nazis auf DDR Führungspositionen, ist zwar vom FOCUS, aber man kann die einzelnen Namen ja zur Sicherheit selbst nachprüfen, falls man dem nicht vertraut.


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Aufarbeitung DDR-Geschichte

19.08.2015 um 11:05
nahtern schrieb:In dem Artikel geht es um Alt-Nazis auf DDR Führungspositionen, ist zwar vom FOCUS, aber man kann die einzelnen Namen ja zur Sicherheit selbst nachprüfen, falls man dem nicht vertraut.
brauch ich nicht ich kenn die ganzen Geschichten, gerade die mit den Führungskadern, schon irgendwie komisch, wenn ein "antifaschistischer" Staat von Altnazis gelenkt wird


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Aufarbeitung DDR-Geschichte

19.08.2015 um 14:22
catman schrieb:brauch ich nicht ich kenn die ganzen Geschichten, gerade die mit den Führungskadern, schon irgendwie komisch, wenn ein "antifaschistischer" Staat von Altnazis gelenkt wird
Da siegt eben der Pragmatismus über die politische Linie.

Nach 1945 dürften die allermeisten in Deutschland, die über know-how in Politik, Verwaltung, Militär oder Polizei verfügten, entweder Mitglieder der NSDAP gewesen sein oder aus Deutschland geflohen gewesen sein (und kaum den Wunsch verspürt haben, zeitnah zurück zu kommen).
Es ist einfach ein Problem von Angebot und Nachfrage.


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Aufarbeitung DDR-Geschichte

24.08.2015 um 12:52
Ja. Das Problem ist nicht allein, dass die DDR "alte Nazis" hatte, sondern dass sie das Thema nach einigen Schauprozessen abhakte und dann im "Braunbuch BRD" (Kurztitel) von 1965 nur den Westen anklagte.
In der DDR-Verwaltung waren ganze Abteilungen auf West-Nazis angesetzt.

Dieses Buch erschien dann auch pünktlich zur '68er-Bewegung und heizte diese an, so dass diese Naivlinge auf ihre eigenen Professoren und Führungskräfte losgingen, aber nie auf die Idee kamen, über die Mauer zu klettern (wenn es möglich gewesen wäre) und einmal DDR-Professoren mit Nazi-Vergangenheit anzugreifen.
Dasselbe galt auch für die RAF, die sich zwar auf die Fahne schrieb, Naziverbrecher zu liquidieren, aber fast nur mit westdeutschem Pass. Die DDR hat die RAF nur als Rückzugs- und Trainingsraum verwendet.

Die kritische Intelligenz der BRD hatte damals ein gelinde gesagt distanziertes Verhältnis zur CDU/CSU.
Das darf man haben. Aber man darf nicht die NS-Scanner nur dann anmachen, wenn es um diese Doppelpartei CDU/CSU geht. Das gilt auch für die FDP oder die REP.
(Franz Schönhuber wurde z. B. wegen seines Buches über seine SS-Vergangenheit, "Ich war dabei." gefeuert.)
Wenn man aufarbeitet, dann müssen ALLE Parteien, also auch SPD, SED und Grüne gescannt werden, wobei die Grünen wegen ihrer späten Gründung wenige Nazis hatten.
Das gilt auch für kritische Schriftsteller (Günter Grass! → SS), Kabarettisten (Dieter Hildebrandt → NSDAP; Lore Lorentz) und Journalisten (z. B. SS-Männer beim Spiegel)!

Alle diese Anti-NS-Ankläger scheinen kein Leben vor '45 gehabt zu haben...


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Aufarbeitung DDR-Geschichte

24.08.2015 um 13:07
Interessant ist dieses Verhalten auch im Ausland bzw. bei aus dem Ausland stammenden Deutschen.
Hier nur 3 Beispiele:

Bei Johannes (Giovanni) Agnoli, einem aus Italien stammenden geistigen Vater der '68er-Bewegung, hat man zwar grob gewusst, dass er als Schüler Sympathien mit dem Faschismus hatte, man hat aber lange gebraucht, um herauszufinden, dass er in SS-Uniform auf dem Balkan Partisanen bekämpft hat.

Eine ähnliche Doppelbödigkeit findet sich bei Georges Marchais, einer langjährigen Ikone der Kommunistischen Partei Frankreichs, der in der Besatzungszeit im Deutschen Reich Arbeitsdienst leistete. Aller Wahrscheinlichkeit nach war der nicht erzwungen, wie Marchais das behauptet hatte.

Besonders lustig ist die Doppelbödigkeit bei der Schriftstellerin Marguerite Duras, dessen Werk "Hiroshima Mon amour" viele Französisch-Abiturienten bewundern oder hassen.
Hier ist anzumerken, dass Mme. Duras nicht, wie sie es selbst dargestellt hat (und wie es noch in Wikipedia steht), schon früh im Widerstand war, sondern im Gegenteil unter dem Vichy-Régime im der Papierzuteilung gearbeitet hat, was damals unter Ressourcenknappheit wie eine Zensurbehörde wirkte. Durras hat sich erst in letzter Minute dem Widerstand gegen Vichy und die Nazis angeschlossen, dann aber interessanterweise einige gefangene Kollaborateure übelst gefoltert.


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