Dr.Doyle schrieb:Womöglich findet sich eine ähnliche Schrift, die eine KI dann vergleichen kann?
Wobei auch eine KI keinen Text entschlüsseln kann, der gar keinen Inhalt hat. Und das ist nach den bisherigen Textanalysen sehr wahrscheinlich.
Unabhängig von KI oder menschlicher Hirnleistung würde ich das größte Potential zum Vergleichen bei den Kräuterdarstellungen sehen, denn Kräuterbücher gibt es viele aus dieser Zeit. Ich habe in der Literatur zum Thema immer wieder gelesen, dass Kräuterdarstellungen im Mittelalter kaum anhand von Naturbeobachtung entstanden sind, sondern primär durch Abzeichnen älterer Vorlagen. Dadurch schlichen sich auch Fehler ein, die dann weiterkopiert wurden. In der Regel war dabei der dekorative Aspekt ohnehin wichtiger als der informative. Erst mit der Renaissance kam ein stärkerer Naturalismus in die Darstellungen. Das Voynich-Manuskript (15. Jhd.) liegt in der Übergangszeit und seine fehlerhaften Pflanzendarstellungen passen eher in die ältere Tradition.
Man könnte also in den erhaltenen Kräuterbüchern nach verwandten Abbildungen suchen und so vielleicht das VM über den Bildinhalt (gerade auch typische Fehler) und die Darstellungsweise in eine bestimmte Traditionslinie von Kräuterdarstellungen einordnen (und damit vielleicht auch zeitlich und räumlich genauer verorten). Der Hauptgewinn wäre natürlich, wenn man eine direkte Vorlage finden könnte. Der Knackpunkt dürfte die Masse an Vergleichsmaterial und die notwendige Vorarbeit sein. Da kommt Dein Einwand zum Tragen:
Bis irgendwann einmal alle alten Bücher und Schriften digitalisiert sind und im Internet verfügbar, dass dauert noch.