Das Voynich-Manuskript
05.08.2026 um 17:42
Ich befasse mich jetzt schon ein paar Jahre immer wieder mit dem Thema, aber als Laie und nur online. Ich habe kein Exemplar vorliegen.
Als ich diesen Thread gelesen habe und einen Kommentar im "Standard" gelesen habe über Hypergraphie bei einigen psychisch Kranken - man bekämpft Ängste, indem man einfach täglich sehr viel handschriftlich schreibt - kam mir eine Idee.
Ich muss dazu sagen, ich habe vorher keine der Hypothesen wirklich nachvollziehen können.
Hoax? Viel zu teuer, zu aufwändig über so viele Jahre, die Zeichnungen zu stümperhaft.
Religiöser Geheimbund? Dito. Warum so stümperhafte Zeichnungen, warum konnte es kein Programm bisher entschlüsseln?
Geheimes Lehrbuch für bestimmte Gruppen, Angst vor Strafe wegen Geheimwissen etc.? Wieder: Warum dann so stümperhafte Zeichnungen, warum sind die Figuren, besonders die Badenden so klein, warum gibt es nirgendwo einen Anhaltspunkt auf den Schlüssel, warum gibt es aus der Zeit viel sauberere Arbeiten und durchaus Texte mit deftigem Inhalte (Hilfegard von Bingen etc.), die keine Strafe nach sich zogen?
Dann las ich hier die Idee mit dem Autisten und die Idee mit der Frau/ dem Kind im Nonnenkloster, das das Buch als Schreibübung verwendete.
Ich muss dazu sagen, ich hatte einen Verwandten mit Downsyndrom und mMn autistischen Zügen, der als Erwachsener sowohl "Kopffüßer" malte (wie Kleinkinder das machen - zwei Kreise für Kopf und Körper, Haare, Kreise für die Augen, Strich für Mund und Nase, Strich für Arme und jeweils 5 Striche für die Finger und unter dem unteren Kreise bei jedem Bild ein kleiner Haken für den Penis.) Diese Mensch (Mann - daher der Penis, er wollte wohl Figuren zeichnen, die sind wie er) hatte im Erwachsenenalter auch eine Phase, in der er oft abgeschrieben hat, ohne lesen zu können. Er schreib Wörter aus der Fernsehzeitung ab oder selten mal das Alphabet oder Wörter, die seine Eltern ihm vorschrieben. Lesen konnte er sie nicht. Da stand dann also auch "Montag Montag Montag RTL RTL RTL2 Montag Dienstag Tim" usw.
Also: Wie im Voynich unverständliche Wiederholungen, keine Grammatik, Wörter, die nur Sinn ergeben, wenn man weiß, dass er die Fernsehzeitschrift als Vorlage nutzte.
Wäre es denkbar, dass es eine sehr reiche Familie gab, die eine kleine Privatbibliothek besaß und einen Sohn hatte, der entweder psychisch krank, bspw. schizophren oder stark neurodivergent oder irgendwie behindert war, so dass er nicht lesen lernen konnte und nicht selbst für sich sorgen konnte, der aber geleibt und zu Hause betreut wurde, der Zugang zu diesen Büchern hatte und über Jahre aus verschiedenen Büchern und seiner Fantasie eine Schrift erfand und übte, die nur zum Schreiben diente, keinen Inhalt vermittelte?
Er hätte also jahrelang nur aus Spaß am "Schreiben" geschrieben/ geübt, sich dabei aus Büchern mit verschiedenen Sprachen und ggf. Schriftzeichen bedient. Den Text, das Layout als Inspiration genommen, ohne ihn zu verstehen. Vielleicht phasenweise bestimmte Wörter vermehrt geschrieben, weil sie ihn faszinierten.
Gemalt hätte er auch, mit den Mitteln, die ihm seine Eltern zur Verfügung stellten, also der entsprechenden Tinte etc.
Die Zeichnungen sehen für mich extrem nach jemandem aus, der Interesse hat, aber keine formale Ausbildung, der sie nur für sich anfertigte, ggf. von Dingen, die ihn aktuell interessierten. Vielleicht hat er Pflanzen vor der Tür gesehen, aber auch in Büchern und daraus seine eigenen Bilder gefertigt. Angeblich sind die Pflanzen Hybriden verschiedener realer Pflanzen. Für mich sehen sie teilweise sehr nach Bildern von Grundschulkindern aus. Also von ungeübten Zeichnern ohne formale Ausbildung und Übung.
Damit wären die Abschnitte keine Informationseinheiten über Pflanzen, Sternzeichen und Frauen, sondern Zeugnisse seiner wechselnden Interessen.
Als ich das erste Mal Folia 78 gesehen habe, war ich aufgeregt, weil für mich die "Rohe" sehr nach Myelinscheiden aussahen. Die kannte man im 15./ 16 Jhd. ja noch gar nicht . Was aber, wenn das alles gar keinen tieferen Sinn hatte, sondern nur Ausdruck des aktuellen Interesses war?
Die Badenden - und alle Personen - sehen wie gesagt für mich sehr nach dem aus, was ein Schüler kritzelt, wenn der Unterricht zu langweilig ist. Da wird etwas dargestellt, aber nicht in der Absicht, dass es lebensnah ist und von anderen erkannt werden soll. Warum sind die Badenden und die meisten (alle?) anderen Figuren SO KLEIN, die Pflanzen dagegen oft eine gesamte oder halbe Seite groß?
Wäre es denkbar, dass so ein Szenario vorkam, dass man am Ende das Buch band und ihm wiedergab und er dann noch eine Weile einiges nachcolorierte?
Bei den Badenden gibt es ja die "Schläuche", aus denen etwas spritzt. Könnte da auch in Zusammenhang mit einer Ejakulation stehen? Dass er merkte, dass er beim Anblick bestimmter Frauen erregt wurde und das so verarbeitete/ für sich darstellte?
Dann wurde im Thread noch darauf hingewiesen, dass zwei Sternziechen fehlen und eine Ziege schöner ist als die anderen. Könnte es da nicht sein, dass er jemanden gebeten hat, ihm eine Ziege etc. zu zeichnen und die dann mit weniger Können kopierte?
Bei den Sternzeichen: Für ein privates "Notizbuch" könnte man einfach das Interesse verloren haben und die letzten beiden ausgelassen oder vergessen haben. Für eine Auftragsarbeit, die man verhökern möchte, würde man das eher nicht machen, schon gar nicht als bezahlter Künstler, oder?
Aus irgendeinem Grund hielt ich den Autor immer für einen Mann. Vielleicht liegt eine Frau im Kloster näher aufgrund des vermeintlichen Themas, aber ein Mann könnte eventuell eher Interesse an nackten Frauenkörpern gehabt haben?
Der letzte Abschnitt wäre etwas, das mein Verwandte auch - bei entsprechenden Fähigkeiten, die er persönlich nicht hatte - gemacht hätte: Man sieht ein Kräuterkundebuch, Pflanzenlexikon etc. und kopiert das, ohne es zu verstehen. Eine Pflanze, klein gezeichnet, daneben Text. Der Text besteht dann aus den eigenen, persönlichen Zeichen.
Wenn das also Zeichen waren, die nur zum Schreiben, aus persönlicher Kreativität und Interesse über Jahre entstanden, bis man sie flüssig verinnerlicht hatte, würde das erklären, warum keiner den Code knacken kann - weil es keinen Code gibt und jedes Zeichen so subjektiv entstanden ist, dass man es nicht als Außenstehender nachvollziehen könnte.
Einziger Punkt, der mMn dagegenspricht: Die letzte Seite. Lauf "Voynich Talk" auf Youtube ist dort etwas zu lesen, "Poxleber nehmen" und am Ende "so nimm Geißmi(l)ch". Das würde für mich darauf hindeuten, dass ein Leser, also jemand, der später das Buch in Händen hielt, den Text verstand und hier eine Korrektur zu einem der verfassten Rezepte etc. anmerkte. Das wiederum würde bedeuten, dass es tatsächlich einen Code gab ODER dass jemand das bewusst so geschrieben hat, um das Buch verkaufen zu können, nach dem Motto "schauen Sie, jemand konnte das schon mal verstehen und hat eine Anmerkung gemacht".