Ich betrachte den Fall Sybille Lars als Femizid.

Denn ich gehe davon aus, dass Sybille die Nacht ihres Verschwindens nicht überlebte und in dieser Nacht getötet wurde. Sie musste meiner Vermutung nach sterben, weil sie sich nicht dem Willen eines Mannes und seiner Idee davon, wie Frauen sich zu verhalten und zu fügen haben, unterwarf. Er war gekränkt in seiner Männlichkeit und seiner Vorstellung von Beziehung zwischen Mann und Frau. Sybille wollte sich offenbar trennen. Es ging ihm einzig und alleine um seine eigenen Belange.

Es gab einen Beschuldigten im Fall Sybille Lars.
Sybille und ihr Ehemann hatten keine harmonische Ehe. Die Kinder wurden vom Ehemann auch nicht immer gut behandelt.
Es gab viel Alkohol. Es gab Aggressionen und Frustration.

Am Verschwindeabend, dem Gründonnerstag 8.4.2004, gab es Konflikte zwischen den Eheleuten.
Sybille hat später eine Freundin besucht. Das hat dem Ehemann nicht gefallen.
Dort hat sie mit einem Mann SMS geschrieben. Später habe ein Mann sie bei der Freundin aus der Wohnung gezerrt, gegen ihren Willen. Dieser Mann war beiden Frauen bekannt. Ein Zeuge sah, wie Sybille in ein Auto (3er BMW) einstieg, gegen ihren Willen. Danach wurde Sybille nie wieder gesehen, ihre Leiche wurde nie gefunden.

https://www.podcast.de/episode/671293982/sybille-lars-der-fall-73

https://www.podcast.de/episode/675872715/sybille-lars-hoffnung-auf-weitere-ermittlungen-74

Der Sohn ist noch heute sehr von diesem Schicksal der Mutter und damit auch der Familie geprägt. Er versucht weiterhin, das Schicksal und das Leiden und den Verbleib seiner Mutter zu klären. Er sucht seine Mutter. Er möchte, dass seine Mutter und ihr Schicksal nicht vergessen werden. Er möchte sie beerdigen, vernünftig bestatten und eine letzte Ruhestätte für die Mutter. Dort wo er trauern und abschließen kann, seinen Frieden findet.

Auch heute ist der Ablageort von Sybilles Leichnam nicht bekannt. Sybille ist irgendwo, wo weiß nur der Täter. Er hat die Kontrolle und Macht über Sybille behalten.

Sybille hat Schwestern, Kinder und heute Enkelkinder, Neffen und Nichten. Wie geht es ihnen mit dem Schicksal von Sybille, dem Femizid an Sybille?

Eine von Sybilles Schwestern hat das Gespräch mit dem Sohn gesucht und ihn erst darauf gebracht, über die Familie und deren Dynamik nachzudenken, die Situation und das Geschehen neu zu beurteilen, alles zu hinterfragen. Diese Schwester hat ihn darauf gebracht, dass Sybilles Ehemann eine tragende Rolle spielen könnte. Der Sohn steht also in der Familie nicht alleine da, mit der Ansicht, dass sein Stiefvater der Täter am Femizid und der mutmaßliche Mörder seiner Mutter sein könnte.

Der Ehemann, hat Sybille nicht als vermisst melden wollen, er hat nicht nach ihr gesucht, hat sich bei den Vernehmungen in Widersprüche verwickelt, hat sich für andere irrational verhalten, hat den Stiefsohn aus der Wohnung geworfen, hat alternative Theorien zu Sybilles Schicksal entwickelt, hat für einen Anwalt und Schweigen gegenüber der Polizei gesorgt. Er hat sich um seine Sicherheit gekümmert, nicht um die Sicherheit der beiden Kinder und um den Verbleib von Sybille.

Wie ist die Familie damit umgegangen über all diese Jahre? Wurde das Thema aufgearbeitet und reflektiert? Wurde das Thema offen in der Familie oder mit der Polizei besprochen und analysiert? Offenbar nicht. Der Elefant steht im Raum und keiner spricht darüber? Die Familie spricht nicht miteinander? Aber die Tante hat den Sohn dennoch angesprochen. Das Thema ist also präsent.

Das Schicksal von Sybille ist in der Familie demnach auch nicht aufgearbeitet? Ist Sybille noch präsent oder nur der mutmaßliche Täter?

Ich denke, wenn man Sybille finden und ihr Schicksal klären möchte, muss man an diesem Punkt ansetzen. Man muss das Geschehen in der Nacht zum 9.4.2004 und in den Folgetagen ergebnisoffen und realistisch aufarbeiten. Nur wenn man den mutmaßlichen Tatverdächtigen als Täter konkret und tragfähig ausschließen kann und wenn man konkrete und tragfähige Hinweise für andere Ansätze findet, kommt man weiter oder man überführt den Tatverdächtigen als Täter. Nur so kann der Tatverdächtige/Beschuldigte entlastet oder belastet werden. Beides wäre gut, so kommt man weiter. Stillstand ist nicht gut. Das alleinige Ziel muss die Aufklärung von Sybilles Leid und Verbleib sein und dass Sybille Gerechtigkeit widerfährt. Die Aufmerksamkeit und das Beistehen gehören Sybille.

Was kann die Familie tun, um Sybille zu finden?
Was kann die Polizei tun, um Sybille zu finden?

Ich denke, nicht nur der Sohn, sondern auch die Tochter und das damals ungeborene Enkelkind, und eben auch Sybilles Schwestern haben ein großes Interesse daran, Sybille zu finden und zu klären, was damals am 8. auf den 9. April 2004 wirklich passierte. Das muss dann ehrlich und aus heutiger Sicht neu beleuchtet werden.

Die Familie kann das gemeinsam mit der Polizei sachlich tun und beide können sich gemeinsam unvoreingenommen mit dem Geschehen auseinandersetzen. Beide haben ein Interesse daran, die wirkliche Wahrheit und Sybille zu finden.

Die Polizei kann neue und moderne Methoden anwenden, um neue Ermittlungsansätze zu generieren oder um Ermittlungsergebnisse zu erhalten. So könnte der wahre Täter belastet werden, wer immer er auch ist. So könnte Sybille gefunden werden, und das wäre auch schon ein wesentlicher Erfolg.

Die Polizei könnte eine neutrale operative Fallanalyse durchführen lassen und so neue Einblicke zum Fall gewinnen und Blickwinkel erweitern oder bestärken oder einen neuen Fokus setzen.

Aber der Dreh- und Angelpunkt im Schicksal, Leid und Verbleib von Sybille und damit im Schicksal und Leide der Familie, besonders der Kinder und Enkelkinder ist für mich, das Geschehen am Tattag und die damit verbundene Be- oder Entlastung des tatverdächtigen Ehemannes. Wenn man an diesem Punkt nicht weiterarbeitet, wird sich nichts mehr tun. Dann hat Sybille verloren. Dann hat die Familie Sybille für immer verloren.

Wie kann man diesen Punkt voranbringen und Antworten finden? Sybille finden?