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DNA Suche nach Tätern - Familial Searching

7 Beiträge, Schlüsselwörter: Mord, Verbrechen, DNA, Dna Spur, Familial Searching
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DNA Suche nach Tätern - Familial Searching

27.04.2018 um 20:45
Hallo zusammen,

ich weiß nicht ob das wirklich hier in diese Kategorie passt, aber mich würde mal interessieren was ihr denkt zum Thema Familial Searching, also das Suchen nach DNA Ähnlichkeiten von gefundenen DNA Spuren so das Verwandte des/der Täter eines Verbrechens gefunden werden könnten. 2009 wollte man das ganze in Deutschland einführen, damals wurde das ganze wegen dem Datenschutz abgelehnt. 2013 wollte die Große Koalition es erneut versuchen, wieder wurde es abgelehnt wegen dem Datenschutz und weil es angeblich zu viel Arbeit bedeuten würde weil O-Ton der Polizei "man würde Milliarden Ergebnisse bekommen" das wäre nicht zu stemmen.

Nun wurden ja schon in anderen Ländern damit Morde/Vergewaltigungen etc. teilweise nach Jahrzehnten aufgeklärt, z.B. in den Niederlanden oder jetzt in den USA wo dadurch der Golden State Killer gefasst wurde.

Was denkt ihr zu dem Thema, euer Pro / Contra insbesondere dazu ob ihr eine Einführung in Deutschland für sinnvoll erachtet oder nicht würde mich interessieren.

Quelle: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/moerder-wird-nach-25-jahren-durch-dna-analyse-ueberfuehrt-15346930...
Quelle: https://www.zeit.de/wissen/2013-11/gentest-beinahetreffer-verbrechen/seite-2
Quelle: https://www.stern.de/panorama/stern-crime/dna-test-und-ahnenforschung---so-wurde-der-golden-state-killer-gefasst-7961406...

Grüße Lienliu


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DNA Suche nach Tätern - Familial Searching

27.04.2018 um 21:48
das thema ist sehr interessant!
im prinzip könnte man auch die frage stellen, ob man nicht verpflichtend seine DNA abgeben müsste, die dann in einer datenbank abrufbar angelegt wird.

im jüngsten fall des golden gate killers hat ja eine ahnenforschungsseite zum täter geführt, weil man über die DNA dessen verwandte zum täter kam.


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DNA Suche nach Tätern - Familial Searching

28.04.2018 um 09:37
DeFacTo schrieb:im prinzip könnte man auch die frage stellen, ob man nicht verpflichtend seine DNA abgeben müsste, die dann in einer datenbank abrufbar angelegt wird.
Mein Erbgut geht erstmal keinen was an. Ohne Grund und Anlass gezwungen zu werden, dieses zur Verfügung zu stellen, ohne wirklich wissen zu können was damit alles gemacht wird (mal gesponnen, aber theoretisch könnte man mich ja klonen - wie soll ich das kontrollieren können?), das finde ich höchst bedenklich.
Genauso bedenklich finde ich, alle Bürger eines Staates somit unter Generalverdacht zu stellen - "Ihr seid alle potentielle Verbrecher, vom Kaugummidieb über den Falschparker bis hin zum serienvergewaltigenden Terroristen; besser, wir haben schonmal eure DNA."

Wenn es Grund und Anlass gibt, ist eine DNA-Speicherung sinnvoll. Man kann auch darüber nachdenken, über verwandte DNA an den eigentlichen Täter ranzukommen, aber alle Menschen so zu erfassen, ist für mich inaktzeptabel.


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DNA Suche nach Tätern - Familial Searching

28.04.2018 um 10:10
Ich glaube zwar, dass das Thema nicht zwingend in diese Rubrik gehört, möchte mich aber @hallo-ho vollumfänglich anschließen. Einerseits bedeutet das Gedankenspiel wohl (wenn ich das richtig verstehe), dass ja sowieso alle DNA-Profile gespeichert würden, weswegen es nicht mehr nötig wäre, den familiären Bezug herzustellen.

Wenn ein konkreter Verdacht in Bezug auf eine schwere Gewalt(!)tat besteht und/oder jemand diese Informationen in diesem Kontext freiwillig zur Verfügung stellen möchte, habe ich damit keine Schmerzen. Aber da es sogar vor Gericht ein Aussageverweigerungsrecht für Angehörige gibt, kann es meines Erachtens nicht sein, dass man durch die (erzwungene) Abgabe seiner Erbinformationen Verwandte belasten muss.

In erster Linie denke ich aber, dass man sich immer vor Augen halte sollte, dass wir zwar dankenswerter Weise momentan in einem Rechtsstaat leben, in dem wir uns frei bewegen und austauschen können, dies aber keineswegs als für in alle Zukunft garantiert zu betrachten ist. Ein Blick in andere Regionen und Zeitalter zeigt, dass es fatal sein kann, wenn Menschen durch "vorsorglich" gespeicherte DNA oder sogar die DNA von Verwandten einfach so identifiziert werden können. Ich lehne das vehement ab.


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DNA Suche nach Tätern - Familial Searching

28.04.2018 um 11:24
Bei "Familial Searching" geht es um den Abgleich von Y-STR-Analysen des männlichen Haplotyps
Wikipedia: Haplotyp
der eine sehr geringe Mutationsrate aufweist und in männlicher Linie vererbt wird, vom Vater auf den Sohn. Anders ausgedrückt, alle in männlicher Linie verwandten Personen haben denselben Haplotypen.

Was viele nicht wissen ist, dass diese Ähnlichkeitssuche bereits seit geraumer Zeit von der Justiz verwendet wird und oftmals als angeblicher "Beweis" vor Gericht aufgetischt wird. Bei männlichen und weiblichen DNA-Mischspuren, wie sie z. B. typischerweise nach einer Vergewaltigung gesichert werden, kann oftmals nur die männliche DNA des Täters isoliert werden, besagter Haplotyp. Findet sich dann ein Tatverdächtiger, wird dessen Haplotyp mit dem des Täters verglichen. Bei einer Übereinstimmung ist seine Täterschaft nicht ausgeschlossen: Er könnte es gewesen sein, es könnte aber auch sein Vater, sein Bruder oder der ihm völlig unbekannte Urururenkel seines Ururopas gewesen sein, der anno dunnemals einen Seitensprung hatte. Gerade auf dem Land, wo Höfe vererbt werden, leben Cluster von Männern mit demselben Haplotypen, die oftmals gar nicht wissen, dass sie miteinander verwandt sind. In traditionell geprägten muslimischen Milieus ist es noch extremer.

So wird das aber vor Gericht nicht verkauft. Stattdessen geht der Gutachter hin, schaut in die Y-STR-Datenbank
https://yhrd.org
findet dort, sagen wir, 300.000 Einträge, die nicht mit dem des Täters und des TV übereinstimmen, und schließt daraus: "Die Wahrscheinlichkeit, dass eine andere Person als der TV als Spurenleger infrage kommt, ist 1/300.000". Das ist natürlich eine absurde Milchmädchenrechnung (wegen der genannten regionalen Cluster), aber erkläre das mal einem Richter … Bei einer vermeintlichen Wahrscheinlichkeit von nur 0,00000003% dass ein anderer als der TV der Spurenleger ist, braucht es schon einen sehr mutigen TV, um nicht ein strafmilderndes Geständnis abzulegen, selbst wenn er nicht der Täter war, denn verurteilt wird er so oder so.


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DNA Suche nach Tätern - Familial Searching

28.04.2018 um 11:50
Eine kleine Anekdote dazu: Ich habe mal einen besonders spannenden Mordprozess verfolgt, bei dem besagter Y-STR-Haplotyp, der am weiblichen Opfer gefunden wurde, praktisch das einzige handfeste Indiz für eine Täterschaft des Angeklagten war. Natürlich hat der LKA-Gutachter das Meiste daraus gemacht (es ist ja schließlich nicht so, als als ob es denen um objektive Wahrheitsfindung ginge) und kam mit dieser 1/300.000 Lachnummer an, die das Gericht auch mächtig beeindruckt hat. Da half alles Argumentieren mit regionalen Clustern und den Studien des Gurus auf diesem Gebiet, Professor Peter de Knijff, nichts.
https://www.universiteitleiden.nl/en/staffmembers/peter-de-knijff#tab-1
Nun, der Fall spielte auf dem Land, und der Angeklagte hatte einen sehr ausgefallenen zweiten Vornamen. Ein Handwerker, der am Tag der Tat bei dem betagten Opfer Vorhänge aufgehängt hatte, hatte denselben zweiten Vornamen. Diesem seltsamen Zufall ist die Verteidigung nachgegangen. Eine genealogische Recherche ergab, dass der Handwerker und der Angeklagte miteinander verwandt waren, ohne davon zu wissen. Ein Seitensprung in grauer Vorzeit. Folglich ergab der sogleich durchgeführte DNA-Test des Handwerkers, dass er denselben Haplotypen hatte wie der Angeklagte. Damit war die Luft aus der Anklage raus wie aus einem misslungenen Soufflé :-)


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DNA Suche nach Tätern - Familial Searching

28.04.2018 um 13:13
Ich finde schon, dass in sehr engem gesetzlichen Rahmen ein wie dann auch immer gegebener DNA-Abgleich im familiären Rahmen möglich sein sollte. Aber eben wirklich sehr genau begrenzt und gerichtlich verfügt. Darüber hinaus finde ich eben auch, sollte das in einem sehr engen Rahmen, welcher dann eben auch immer (das sollen andere entscheiden), bei tatverdächtigen Toten möglich sein.

Im Sinne des Opferschutzes und der Opferrechte sollte es möglich sein, dass Opfer und deren Angehörige Antworten erhalten. Dabei dürfen aber eben nicht andere zu Opfern werden, genau darüber muss gewacht werden. Die Rechte der einen dürfen gegenseitig nicht die Rechte der anderen ausschließen. MMn bedeutet das, Opfer und deren Angehörige haben Rechte auf Ermittlung und Antwort, Tatverdächtige und deren Angehörige haben Rechte auf Schutz (vor Verleumdung usw) und Diskretion, aber auch auf Antwort (wenn ein Tatverdacht im Raume steht, sollte dieser bestätigt oder ausgeschlossen werden). Wie man das unter einen Hut kriegt, ist Aufgabe von Gesetzgeber und Rechtsprechung. Aber genau dazu kann eben Familial Searching auch einen guten Beitrag leisten.


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