Kriminalfälle
Menschen Wissenschaft Politik Mystery Kriminalfälle Spiritualität Verschwörungen Technologie Ufologie Natur Umfragen Unterhaltung
weitere Rubriken
PhilosophieTräumeOrteEsoterikLiteraturAstronomieHelpdeskGruppenGamingFilmeMusikClashVerbesserungenAllmysteryEnglish
Diskussions-Übersichten
BesuchtTeilgenommenAlleNeueGeschlossenLesenswertSchlüsselwörter
Schiebe oft benutzte Tabs in die Navigationsleiste (zurücksetzen).

Wenn Menschen im Auftrag eines Staates entführt werden

10 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Gewalt, Staat, Entführung ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Seite 1 von 1

Wenn Menschen im Auftrag eines Staates entführt werden

24.07.2026 um 10:02
Hallo zusammen,

ich beschäftige mich gerade mit den Entführungen, die Nordkorea über Jahrzehnte hinweg in verschiedenen Ländern verübt haben soll beziehungsweise in mehreren Fällen nachweislich verübt hat. Ich finde das Thema vor allem deshalb so faszinierend, weil einige der Geschichten zunächst wie kaum glaubhafte Verschwörungstheorien klingen:

Menschen verschwinden während einer Reise, auf dem Heimweg oder sogar mitten in Europa. Jahre später stellt sich heraus, dass sie in Nordkorea gelebt haben, dort festgehalten wurden oder für die Ausbildung von Geheimdienstagenten eingesetzt worden sein sollen.

Besonders bekannt sind die Entführungen japanischer Staatsbürger. Allerdings verschwanden einige der später offiziell anerkannten Opfer nicht in Japan, sondern in Städten wie Madrid und Kopenhagen. Andere mutmaßliche Opfer kamen aus Europa, den USA, China, Südostasien und dem Nahen Osten.

Dabei muss man allerdings zwischen verschiedenen Kategorien unterscheiden:

* bestätigten oder von einer Regierung offiziell anerkannten Entführungen,
* Fällen, in denen Menschen durch Täuschung nach Nordkorea gelockt wurden,
* widerrechtlich in Nordkorea festgehaltenen Personen
* und Vermisstenfällen, bei denen eine nordkoreanische Beteiligung lediglich vermutet wird.

Gerade die Übergänge sind nicht immer eindeutig.

Zwei Japaner verschwinden in Madrid

Im Frühjahr 1980 hielten sich die Japaner Toru Ishioka und Kaoru Matsuki in Europa auf. Matsuki hatte in Japan Spanisch studiert und war für ein weiterführendes Studium nach Madrid gereist. Ishioka unternahm eine längere Europareise.

Im Mai 1980 verschwanden beide in Madrid.

Nach Darstellung der japanischen Organisation Sukuukai kamen die Männer dort mit Sakiko Wakabayashi und Yoriko Mori in Kontakt. Die beiden Frauen gehörten zum Umfeld der sogenannten Yodo-go-Gruppe. Dabei handelte es sich um Mitglieder und Unterstützer jener japanischen linksradikalen Gruppe, die 1970 ein Passagierflugzeug nach Nordkorea entführt hatte und anschließend dort blieb.

Zwei weitere Japanerinnen sollen damals ebenfalls mit der Gruppe in Madrid zusammen gewesen sein. Ihnen sei vorgeschlagen worden, gemeinsam nach Wien zu reisen. Sie lehnten ab. Ishioka und Matsuki verschwanden dagegen kurz darauf. Nach Angaben der japanischen Regierung ist ihr Aufenthaltsort seitdem ungeklärt. Japan führt beide heute offiziell als Opfer einer nordkoreanischen Entführung.

Bemerkenswert ist, dass die beiden offenbar nicht gewaltsam auf offener Straße in ein Fahrzeug gezerrt wurden. Wahrscheinlicher ist eine Entführung durch Täuschung: Sie wurden möglicherweise mit Reiseplänen, politischen Ideen, einer Arbeitsmöglichkeit oder einer Einladung geködert und reisten zunächst scheinbar freiwillig weiter.

Erst acht Jahre später erhielt Ishiokas Familie ein Lebenszeichen. In einem 1988 aus Polen abgeschickten Brief schrieb er, dass er in Nordkorea lebe. Bei ihm befänden sich Kaoru Matsuki und eine weitere vermisste Japanerin: Keiko Arimoto.

Nordkorea behauptete später, Ishioka sei 1988 bei einem Gasunfall und Matsuki 1996 bei einem Verkehrsunfall gestorben. Überzeugende und unabhängig überprüfbare Belege dafür legte das Regime nicht vor. Im Fall Matsuki übergab Nordkorea angebliche sterbliche Überreste, die nach japanischen Untersuchungen nicht von ihm stammten. Die Aussagekraft dieser Untersuchung wurde später allerdings wissenschaftlich kritisiert. Japans Regierung betrachtet das Schicksal beider Männer weiterhin als ungeklärt.

Keiko Arimoto und das Verschwinden in Kopenhagen

Die im Brief genannte Keiko Arimoto war 23 Jahre alt und hielt sich seit 1982 zum Englischlernen in London auf. Während einer Reise durch Europa begegnete sie Personen aus dem Umfeld der Yodo-go-Gruppe.

Ihr letztes bekanntes Schreiben an ihre Eltern wurde im Oktober 1983 aus Kopenhagen abgeschickt. Darin berichtete sie offenbar von einer interessanten Arbeitsmöglichkeit. Danach brach der Kontakt ab.

Die japanische Polizei kam nach ihren Ermittlungen zu dem Ergebnis, dass Arimoto von nordkoreanischen Agenten entführt und nach Nordkorea gebracht worden war. Gegen Kimihiro Uomoto, einen der Yodo-go-Flugzeugentführer, wurde ein Haftbefehl erlassen. Er wird von den japanischen Behörden verdächtigt, an Arimotos Entführung beteiligt gewesen zu sein.

Auch Arimoto wurde vermutlich nicht mit unmittelbarer Gewalt aus Kopenhagen verschleppt. Nach Aussagen einer beteiligten Japanerin wurde sie vielmehr mit einer angeblichen Arbeitsstelle nach Nordkorea gelockt. Aus Sicht der Betroffenen konnte die Reise zunächst freiwillig erscheinen – die entscheidenden Informationen über Ziel, Auftraggeber und tatsächliche Absichten wurden ihr jedoch vorenthalten.

In Nordkorea soll Arimoto Toru Ishioka geheiratet haben. Das Paar soll ein gemeinsames Kind bekommen haben. Nordkorea behauptete später, Arimoto und Ishioka seien 1988 gemeinsam bei einem Gasunfall gestorben. Ihre Familien und die japanische Regierung zweifeln diese Darstellung an.

Die Fälle aus Madrid und Kopenhagen zeigen für mich, wie schwer solche Entführungen zu erkennen sein können. Ein erwachsener Mensch reist mit neuen Bekannten weiter oder nimmt ein Arbeitsangebot an. Für Angehörige sieht es zunächst möglicherweise nach einem freiwilligen Kontaktabbruch, einer spontanen Lebensentscheidung oder einem gewöhnlichen Vermisstenfall aus.

Erst viel später ergibt sich ein vollkommen anderes Bild.

David Sneddon: 2004 in China verschwunden

Ein wesentlich neuerer und bis heute nicht bestätigter Fall ist der des Amerikaners David Sneddon.

Der damals 24-jährige Student reiste 2004 durch China. Er sprach Koreanisch, hatte zuvor als mormonischer Missionar in Südkorea gelebt und lernte außerdem Mandarin. Am 14. August 2004 verschwand er in der chinesischen Provinz Yunnan, nachdem er allein durch die Tigersprungschlucht gewandert war.

Die chinesischen Behörden und das US-Außenministerium gingen schließlich davon aus, dass Sneddon in der Schlucht verunglückt und seine Leiche nicht gefunden worden war. Seine Familie bezweifelte diese Erklärung. Angehörige reisten selbst nach China, rekonstruierten seine Strecke und sprachen mit Zeugen. Nach ihrer Darstellung gab es Hinweise darauf, dass Sneddon die besonders gefährlichen Abschnitte der Wanderung überstanden hatte.

Später entstand die Theorie, Sneddon könne nordkoreanischen Agenten begegnet und nach Nordkorea verschleppt worden sein. Yunnan spielte als Transitregion für nordkoreanische Flüchtlinge eine Rolle, weshalb dort auch nordkoreanische Sicherheitskräfte oder Informanten aktiv gewesen sein könnten.

Seine Koreanischkenntnisse machten Sneddon nach Ansicht der Befürworter dieser Theorie zusätzlich interessant. Einige südkoreanische und japanische Organisationen behaupteten später sogar, Sneddon lebe in Pjöngjang, habe eine Familie gegründet und sei als Englischlehrer eingesetzt worden. Teilweise hieß es, er habe Kim Jong-un persönlich unterrichtet.

Dafür gibt es jedoch keinen öffentlich überprüfbaren Beweis.

Auch der von mir verlinkte Text von Sukuukai behandelt Sneddon als mutmaßliches nordkoreanisches Entführungsopfer. Die Darstellung sollte meiner Meinung nach aber nicht mit den offiziell anerkannten japanischen Fällen gleichgesetzt werden. Das US-Außenministerium erklärte 2016 ausdrücklich, ihm lägen keine verifizierbaren Belege für eine Entführung durch nordkoreanische Stellen vor.

Gleichzeitig hielt der US-Kongress die Theorie für ausreichend plausibel, um weitere Ermittlungen und eine Zusammenarbeit mit China, Japan und Südkorea zu fordern. Sneddons Verschwinden ist daher ein gutes Beispiel für den schwierigen Bereich zwischen begründetem Verdacht und einer Geschichte, die sich mit den öffentlich bekannten Informationen nicht beweisen lässt.

Eine Familie aus Deutschland wird nach Nordkorea gelockt

Einen direkten Deutschlandbezug besitzt der Fall von Shin Suk-ja, ihrem Mann Oh Kil-nam und ihren beiden Töchtern.

Shin Suk-ja war aus Südkorea nach Westdeutschland gekommen und arbeitete als Krankenschwester. In Deutschland lernte sie den Wirtschaftswissenschaftler Oh Kil-nam kennen. Das Paar heiratete und lebte später in Kronshagen bei Kiel. Dort wurden 1976 und 1978 die Töchter Hae-won und Kyu-won geboren.

In den 1980er-Jahren trat die Familie mit Personen in Kontakt, die Nordkorea nahestanden. Oh Kil-nam wurde eine berufliche Zukunft als Wirtschaftsexperte in Pjöngjang in Aussicht gestellt. Gleichzeitig wurde versprochen, seine erkrankte Frau könne in Nordkorea eine hochwertige medizinische Behandlung erhalten.

Shin soll große Bedenken gehabt haben. Dennoch reiste die gesamte Familie im Dezember 1985 nach Nordkorea.

Dort erfüllte sich keines der Versprechen. Stattdessen wurden die Familienmitglieder ideologisch geschult und für Propagandazwecke eingesetzt. Oh Kil-nam erhielt schließlich den Auftrag, nach Europa zu reisen und weitere in Deutschland lebende Südkoreaner zur Übersiedlung nach Nordkorea zu bewegen.

Während dieser Reise setzte er sich nach Absprache mit seiner Frau 1986 in Dänemark ab und beantragte politisches Asyl. Seine Frau und die beiden Töchter blieben in Nordkorea zurück.

Nach Angaben von Amnesty International und späteren Untersuchungen wurden Shin und ihre Töchter offenbar wegen der Flucht des Ehemannes inhaftiert. Eine Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen bewertete ihre Gefangenschaft als willkürliche Inhaftierung.

Nordkorea behauptete später, Shin Suk-ja sei bereits 2008 an den Folgen einer Hepatitiserkrankung gestorben. Überprüfen ließ sich diese Angabe nicht. Über das weitere Schicksal ihrer in Deutschland geborenen Töchter ist öffentlich nichts Sicheres bekannt.

Auch dies ist keine klassische Entführung von einer deutschen Straße. Die Familie reiste zunächst selbst nach Nordkorea. Allerdings geschah dies aufgrund gezielter falscher Versprechungen. Anschließend wurde ihr offenbar die Möglichkeit genommen, das Land wieder zu verlassen.

Der Fall zeigt damit eine weitere Methode: Menschen müssen nicht immer gewaltsam überwältigt werden. Es kann ausreichen, sie unter falschen Voraussetzungen in den eigenen Machtbereich zu locken.

Die bekannten Fälle aus Japan

Das größte öffentliche Bewusstsein für die Entführungen besteht bis heute in Japan. Die japanische Regierung erkennt offiziell 17 StaatsbürgerInnen als Opfer nordkoreanischer Entführungen an. Fünf von ihnen kehrten im Oktober 2002 nach Japan zurück. Das Schicksal der übrigen Betroffenen ist weiterhin ungeklärt oder beruht nur auf Angaben Nordkoreas.

Zu den bekanntesten Fällen gehören:

Megumi Yokota war erst 13 Jahre alt, als sie am 15. November 1977 auf dem Heimweg von der Schule in Niigata verschwand. Nordkorea behauptete später, sie habe sich in Gefangenschaft das Leben genommen. Die von Nordkorea vorgelegten Angaben und Beweismittel überzeugten Japan nicht.

Yasushi Chimura und Fukie Hamamoto verschwanden im Juli 1978 während einer Verabredung nahe der japanischen Küste. Beide lebten jahrzehntelang in Nordkorea und durften 2002 nach Japan zurückkehren.

Kaoru Hasuike und Yukiko Okudo verschwanden ebenfalls im Juli 1978. Auch sie kehrten 2002 gemeinsam zurück.

Hitomi Soga wurde im August 1978 zusammen mit ihrer Mutter Miyoshi entführt, als beide einkaufen gehen wollten. Hitomi Soga kehrte 2002 zurück. Was mit ihrer Mutter geschah, ist bis heute nicht geklärt. Nordkorea bestreitet, Miyoshi Soga überhaupt entführt zu haben.

Shuichi Ichikawa und Rumiko Masumoto wollten im August 1978 gemeinsam den Sonnenuntergang am Meer beobachten. Sie verschwanden vom Strand. Nordkorea behauptete später, beide seien bereits wenige Jahre nach ihrer Entführung gestorben.

Yaeko Taguchi verschwand 1978 im Alter von 22 Jahren. Sie hatte zwei kleine Kinder. Jahre später sagte die nordkoreanische Agentin Kim Hyon-hui aus, Taguchi habe ihr in Nordkorea Japanisch sowie japanische Umgangsformen beigebracht. Kim Hyon-hui verübte 1987 gemeinsam mit einem weiteren Agenten den Bombenanschlag auf Korean-Air-Flug 858, bei dem 115 Menschen starben. Dabei trat sie mit einer falschen japanischen Identität auf.

Gerade Taguchis Fall liefert einen konkreten Hinweis darauf, warum gewöhnliche Menschen entführt wurden. Sie konnten Agenten Sprache, Aussprache, Verhalten und Alltagskultur vermitteln. Als weitere mögliche Motive werden die Nutzung fremder Identitäten, erzwungene Partnerschaften, die Anwerbung von Fachleuten, Propaganda und die Beseitigung zufälliger Zeugen genannt.

Sukuukai nennt darüber hinaus mutmaßliche Opfer aus Thailand, dem Libanon, Rumänien, China, Malaysia und Singapur sowie Berichte über französische, italienische und niederländische Frauen. Viele dieser Angaben stützen sich auf Zeugenaussagen zurückgekehrter Entführungsopfer, früherer Agenten und ehemaliger Bewohner Nordkoreas. Die Beweislage ist daher je nach Fall sehr unterschiedlich.

Könnte sich so etwas hinter anderen Vermisstenfällen verbergen?

Genau das ist für mich die eigentliche Diskussionsfrage.

Die bestätigten japanischen Fälle zeigen, dass die Idee einer staatlichen Entführung nicht grundsätzlich eine absurde Verschwörungstheorie ist. Menschen wurden offenbar nicht nur wegen politischer Aktivitäten oder besonderer Geheimnisse ausgewählt. Teilweise reichten Sprachkenntnisse, Nationalität, Alter oder schlicht die Tatsache, dass jemand zur richtigen Zeit erreichbar war.

Gleichzeitig besteht hier natürlich eine enorme Gefahr für wilde Spekulationen. Dass ein Mensch auf einer Auslandsreise verschwindet, eine Sprache beherrscht oder nie gefunden wird, ist für sich genommen noch kein Beleg für die Beteiligung eines Geheimdienstes.

Interessant wären daher vor allem Fälle, in denen mehrere Faktoren zusammenkommen:

* Kontakte zu Personen mit Verbindungen zu einem fremden Staat,
* ein falsches Arbeits- oder Reiseangebot,
* auffällige Reisebewegungen unmittelbar vor dem Verschwinden,
* besondere Sprach- oder Fachkenntnisse,
* Aktivitäten von Geheimdiensten in der betreffenden Region,
* spätere Sichtungen oder Nachrichten aus dem verdächtigten Land,
* mehrere ähnliche Vermisstenfälle im gleichen Zeitraum
* oder Aussagen ehemaliger Agenten und anderer Zeugen.

Mich würde interessieren:

Kennt Ihr weitere Vermisstenfälle, bei denen eine Entführung durch einen fremden Staat ernsthaft diskutiert oder später sogar nachgewiesen wurde?

Gibt es ungeklärte Fälle aus Deutschland oder Europa, bei denen ein solches Szenario zumindest geprüft werden sollte?

Und ab welchem Punkt wird aus einem ungewöhnlichen Verdacht eine halbwegs belastbare Theorie?

Gerade der Vergleich zwischen Madrid, Kopenhagen und Sneddons Verschwinden macht den Unterschied deutlich: Bei den japanischen Fällen gibt es spätere Lebenszeichen aus Nordkorea, Zeugenaussagen, bekannte beteiligte Personen und offizielle Ermittlungen. Bei Sneddon gibt es bislang vor allem Indizien, Vermutungen und Parallelen zu früheren Fällen.

Das Thema zeigt für mich daher zweierlei: Eine scheinbar vollkommen abwegige Erklärung kann sich im Einzelfall als wahr erweisen. Sie darf aber nicht allein deshalb auf jeden ungeklärten Vermisstenfall übertragen werden.

Quellen

Kim Hyon-hui (liest sich wie ein James Bond Film, unfassbar):
Wikipedia: Kim Hyon-hui (Geheimdienstagentin)

Entführungen japanischer Staatsbürger durch Nordkorea:
Wikipedia: Entführungen japanischer Staatsbürger durch die Demokratische Volksrepublik Korea

Sukuukai – mutmaßliche Opfer verschiedener Nationalitäten:
https://www.sukuukai.jp/English/Victims2.html

Sukuukai – vier Arten beziehungsweise Phasen der Entführungen:
https://www.sukuukai.jp/English/4types.html

Sukuukai – einzelne japanische Fälle und Vorgehensweisen, unter anderem Madrid:
https://www.sukuukai.jp/English/how.html

Sukuukai – Shin Suk-ja und ihre Töchter:
https://www.sukuukai.jp/English/ShinSuk-ja.html

Sukuukai – David Sneddon:
https://www.sukuukai.jp/English/DavidSneddon.html

Japanisches Außenministerium – offiziell anerkannte Entführungsopfer:
https://www.mofa.go.jp/a_o/na/kp/page1we_000068.html

Japanische Polizei – Entführung Keiko Arimotos aus Europa:
https://www.npa.go.jp/keibi/gaiji1/abd_e/europe2_e.html

US Congressional Record – Verschwinden David Sneddons:
https://www.govinfo.gov/content/pkg/CRECB-2016-pt2/html/CRECB-2016-pt2-Pg1668.htm

US-Außenministerium – Pressekonferenz zu David Sneddon vom 1. September 2016:
https://2009-2017.state.gov/r/pa/prs/dpb/2016/09/261531.htm

Shin Suk-ja – biografischer Überblick:
Wikipedia: Shin Suk-ja

Amnesty International – Nordkoreas Angaben zum angeblichen Tod Shin Suk-jas:
https://www.amnestyusa.org/reports/annual-report-north-korea-2013/


1x zitiertmelden

Wenn Menschen im Auftrag eines Staates entführt werden

24.07.2026 um 10:11
Nachtrag: Arrangierte Ehen und eine mögliche „zweite Generation“ von Spionen

Ein Aspekt, der im Eingangsbeitrag nur am Rand vorkommt, aber hier auch hin gehört, sind die Ehen, die Nordkorea zwischen ausländischen Entführungsopfern, amerikanischen Deserteuren und teilweise auch verschiedenen asiatischen Entführten arrangierte.

In den 1960er-Jahren waren vier US-Soldaten über die innerkoreanische Grenze nach Nordkorea desertiert: James Dresnok, Larry Abshier, Jerry Parrish und Charles Jenkins. Sie waren also nicht von Nordkorea entführt worden. Einmal dort, konnten sie sich jedoch nicht mehr frei bewegen oder das Land verlassen. Sie wurden überwacht, ideologisch geschult und unter anderem als Englischlehrer sowie als westliche Bösewichte in nordkoreanischen Propagandafilmen eingesetzt.

Später wurden die Amerikaner mit ausländischen Frauen zusammengebracht, die sich ebenfalls gegen ihren Willen in Nordkorea befanden oder unter falschen Versprechungen dorthin gelockt worden sein sollen:

* Charles Jenkins heiratete die Japanerin Hitomi Soga, die 1978 gemeinsam mit ihrer Mutter entführt worden war. Ein Parteifunktionär hatte die beiden einander vorgestellt. Aus der zunächst arrangierten Verbindung entwickelte sich nach ihrer eigenen Darstellung eine echte und langjährige Liebesbeziehung. Das Paar bekam zwei Töchter.
* Larry Abshier wurde mit der Thailänderin Anocha Panjoy verheiratet. Panjoy war 1978 in Macau verschwunden und soll von nordkoreanischen Agenten entführt worden sein. Nach Abshiers Tod wurde sie laut Charles Jenkins erneut einem anderen Mann zugeteilt. Nordkorea bestreitet bis heute, sie entführt zu haben.
* James Dresnok heiratete (vermutlich, Identität nicht eindeutig festgestellt) die rumänische Künstlerin Doina Bumbea, die unter dem Vorwand einer Kunstausstellung aus Rom nach Asien gelockt und stattdessen nach Nordkorea gebracht worden sein soll. Beide bekamen zwei Söhne.
* Jerry Parrish heiratete die Libanesin Siham Shraiteh. Sie gehörte zu einer Gruppe junger Frauen, die mit angeblichen Arbeitsangeboten nach Nordkorea gelockt worden sein sollen. Als der Libanon die Freilassung der Frauen verlangte, blieb Shraiteh offenbar bei ihrem Mann und ihren Kindern zurück. Wie frei sie diese Entscheidung unter den damaligen Bedingungen treffen konnte, lässt sich von außen kaum beurteilen.

Daneben arrangierte das Regime offenbar auch Partnerschaften zwischen asiatischen Entführungsopfern. Die Japanerin Megumi Yokota soll beispielsweise mit Kim Young-nam verheiratet worden sein, der als 16-Jähriger von einem südkoreanischen Strand entführt worden war. Das Paar bekam eine Tochter.

Auch andere japanische Opfer wurden in Nordkorea miteinander verheiratet. Toru Ishioka und Keiko Arimoto, die beide während Aufenthalten in Europa verschwunden waren, wurden ein Paar und sollen Kinder bekommen haben. Shuichi Ichikawa und Rumiko Masumoto, die 1978 unabhängig voneinander beziehungsweise als Paar von der japanischen Küste verschleppt worden waren, wurden nach nordkoreanischen Angaben ebenfalls verheiratet.

Sollten ihre Kinder später als Spione eingesetzt werden?

Charles Jenkins war davon überzeugt, dass die Verbindung der amerikanischen Deserteure mit ausländischen Frauen noch einen weiteren Zweck hatte: Die Paare sollten Kinder bekommen, die aufgrund ihres Aussehens und ihrer Sprachkenntnisse später vergleichsweise unauffällig im Ausland eingesetzt werden konnten.

Besonders Kinder eines amerikanischen Vaters und einer asiatischen Mutter hätten seiner Ansicht nach beispielsweise in Südkorea als Nachkommen dort stationierter US-Soldaten auftreten können. Jenkins wurde zusätzlich misstrauisch, als seine Töchter das Fremdsprachenkolleg in Pjöngjang besuchten, das er für eine Ausbildungsstätte künftiger Geheimdienstmitarbeiter hielt. Er sagte später, für ihn sei klar gewesen, dass das Regime aus seinen Töchtern Spioninnen machen wollte.

Diese Darstellung klingt angesichts der sonstigen Nutzung der Entführten nicht völlig abwegig. Japanische Opfer mussten nordkoreanischen Agenten Sprache und Alltagskultur vermitteln. Die amerikanischen Deserteure unterrichteten Englisch und amerikanische Aussprache. Außerdem soll Kim Il-sung 1975 den in Nordkorea lebenden japanischen Yodo-go-Flugzeugentführern ausdrücklich befohlen haben, Frauen zu finden und Kinder zu bekommen, um ihre revolutionären Aktivitäten fortzuführen. Die nordkoreanische Arbeiterpartei wählte daraufhin mögliche Ehefrauen aus.

Trotzdem muss man einen wichtigen Vorbehalt machen: Ein systematisches Programm, bei dem ausländische Menschen gezielt miteinander „verpaart“ wurden, um eine neue Generation international einsetzbarer Spione zu zeugen, ist öffentlich nicht zweifelsfrei belegt. Selbst der ausführliche Bericht über Jenkins’ Aussagen weist darauf hin, dass seine Theorie nicht unabhängig bestätigt werden konnte.

Nachweisbar ist dagegen, dass die nordkoreanischen Behörden Ehen arrangierten und Familienbindungen bewusst für ihre eigenen Zwecke nutzten. Wer einen Ehepartner und Kinder in Nordkorea hatte, konnte schlechter fliehen. Bei einem Fluchtversuch musste zudem mit Vergeltungsmaßnahmen gegen die zurückbleibende Familie gerechnet werden. Die Familien gaben den Gefangenen also einerseits Halt, konnten andererseits aber auch als Druckmittel des Regimes dienen.

Ich finde gerade diese Mischung bemerkenswert: Einige der Beziehungen begannen unter massiver staatlicher Kontrolle, entwickelten sich aber offenbar trotzdem zu echten Verhältnissen. Jenkins und Soga blieben auch nach ihrer Ausreise zusammen. Das ändert nichts an den Umständen, unter denen sie einander vorgestellt wurden – zeigt aber, dass sich das persönliche Leben der Betroffenen nicht immer eindeutig in „Zwangsehe“ oder „freiwillige Ehe“ einteilen lässt.

Wie schätzt Ihr Jenkins’ Vermutung ein? War die Geburt kulturell und äußerlich schwer zuzuordnender Kinder wahrscheinlich ein bewusstes Ziel – oder deutete er im Rückblick eine Politik zur Kontrolle und Bindung der Entführten als langfristiges Spionageprogramm?

Quellen:

Committee for Human Rights in North Korea – *Taken! North Korea’s Criminal Abduction of Citizens of Other Countries*:
https://www.hrnk.org/wp-content/uploads/pdfs/publications/eng/Taken_LQ.pdf

TIME – *In From the Cold*:
https://time.com/2818022/in-from-the-cold/

Committee for Human Rights in North Korea – Charles Jenkins und Hitomi Soga:
https://www.nkhiddengulag.org/charles-jenkins-and-hitomi-soga.html

Sukuukai – internationale Entführungsopfer:
https://www.sukuukai.jp/English/Victims2.html

Sukuukai – verschiedene Formen und Hintergründe der Entführungen:
https://www.sukuukai.jp/English/4types.html


melden

Wenn Menschen im Auftrag eines Staates entführt werden

24.07.2026 um 12:06
Vielen Dank, dass du einen Thread zu diesem Thema eröffnet hast und danke auch für deinen gut strukturierten Eröffnungspost, @Cheaha.

Ich habe selbst schon lange und viel zu den Entführungen junger ausländischer Frauen durch den nordkoreanischen Staat recherchiert und finde es erschütternd, wie wenig Wissen darüber in Deutschland vorhanden zu sein scheint, obwohl ja nachweislich auch europäische Frauen betroffen waren und sind.

Du hast ja bereits viele gute Quellen verlinkt; die meisten Informationen lassen sich tatsächlich aus ausländischen Quellen gewinnen.

Eine sehr interessante Quelle finde ich folgende Doku namens „Crossing the Line - 50 Years in North Korea“ von 2006, in der der ehemalige US-Soldat James Joseph Dresnok, der im Jahr 1962 nach Nordkorea desertierte, ausführlich (allerdings immer mit den nordkoreanischen „Aufpassern“ im Hintergrund) zu Wort kommt:

Youtube: Grenzgänger | 50 Jahre in Nordkorea
Grenzgänger | 50 Jahre in Nordkorea
Externer Inhalt
Durch das Abspielen werden Daten an Youtube übermittelt und ggf. Cookies gesetzt.



Ab Minute 01:02:14 geht es um Dresnoks erste Ehefrau, die rumänische Künstlerin Doina Bumbea, die 1978 aus Rom entführt wurde. Dresnok ist in der Doku sehr zögerlich, Infos über seine erste Ehefrau preiszugeben. In folgendem Artikel erfährt man mehr; Bumbea starb 1997 in Nordkorea an Krebs. Sie hatte zwei Söhne mit Dresnok, Ted und James Dresnok, die beide mit nordkoreanischer Indoktrination aufgewachsen sind und nie ein anderes Leben kennengelernt haben.

https://www.historynewsnetwork.org/article/their-father-was-american-north-korea-wont-let-the

Hier gibt es ein kurzes Video des Guardian, in dem beide Söhne Dresnoks nach dessen Tod auf Koreanisch sprechen und mitteilen, dass ihr Vater ihnen aufgetragen hat, „loyal zu Kim Jong-un zu bleiben und die USA von der Weltkarte zu fegen, sollte es zu einem Krieg kommen“:


https://www.theguardian.com/us-news/video/2017/aug/21/dresnok-sons-our-father-told-us-to-serve-kim-jong-un-video

Ab Minute 01:03:46 der Doku wird Siham Shraiteh interviewt; sie ist eine von vier jungen libanesischen Frauen, die 1978 von Nordkorea entführt wurden. Sie heiratete den ehemaligen US-Soldaten Jerry Wayne Parrish, mit dem sie drei Söhne hatte. Nachdem zwei ihrer Mitentführten fliehen konnten und der Libanon ihre sowie die Freilassung ihrer Mitentführten durchgesetzt hatte, ging sie zurück nach Nordkorea zu Parrish, mit dessen erstem Sohn sie schwanger war. In der Doku ist zu sehen, dass nordkoreanische „Aufpasser“ die ganze Zeit im Hintergrund stehen und es wird deutlich, dass Shraiteh nicht frei sprechen kann. Ich vermute, dass ihr Mann und später ihre Kinder als Druckmittel benutzt wurden, um sie zum Bleiben in Nordkorea zu bewegen. Ihr Ehemann Parish starb 1989. Mehr Informationen zu den vier Libanesinnen:

https://the961.com/how-north-korea-abducted-4-lebanese-women/

Ab 01:05:41 geht es um den ehemaligen US-Soldaten Charles Robert Jenkins, der 1965 nach Nordkorea desertierte und mit der entführten Japanerin Hitomi Soga verheiratet wurde und zwei Töcher mit ihr bekam. Jenkins durfte 2004 aus medizinischen Gründen nach Japan ausreisen und wurde dort mit seiner Familie wiedervereint, die Nordkorea bereits zuvor verlassen hatte. Er hat eine Autobiografie („The Reluctant Communist“) verfasst; ich habe das Buch noch nicht gelesen; es ist bestimmt lesenswert.
Jenkins starb 2006 in Japan an den Folgen eines Schlaganfalls; dieser Artikel der BBC ist ganz interessant; darin berichtet Jenkins von körperlichen Misshandlungen durch nordkoreanische Soldaten und von durchgehender Indoktrinierung:

https://www.bbc.com/news/world-asia-42319115




Ich werde noch weitere Quellen zusammensuchen, wenn ich Zeit habe. Falls jemand Fragen zu englischsprachigen Quellen hat, kann man mich gerne ansprechen; ich bin englische Muttersprachlerin.

Ich freue mich auf eine anregende Diskussion!


melden

Wenn Menschen im Auftrag eines Staates entführt werden

24.07.2026 um 13:30
@LaGioconda

Vielen Dank für die ausführlichen Ergänzungen und die vielen Quellen! Die Doku kannte ich noch nicht, werde sie mir aber auf jeden Fall ansehen. Gerade die Fälle von Doina Bumbea und Siham Shraiteh zeigen noch einmal, wie gezielt Beziehungen und Familien offenbar als Mittel zur Bindung und Kontrolle eingesetzt wurden.

Mich beschäftigt besonders, ob andere Staaten ähnlich vorgegangen sind oder noch vorgehen – und ob Nordkorea unter der heutigen Führung weiterhin vergleichbare langfristige Pläne verfolgt. Ebenso frage ich mich, ob sich hinter manchen ungeklärten Vermisstenfällen etwas Ähnliches verbergen könnte. Die ganze Geschichte liest sich zunächst wie eine wilde Verschwörungstheorie, obwohl wir wissen, dass zumindest ein Teil davon tatsächlich passiert ist. Gerade das Jahr 78 scheint ja sehr Entführungsreich gewesen zu sein…

Englischsprachige Quellen können wir hier auch sehr gerne in großer Zahl zusammentragen. Ich spreche selbst auch Englisch daheim. Sollten einzelne Inhalte für andere schwer verständlich sein, können wir die wichtigsten Stellen ja gemeinsam übersetzen oder zusammenfassen.

Ich freue mich, dass dir der OP gut strukturiert erschien, ich bin mir nicht sicher gewesen, ob die Textmenge erschlagend ist.


melden

Wenn Menschen im Auftrag eines Staates entführt werden

24.07.2026 um 16:14
Ich finde deinen OP nicht erschlagend, @Cheaha, ganz im Gegenteil; ich finde es super, wenn der/die Threadersteller*in möglichst viele Infos zusammenträgt und die bekannten Fakten akkurat darstellt, sodass alle Mitdiskutierenden sich selbst einen umfassenden Überblick verschaffen können; deshalb nochmal vielen Dank. :)

Bezüglich deiner Frage, ob andere Staaten ähnlich vorgehen oder vorgegangen sind; mir ist weder historisch noch aktuell Vergleichbares in dem Verständnis, dass Staaten ausländische Staatsangehörige entführen, um sie zu indoktrinieren und um Kinder gewünschter Ethnien "heranzuziehen", bekannt.
Ein kleiner Exkurs; ich will nicht zu sehr abschweifen, da es ja vornehmlich um Nordkorea gehen soll: Was es gibt, ist, dass Staaten eigene Staatsangehörige auf fremdem Staatsgebiet entführen oder sogar ermorden; die beiden populärsten Fälle hierzu sind

- der vietnamesische Geschäftsmann und ehemalige Politiker Trịnh Xuân Thanh; dieser wurde am 23.07.2017 mitten im Berliner Tiergarten gewaltsam vom vietnamesischen Geheimdienst entführt und nach Vietnam gebracht. Besonders delikat ist, dass der Geschäftsmann mit einem Flugzeug der slowakischen Regierung von der Slowakei nach Moskau geflogen wurde und dass das slowakische Innenministerium dem vietnamesischen Innenministerium eine Rechnung in Höhe von 17.000 Euro für einen Flug nach Moskau ausgestellt hatte, was eine Beteiligung der slowakischen Regierung nahelegt. Diese Tat ist schwerwiegend, weil sie die Souveränität des Staates (in diesem Fall Deutschlands) verletzt, das Völkerrecht bricht und einen hoheitlichen Übergriff darstellt. Jedes Land hat das alleinige Recht, auf seinem Boden für Recht und Ordnung zu sorgen und diese Entführung umging somit den Weg der internationalen Rechtshilfe und von Auslieferungsverfahren.


Es gibt zahlreiche Quellen, zum Beispiel (alle frei zugänglich):

- Spiegel: https://www.spiegel.de/ausland/berlin-verschleppter-vietnamese-tathelfer-zu-haft-verurteilt-a-a992d65d-e514-49d1-93f0-4c5c53cdfd5e

- Deutschlandfunk: https://www.deutschlandfunk.de/spektakulaere-entfuehrung-vietnamese-in-berlin-vor-gericht-100.html

- Tagesschau: Youtube: Entführung in Berlin: Vietnam verschleppt eigenen Staatsbürger
Entführung in Berlin: Vietnam verschleppt eigenen Staatsbürger
Externer Inhalt
Durch das Abspielen werden Daten an Youtube übermittelt und ggf. Cookies gesetzt.


- Süddeutsche Zeitung: https://www.sueddeutsche.de/politik/geheimdienst-skandal-vietnamesischer-geheimdienst-entfuehrt-geschaeftsmann-in-berlin-1.3614117

- taz: https://taz.de/Verurteilung-im-Fall-Trinh-Xuan-Thanh/!5660806/

- Die Zeit: https://www.zeit.de/politik/ausland/2017-08/trinh-xuan-thanh-geschaeftsmann-entfuehrung-generalbundesanwalt-berlin



- der zweite Fall ist der des saudischen Journalisten und Dissidenten Jamal Khashoggi, der am 02.10.2018 in der saudischen Botschaft in Istanbul auf grausamste Art und Weise ermordet wurde; er wurde gefoltert und bei lebendigem Leibe zerstückelt. Auftraggeber war mutßmaßlich der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman selbst.

Quellen hierzu:

- BBC (englisch): https://www.bbc.com/news/world-europe-45812399

- Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung: https://www.bbc.com/news/world-europe-45812399

- Deutsche Welle Doku (englisch): Youtube: The murder of Jamal Khashoggi | DW Documentary
The murder of Jamal Khashoggi | DW Documentary
Externer Inhalt
Durch das Abspielen werden Daten an Youtube übermittelt und ggf. Cookies gesetzt.


- Encyclopedia Brittanica (englisch): https://www.britannica.com/biography/Jamal-Khashoggi


Auf die Frage, ob Nordkorea nach wie vor ausländische Staatsangehörige entführt, um sie zu indoktrinieren und für Spionagezwecke einzusetzen, lautet die Antwort wohl "nein"; dieses staatlich gesponserte Vorgehen fand offensichtlich hauptsächlich zur Zeit des Kalten Krieges in den 1970ern und 1980ern statt; außerdem wurden spätestens in den 1980ern einige Fälle von entführten Japanerinnen publik, sodass die Fortsetzung des "Programms" für Nordkorea nicht mehr wirklich Sinn ergab; allerdings leben ja nach wie vor die meisten Nachkommen von desertierten US-Soldaten und entführten Frauen in Nordkorea und dienen teilweise sogar in der nordkoreanischen Armee (wie die Söhne von Bumbea und Dresnok; die Quellen dazu sind in meinem ersten Beitrag verlinkt). Außerdem sind nach wie vor viele der entführten Frauen in Nordkorea; manche (vor allem Japanerinnen und die oben erwähnten Libanesinnen) durften, teils aufgrund des immensen Drucks ihrer jeweiligen Regierungen, früher oder später (teils nach vielen Jahrzehnten) zurück in ihr Heimatland kehren; andere sind jedoch niemals wieder aufgetaucht und werden entweder nach wie vor in Nordkorea festgehalten, da der Staat die Entführung der entsprechenden Personen trotz eindeutiger Beweise nie zugegeben hat (so auch bei Doina Bumbea; diese ist allerdings ja wie erwähnt bereits 1997 in Nordkorea an Krebs verstorben) oder sind mutmaßlich in Nordkorea verstorben, ohne jemals mit ihren Familien wiedervereint worden zu sein. Es gibt auch nach wie vor Angehörige (hauptsächlich japanische Staatsangehörige), die noch immer dafür kämpfen, dass ihre entführten Schwestern/ Töchter/ Cousinen/ Freundinnen von Nordkorea freigelassen werden; immer mal wieder lässt Nordkorea auch tatsächlich nach wie vor welche dieser Entführten im Rahmen von Verhandlungen frei. In meinem nächsten Beitrag werde ich ausführlich darüber schreiben und verschiedenste Quellen, mithilfe derer man sich einen noch genaueren Überblick verschaffen kann, hier verlinken.


1x zitiertmelden

Wenn Menschen im Auftrag eines Staates entführt werden

24.07.2026 um 16:23
Zitat von LaGiocondaLaGioconda schrieb:Ein kleiner Exkurs; ich will nicht zu sehr abschweifen, da es ja vornehmlich um Nordkorea gehen soll
Nordkorea war füpr mich zwar der große Aufhänger, aber ich würde mich auch freuen, wenn man den Thread vielleicht Nationenübergreifend nutzen würde. Denn wie gesagt:
Zitat von CheahaCheaha schrieb:Kennt Ihr weitere Vermisstenfälle, bei denen eine Entführung durch einen fremden Staat ernsthaft diskutiert oder später sogar nachgewiesen wurde?

Gibt es ungeklärte Fälle aus Deutschland oder Europa, bei denen ein solches Szenario zumindest geprüft werden sollte?
Ich frage mich einfach, ob manche Fälle von spurlos verschwundenen Personen auf solche Machenschaften zurückgehen könnten, egal welche Nation. Nordkorea ist wohl einfach am besten recherchiert, würde ich sagen?

Das am Rande erwähnt :)
Zitat von LaGiocondaLaGioconda schrieb:dieser wurde am 23.07.2017 mitten im Berliner Tiergarten gewaltsam vom vietnamesischen Geheimdienst entführt und nach Vietnam gebracht.
Es ist mir unverständlich, wie mir dieser Fall entgangen ist. Man würde meinen, eine Entführung auf deutschem Boden würde Wellen schlagen! Danke für den Beitrag!


melden

Wenn Menschen im Auftrag eines Staates entführt werden

24.07.2026 um 21:36
Nochmal zum Fall Doina Bumbea; es gibt einen Artikel einer rumänischen Zeitung (logischerweise auf Rumänisch), von 2014, in dem Bumbeas Bruder Gabriel Bumbea interviewt wird. Das Interview ist wirklich herzzerreißend; man erfährt, dass die Familie erst Anfang der 2000er-Jahre erfahren hat, was mit Doina passiert ist. Bis dahin lebten sie jahrzehntelang in Ungewissheit bezüglich Doinas Schicksal. Der Bruder bemüht sich seit vielen Jahren um Aufklärung und die rumänische Regierung zeigt sich wohl nicht sonderlich kooperativ. Sein größter Wunsch ist es, irgendwann einmal seine Neffen zu treffen. Dem Video mit den beiden Neffen nach zu urteilen, wird das wohl eher nicht passieren; Doinas Söhne sind vollkommen indoktriniert und zu 100% auf Staatslinie. Im Artikel erfahren wir auch, dass Doinas Mutter 2014 noch lebte und den Verlust ihrer Tochter nie überwunden hat. Wenn man bedenkt, dass Doina Jahrgang 1950 war und ältere Brüder hatte, muss ihre Mutter sehr jung Mutter und gleichzeitig sehr alt geworden sein.

Hier ist der Link zum Original-Artikel: https://web.archive.org/web/20140702081003/http://inliniedreapta.net/monitorul-neoficial/laurentiu-mihu-doina-bumbea-cazul-romancei-rapite-de-coreea-de-nord/

Ich habe den Artikel mittels KI aus dem Rumänischen übersetzen lassen; der Artikel ist sehr lang, weshalb ich die Übersetzung in mehrere Abschnitte aufteile.


Teil 1:


Laurențiu Mihu: Doina Bumbea – Der Fall der von Nordkorea entführten Rumänin

MONITORUL | 16. April 2014 | 0 Kommentare

Nachdem sie dem Rumänien Ceaușescus entkommen war und 1970 nach Italien ausgewandert war, geriet eine Rumänin acht Jahre später in das wohl grausamste kommunistische Lager unserer Zeit – Nordkorea. Dort blieb sie die nächsten 19 Jahre, bis zu ihrem Tod an Lungenkrebs.

In Rumänien hatte sie ihre Eltern und zwei Brüder zurückgelassen. Da diese jahrzehntelang keinerlei Nachricht über ihr Schicksal erhielten, hielten sie Mitte der 1980er Jahre sogar eine symbolische Trauerfeier für sie ab.

Erst in den frühen 2000er Jahren erfuhren sie die Wahrheit über Doina: Sie war 1978 von den Geheimdiensten Kim Il Sungs entführt worden und wurde damit Opfer einer perfiden Operation des Regimes in Pjöngjang. Über fast zwei Jahrzehnte hinweg entführte Nordkorea Hunderte Menschen aus Asien und Europa, um sie zur Ausbildung von Geheimagenten einzusetzen oder – wie im Fall Doina – Kinder mit ihnen zu zeugen, die das Regime später für unterschiedlichste Zwecke verwenden konnte.

Heute besteht Doina Bumbeas Familie aus zwei Söhnen, die weiterhin in Pjöngjang leben, sowie ihrer Mutter und ihrem Bruder in Craiova. Beide haben den Verlust bis heute nicht überwunden und erhielten nur wenige Antworten. Ihr Vater und ihr älterer Bruder sind inzwischen ebenfalls verstorben.

Gabriel Bumbea, Doinas jüngster Bruder, klammert sich heute an eine einzige Hoffnung: Eines Tages seine Neffen kennenzulernen. Vom jüngeren weiß er – dank der internationalen Aufmerksamkeit, die der außergewöhnliche Fall seiner Schwester erregte –, dass dieser seinen Vornamen trägt.

Sie haben vor sieben Jahren erstmals Einzelheiten über das Schicksal Ihrer Schwester erfahren. Was ist seitdem geschehen?

Gabriel Bumbea: Seit 2007 habe ich an zahlreichen Veranstaltungen teilgenommen, die von Nichtregierungsorganisationen und Regierungen asiatischer Länder organisiert wurden, die besonders stark von den Entführungen ihrer Staatsbürger durch die nordkoreanischen Geheimdienste betroffen sind. Ich spreche von Organisationen in Japan, Südkorea und Thailand.

Dort wird dieses schwierige Problem von den staatlichen Stellen sehr ernst genommen. Jedes dieser Länder verfügt sogar über ein eigenes Ministerium, das sich speziell um die entführten Bürger und deren Familien kümmert. Diese Ministerien unterstützen die NGOs logistisch und finanziell und arbeiten eng mit den Außenministerien zusammen, auch auf diplomatischer Ebene.

Fast drei Jahrzehnte lang hatte Ihre Familie keinerlei Informationen über Doina Bumbea. Heute wissen Sie sogar, dass sie zwei Kinder in Pjöngjang hinterlassen hat. Hoffen Sie noch immer, Ihre Neffen kennenzulernen?

G.B.: Wie ich schon oft in Zeitungen und Fernsehsendungen im In- und Ausland gesagt habe, starb meine Schwester Doina Bumbea im Januar 1997 in Pjöngjang, in Gefangenschaft und vollständig von der Außenwelt abgeschnitten.

Anfang der 1980er Jahre wurde sie gezwungen, einen Deserteur der US-Armee namens Joe James Dresnok zu heiraten. Aus dieser Zwangsehe gingen zwei Söhne hervor. Der erste wurde im Dezember 1981 geboren (Theodore Ricardo Dresnok), der jüngere im Februar 1983 (James Gabriel Dresnok).

Seitdem ich von ihrer Existenz weiß, ist es mein wichtigstes Ziel, alles Menschenmögliche zu tun, jede Tür zu öffnen und jeden denkbaren Weg zu gehen, damit ich meine Neffen wenigstens einmal sehen kann, die noch immer in Pjöngjang gefangen sind.

Ich hoffe sehr, dass dies bald möglich sein wird. Einige ausländische Organisationen haben mir zugesichert, dass entsprechende Verhandlungen mit Pjöngjang geführt werden.

Die meisten Opfer Nordkoreas stammten aus Asien. Vielleicht sind solche Schicksale deshalb in Europa weniger bekannt. Wie erleben Sie die Reaktionen der Rumänen? Sie haben auch eine Facebook-Seite eingerichtet.

G.B.: Inzwischen wurde durch Aussagen verschiedener Menschen bestätigt, die Nordkorea entweder nach Verhandlungen mit dem Regime verlassen konnten oder denen die Flucht gelang, ebenso durch Aussagen nordkoreanischer Überläufer und ehemaliger Agenten, dass sich dieses Netz von Entführungen keineswegs nur auf die unmittelbaren Nachbarländer beschränkte.

Es erstreckte sich auch auf andere Kontinente. Zeugen berichteten, sie hätten in Lagern am Stadtrand von Pjöngjang Menschen mit niederländischer, französischer, italienischer, rumänischer, deutscher, libanesischer und jordanischer Staatsangehörigkeit getroffen.

Bis heute ist jedoch der einzige offiziell anerkannte europäische Fall der meiner Schwester Doina Bumbea. International ist dieser Fall anerkannt – nur nicht von Bukarest. Wie wir es seit Jahrzehnten kennen, zieht man es dort vor zu schweigen. Man bestätigt nichts und bestreitet nichts.

Stattdessen werden von Zeit zu Zeit lediglich weitere Dokumente zur Akte Doina Bumbea im rumänischen Außenministerium hinzugefügt. Im Frühjahr 2007 umfasste diese Akte bereits fast 200 Seiten. Ich habe sie selbst gesehen, als ich eine einstündige Unterredung mit dem damaligen Außenminister Adrian Cioroianu hatte.

Was die Reaktion der rumänischen Bevölkerung betrifft, so habe ich den Eindruck, dass die Menschen – sei es aus mangelnder Information oder wegen ihrer alltäglichen Sorgen – diesem Fall nur wenig Aufmerksamkeit schenken.

Manche halten die Geschichte sogar für eine frei erfundene James-Bond-Geschichte.

Ich versuche alles, um die Menschen durch die Bekanntmachung des Falls auf Facebook und auf anderen Wegen für dieses Schicksal zu sensibilisieren.


melden

Wenn Menschen im Auftrag eines Staates entführt werden

24.07.2026 um 21:40
Teil 2:

Sie haben in den vergangenen Jahren an öffentlichen Veranstaltungen zum Thema Entführungen in Japan und Südkorea teilgenommen. Wie wird dort mit den Hunderten von Fällen wie dem Ihrer Schwester umgegangen?

Gabriel Bumbea: Durch meine Teilnahme an verschiedenen Symposien, Kongressen, Konferenzen, Seminaren und Treffen mit Regierungsvertretern aus Japan und Südkorea – darunter sogar Ministerpräsidenten und Außenminister – bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass dort wirklich alle, vom einfachen Bürger bis zu den höchsten Staatsvertretern, enorme Anstrengungen unternehmen.

Ihr Ziel ist es, die entführten Menschen aufzuspüren, herauszufinden, ob sie noch leben und wo sie sich auf nordkoreanischem Gebiet befinden. Gleichzeitig führen sie ununterbrochen Verhandlungen mit der nordkoreanischen Regierung, um diejenigen zurückzuholen, die noch am Leben sind.

Auch die Medien in Ostasien widmen diesem Thema große Aufmerksamkeit. Sie berichten regelmäßig über neue Entwicklungen und über die gemeinsamen Bemühungen der Nachbarstaaten Nordkoreas.

Es vergeht kaum eine Woche, ohne dass in japanischen oder südkoreanischen Zeitungen oder Fernsehsendungen darüber berichtet wird.

Jedes Mal, wenn ich dorthin reise, werde ich von japanischen, südkoreanischen, thailändischen und amerikanischen Journalisten umringt, die möglichst viel über den rumänischen Entführungsfall erfahren möchten.

In Rumänien ist die Situation dagegen nahezu umgekehrt. Das ist traurig.



Das letzte Mal standen Sie im vergangenen Monat mit rumänischen Behörden in Kontakt – bei einer Veranstaltung am Sitz der UN-Mission in Genf. Welche Botschaft erhielten Sie von den Vertretern des rumänischen Staates?

G.B.: Ja. Vom 16. bis zum 20. März 2014 nahm ich in Genf an der 31. Sitzung der 25. Tagung des UN-Menschenrechtsrats teil, an der Vertreter aller Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen beteiligt waren.

Ich vertrat dort die rumänische Nichtregierungsorganisation „Asociația Doina Bumbea“ („Doina-Bumbea-Vereinigung“), die sich seit ihrer Gründung im Jahr 2008 mit der Suche nach entführten Menschen und ihrer Rettung beschäftigt.

Diesmal befasste sich die Untersuchungskommission der Vereinten Nationen sehr intensiv mit den schweren Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea und verabschiedete eine Resolution über Maßnahmen gegen die Regierung Kim Jong Uns.

Anschließend fanden im UN-Gebäude Pressekonferenzen statt, an denen Vertreter von NGOs aus Japan, Südkorea, Thailand und Rumänien teilnahmen.

Außerdem gab es Gespräche mit hochrangigen Vertretern der UN-Untersuchungskommission für Menschenrechte sowie mit Botschaftern der betroffenen Staaten.

Am wichtigsten war das Treffen mit dem Botschafter der Vereinigten Staaten in Genf, Seiner Exzellenz Robert King.

Am 18. März trafen sich die Vertreter aller vier NGOs außerdem für eine Stunde in der rumänischen diplomatischen Vertretung in Genf mit der rumänischen Botschafterin, Ihrer Exzellenz Maria Ciobanu.

Wie so oft nach ähnlichen Gesprächen mit rumänischen Diplomaten wurde mir höflich, aber inhaltsleer erklärt, man werde umgehend einen Bericht an das Außenministerium in Bukarest schicken. Dort werde dann entschieden, welche Maßnahmen zu ergreifen seien, und ich würde so schnell wie möglich eine offizielle Antwort im Fall Doina Bumbea erhalten.

Wie wir jedoch das rumänische politische und administrative System kennen, ist eine solche Antwort niemals eingetroffen.

Und das ist noch trauriger.



In den vergangenen Jahren wurde das Schicksal der von Nordkorea Entführten sowohl in Genf als auch im Europäischen Parlament in Brüssel behandelt. Haben Sie dabei irgendein Interesse rumänischer Politiker oder Europaabgeordneter wahrgenommen?

G.B.: Ich habe an unzähligen Veranstaltungen, Pressekonferenzen und Gesprächen mit Journalisten aus aller Welt teilgenommen.

Überall auf der Welt zeigen Regierungen und Medien – selbst in Ländern, die von Nordkoreas Entführungsprogramm gar nicht unmittelbar betroffen sind – großes Interesse und den Wunsch, zur Lösung dieser Fälle beizutragen.

Nur Rumänien bildet eine Ausnahme.

Obwohl unser Land selbst betroffen ist, scheint sich niemand wirklich für den Entführungsfall Doina Bumbea zu interessieren.

Ich habe dem damaligen Staatspräsidenten Traian Băsescu im Frühjahr 2008 persönlich eine Denkschrift überreicht.

Auch mit dem früheren Präsidenten Ion Iliescu habe ich persönlich gesprochen; er kennt den Fall meiner Schwester sehr genau.

Ich habe zahlreiche rumänische Außenminister um Gesprächstermine gebeten – nur einer empfing mich tatsächlich.

Ich sprach außerdem mit Parlamentariern und Europaabgeordneten, darunter Senator Horațiu Buzatu und der Europaabgeordnete Marian Jean Marinescu.

Von all diesen Menschen erhielt ich lediglich vage Versprechungen, manchmal nicht einmal die.

Ich glaube, schon am nächsten Tag hatten sie mich, mein Anliegen und den Fall Doina Bumbea wieder vergessen.

Ich hoffe, ich habe mich klar genug ausgedrückt.

Leider bin ich nicht der einzige Rumäne, der gegen Bürokratie, Gleichgültigkeit, Trägheit und Zynismus in diesem Land kämpfen muss.


melden

Wenn Menschen im Auftrag eines Staates entführt werden

24.07.2026 um 21:46
Teil 3:

Wie der Weg nach Tokio in Pjöngjang endete

Doina Bumbea verließ Rumänien im Jahr 1970, nachdem sie einen italienischen Staatsbürger geheiratet hatte. Die folgenden acht Jahre verbrachte sie in Italien, wo sie versuchte, sich als bildende Künstlerin eine Zukunft aufzubauen.

Ironischerweise hing auch ihr Verschwinden mit ihrer größten Leidenschaft zusammen.

1978 erhielt sie die Zusage, ihre Gemälde in Tokio ausstellen zu können. Im Herbst desselben Jahres machte sie sich auf den Weg nach Japan – doch ihr Ziel sollte sie niemals erreichen.

Aus den Informationen und Zeugenaussagen, die später zusammengetragen wurden, ergibt sich folgendes Bild: Doina Bumbea verließ Rom in Richtung Tokio in dem Glauben, lediglich Zwischenstopps in Moskau und Pjöngjang einzulegen. Tatsächlich führte ihre Reise über beide Hauptstädte.

Nach Aussage von Charles Jenkins – einem ehemaligen US-Soldaten, der während des Korea-Konflikts desertiert war und fast 45 Jahre lang in Nordkorea festgehalten wurde – hatte der „Freund“, der Doinas Reise organisiert hatte, ihr nordkoreanische Ausweispapiere beschafft.

Dieses ungewöhnliche Detail war auch den sowjetischen Grenzbeamten aufgefallen, berichtete Jenkins dem Autor des Artikels sieben Jahre zuvor in einem Interview für die Zeitung Evenimentul Zilei.

„Am Flughafen von Pjöngjang verschwand der Italiener, und Doina wurde von den Nordkoreanern abgefangen und festgenommen.“

Nach Jenkins’ Angaben wurde Doina Bumbea zunächst in ein Lager gebracht, das der paramilitärischen und ideologischen Ausbildung diente. Dort befanden sich insgesamt 27 Frauen, darunter auch andere Europäerinnen.

Schon kurze Zeit später wurde die Rumänin einem weiteren amerikanischen Deserteur, Joe Dresnok, gleichsam als „Geschenk“ überlassen.

Ihr Leid verschlimmerte sich noch dadurch, dass sie gezwungen wurde, Dresnok zu heiraten, den Jenkins als einen gewalttätigen Mann beschrieb.

Aus dieser Zwangsehe gingen zwei Söhne hervor, Gabriel und Ricardo, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels etwa dreißig Jahre alt waren.

Doina Bumbea starb 1997 an Lungenkrebs.

Charles Jenkins und seine Ehefrau Hitomi Soga – eine Japanerin, die ebenfalls von Nordkorea entführt worden war – waren Doinas einzige Freunde während ihrer Gefangenschaft.

Sie standen ihr auch in ihren letzten Lebenstagen bei. Hitomi Soga, die als Krankenschwester ausgebildet war, verabreichte ihr sogar die Morphiumspritzen zur Schmerzlinderung.

Charles Jenkins und Hitomi Soga konnten schließlich nach jahrelangen Verhandlungen auf höchster politischer Ebene freikommen: Soga wurde 2002 von der japanischen Regierung zurückgeholt, Jenkins folgte 2004.


melden

Wenn Menschen im Auftrag eines Staates entführt werden

24.07.2026 um 21:58
Und hier noch ein kurzer Artikel über die Aktivitäten des Bruders von Doina Bumbea im Rahmen des UN Human Rights Council zu Nordkorea im März 2014 (auf Englisch):


https://sg.news.yahoo.com/n-korea-kidnap-victims-brother-wants-pyongyang-come-164035300.html


melden

Ähnliche Diskussionen
Themen
Beiträge
Letzte Antwort
Kriminalfälle: Aktuelle Fahndungen nach Tatverdächtigen und Straftätern
Kriminalfälle, 1.547 Beiträge, am 27.06.2026 von anthe
latte3 am 04.06.2014, Seite: 1 2 3 4 ... 75 76 77 78
1.547
am 27.06.2026 »
von anthe
Kriminalfälle: Der Fall Ursula Herrmann, Anfang 80er Jahre
Kriminalfälle, 12.428 Beiträge, am 22.07.2026 von xrated2
MissMuffin am 24.08.2015, Seite: 1 2 3 4 ... 625 626 627 628
12.428
am 22.07.2026 »
Kriminalfälle: Gibt es noch Möglichkeiten Felix Tschök zu finden?
Kriminalfälle, 202 Beiträge, am 13.05.2026 von IamSherlocked
Melissa98 am 23.07.2013, Seite: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
202
am 13.05.2026 »
Kriminalfälle: Die Entführung der 84-jährigen Nancy Guthrie in Tucson, Arizona
Kriminalfälle, 201 Beiträge, am 23.07.2026 von CurlySue_
OpLibelle am 07.02.2026, Seite: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11
201
am 23.07.2026 »
Kriminalfälle: Mysteriöses Verschwinden einer Boeing 727 in Angola (2003)
Kriminalfälle, 43 Beiträge, am 03.07.2026 von Slaterator
laikaaaaa am 23.03.2022, Seite: 1 2 3
43
am 03.07.2026 »