Ausführlicherer Bericht
http://www1.wdr.de/studio/bielefeld/themadestages/beitrag-urteil-zweiter-prozess-um-leiche-in-tiefkuehltruhe100.html

Totschlag statt Mord: Milderes Urteil im Fall der Tiefkühl-Leiche

In Bielefeld wurde heute (Mittwoch, 19.02.2014) das zweite Urteil im Fall um die in einer Tiefkühltruhe gefundene Leiche gesprochen. Der Bundesgerichtshof hatte das erste Urteil aufgehoben, und das neue Urteil fiel wesentlich milder aus.

In dem ersten Prozess Ende 2012 war der Angeklagte noch wegen heimtückischen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Doch dieses Urteil hatte der Bundesgerichtshof wieder aufgehoben. Die Beweise reichten den Karlsruher Richtern nicht aus. Denn der Angeklagte hatte stets behauptet: Der Tod der jungen Frau sei ein Unfall nach Fesselspielen gewesen.
12 Jahre statt lebenslänglich

Der Staatsanwalt forderte im neuen Prozess eine 13-jährige Haftstrafe wegen Totschlags, die Verteidigung lediglich eine Bestrafung wegen fahrlässiger Tötung. Die Richter orientierten sich an der Staatsanwaltschaft und entschieden auf 12 Jahre wegen Totschlags. Der Mann aus Bad Salzuflen hat die 21jährige umgebracht, da waren sich die Richter sicher. Einen Sexunfall schlossen sie aus. Eine Verurteilung wegen Mordes kam aber nicht in Frage, weil es zu viele Unklarheiten gab. So konnten weder der Todeszeitpunkt noch das Motiv eindeutig geklärt werden.
Per Zufall entdeckt

Die Leiche wurde vor zwei Jahren im Februar 2012 eher per Zufall entdeckt. Eigentlich ermittelte die Polizei gegen Menschenschleuser, als die Beamten in einer Tiefkühltruhe in einer Garage in Spenge den grausigen Fund machten. Sofort wurde der 44-jährige Mieter der Garage festgenommen, ein Familienvater aus Bad Salzuflen, bereits vorbestraft wegen Menschenhandels.
Unbekannte Leiche

Zunächst wusste niemand, wer die tote Frau in der Tiefkühltruhe überhaupt war. Die Polizei veröffentlichte damals ein Foto der Leiche. Es gingen über dreißig Hinweise ein, bis die Wahrheit ans Licht kam. Bei der Leiche handelte es sich um eine 21-jährige Prostituierte aus der Ukraine. Die Frau soll bereits seit längerem unter ihrem Pseudonym "Ines" in Deutschland gearbeitet haben. Zuletzt in einem Bordell in Herford. Anfang März 2009 soll Olga, so ihr richtiger Name, zum letzten Mal lebend gesehen worden sein. Die Obduktion ergab: Sie war mit Kabelbindern erdrosselt worden. Die Leiche war in Folie eingewickelt, in einen Koffer gesteckt und dann in die Tiefkühltruhe gelegt worden.
Wohl kein endgültiges Urteil

Der Verteidiger des 44-jährigen hat heute nach dem neuen Urteil eine erneute Revision angekündigt. Er hatte ja auf fahrlässige Tötung plädiert, das wäre nur eine Höchststrafe von fünf Jahren statt Zwölf. Nach der Einschätzung des Verteidigers sei das heutige Urteil nicht haltbar, weil es nur auf Indizien beruhe.