Leistungsmäßig lief es bei mir in der Schule gut - keinerlei Probleme.
Lieblingsfächer: alles im naturwissenschaftlichen Bereich; bis auf Sport gab es aber keine Fächer, mit denen ich Probleme hatte.
Werken machte und macht mir mehr Spaß als Handarbeiten (und ich habe noch heutzutage einige Hobbies die grob in die Richtung "Werken" gehen, während ich mir nicht z.B. aus Spaß an der Freude etwas häkeln, stricken, nähen würde), aber geht es um den praktischen Nutzen (z.B.: Kleidung ausbessern und ändern, ein Geschenk anfertigen), mache ich auch Handarbeiten und bin froh um die Kenntnisse.
Ich entschied mich für einen technischen Ausbildungsberuf und danach für Abitur auf dem 2. Bildungsweg an der Berufsoberschule im Zweig Technik, danach ein Physikstudium und bin nachwievor (sehr gerne) in dem Bereich beruflich tätig.
Schwieriger war es oft mit Mitschülern, teils auch Lehrern:
Mobbing zog sich durch einen Großteil meiner Schullaufbahn. Ich habe körperliche Einschränkungen, war früher auch sehr still, bin (wurde erst im Erwachsenenalter diagnostiziert) Autistin.
Lehrer kannten damals Autismus bzw. was Hinweise auf Neurodivergenz sind nicht, und haben oft Nachfragen meinerseits (wie etwas gemeint ist, was ich falsch gemacht hätte etc.), Verwechslung von Personen etc. als Frechheit meinerseits interpretiert.
Es gab damals (80er, 90er Jahre) auch noch reichlich Lehrer, die "alle sind gleich" im negativen Sinne umsetzten, sprich: Lehrer die trotz Attest bzgl. meiner körperlichen Behinderung nicht einsahen dass z.B. das Hinaufstellen eines Stuhls auf den Tisch (zu Unterrichtsende), Tafelwischen oder Klassenzimmerumräumen nicht für mich machbar waren, oder dass ich für Schullandheimaufenthalte eine Reisetasche zum Tragen nicht sinnvoll nutzen kann. Es gab da Lehrer die mich das deutlich spüren ließen, obwohl vieles einfach lösbar gewesen wäre (z.B.: Banknachbarin stellt den Stuhl mit hoch, jemand anderes trägt die Reisetasche mit oder man erlaubt einen Rollkoffer). Es kamen damals auch viele falsche "gutgemeinte Ratschläge" bzgl. Behinderung von Lehrerseite, etwa, Milch trinken und alles mitmachen würde den Knochen helfen
:(Es gab jedoch auch, gerade an der Realschule, sehr hilfsbereite, nette Lehrer die sogar extra fragten ob ich noch etwas brauche, ob sie mir bei etwas behilflich sein können.
(Für mich waren keine größeren Änderungen/Anpassungen im Schulablauf nötig bzgl. meiner körperlichen Behinderung. Lediglich Schulsportbefreiung, zeitweise ein Stehtisch im Klassenzimmer, ggf. mal eine Hilfe wenn es galt etwas zu heben, zu tragen. Keine Umbaumaßnahmen nötig gewesen, keine Assistenz o.ä. Es war bei mir auch nicht mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für einen medizinischen Notfall während der Schulzeit zu rechnen.)
Das Abitur habe ich nach einem sehr guten Realschulabschluss auf dem 2. Bildungsweg gemacht.
nairobi schrieb:Für mich ist das heute nicht mehr wichtig, aber ich denke schon, dass ein relativ gutes Zeugnis wichtig im Bewerbungsprozess war.
Das sehe ich ganz genauso: Ein (sehr) gutes Abschlusszeugnis hat mir sehr geholfen, insbesondere jenes von der Realschule. *
Im Zeugnis (mehreren Zeugnissen, und die wurden bei einer Bewerbung für einen Ausbildungsplatz verlangt: die letzten zwei bis drei) eine Befreiung vom Sportunterricht sowie eine lange entschuldigte Fehlzeit in einem der Zeugnisse (mehrere Monate) werden einfach nicht so gerne gesehen, sie deuten auf eine Erkrankung oder Behinderung hin, (dem war ja auch so), und Betriebe vermuten da natürlich, man könnte erneut lange ausfallen. Mit selbst under den Umständen immer sehr guten Noten konnte ich das wahrscheinlich bzgl. des Findens eines Ausbildungsplatzes kompensieren. Die Ausbildung habe ich auch erfolgreich durchlaufen (hat mir auch viel Spaß gemacht) mit nur noch sehr geringen Fehlzeiten aus üblicheren Gründen (mal ein Tag wegen Erklältung etc., aber nicht mehr monatelange mit Krankenhausaufenthalten). Dieser Ausbildungsbetrieb hat im Ausbildungsjahr zuvor einen Azubi mit ähnlicher Schulbiografie - sehr guter Realschüler mit krankheitsbedingt hohen Fehlzeiten während der letzten Schuljahre - genommen.
*Das Abiturzeugnis, wennauch für meine spätere berufliche Laufbahn sehr wichtig, war da etwas weniger relevant, da ich lediglich die Zulassung für meinen Wunschstudiengang schaffen musste, und dies für mich locker machbar war. Physik und Mathematik haben keine hohen Zulassungshürden; ausgesiebt wird im Studium.
Was mir zugute kam: Im 2. Bildungsweg wurde kein Sportunterricht angeboten, sodass diese Zeugnisse keinen Eintrag bzgl. einer Sportbefreiung haben.
Bei Klassentreffen war ich nie.
Insgesamt besuchte ich 7 Schulen (klingt schlimmer als es ist - ergibt sich einfach durch 2. Bildungsweg, Ausbildung; bei mir war auch die 12. und 13. Klasse jeweils an verschiedenen Schulen, alleinig durch die Zusammenlegung von zwei Standorten), Klassentreffen der Berufsschulklasse und der Abi-Klasse hätte ich besucht, jedoch war ich zu dem Zeitpunkt zu dem sie stattfanden bereits im Ausland (USA, Chile) und es war auch kein Aufenthalt in Deutschland rund um die Zeit geplant.
Btw.: Mein Mann und ich haben uns in der 12. Klasse, im 2. Bildungsweg, kennengelernt. Sind ein Paar seit den Ferien zwischen der 12. und 13. Klasse.